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Senegal baut Agrarindustrie und Lebensmittelproduktion aus

Der Ausbau der Lebensmittelproduktion erhöht die Nachfrage nach moderner Technik. Strenge Einfuhrstandards der EU eröffnen deutschen Anbietern zusätzliche Lieferchancen.

Ullrich Umann

Von Ullrich Umann | Casablanca

Senegal erzielte 2025 ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent. Ausschlaggebend waren der Start der Öl- und Gasförderung, hohe Infrastrukturinvestitionen und der Dienstleistungssektor. Zugleich profitiert das Land von seiner im regionalen Vergleich hohen politischen Stabilität. Präsident Bassirou Diomaye Faye setzt seit seinem Amtsantritt im April 2024 auf wirtschaftliche Souveränität und Importsubstitution.

Für 2026 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent. Dämpfend wirkt sich dabei die starke Importabhängigkeit Senegals aus. Die Preissteigerungen infolge des Kriegs im Nahen Osten treffen das Land insbesondere bei Nahrungsmitteln, Agrarchemikalien sowie Düngemitteln und raffinierten Erdölprodukten.

Langfriststrategie zur Nahrungsmittelerzeugung

Um die Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten zu verringern, setzt die Regierung auf den Plan Sénégal Émergent (PAP2A), der bis 2035 reicht. Im Mittelpunkt stehen Agrarcluster, die landwirtschaftliche Produktion und industrielle Verarbeitung miteinander verbinden, Sonderwirtschaftszonen sowie finanzielle Anreize für Investoren. Erste Ansätze dieser Strategie sind bereits in Städten wie Touba und M'Bour erkennbar.

Entwicklungsbanken unterstützen die Bemühungen zum Ausbau der Agrarwirtschaft und finanzieren Infrastrukturprojekte. So bewilligte die Weltbank im Juni 2026 im Rahmen des Vorhabens Enhancing Connectivity in the Northern and Central Agricultural Production Areas of Senegal einen Kredit über 140 Millionen US-Dollar (US$).

Für in- und ausländische Investoren fungiert die Investitionsförderagentur APIX mit Sitz in der Hauptstadt Dakar als zentrale Anlaufstelle und One-Stop-Shop. Sie wirbt unter anderem mit Steuervergünstigungen und Abnahmegarantien für Nahrungsmittel und Agrargüter. Ziel der Regierung ist es, Senegal bis 2035 zu einem Nettoexporteur von Nahrungsmitteln zu machen.

Importabhängigkeit bleibt eine Herausforderung

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aktuell muss Senegal rund 70 Prozent der Lebensmittel importieren, bei einem gleichzeitigen Bevölkerungswachstum von über 2 Prozent pro Jahr. Auch bei Getränken ist das Land auf Einfuhren angewiesen, darunter bei Mineralwasser, Erfrischungsgetränken, Säften, Milchgetränken, Bier und Spirituosen. Vor Ort produziert werden unter anderem Fisch- und Milchprodukte, Getreide, Mehl, Speiseöl, Zucker, Tomatenketchup und Erdnüsse.

Um die Importabhängigkeit zu verringern, fördert die Regierung den Anbau von Reis, Erdnüssen, Obst und Gemüse sowie die Fischzucht und Viehwirtschaft. Im Fischereisektor sollen Maßnahmen gegen die weit verbreitete Informalität greifen, unterstützt durch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Als Hemmnis gilt insbesondere der illegale Fischfang, der sowohl den Ausbau der Aquakultur als auch die Ausfuhr von Fischereierzeugnissen in die EU erschwert.

Parallel setzt die Regierung auf den Ausbau der Agrarindustrie. Besonders gefördert werden die Produktion von Tierfutter, Pflanzenöl und Fruchtsäften sowie Investitionen in Geflügel-, Fleisch- und Milchbetriebe. Hinzu kommen Kühlhäuser und Logistikinfrastruktur, um die Weiterverarbeitung und Vermarktung von Agrarerzeugnissen zu verbessern.

Fischverarbeitung aktuell im Fokus

Ein Schwerpunkt der staatlichen Investorenanwerbung liegt auf dem Ausbau der Fischverarbeitung. So bewirbt APIX über die Plattform IPAWAS (Investment Promotion Agencies of West Africa) den Bau eines Fischverarbeitungszentrums in Saint-Louis. Geplant sind Verarbeitungskapazitäten von bis zu 200 Tonnen Fisch pro Tag sowie Kühl-, Verpackungs- und Lageranlagen. Das Investitionsvolumen wird mit bis zu 30 Millionen US$ beziffert.

Für deutsche Anbieter von Fischverarbeitungs-, Verpackungs- und Kältetechnik ergeben sich daraus potenzielle Lieferchancen, nicht zuletzt wegen der beabsichtigten Exporte Senegals in die EU. Hierzu müssen die Produzenten die Anforderungen der EU zur Bekämpfung illegaler, ungemeldeter und unregulierter Fischerei (IUU) erfüllen. Dazu zählen insbesondere die Rückverfolgbarkeit des Fangs, eine lückenlose Qualitätskontrolle sowie die nachhaltige Verarbeitung des Fangs.

 

Deutsche Exporte ausgewählter Maschinen und Anlagen in den Senegal In 1.000 Euro

Maschinenart nach HS

2023

2024 

2025

8436 - für Landwirtschaft, Gartenbau, Forsten, Geflügelhaltung und Imkerei

514

644

1.091

8437 - zum Reinigen und Sortieren von Getreide

-

12

78

8438 - zur Herstellung/Verarbeitung von Lebensmitteln

88

63

205

Quelle: Destatis 2026

Deutsche Firmen im Wettbewerb mit Italien und China

Neben deutschen Anbietern konkurrieren auch italienische und zunehmend chinesische Unternehmen um Aufträge. Während italienische Firmen von ihrer Präsenz in bestehenden Projekten profitieren, punkten chinesische Wettbewerber häufig mit günstigen Finanzierungspaketen und einer schnellen Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen.

Erste Projekte im Rahmen der aktuellen Regierungsstrategie zum Ausbau der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie wurden bereits 2025 auf den Weg gebracht. Dabei handelte es sich überwiegend um Public-Private-Partnerships (PPP), die das Investitionsrisiko für private Akteure verringern. Der Staat unterstützt die Vorhaben durch beschleunigte Genehmigungsverfahren und Abnahmegarantien. Als zentrale Ansprechpartnerin für Investoren fungiert dabei die Investitionsförderungsagentur APIX.

Auslandskapital stärkt Senegals Agrarindustrie

Ausländische Investoren spielen beim Ausbau der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie eine wichtige Rolle. Für Aufmerksamkeit sorgte Anfang 2025 der spanische Brauereikonzern Damm, der in Dakar seine erste Brauerei auf dem afrikanischen Kontinent eröffnete.

 

Ausgewählte Firmen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie Senegals

Unternehmen

Produkte

Kirène/SIAGRO

Mineralwasser, Saft, Milchgetränke

Compagnie Sucrière Sénégalaise (CSS)

Zucker und Süßwaren

Les Grands Moulins de Dakar

Mehl

SUNEOR

Erdnussöl

Nestlé Senegal

Würzmittel, Milcherzeugnisse, Kaffee, Süßwaren, Kindernahrung

Patisen S.A.

Würzmittel, Margarine, Erfrischungsgetränke, Kaffee, Pflanzenöl, Gewürze, Eierteigwaren, Süßwaren, Tee

SOBOA

Brauereierzeugnisse

Coca-Cola Senegal

Erfrischungsgetränke

Pepsi/SIAGRO

Erfrischungsgetränke

SIAB

Wein, Mineralwasser, Erfrischungsgetränke, Spirituosen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Die Beteiligung ausländischer Technologie- und Kapitalgeber reicht jedoch weit über einzelne Vorzeigeprojekte hinaus. An vielen der größeren Nahrungsmittelverarbeiter und Getränkehersteller des Landes sind internationale Investoren beteiligt. Dies zeigt sich nicht nur bei bekannten Marken, sondern auch bei weniger prominenten Unternehmen. So erhielt etwa der Lebensmittelhersteller Patisen S.A. Finanzmittel von der International Finance Corporation (IFC), dem Privatsektorarm der Weltbankgruppe, sowie vom marokkanischen Investmentfonds Al Mada. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in 16 afrikanischen Ländern aktiv.