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Polen will Elektroauto gemeinsam mit Taiwan bauen

Nach dem Rückzug eines Technologiepartners drohte Polens Elektroauto‑Projekt zu scheitern. Nun könnte eine neue Partnerschaft wieder Schwung in das Vorhaben bringen.

Von Christopher Fuß | Warschau

Das polnische Staatsunternehmen ElectroMobility Poland (EMP) will gemeinsam mit dem taiwanischen Elektronikhersteller Foxconn (Hon Hai Precision Industry Co., Ltd.) ein Elektrofahrzeug in Polen bauen. Die beiden Firmen haben sich zusammen mit dem polnischen Ministerium für Staatsunternehmen darauf verständigt, Gespräche über ein Joint Venture aufzunehmen.

Taiwan statt China

Ursprünglich strebte EMP eine Partnerschaft mit dem chinesischen Fahrzeughersteller Geely an. Dieser zog sich jedoch aus dem Projekt zurück. Nun soll Foxconn mit seinem Tochterunternehmen Foxtron Vehicle Technologies die Plattform für das batterieelektrisch angetriebene Fahrzeug bereitstellen.

EMP verfügt bereits über ein rund 117 Hektar großes Grundstück in Jaworzno in der Woiwodschaft Śląskie. Zudem erhält das Unternehmen einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro aus dem europäischen Wiederaufbaufonds. Der staatliche Umwelfonds NFOŚiGW, der die EU-Gelder verwaltet, unterzeichnete einen entsprechenden Vertrag mit EMP im Mai 2026.

Gleichzeitig erwartet Polen von Foxconn, dass sich die Taiwaner mit Kapital an dem Projekt beteiligen und technologisches Know-how an EMP übertragen. Im Gegenzug erhielte Foxconn Zugang zum europäischen Kfz-Absatzmarkt. Das Ministerium für Staatsunternehmen rechnet mit dem Abschluss eines Vertrags in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Verband will Lieferanten anwerben

Für Polen hat das Vorhaben hohe Symbolkraft. Abgesehen von ausländischen Investoren und einheimischen Herstellern von Spezialfahrzeugen verfügt das Land bislang über keinen eigenen Produzenten von Elektroautos.

Es ist das erste Signal, dass Polen und Taiwan wirtschaftlich enger zusammenarbeiten wollen. Bereits im März 2026 kündigte der taiwanische Elektronikverband TEEMA an, Polen unter seinen rund 3.000 Mitgliedsunternehmen als Investitionsstandort zu bewerben. Der Leiter von TEEMA, Young Liu, ist gleichzeitig der Vorstandsvorsitzende von Foxconn.

TEEMA plant den Bau eines Technologieparks mit Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Elektromobilität und Halbleiter. Konkrete Firmen stehen aber noch nicht fest. Als mögliche Standorte für den Technologiepark nannte der polnische Staatssekretär Michał Jaros unter anderem Wrocław, Łódź, Katowice, Poznań und Gdańsk. In Wrocław hatte der US-Chiphersteller Intel ursprünglich eine Investition geplant, diese jedoch aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Das vorgesehene Grundstück mit rund 400 Hektar ist weiterhin verfügbar.