Branchen | Bulgarien, Rumänien, Moldau | Energieeffizientes Bauen
Deutsche Anbieter profitieren von Spezialisierung
Fördermittel treiben die Märkte für energetische Sanierungen in Rumänien, Bulgarien und Moldau. Deutschen KMU eröffnet dies Chancen, sich als Spezialausrüster zu positionieren.
29.07.2026
Neue EU-Vorgaben schaffen die politischen Rahmenbedingungen für einen wachsenden Markt für energetische Gebäudesanierungen. Sie wirken zugleich als strukturelle Markttreiber, weil sie regulatorisch Nachfrage erzeugen.
Dies eröffnet deutschen exportorientierten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Chancen, sich an Sanierungsvorhaben in Rumänien, Bulgarien und Moldau zu beteiligen. Die Vorhaben sollen voraussichtlich 2027 starten. Neue Aufträge werden dabei hauptsächlich aus der Privatwirtschaft kommen. Unternehmen sollten daher bereits jetzt damit beginnen, eigene Netzwerke in diesen Zielmärkten aufzubauen.
Der Markt für energetische Sanierungen in Rumänien bietet das größte Potenzial, gefolgt von Bulgarien. Die EU beziffert den Investitionsstau für energetische Sanierungen in Rumänien für den Zeitraum 2027 bis 2050 auf 122 Milliarden Euro. Für Bulgarien veranschlagt sie für denselben Zeitraum 110 Milliarden Euro.
| Rumänien | |||
|---|---|---|---|
| Finanzierungszeitraum | Investitionsbedarf | Voraussichtlich geplante öffentliche Investitionen | Zusätzlich benötigte private Investitionen |
| 2027–2030 | 30,3 | 18,1 | 12,2 |
| 2030-2040 | 42,0 | 23,4 | 18,6 |
| 2040-2050 | 50,0 | 23,4 | 26,6 |
| Total 2027–2050 | 122,3 | 64,9 | 57,4 |
| Bulgarien |
|
|
|
| 2027-2030 | 18,8 | 10,9 | 7,9 |
| 2030-2040 | 28,4 | 16,9 | 11,5 |
| 2040-2050 | 62,8 | 48,2 | 14,6 |
| Total 2027-2050 | 110,0 | 76,0 | 34,0 |
Politischer Druck treibt Nachfrage
Seit Mai 2026 gelten in den EU-Staaten strengere Richtlinien für Energieeffizienz in Gebäuden. Die EU fordert demnach, dass Wohngebäude ab 2030 im Durchschnitt um 16 Prozent weniger Energie und ab 2035 um 20 Prozent weniger gegenüber 2020 verbrauchen. Das übergeordnete Ziel der EU ist, ab 2050 den Gebäudesektor möglichst klimaneutral umzugestalten.
Die Regierungen in Rumänien, Bulgarien und Moldau planen ab 2027 neue Fördermittelprogramme aus EU-Darlehen für Gebäudeeigentümer zu starten. Dies dürfte die Nachfrage auf den Sanierungsmärkten ankurbeln, weil dadurch Finanzierungsrisiken minimiert werden. Gefragt sind Fassadenlösungen, Dämmstoffe, Türen, Fenster und Dienstleistungen wie technischer Beratung.
Südosteuropas Sanierungsmärkte auf einen Blick
Rumänien
Größter Markt in der Region, EU-Fördermittel und private Investitionen sind geplant.
- Marktpotenzial: Investitionsbedarf bis 2050 beträgt 122 Milliarden Euro.
- Marktgröße: Importe von Baumaterialien für energetische Sanierung*) im Jahr 2025 umfassten 1,5 Milliarden Euro, davon 16,9 Prozent aus der Türkei, 13,5 Prozent aus Deutschland und 13 Prozent aus China.
- Der Markteintritt gelingt über private Aufträge, generiert über ein Partnernetzwerk.
- Öffentlich geplante Projekte werden auf dem rumänischen Ausschreibungsportal ausgeschrieben.
- Marktbarriere: Die meisten Aufträge kommen aufgrund der Marktstruktur aus der Privatwirtschaft: 96 Prozent der Wohnungsbesitzer im Land sind Eigentümer.
- Zuständige Behörde für Fördermittel: Ministerium für Entwicklung und öffentliche Aufträge.
Bulgarien
Mittelgroßer Markt in der Region, EU-Fördermittel sind vorhanden.
- Marktpotenzial: Investitionsbedarf bis 2050 beträgt 110 Milliarden Euro.
- Marktgröße: Importe für Baumaterialien für energetische Sanierungen*) im Jahr 2025 umfassten 654 Millionen Euro, davon 32,7 Prozent aus der Türkei, 10 Prozent aus Deutschland und 6,9 Prozent aus China.
- Der Markteintritt gelingt über private Aufträge, generiert über ein Partnernetzwerk.
- Öffentlich geplante Projekte werden auf dem bulgarischen Ausschreibungsportal ausgeschrieben.
- Marktbarriere: Die meisten Aufträge kommen aufgrund der Marktstruktur aus der Privatwirtschaft: 86 Prozent der Wohnungsbesitzer im Land sind Eigentümer.
- Zuständige Behörde für Fördermittel: Ministerium für regionale Entwicklung.
Moldau
Kleinster Markt in der Region, dafür aber mit großem Nachholbedarf.
- Marktpotenzial: verfügbare Fördermittel bis 2027 betragen 70 Millionen Euro.
- Fördermittel: Das Programm "Casa Verde" fördert die private energetische Sanierung von Wohnblöcken: Die Mittel decken bis zu 70 Prozent der Anschaffungen für private Haushalte ab.
- Marktgröße: Importe von Baumaterialien für energetische Sanierungen*) im Jahr 2025 umfassten 182,3 Millionen Euro, davon 11,4 Prozent aus der Türkei, 8,3 Prozent aus Deutschland und 2,5 Prozent aus China.
- Der Markteintritt gelingt aufgrund der kulturellen Nähe über ein Partnernetzwerk von Rumänien aus.
- Marktbarriere: Die meisten Aufträge kommen aufgrund der Marktstruktur aus der Privatwirtschaft: 76 Prozent der Wohnungsbesitzer im Land sind Eigentümer.
- Öffentlich geplante Projekte werden auf dem moldawischen Ausschreibungsportal ausgeschrieben.
- Zuständige Behörde für Fördermittel: Nationales Zentrum für nachhaltige Energie CNED (Centrul Național pentru Energie Durabilă).
Quellen: Nationaler Gebäuderenovierungsplan Rumänien 2026, Nationaler Gebäuderenovierungsplan Bulgarien 2026, CNED 2026, Eurostat 2026
* Einfuhren eigene Berechnung nach ausgewählten Zollpositionen für Fenster und Türen (SITC 6911, SITC 6353 und SITC 6649), Dämmstoffe und Fassadenbeschichtungen (SITC 6635, SITC 53354, SITC 8933) Klinker (SITC 661).
Vergleicht man die drei Märkte mit einem anderen osteuropäischen Land wie beispielsweise Polen zeigen sich deutliche Unterschiede in der Marktentwicklung. Dies verdeutlichen Eurostat-Daten zur Wettbewerbsdichte: Die Anzahl der Bauunternehmen pro 100.000 Einwohner ist im Vergleich zu Polen (766 Unternehmen) um gut die Hälfte geringer in Rumänien (327 Unternehmen), Bulgarien (341 Unternehmen) und Moldau (215 Unternehmen).
Handlungsbedarf bleibt groß
Wenn sich Bulgarien und Rumänien an die EU-Vorgaben halten und die Zielvorgaben erreichen wollen, müssen sie innerhalb der kommenden Jahre ihre Sanierungsquoten vervierfachen.
In Rumänien liegt die energetische Sanierungsquote mit 0,5 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 1 Prozent, berichtet der Nationale Strategieplan für Gebäudesanierung. Im Land gibt es rund 5,5 Millionen Wohngebäude, von denen 74 Prozent vor dem Millennium entstanden sind. Diese sind nach heutigem Standard aufgrund ihrer Baumaterialien unzureichend gedämmt. Viele Fassaden bestehen etwa aus Stahlbeton oder Porenbeton.
Bulgarien verfügt über einen der ältesten und ineffizientesten Gebäudebestände der EU. Rund ein Drittel der Bevölkerung, das heißt 2,2 Millionen Menschen, leben in Plattenbauten der 1960er bis 1980er Jahre, die energetisch modernisiert werden müssen. Das Land plant, pro Jahr rund 79.980 Wohnungsgebäude zu sanieren, heißt es im nationalen Strategieplan.
Moldau startet faktisch erst jetzt in den Markt für Gebäudesanierung. Das Land ist energiepolitisch stark vom Import abhängig und möchte seinen Energieverbrauch deutlich senken.
Deutschland bleibt wichtiger Baustofflieferant in Südosteuropa
In Rumänien und in Bulgarien kommen die meisten Importe von Baumaterialien für energetische Sanierungen aus der Türkei, Deutschland und China. Deutschland ist dabei in beiden Ländern an 2. Stelle bei den Importen für Türen, Fenster, Dämmstoffe und Mauermaterial zusammengenommen. Im Jahr 2025 beliefen sich die deutschen Ausfuhren von Türen, Fenster, Dämmmaterial und Klinker nach Rumänien auf etwa 195,2 Millionen Euro. Das entspricht 13,5 Prozent des gesamten rumänischen Imports für alle genannten Warengruppen zusammen (1,5 Milliarden Euro), wie Eurostat meldet.
Bulgarien bezog 2025 Baumaterialien für energetische Sanierungen im Wert von rund 65 Millionen aus Deutschland. Das entspricht rund 10 Prozent der gesamten Einfuhren für diese Waren zusammen. In Rumänien und Bulgarien sind mit Knauf Insulations und Rockwool zwei deutsche Anbieter von Dämmstoffen aktiv.
Moldau ist dagegen mit einem Importvolumen in den genannten Warengruppen von 182,3 Millionen Euro ein deutlich kleinerer Markt. Jedoch ist dort genauso wie in Bulgarien der Bestand der Wohngebäude veraltet, was ein großes Entwicklungspotenzial verspricht. Zudem ist Moldau stark abhängig von Energieimporten aus Rumänien. Steigende Energiepreise erhöhen somit den Druck, in Energieeffizienz zu investieren.
"Das Markterschließungsprogramm hat uns sehr geholfen, erste Kontakte im neuen Markt zu knüpfen.“
Lokale Netzwerke entscheiden über den Marktzugang
Um für die künftigen Projekte gut vorbereitet zu sein, sollten Unternehmen jetzt damit beginnen, sich ein Netzwerk mit Geschäftspartnern in den Zielmärkten aufzubauen. Denn der Marktzugang erfolgt über Fachleute wie Bauingenieure oder Architekten, anstatt über Endkundenmärkte. Einen geeigneten Zugang bieten daher die Geschäftsanbahnungsreisen im Rahmen des Markterschließungsprogramms.
Das deutsche KMU für Fassadenanstriche, SICC Coatings, aus Berlin beobachtet den rumänischen Markt bereits und sieht dort künftige Geschäftschancen: "Jede Fassade benötigt einen Anstrich“, sagt Geschäftsführer Waldemar Walczok im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Sein Produkt erfüllt dabei eine doppelte Funktion: Fassaden beschichten und dabei Energie sparen. SICC Coatings hat im Jahr 2023 den Markt Rumänien im Rahmen einer Geschäftsanbahnungsreise entdeckt. "Das Markterschließungsprogramm hat uns sehr geholfen, erste Kontakte im neuen Markt zu knüpfen“, erzählt Walczok. Für SICC Coatings ist der beste Weg, um neue Kunden zu gewinnen: Zuerst enge Netzwerke mit lokalen Partnern für den Vertrieb aufbauen und den Kontakt zur lokalen Baubranche weiter pflegen.
So gelingt der Markteintritt
- Mit einem lokalen Partner starten,
- Netzwerke pflegen: regelmäßige Besuche vor Ort; Teilnahme an den Events der deutschen Business-Community, organisiert durch AHK Rumänien und AHK Bulgarien
- Suchen Sie Kontakte zu Bauplanern und Architekten; Weltweite Anlaufstelle: Internationale Vereinigung der Architekten,
- Fördermöglichkeiten nutzen,
- Vertriebsnetzwerk weiter ausbauen,
- Neue Aufträge über lokale Partner oder durch das lokale Netzwerk generieren,
- informiert bleiben über Rumänien, Bulgarien und Moldau.
| Rumänien | |
| Econet Romania | Interessenvertretung deutscher Branchenunternehmen |
| Romania Efficienta | Informationsportal zu Energieeffizienz |
| Ministerium für Investitionen und Europäische Projekte | Verwaltet die Projektmittel der Europäischen Union für die rumänische "Renovierungswelle" |
| Administration für die Konsolidierung erdbebengefährdeter Gebäude in Bukarest | Setzt Renovierungsvorhaben in Bukarest um, gibt Fördermittel dafür aus |
| Bancibancomate | Vergleichsportal für Kreditanbieter für Renovierungsvorhaben |
| Bulgarien | |
Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen | |
Anlaufstelle für deutsche Unternehmen | |
| Gesetzgeber | |
| Aufsichtsbehörde für Energie und Wasser, Marktaufsicht | |
| Fachmesse | |
| Moldau | |
| Deutsche Botschaft Chisinau | Unterstützt deutsche Unternehmen |
| Energieministerium | Anlaufstelle bei Energiethemen |
| Moldovas Deutschsprachiger Wirtschaftsverband | Anlaufstelle für wirtschaftliche Themen |