Rumäniens Autohersteller setzen auf europäische Lieferketten. Lokale Produzenten oder europäische Lieferanten von Elektronik oder Karosserieteilen profitieren davon.
Der rumänische Automobilsektor ist mit einem Beitrag von 13 Prozent am Bruttoinlandsprodukt einer der größten Wirtschaftszweige. Unternehmen der Kfz-Industrie beschäftigen rund 260.000 Mitarbeiter, berichtet der Verband der Automobilhersteller in Rumänien (ACAROM). Die Kfz-Industrie ist eingebunden in die Lieferketten der europäischen Automobilhersteller. Die Branche exportiert 90 Prozent ihrer Produkte. "Es gibt kein Auto in Europa, das nicht mit Komponenten aus Rumänien produziert wird", sagt Adrian Sandu, Generalsekretär des ACAROM.
90
%
der Kfz-Teile aus Rumänien sind in Automobilen aus europäischer Produktion verbaut.
Ford und Dacia setzen Wandel hin zu batterieelektrischen Antrieben fort
Im Jahr 2025 produzierten Ford und Dacia zusammen 545.510 Einheiten. Damit lag der Ausstoß um 2,4 Prozent unter dem Niveau von 2024, berichtet der Branchenverband ACAROM. Grund für den aktuell leichten Produktionsrückgang sind eine erhöhte Steuerbelastung und eine sinkende Nachfrage auf den europäischen Exportmärkten sowie in Rumänien. Trotzdem zählen die Modelle Dacia Sandero und Ford Puma zu den meistverkauften Fahrzeugen, berichtet ACAROM. Ford und Dacia produzierten 2025 Fahrzeuge im Wert von 13,6 Milliarden Euro, schätzt der Branchenverband ACAROM.
Dacia plant aufgrund sinkender Nachfrage in Europa und Rumänien ab Januar 2026 eine Produktionsreduzierung um täglich 165 Fahrzeuge. Das entspricht etwa 10 Prozent der täglichen Produktion und könnte potenziell zu Personalabbau führen.
Die Renault-Gruppe hat ihre Produktionslinien im Dacia-Werk in Mioveni auf höherpreisige Fahrzeuge ausgerichtet. Die Produktion des Kleinwagens Dacia-Sandero hat das Unternehmen an den Standort Marokko verlagert. In Mioveni produziert Renault das SUV Sandero Stepway und den Mittelklassewagen Logan in der dritten Generation sowie das SUV Duster.
Zudem werden etwa 40 Prozent der Modelle aus dem Werk Mioveni einen Verbrennungsmotor erhalten, der mit Autogas (Liquified Petroleum Gas, kurz LPG) angetrieben wird. Zusätzlich plant Renault, auf der Plattform ein neues Modell – den Dacia Bigster – zu produzieren. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein SUV. Es soll 2025 mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb auf den Markt kommen. Spätestens ab 2030 will Renault nach eigenen Angaben in Rumänien nur noch vollelektrische Modelle zusammenbauen. Das neue Logan Facelift ist seit Ende 2025 in Rumänien bestellbar und wird im Frühjahr 2026 ausgeliefert. Es bietet neue Motorvarianten, Ausstattungsoptionen und moderne Technologien wie einen 10,1-Zoll-Zentralbildschirm sowie kabelloses Laden.
Chancen für den Markteinstieg
Folgende Angebote können Kfz-Zulieferer auf dem rumänischen Markt machen und damit voraussichtlich auf eine solide Nachfrage stoßen:
- Lokale Fertigung importabhängiger Komponenten, wie Karosserie, Elektrik, Elektronik, Motoren
- Euro‑7‑Lösungen: Prüfstände, Messsysteme für Hochvolt‑ und Batterie-Tests anbieten
Hochvolt-Kabel und Stecker‑Komponenten für Ford & Dacia
Ford Otosan investierte 500 Millionen Euro in die Produktion der neuen Modelle Transit Courier und Turneo Courier. Bei der Umstellung der Produktionsanlage setzt das Unternehmen ganz auf vollelektrische Modelle. Seit 2025 gibt es das SUV Puma statt mit Hybridantrieb nur noch mit Elektromotor.
Rumänien bleibt ein interessanter Nearshoring-Standort
Die meisten Systemlieferanten der Kfz-Zuliefererindustrie nutzen halbautomatisierte und automatisierte Prozesse bei der Produktion. Unternehmen schätzen Rumänien als Nearshoring-Standort, weil das Land im EU-Vergleich günstige Steuern und Energiepreise bietet.
So plant Diehl Controls eine neue Produktionsstätte in Rumänien für nach IATF-Norm standardisierte elektronische Komponenten für die Automobilindustrie. IATF steht für die International Automotive Taskforce, die sich für Standards und Harmonisierung von Produkten der Automobilzulieferer einsetzt. In dem Werk sollen 700 Mitarbeitende angestellt werden.
Rheinmetall ist seit Februar 2024 Hauptgesellschafter bei Automecanica Medias durch den Erwerb von 72,5 Prozent der Anteile. Der rumänische Hersteller bietet zivile und militärische Spezialfahrzeuge an, produziert Lkw-Aufbauten und Tankwagen, etwa für die städtische Wasserwirtschaft.
Am Standort Sebes baut die Mercedes-Benz-Group eine neue Produktionsanlage für Elektroantriebe von künftigen Mercedes-Benz-Fahrzeugen. Das Unternehmen plant, die Anlage im Jahr 2025 in Betrieb zu nehmen und investiert 134 Millionen Euro, berichtet die Zeitung Adevarul.
Auch die Pläne von BMW, im ungarischen Debrecen ein neues Werk zu bauen, beflügeln die Branche. Das bietet eine Chance für Kfz-Zulieferer, in Rumänien Aufträge zu generieren. BMW wird ab 2025 in Debrecen ein Presswerk, eine Anlage für Karosseriebau sowie eine Lackiererei für seine Modelle in Betrieb nehmen. Dies zieht neue Zulieferer an, wie etwa den Produzenten von Kunststoffkomponenten Schieffer, der in Hunedoara, rund 300 Kilometer westlich von Debrecen, in ein neues Werk investiert.
Durch die Ansiedlungen von BMW im ungarischen Debrecen und von Mercedes-Benz in Sebes bilden sich jeweils neue Cluster. Die Städte Pitesti und Mioveni (Dacia) im Zentrum Rumäniens und Craiova (Ford Otosan) im Süden bilden mit der Region im Westen als Standort vieler Zulieferer die größten Automotive-Cluster des Landes.
Bei den in Rumänien aktiven Firmen handelt es sich um Hersteller von Komponenten wie Kabelbäumen, Armaturen, Reifen, Sensortechnik oder Lichtanlagen. Die größten Hersteller von Automobilkomponenten in Rumänien sind Continental, Star Assembly, Autoliv, Michelin, Forvia Hella, Pirelli, Bosch, Marquardt und Yazaki.
Rumänien importiert größtenteils Karosserien und Stoßstangen aus DeutschlandEinfuhr ausgewählter Kfz-Teile nach Rumänien (in Millionen Euro*; Veränderung in Prozent)| | 2024 | Veränderung 2024/2023 | aus Deutschland |
|---|
Karosserien, Stoßstangen etc. (SITC 784) | 5.639,1 | 11,7 | 1.976 |
Zündkabelsätze (SITC 773.13) | 656,5 | 2,47 | 10,4 |
Motoren (SITC 713.2) | 591,3 | 10 | 5,8 |
Kfz-Elektrik (SITC 778.3) | 461,2 | 7,6 | 48,6 |
Summe | 7.348,1 | 10,5 | 2.040,8 |
* eigene Umrechnung: 1 US-Dollar=1,07872 Euro.Quelle: UN-Comtrade, Januar 2026
Investor kündigt Bau einer Fabrik für Autobatterien an
In Braila plant das tschechische Unternehmen Tesla Energy Storage, 100 Millionen Euro in die Produktion von Batterien zu investieren, berichtet die Wirtschaftszeitung Ziarul Financiar. Das Unternehmen hat dem Bericht zufolge ein 11 Hektar großes Grundstück im Industriegebiet der Kommune Braila erworben. Braila hat einen Zugang zur Donau und liegt in der Nähe des Schwarzmeerhafens Constanta.
Von Dominik Vorhölter
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Bukarest