Die Anzahl der Elektrofahrzeuge in Indien nimmt zu. In einigen Kategorien wandeln sich E-Fahrzeuge vom Nischenthema zum Mainstream.
Ein Baustein auf dem Weg zu Indiens Klimaneutralität ist die Mitgliedschaft in der "EV30@30-Initiative". Die teilnehmenden Nationen streben bis zum Jahr 2030 einen Elektrofahrzeuganteil bei Neuzulassungen von 30 Prozent an.
Es gibt jedoch noch andere Regierungsziele, nach denen der Anteil der elektrischen Fahrzeuge bis 2030 für Pkw auf 30 Prozent, für Lkw und Busse auf 70 Prozent und für Zwei- sowie Dreiräder auf 80 Prozent steigen soll. Nicht für alle Fahrzeugkategorien wird dieses Ziel zu erreichen sein. Im Jahr 2025 lag der Anteil von Elektrofahrzeugen aller Kategorien an den gesamten Neuzulassungen bei 8,0 Prozent. Für Pkw betrug er lediglich 3,1 Prozent.
Marktdurchdringung von elektrischen Fahrzeugen in Indien In Prozent| Fahrzeugart | Marktdurchdringung 2024 | Marktdurchdringung 2028 | Marktdurchdringung 2030 |
|---|
| E-Pkw | 2,5 | 5,9 | 10,0 |
| E-Zweiräder | 6,1 | 22,9 | 37,5 |
| E-Dreiräder | 14,4 | 22,9 | 27,5 |
| E-Busse | 5,3 | 11,1 | 14,5 |
Schätzungen beziehungsweise Prognosen.Quelle: Ministry of Heavy Industries 2026
E-Mobilität ist besonders in Städten von Bedeutung
Städte sind Zentren der Verkehrswende. Dazu gehört auch die Elektrifizierung des Nahverkehrs. So hat etwa die Maharashtra State Road Transport Corporation den Kauf von 5.000 Elektrobussen bis 2029 angekündigt. Hinzu kommen elektrische Dreiräder, die den Transport von Personen und Gütern übernehmen und insbesondere für kürzere Strecken im Einsatz sind. Für die Einstiegsmobilität sind elektrische Zweiräder preislich mittlerweile konkurrenzfähig zu herkömmlichen Krafträdern und damit eine Alternative für indische Konsumenten. Für Pkw ist die Ladeinfrastruktur in Städten deutlich besser ausgebaut als im ländlichen Raum.
Die Zulassungszahlen in allen E-Fahrzeugkategorien legten 2025 um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Während die Zunahme für Pkw 71 Prozent betrug, lag sie für Zweiräder bei 11 Prozent. Experten machen vor allem die wachsende Modellpalette für Elektroautos für das starke Wachstum in der Pkw-Kategorie verantwortlich. Die Hersteller haben mittlerweile in allen Preissegmenten E-Autos im Angebot. Zudem gibt es viele elektrische SUVs.
Bei elektrischen Pkw, Rollern und Bussen haben heimische Hersteller eine starke Marktstellung. Ihnen ist es gelungen, robuste Modelle zu entwickeln, welche die Kunden ansprechen und im preissensiblen indischen Markt bestehen. Bei den Busproduzenten und auch den Zweiradherstellern handelt es sich zum Teil sogar um Unternehmen, die erst wenige Jahre alt sind.
Batterieproduktion kommt nur schleppend voran
Im Jahr 2021 hatte die Regierung Subventionen für Batterien im Umfang von 2,1 Milliarden US-Dollar (US$) zur Verfügung gestellt. Die Mittel fließen in den Aufbau von Fertigungskapazitäten im Umfang von 50 Gigawattstunden (Gigawattstunden) pro Jahr. Bisher wurden jedoch erst drei Unternehmen mit insgesamt vier Projekten ausgewählt. Dazu gehören Ola Cell Technology (20 Gigawattstunden), Reliance New Energies (10 und 5 Gigawattstunden) und ACC Energy Storage (5 Gigawattstunden). Die Förderung für die verbleibenden 10 Gigawattstunden ist weiterhin noch nicht vergeben. Branchenmeldungen zufolge waren im Oktober 2025 erst 1,4 Gigawattstunden der Produktionskapazitäten nutzbar und weitere 8,6 Gigawattstunden weiterhin im Aufbau. Das Ziel einer Produktion von 50 Gigawattstunden im Jahr 2026 wird daher kaum zu halten sein. Eine zeitliche Verlängerung der Förderung ist wahrscheinlich.
Die indische Regierung weist zudem darauf hin, dass es neben den geförderten Herstellern weitere Unternehmen in der Batteriefertigung gibt. Offiziellen Angaben zufolge sollen es mindestens zehn weitere aber ungenannte Unternehmen sein, die bis 2031 eine Batteriefertigung mit zusammen 178 Gigawattstunden jährlicher Kapazität aufbauen wollen.
Der Blick auf die föderale Förderlandschaft lohnt sich
Der Wirtschaftsstandort Indien zeichnet sich durch einen lebhaften föderalen Wettbewerb aus. Verschiedene Förderprogramme der indischen Bundesstaaten für Elektromobilität verdeutlichen diesen Wettbewerb.
Maharashtra, der wirtschaftlich bedeutendste Bundesstaat im Westen Indiens, hat 2025 eine überarbeitete Version seiner Elektrofahrzeugpolitik vorgestellt. Für die Umsetzung bis 2030 stehen rund 220 Millionen US-Dollar (US$) zur Verfügung. Das Geld fließt unter anderem in Kaufprämien und Steuerbefreiungen für Elektrofahrzeuge, darunter auch Elektroautos. Karnataka, im Süden Indiens stellte 2025 seine Clean Mobility Policy vor. Der Bundesstaat unterstützt den Ausbau der Ladeinfrastruktur und gewährt Steuerbefreiung bei der Zulassung von Elektrofahrzeugen. Zudem gewährt Karnataka Kapitalsubventionen für produzierende Unternehmen im Bereich Elektromobilität, die sich lokal ansiedeln. Die Förderung kann bis zu 25 Prozent betragen.
Das Netz an Ladestationen wächst nur langsam
Die unzureichende Ladeinfrastruktur ist ein Hindernis für eine größere Elektrifizierung der Fahrzeugflotte. Mit dem seit 2024 laufenden Programm "Prime Minister Electric Drive Revolution in Innovative Vehicle Enhancement" (PM E-DRIVE) hat Indien das Ziel ausgegeben, bis 2028 rund 72.300 Ladestationen zu errichten. Dafür stehen 230 Millionen US$ als Fördergelder bereit. Das Ministry of Heavy Industries gibt die Anzahl der öffentlichen Ladestationen für Ende Dezember 2025 mit 29.151 Stück an. Mit 6.096 Ladesäulen gibt es die meisten Stationen in Karnataka, gefolgt von Maharashtra (4.166) sowie Uttar Pradesh (2.316) und New Delhi (1.957).
Um einen Anteil von 30 Prozent Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen bis 2030 zu erreichen, müssen 1,8 Milliarden US$ in die Ladeinfrastruktur investiert werden, so der Verband Federation of Indian Chambers of Commerce & Industry (FICCI). Für die Investitionen empfiehlt FICCI einen Fokus auf die 40 größten Städte des Landes und die sie verbindenden Schnellstraßen. Als Zielgröße für die bis 2030 indienweit benötigten Ladesäulen gilt überwiegend die vom Industrieverband Confederation of Indian Industry genannte Zahl von 1,32 Millionen Einheiten. Eine Studie der Anwaltskanzlei GameChanger Law Advisors kam 2025 sogar zu dem Schluss, dass 3,9 Millionen Ladestationen bis 2030 notwendig sind.
Gründe für den schleppenden Ausbau der Ladeinfrastruktur sehen Experten auf lokaler Ebene. So sind der Landerwerb aber auch die Genehmigungsverfahren durch die lokalen Stromverteilungsunternehmen (Distribution Companies, DISCOMs) Flaschenhälse beim Aufwuchs.
Von Florian Wenke
|
Mumbai