Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

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Folge 16: Frauen erobern schwierige Märkte

- März 2024 -

Weibliche Führungskräfte, die schwierige Länder für ihr Unternehmen erschließen – ist das schon Alltag oder noch etwas Besonderes? Und wie sieht das in speziell männerdominierten Branchen aus?

Frauen schaffen es immer noch seltener als Männer nach oben, in die gut bezahlten Entscheiderjobs. Nicht einmal jede dritte Führungskraft in Deutschland ist eine Frau, unter den Vorständen von Deutschlands 100 größten Unternehmen nicht mal jedes fünfte Mitglied. Wir unterhalten uns mit Frauen, die es dorthin geschafft haben, wo sie noch eine Minderheit sind: ganz an die Spitze - und das sogar in klassischen Männerbranchen.

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Gäste in dieser Folge

 

Nur Hayat Nezir Nur Hayat Nezir | © Nur Hayat Nezir

Nur Hayat Nezir

arbeitet seit fast zwanzig Jahren für ABRAMS Industries GmbH & Co. KG, ein Stahllieferant in Osnabrück, der international tätig ist. Die ausgebildete Wirtschaftsjuristin stieg von der Assistenz der Geschäftsleitung über die Position der Prokuristin bis zur Geschäftsführerin auf.

Sie ist auch Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), der Frauen in ihrer Karriere stärken will. Geboren ist Nur Hayat Nezir im Schwarzwald als Tochter türkischer Gastarbeiter.

 

 

 

Katharina Kreitz Katharina Kreitz | © Katharina Kreitz

Katharina Kreitz

studierte an der TU München Maschinenbau und Raumfahrttechnik und gründete nach ihrem Abschluss 2014, mit 27 Jahren, mit Hilfe eines Gründungsstipendiums ein Unternehmen, das Messsonden aus dem 3D-Drucker herstellt und vertreibt. 

Zu den ersten Kunden der Vectoflow GmbH gehörte das Formel 1-Team. Heute arbeitet Vectoflow weltweit mit Distributoren, in den USA startete das High Tech-Unternehmen bereits ein Tochterunternehmen. Die Münchnerin Katharina Kreitz ist bei Vectoflow als CEO für Sales, Strategy & Finance verantwortlich.

 

 

Dalia Samra Rohte Dalia Samra Rohte | © Dalia Samra Rohte

Dr. Dalia Samra-Rohte

leitet als Delegierte der deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen die Auslandshandelskammer (AHK) in Riad und erschließt die Region für Unternehmer:innen und Investor:innen seit Mitte August 2019.  

Sie wird oft als Rednerin zu nationalen und internationalen Konferenzen eingeladen, wenn es um die wirtschaftliche Entwicklung und Markterschließungsstrategien geht und ist auch Expertin für digitale Start-Ups und Unternehmerinnentum. Vor ihrer aktuellen Position leitete die promovierte Politikwissenschaftlerin 15 Jahre lang das AHK-Büro in Abu Dhabi.

 

 

 

Weiterführende Informationen

Abrams Industries GmbH & Co. KG

Verband deutscher Unternehmerinnen

AHK Saudi-Arabien

Wirtschaftsinformationen zu Saudi-Arabien

Vectoflow GmbH

Gründungsstipendium „Exist“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz

 

Transkript der Folge 

Das folgende Transkript wurde zum Zwecke der Barrierefreiheit mit einer Spracherkennungssoftware erstellt und danach auf offensichtliche Fehler hin korrigiert. Es entspricht nicht unseren Ansprüchen an ein vollständig redigiertes Interview. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Liebe Hörerinnen und Hörer,

Es kommt selten vor, dass wir uns bei der Themenauswahl vom Blick in den Kalender inspirieren lassen. Doch in dieser Folge haben wir den Internationalen Frauentag am 8. März zum Anlass genommen, ausschließlich weibliche Erfolgsgeschichten in der Außenwirtschaft zu erzählen. Von denen gibt es zwar immer mehr und wir hatten ja auch schon bei Weltmarkt einige Powerfrauen zu Gast, aber – leider – sind es noch immer nicht genug. 

Frauen schaffen es immer noch seltener als Männer nach oben, in die gut bezahlten Entscheiderjobs. Nicht einmal jede dritte Führungskraft in Deutschland ist eine Frau, unter den Vorständen von Deutschlands 100 größten im In- und Ausland tätigen Unternehmen nicht mal jedes fünfte Mitglied. 

Heute unterhalten wir uns bei Weltmarkt mit gleich drei Frauen, die es dorthin geschafft haben, wo sie noch eine Minderheit sind: ganz an die Spitze - und das sogar in klassischen Männerbranchen.

Da ist Katharina Kreitz, erst 36 Jahre alt. Sie hat Maschinenbau und Raumfahrttechnik studiert und dann mit einem Studienfreund ein eigenes Unternehmen gegründet. Ihre Messsonden aus dem 3D-Drucker finden sich bereits auf der ganzen Welt, stecken in Drohnen, Dunstabzugshauben und Formel-1-Rennwagen. Die Idee entstand, als sie mal wieder frustriert im Windkanal saßen und sich fragten, warum es nicht bessere Messsonden gibt. Mutig haben sie sich einem Monopolisten in den Weg gestellt, mit dem Argument: Das können wir besser. 

Katharina Kreitz: Und tatsächlich hat sich dann nach zwei Wochen oder sogar nach einer Woche Existenz von der Webseite hat sich der erste Kunde gemeldet und es war halt ein Formel-1-Team und da ist man dann schon stolz wie Oskar. Und die haben uns dann direkt eingeladen und haben direkt Produkte von uns dann gekauft. Also wir waren hin und weg, muss ich ehrlich sagen. Da hatten wir einen ganz schönen Start.

Dalia Samra-Rohte leitet als Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen die Auslandshandelskammer in Riad und erschließt die Region für Unternehmen und Investoren und bestärkt auch Frauen darin, hier Geschäfte zu machen. Denn das Land steckt in einem grundlegenden Wandel und scheint heute ganz anders zu sein, als viele vermuten.

Dalia Samra-Rohte: Man wird überall mit sehr großem Respekt behandelt. Man hat oft noch in den Meetings die Möglichkeit, dass man sozusagen sich wesentlich mehr rausnehmen kann, als ein Mann sich rausnehmen könnte. Weil der Fokus auch sehr stark auf den Frauen liegt. Also dieses klassische Entgegenkommen einer Frau. Sie muss zuerst sprechen, man muss ihr zuhören. Da sage ich: Manchmal hat man es einfacher als ein Mann.

Wir starten mit Nur Hayat Nezir, die sich auch in einer Männerwelt bewegt, in der Stahlbranche. Dort hat sie es zur Geschäftsführerin gebracht, und das obwohl sie zwei Mal durchs Staatsexamen gerasselt ist, wie sie selbst sagt. Liebe Frau Nezir, würden Sie unseren Hörerinnen und Hörern kurz etwas über sich erzählen?

Nur Hayat Nezir: Mein Name ist Nur Hayat NezirIch bin 47 Jahre alt und ein Schwarzwaldmädel mit türkischen Wurzeln, geboren und aufgewachsen im schönen Gengenbach. Nach dem Abi bin ich 96 drei Monate Au pair in Memphis gewesen und anderthalb Jahre in London und hab mir überlegt, was ich studiere und kam dabei auf Rechtswissenschaften, weshalb es mich dann 98 nach Osnabrück verschlagen hat.

Lief denn in ihrem Werdegang alles nach Plan?

Nur Hayat Nezir: Überhaupt nicht. Überhaupt nicht. Ich habe ... Tatsächlich war ich in drei Jahren scheinfrei und stand 2005 vor meinem ersten juristischen Staatsexamen, welches ich aber zwei Mal, leider, aufgrund eines familiären Unglücksfalls nicht bestanden habe. Das war natürlich die reinste Katastrophe. Aber rückblickend, 20 Jahre später, war das wirklich ein Wendepunkt. Beziehungsweise eher ein Glück im Unglück, muss ich sagen. Weil, als ich dann in der Uni war, um zu meinem Professor zu gehen, um universitäre Formalitäten auch zu klären, also Exmatrikulation oder lass ich mir die Scheine anrechnen, zog ein Aushang am Schwarzen Brett der Uni meine Aufmerksamkeit auf sich und leitete mich tatsächlich zu dem Unternehmen, in dem ich heute noch tätig bin, nach fast 20 Jahren, zu Abrams. 

Was macht das Unternehmen denn, in das Sie übers Schwarze Brett der Uni so glücklich reingestolpert sind? 

Nur Hayat Nezir: Ja, also, wir haben ein sehr langweiliges Produkt, sagen wir immer, non sexy business. Es ist ein Präzisionsstahl, was kein Endprodukt ist. Und aus unserem Präzisionsstahl wird ein Werkzeug hergestellt. Und solche Werkzeuge, wie sie in Deutschland, Frankreich, Amerika, die sind meist immer gleich. Der einzige Unterschied ist dann wahrscheinlich: Wir Europäer oder wir Deutsche nutzen die metrischen Werte und Abmessungen, der Amerikaner Inch. Egal ob Sie einen Automobilhersteller in Deutschland, Citroen in Frankreich oder Chrysler in Amerika nehmen, alle brauchen diese Stanzwerkzeuge, die aus unserem bestimmten Stahl hergestellt werden. Warum? Weil die Genauigkeit dieser Werkzeuge sehr entscheidend ist. Weil sie komplexe Formen mit sehr, sehr engen Toleranzen erzeugen müssen. Und das bei einer sehr hohen Wiederholgenauigkeit. Wenn Sie eine Massenproduktion quasi haben. Also muss dann die erste Tür, die Sie zum Beispiel oder die erste Türverkleidung, die Sie aus einem Blech rausstanzen, genauso die Toleranzen und Abmessungen und Formen haben wie das Fünftausendste. Und das garantiert dann die Maßgenauigkeit und die Oberflächengüte unseres Stahls. Das gewährleistet dann genau, dass die Werkzeuge, die aus unserem Stahl hergestellt werden, präzise arbeiten.

Abrams ist international aufgestellt – zum Beispiel sind Sie auch in den USA präsent... 

Nur Hayat Nezir: Genau. Ob Sie es glauben oder nicht, wir haben während Covid drüben ein Unternehmen gegründet, in Gebäudekomplex von 2000 Quadratmetern angemietet. Die  Gründungsurkunde wurde online unterzeichnet. Wir haben Bankkonten online eröffnet. Alles online. Also es war fantastisch, was man in so einer sehr skurrilen Zeit alles machen konnte. Weil man wirklich alles daran gesetzt hat, das auch zu tun und die Regierung und die Behörden da dann auch tatsächlich mitgemacht haben. Wir haben uns an die German American Chamber of Commerce auch gewendet, die uns auch dabei sehr unterstützt hat und uns vor allem dann auch bei der Vermittlung deutschsprachiger Anwälte, Steuerberater und Banken dann auch unterstützt hat. Ja und da haben wir uns überlegt, Chicago, schönes Plätzchen, schöne Stadt. Aber auch hauptsächlich, weil es im Mittleren Westen eine zentrale Lage natürlich auch hat und die Bedingungen für einen schnellen Versand in alle Richtungen dann natürlich auch bietet. Und es hat mehrere Flughäfen und Häfen und hat eine Nähe zum sogenannten Rust Belt. Das ist eine industriell geprägte Region, die wieder mehr an Bedeutung mit der heutigen Zeit gewinnt. Und genau, deshalb haben wir uns auch da für Chicago entschieden. Wir haben über Facetime Gebäude angeschaut, wir haben über Teams-Sitzungen Einstellungsgespräche geführt. Einarbeitung haben wir dadurch gemacht und alles online tatsächlich. Und alles mit Teams und mit Onlineunterschriften.

Sie sind ja als Tochter türkischer Gastarbeiter im Schwarzwald zur Welt gekommen, Ihre Eltern haben Sie als Muslima auf eine katholische Klosterschule geschickt, wo Sie Abitur gemacht haben, heute sind Sie Geschäftsführerin. Sehen Sie das als Paradebeispiel einer gelungenen Integration? Oder ist das der normale Werdegang einer Badnerin? 

Nur Hayat Nezir: Ich bin türkisch geboren, geprägt, aber Kombination aus türkisch-badisch-deutschen Einflüssen. Viele Freunde sagen, Mensch, du bist deutscher als jeder Deutsche. Weil ich jeden Samstag versuche, mein Auto zu waschen. Ich bin überpünktlich. Ich bin überkorrekt, aber hab natürlich auch meine türkische Kultur. Und wenn ich daran denke, dass mein Vater, als wir Kinder waren, stets mit uns einen Weihnachtsbaum auch gekauft hat, weil er immer wollte, dass wir in diese hiesige Kultur uns integrieren, weil er immer wollte, dass wir die gleichen Erfahrungen wie die deutschen Kinder auch machen, glaube ich, dass das vielleicht dafür auch ein schönes Beispiel ist, wie man sich als Menschen aus einem anderen Land in ein neues Land auch integrieren kann. Ich hatte natürlich aber auch eine sehr gute schulische Ausbildung. Ich war auf einer Klosterschule mit Ordensschwestern, die mir auch die schöne deutsche Disziplin nahegelegt haben. Zucht und Ordnung, korrekt sein, Respekt. Was aber auch sich mit der Erziehung von meinen Eltern und der türkischen Kultur sich auch gut gedeckt hat. Respekt und Wertschätzung jedem Menschen gegenüber auch zu haben. Und ich glaub wie gesagt ist es beides. Dass mein Lebensweg vielleicht ein Beispiel für eine gelungene Integration ist, aber auch ein typischer Werdegang von einer emsigen und disziplinierten Badenerin.

Und das hat Sie an die Spitze eines weltweit tätigen, erfolgreichen Stahlunternehmens gebracht. Sehen Sie denn für sich eher Vor- oder Nachteile in einer von Männern dominierten Branche?

Nur Hayat Nezir: Ich weiß noch genau 2006, als ich ganz frisch in dem Unternehmen war, Assistentin der Geschäftsleitung geworden bin, wollte ich natürlich auch unbedingt Kunden mal persönlich treffen. Und ich weiß noch genau, bei meinen ersten Terminen, da stand ich also in einer Fertigung zwischen all den Maschinen und all den Stahlblöcken und Stahlteilchen. Ich bin jetzt auch nur eins sechzig groß, das darf man auch nicht vergessen. Und man sah die überraschten Gesichter von den Männern im Blaumann in der Fertigung, aber auch in den Anzügen. Die haben geschmunzelt. Und gefühlt haben sie gesagt: Komm mal her, Mädchen, möchteste nen Kaffee trinken. Aber wie heißt es so schön? Never judge a book by its cover, right? Und ich habe die Aufmerksamkeit und den Respekt von jedem Einzelnen so schnell gewinnen können. Als ich denen von unseren damals noch 35 Werkstoffen in Stahl und Anwendungsmöglichkeiten und deren Eigenschaften auch berichtet hab und denen unser Portfolio quasi vorgeführt hab, dass sie ganz schnell verstanden haben: Hey, darum geht‘s überhaupt nicht. Die Frau möchte was verkaufen, es geht um ein Produkt und das war das Thema. Also ich glaube auch, weil ich mir nie groß Gedanken darüber gemacht hab. Mache ich auch heute nicht. Ich war immer darauf fokussiert, mein Wissen zu erweitern und mir dadurch den Respekt und die Aufmerksamkeit zu verdienen. Und ich hab mir nie Gedanken darüber verschwendet, dass mich jemand eben wegen meines Geschlechts oder meiner Herkunft nicht respektieren könnte. Und ich glaube, dieses Selbstbewusstsein, das strahle ich auch aus, weshalb ich auch nie wieder in solche Situationen gekommen bin. Deshalb kann ich gar nicht sagen, ist es von Vorteil oder Nachteil. Ich glaube es kommt einfach immer darauf an, was man selbst daraus macht. Wer ist man? Ist man ängstlich und sagt: Oh nein, jetzt gehe ich als Frau mit meinen zehn Zentimeter hohen Absätzen in eine ziemlich ölverschmierte Fertigungshalle, wo lauter Männer drin arbeiten. Ängstlich. Ja, gut, dann brauche ich mich nicht wundern, wenn man mich nicht ernst nimmt. Aber gehe ich voller Selbstbewusstsein, weil ich einen Koffer voller Wissen quasi bei mir trage, in eine Halle und spreche mit den Herren auf Augenhöhe, in dem Fachjargon mit der Kennung über unsere Produkte. Dann haben die gar keine andere Wahl, als Sie ernst zu nehmen und nicht darüber nachzudenken, dass da ein Mädel von eins sechzig vor ihnen sitzt.

Sie engagieren sich auch im Verband deutscher Unternehmerinnen? Können Sie uns da mehr erzählen? Was macht der Verband und was machen Sie da genau? 

Nur Hayat Nezir: Klar, also der VdU, Verband deutscher Unternehmerinnen, der vertritt seit 1954 als Wirtschaftsverband branchenübergreifend die Interessen von Unternehmerinnen. Also, er setzt sich für mehr weibliches Unternehmertum ein, für mehr Frauen in Führungspositionen und auch für bessere Bedingungen für Frauen in der Wirtschaft. Und ich bin da, weil ich es extrem wichtig finde, weil manche Menschen vielleicht nicht das große Glück hatten, wie ich es zum Beispiel hatte. Und ich finde es wichtig, dass Frauen genau solche Geschichten auch präsentiert werden können, denn man muss ja auch an etwas glauben und man muss etwas vorgelebt bekommen und ein Vorbild vielleicht auch haben. Ich habe auch am Girl’s Day mitgemacht, „Ich werde Chefin“. Weil ich unbedingt wollte, dass kleine Mädels, eine fünfte Klasse war bei uns, dass sie selber mitbekommen, dass sowas einfach möglich ist, Denn es ist das, was einem vorgelebt wird. Und diese Rolle ist einfach so entscheidend, um mehr Frauen zu inspirieren, Führungsrollen auch anzustreben und ihre eigenen Karriereziele zu verfolgen. 

Auch siebzig Jahre nach seiner Gründung wird der Verband offenbar noch gebraucht, denn es gibt den Gender Pay Gap und immer noch weniger weibliche Führungskräfte. 

Nur Hayat Nezir:  Es ist jetzt nicht so, dass wir ständig die lila'ne Flagge wehen und sagen Frauenpower. Nein, darum geht es überhaupt nicht. Es geht nur darum, dass die Weichen auch gestellt werden und dass es sichtbar gemacht wird. Nicht aber nur für die Außenwelt, für die männerdominierte Welt, sondern auch für die Frauen selber. Sie sollen selber auch erkennen: Hey, das kannst du auch werden. Du hast die Möglichkeit.Viele trauen sich ja nicht. Wenn einem Mann eine Position angeboten wird, der sagt: Alles klar, mach ich, nehm’ ich. Die Frau geht erst mal nach Hause und sagt: Da muss ich erst drüber nachdenken und drüber schlafen oder mit meinem Mann darüber sprechen. Wo ich mich frage, warum? Warum? Mach es doch, einfach mal machen. Zurück gibt es immer einen Weg, durch ordentliche Gespräche oder sonst was? Aber versuch's doch einfach. Und die Frau muss sich mehr trauen. Und ich glaube auch nach 70 Jahren. Viele denken wahrscheinlich ja, aber die Frauen sind doch jetzt mehr in der Gesellschaft bzw in der Wirtschaft vertreten als vor 70 Jahren. Ja stimmt, es kann auch noch ein bisschen mehr sein, vor allem in großen Unternehmen. Aber ich glaube, vielmehr ist es, dass der VdU so eine wirkliche Plattform für Unternehmerinnen bildet, um wirklich als Vorbilder zu fungieren, dass andere sehen können: Hey, das ist alles möglich. Aber die Grundvoraussetzung ist natürlich, die Frau muss es auch wollen. 

Vielen Dank, Frau Nezir, für die Einblicke, die Sie uns von Weltmarkt ermöglicht haben: in die Stahlbranche, aber auch in Ihren Werdegang und Ihre Familiengeschichte. 

Gleich sprechen wir mit der Ingenieurin, Gründerin und Unternehmerin Katharina Kreitz. Warum sie bereits als Studentin immer 110 Prozent geben musste und wie sie wider Willen zur erfolgreichen Verkäuferin wurde, erfahren sie gleich. 

Davor aber schauen wir auf die arabische Halbinsel, zu Dalia Samra-Rohte, Delegierte der Deutschen Wirtschaft für Saudi-Arabien, Bahrain und Jemen. Sie leitet die Auslandshandelskammer in Riad, hat sich als Frau im Geschäftsleben dort noch nie benachteiligt gefühlt, im Gegenteil ... 


Frau Samra-Rohte, vielleicht könnten Sie uns bitte kurz erzählen, was genau Sie im Netz der AHKs, der Deutschen Auslandshandelskammern, machen?  

Dalia Samra-Rohte: Ich bin seit viereinhalb Jahren für die AHK, die Delegation der deutschen Wirtschaft in Saudi Arabien. Zuvor habe ich 15 Jahre das Büro der AHK in Abu Dhabi geleitet und davor war ich drei Jahre in Kairo an der AHK. Also bin schon sehr lange im AHK-Netzwerk. Als Hintergrund, warum ich auch eine gewisse Affinität zur arabischen Welt habe: Ich bin halb Ägypterin, bin in Deutschland aufgewachsen, hab in Kairo an der amerikanischen Uni zum Teil, aber auch an der FU in Berlin studiert und promoviert und interessiere mich daher schon sehr lange für die Region. 

 Es gibt 150 AHK-Standorte in 91 Ländern, mit entsprechend vielen Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern. Ich könnte mir vorstellen, dass das wahrscheinlich eher eine Männerdomäne ist … 

Dalia Samra-Rohte: Wir sind 18, wir haben mittlerweile 18 Geschäftsführerinnen an den unterschiedlichsten Standorten und, wie unser Hauptgeschäftsführer immer sagt, auch an den schwierigsten Standorten. 

Aber was macht  FRAU da so, als Delegierte der deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien? 

Dalia Samra-Rohte: Die klassischen Aufgaben einer Delegierten sind einmal natürlich, die Marktpotenziale zu identifizieren, zu identifizieren, wo relevante Themen für die deutsche Wirtschaft plaziert werden, sei es bei den Landesregierungen oder auch in Deutschland. Hier im Team vor Ort organisieren wir viele Delegationsreisen von Deutschland nach Saudi-Arabien, aber auch umgekehrt. Wir machen viele Networking-Events, wo wir eben auch die Wirtschaft mit der lokalen Wirtschaft, mit lokalen Institutionen zusammenbringen. Und als Geschäftsführerin ist man ja dort auch sehr stark eingebunden bei der Moderation von Paneldiskussionen oder eben auch bei der lokalen Regierung entsprechend die Themen zu plazieren und die deutsche Wirtschaft dort sozusagen zu repräsentieren.

Sie sind tatsächlich die erste Frau auf diesem schwierigen Posten. Ist das nicht kompliziert? Also, Saudi-Arabien ist ja jetzt nicht gerade für Gleichberechtigung bekannt …

Dalia Samra-Rohte: Seit sechs Jahren findet hier ein Transformationsprozess statt, der sehr stark durch den König und dann durch den jungen Kronprinzen angestoßen wurde. Nennt sich Vision 2030. Und im Rahmen dessen öffnet sich das Land sehr, sehr stark und insbesondere auch das Thema Frauen, die in der Vergangenheit eben nur in bestimmten Bereichen arbeiten durften, also das sehr eingeschränkt war, findet momentan eine sehr, sehr starke Frauenförderung statt.


Als Sie in Riad gestartet sind, waren nur vier Prozent Ihres Teams im AHK-Büro weiblich. Wie ist das heute?

Dalia Samra-Rohte: Mittlerweile sind wir bei 70 % Frauenanteil. Saudische Frauen, deutsche Frauen. Also auch da hat sich sozusagen das das Team sehr, sehr stark verändert und mit dem gesamten Transformationsprozess, der unheimlich viel Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft gibt, sei es Aufbau von Tourismussektor, Unterhaltungssektor, das sind alles Themen, die es in der Vergangenheit vor der Vision 2030 gar nicht gab. Also nur als Beispiel: Im Bereich Unterhaltungswirtschaft gibt es Konzerte, wo wir viel auch deutsche Technologien im Veranstaltungsbereich plazieren. Veranstaltungen. Während es bis vor sechs, sieben Jahren war es verboten, hier überhaupt öffentlich Musik zu hören sei, es sei denn, es war der Koran und man hier also einen extremen Wandel, wo es viele, viele Anknüpfungspunkte für die deutsche Wirtschaft gibt, eben beobachten kann und wir dadurch auch in dieser Transformation zunehmend natürlich auch unser Angebot und unsere Veranstaltungsformate anpassen.

Da hat Saudi-Arabien ja einen echten U-Turn hingelegt. Ich erinnere mich, vor 2018 durften Frauen dort ja nicht mal selber Autofahren. 

Dalia Samra-Rohte: Also so werden Frauen in Deutschland sozusagen in diesem Wandlungsprozess wahrgenommen. Es ist aber eigentlich wesentlich mehr als das. Zum einen ist es so, dass erst mal die Justizreform, die stattgefunden hat, ein wesentlicher Bestandteil war in diesem Transformationsprozess, insbesondere aus der Perspektive für Frauen, Frauen in der Wirtschaft auch. Frauen können ohne Genehmigung des Mannes reisen. Das betrifft natürlich auch insbesondere Geschäftsreisen. Frauen dürfen ohne Genehmigung des Mannes arbeiten. Es gibt viele, viele Ansatzpunkte, wo man sozusagen das Umfeld und das Leben für die Frauen wesentlich unabhängiger und einfacher gemacht haben. Und gleichzeitig sehen wir eben auch immer mehr Frauen in im Berufsleben. Ziel war es ursprünglich, dass man bis 2030 auf 30 % Frauenanteil im Berufsleben kommt, im Rahmen der Vision, mittlerweile sind wir, also Ende 23, waren wir bei 37 % bereits. Und wir sehen, dass eine sehr, sehr starke Förderung im Berufsleben, also eine sehr starke Frauenförderung im Berufsleben stattfindet, die sehr oft als der Motor des wirtschaftlichen Wandels auch gesehen werden.

Frauen also als Motoren der Wirtschaft? 

Dalia Samra-Rohte: Das ist in gewisser Weise vielleicht auch als ein Weg in die Freiheit zu sehen. Sie sind fleißiger, sie sind sehr verbindlich, aber sie sind auch sehr gut ausgebildet, weil man hat schon trotz dieses sehr konservativen, doch damals sehr rückwärtsgewandten Landes, hat man in den letzten zehn Jahren auch sehr stark in Bildung von Frauen schon investiert. Und sie haben zum Beispiel prozentual gesehen einen wesentlich höheren Anteil an Frauen in MINT-Fächern als wir es in Europa haben, oder insbesondere in Deutschland. Und so sieht man auch, wenn man zum Beispiel beim Ölkonzern Aramco ist, in der Öl- und Gasbranche, die ja doch weltweit eher männlich dominiert ist, sieht man doch auf den Fluren und auch zunehmend in höheren Positionen immer mehr weibliche Fachkräfte. Und man erlebt eigentlich in allen Bereichen große Unterstützung von saudischer Seite für Frauen im Berufsleben. Man hat mittlerweile zwei Vize-Ministerinnen, man sagt sechs Botschafterinnen im Ausland. Aber so langsam sieht man, dass auch die Frauen in die Führungsetagen weiter vordringen.

Auch wenn sich in den vergangenen Jahren vieles geändert hat. Im Stadtbild sieht man immer noch sehr viele verschleierte Frauen, auch komplett verschleierte Frauen, wo nur die Augen zu sehen sind. Das müssen deutsche Frauen nicht machen, sie müssen sich gar nicht verschleiern. Was sollten deutsche Geschäftsfrauen denn für einen Business-Trip nach Saudi-Arabien in den Koffer packen?

Dalia Samra-Rohte: Wenn deutsche Geschäftsfrauen nach Saudi-Arabien kommen, sagen wir immer, dass sie einfach immer noch gut im Hosenanzug zu kommen oder blickdichte Strumpfhosen zu tragen. Aber schon konservativ, wie man auch in Deutschland letztendlich in ein Geschäft-Meeting gehen würde, bekleidet zu sein. Also weniger jetzt vielleicht im kurzen Rock. Und dann wird man auch sehr, sehr stark respektiert. 

Halten Sie das überhaupt für eine gute Idee, als Frau in Businessangelegenheiten nach Saudi-Arabien zu reisen?

Dalia Samra-Rohte: Ich versuche immer, viele deutsche Geschäftsfrauen auch zu motivieren, in die Region zu kommen. Man wird überall mit sehr großem Respekt behandelt. Man hat oft noch in den Meetings die Möglichkeit, dass man sozusagen sich wesentlich mehr rausnehmen kann, als ein Mann sich rausnehmen könnte. Weil der Fokus auch sehr stark auf den Frauen liegt. Also diese klassische Entgegenkommen einer Frau. Sie muss zuerst sprechen, man muss ihr zuhören. Da sage ich: Manchmal hat man es einfacher als ein Mann. Weder hier bei uns im Team, noch irgendwie bei bei Delegationen haben wir je nie irgendeine schlechte Erfahrung gemacht oder das Gefühl bekommen, wir werden hier nicht erwünscht, weil wir Frauen sind. Im Gegenteil, eigentlich wird der Respekt und die Höflichkeit, die einem entgegengebracht wird, findet man nicht in allen Teilen der Welt vor. 

Wenn Sie Frauen einen Tipp mit auf den Weg geben könnten. Welcher wäre das?

Dalia Samra-Rohte: Sich so zu geben, wie man sich auch in Deutschland gibt. Und man soll wie überall im Geschäftsmeeting als Frau bestimmend auftreten. Höflichkeitsfloskeln sind in der arabischen Welt ja insgesamt sehr, sehr wichtig immer. Auch am Anfang ein bisschen Smalltalk zu machen, zuzuhören. Aber für den Erfolg eines Geschäftes ist es ganz wichtig, dass man immer wieder in die Region kommt, dass man diese persönlichen Beziehungen aufbaut. Und da muss ich sagen, dadurch, dass eben gerade aus Deutschland oder Europa nicht so viele Geschäftsfrauen kommen, erlebe ich, dass man damit auch eine gewisse herausragende Position hat, indem man sich immer wieder noch sehr gut an die Frau erinnert, die Geschäftsfrau erinnert, die gekommen ist. Von daher ist es ein guter Zeitpunkt, das momentan auch zu nutzen, man kann sich da sehr, sehr gut als Frau positionieren. 

Vielen Dank Frau Rohte für die spannenden Einblicke. Ganz offensichtlich hat sich in Saudi-Arabien in den vergangenen Jahren viel getan.

Wir wechseln jetzt nach München zu Katharina Kreitz, die schon mit 27 Jahren ein Start-up gründete, das sensationell schnell Erfolge feierte. In ihrer Kundenliste stehen die NASA, Airbus und General Electric. 

Hallo Frau Kreitz. 

Katharina Kreitz: Hallo zusammen, mein Name ist Katharina Kreitz. Ich bin mittlerweile 36 Jahre alt, habe Maschinenbau mit Spezialisierung auf Luft- und Raumfahrttechnik studiert und danach auch einen MBA in Frankreich gemacht und habe jetzt meine eigene Firma, die Firma Vectoflow. 

Können Sie uns vielleicht kurz erklären, was Vectoflow genau produziert? Und auch gern so, dass man es verstehen kann, wenn man nicht Maschinenbau studiert hat.


Katharina Kreitz: Wir stellen Sensorik her, die allerlei Strömungen messen, also Luft, Wasser, Gas, Öl, ist eigentlich egal, Hauptsache es bewegt sich. Und da nehmen wir ganz viele Parameter raus. Also die Geschwindigkeit, Druck, Temperatur, Anströmwinkel, eigentlich alles, was man aus so einer Strömung rausnehmen kann. Und das kann man dann entweder verwenden, diese Ergebnisse, um quasi irgendwie Produkte besser zu machen. Zum Beispiel wenn ich jetzt bei BMW im Windkanal stehe, muss ich ja wissen, wie geht die Strömung um das Auto rum und das kann ich mit so Sensorik messen. Oder wenn ich jetzt zum Beispiel auf einer Drohne bin, dann misst unsere Sensorik quasi zum Beispiel, wenn die Drohne in eine Windböe gerät, dann misst sie das vorab und kann quasi aktiv in die Steuerung eingreifen und sagen: Oh, hier Motor rechts, mal ein bisschen mehr Power, sodass ich stabil weiterfliegen kann. Also ich kann es für die Entwicklung oder aber auch für die Serie, wenn es dann quasi unterwegs ist, nutzen. 

Und wie fing das alles an damals?

Katharina Kreitz: Also mein Mitgründer Christian und ich, wir haben beide Maschinenbau studiert, Christian hat noch einen Doktor gemacht und ich habe dann noch den MBA gemacht. Aber wir haben beide sehr, sehr viel im Messtechnikbereich gearbeitet, bei großen Firmen. Ich habe zum Beispiel bei EADS, was jetzt ja Airbus Space & Defence ist, bei Lufthansa Technik, bei BMW, bei der NASA, habe ich immer mit Messtechnik gearbeitet und fand es halt immer schrecklich. Und der Christian, dem ging es ähnlich, der hat bei BMW oder bei GI gearbeitet und hat da auch die ganze Zeit nur Probleme gehabt. Und als es dann mit dem 3D-Druck sich so entwickelt hat, dass man auch Metall drucken konnte und dass es auch präziser wurde, weil wir brauchen ja eine gewisse Genauigkeit da auch. Saßen wir dann zusammen im Windkanal und haben halt gemeint, hey, man könnte das doch auch 3D drucken. Das würde doch viele Probleme lösen. Und so hat es eigentlich angefangen. Und dann haben wir dieses Gründungsstipendium bekommen und dann haben wir losgelegt währenddessen schon. Und tatsächlich hat sich dann nach zwei Wochen oder sogar nach einer Woche Existenz von der Webseite hat sich der erste Kunde gemeldet und es war halt ein Formel-1-Team und da ist man dann schon stolz wie Oskar. Und die haben uns dann direkt eingeladen und haben direkt Produkte von uns dann gekauft. Also wir waren hin und weg, muss ich ehrlich sagen. Deshalb. Da hatten wir einen ganz schönen Start. 

Okay, der Automobilsport interessiert sich also für Ihre Sonden. Welche Branchen gibt es noch? 

Katharina Kreitz: Tatsächlich wird es immer mehr, überall eigentlich wo eine Strömung ist können wir eingesetzt werden. Und dadurch, dass ja quasi alles irgendwie aerodynamischer oder fluiddynamisch immer besser werden muss, wegen dem Klimawandel. Früher war ja zum Beispiel den Leuten egal, wieviel ihr Auto verbraucht habt, Hauptsache es schaut gut aus. Das ist ja mittlerweile ein bisschen anders. Wir sind viel im Automotivbereich im Turbomaschinenbereich, also Gasturbinen, Triebwerke an sich, dann viel im Windbereich, Drohnen bis hin zu Dunstabzugshauben haben wir glaub ich schon alles instrumentiert. Also es ist tatsächlich sehr, sehr breit gefächert.

Das Auslandsgeschäft ist für Vectoflow ja sehr wichtig. Nur zehn bis zwanzig Prozent Ihres Umsatzes machen Sie in Deutschland. Jetzt haben Sie sogar ein Tochterunternehmen in den USA gegründet. Warum denn genau dort?

Katharina Kreitz: Wir haben uns für die USA entschieden, dadurch, dass wir dort schon sehr viele Kunden an sich haben. Das Land ist unglaublich groß und in unseren Bereichen wird da sehr viel gebraucht. Und man könnte es ja auch sonst, wie wir auch teilweise sonst Distributoren z.B. in Asien haben, primär auch wegen Sprache, könnte man jetzt sagen: Ach komm, das machen wir einfach mit auch einem Distributor. Das Ding ist aber, dass wenn man auch grade zum Beispiel im militärischen Bereich arbeitet, auch weil wir natürlich auch zum Beispiel Antriebe oder im Space Bereich Sachen instrumentieren. Das fällt in Amerika unter ein Gesetz, das nennt sich oder unter den ITAR-Bereich. Das ist quasi alles, was irgendwie militärisch genutzt wird oder im Space-Bereich, darf nur aus Amerika kommen und da dürfen keine Informationen das Land verlassen. Also die dürften jetzt zum Beispiel uns keine Infos über ihre Applikationen, die wir natürlich bräuchten, weil wir müssten es ja irgendwie anpassen, das dürften die uns nicht geben. Dementsprechend ist dann auch der Plan, dass wir quasi dann alles vor Ort in Amerika quasi machen und dass es keinen Wissenstransfer von Amerika nach Deutschland gibt.

Und jenseits der USA? Was wären da wichtige Zukunftsmärkte für Sie? 
 

Katharina Kreitz: Also Asien ist tatsächlich für wie wahrscheinlich jeden auch sehr interessant, da haben wir jeweilige Distributoren in Japan, Korea und China. Und gerade China im Bereich Windenergie ist für uns sehr interessant. Da sehen wir auch sehr, sehr viel Potenzial, was sich gerade schon ein bisschen zeigt.

Gibt es denn eine klare Arbeitsteilung zwischen Ihrem Geschäftspartner und Ihnen?

Katharina Kreitz: Also ich dachte, tatsächlich, als wir angefangen haben zu gründen, dass ich tatsächlich die technische Seite dann betreuen werde, als dass ich dann im Keller sitze, irgendwas programmiere und irgendwie habe ich als Langsamste weg gesagt oder so, und dann war es, dass ich auf einmal Vertrieb machen musste und auf Bühnen stehen musste, zu Investoren gehen oder irgendwelche Sachen. Und wo ich dachte: Oh Gott, das wird ja die Hölle.Teilweise, wenn ich irgendwo einen Vortrag halten musste, ich konnte fünf Tage vorher schon nicht schlafen. Also das ist mittlerweile komplett anders und ich bin sehr froh, dass ich da so ein bisschen ins kalte Wasser geworfen wurde. Und es ist auch schön, weil wir sprechen alle die gleiche Sprache. Also dadurch, dass ich ja, das sind eigentlich alles Ingenieure, die quasi dann auch die Kunden sind und das ist dann einfach nett, weil man sich dann einfach sehr schnell auf einer technischen Sprache trifft und dann hat man eigentlich immer viel Spaß.

Im Maschinenbau und als Gründerin sind Sie als Frau ja immer noch eher die Ausnahme ... 

Katharina Kreitz: Also im Maschinenbaustudium waren es 10 % Frauen, damals in meinem Jahrgang. Jetzt haben wir, glaube ich, zwei weibliche Ansprechpartnerinnen bei Kunden. Das ist einfach normal. Also deshalb, wenn mich Leute anschreiben aus dem Blauen heraus und man zum Beispiel irgendwo im Ausland teilweise nicht weiß, dass vielleicht Katharina ein weiblicher Name ist, dann  werde ich ganz offen mit "Dear sir” begrüßt, ganz normal, weil einfach die Wahrscheinlichkeit, dass das trifft, sehr hoch ist. Aber ich fand da jetzt bisher das jetzt nicht, also nicht schlimm. Was man schon sagen muss, es ist teilweise ein Vorteil, weil man bleibt im Gedächtnis. Also gerade im Turbo-Maschinenbereich kennen mich enorm viele und das kann Fluch und Segen zugleich sein. Also man kennt mich, man weiß, dass ich zu dieser Messtechnik- Firma gehöre und so und deshalb spricht sich das schnell herum, das ist dann prima, wenn wir dann auch gute Produkte liefern, wenn wir schlechte geht das natürlich auch so schnell.

Das hört sich ja schon fast an wie „Vorteil Frau“. Ist das tatsächlich so? Oder wird nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen und Männer haben es im Berufsleben meist leichter? 

Katharina Kreitz: Ich kenne das gar nicht anders, dass ich zum Beispiel als Frau in meinem Bereich immer 110 % geben muss und dass das, dass man immer ein bisschen mehr machen muss als Frau und dass ich da immer sage ich mal gucken muss, okay, wie komme ich bei mir in meinem Bereich da weiter. Und wenn man das aber gefunden hat, dann hat man echt Vorteile, weil man halt auch Sachen machen kann, die ein Mann jetzt nicht machen könnte.

Gibt es etwas, das Sie den Frauen in Ihrer Branche oder Frauen allgemein gerne auf den Weg geben würden?

Katharina Kreitz: Ich würde mich freuen, also gerade, dass man es ein bisschen mehr sieht, dass es ein Vorteil ist, eine Frau zu sein. Man muss einfach nur die Zugänge in dem jeweiligen Bereich zu dem jeweiligen Ziel, was man halt dann vor Augen hat, finden, dass man es wirklich nicht als Last sieht, eine Frau zu sein, sondern dass man halt das wirklich auch positiv drehen kann.

Vielen Dank Katharina Kreitz, dass Sie uns mitgenommen haben, in die Welt der Windkanäle und Strömungslinien. Ihnen und Vectoflow weiterhin viel Erfolg! 


Weltmarkt bedankt sich auch bei Nur Hayat Nezir von Abrams Industries, und Dalia Samra-Rohte aus dem AHK-Büro in Saudi-Arabien für spannende Einblicke und ermutigende Worte. 

Gern erinnern wir an dieser Stelle noch Mal an unsere Weltmarkt-Folge zur Automobilindustrie. Damals hat uns Martina Biene darüber berichtet, wie sie für Volkswagen den afrikanischen Markt erschließt. Und in der Weltmarkt-Folge zu Interkultureller Kompetenz hatte uns unsere GTAI-Korrespondentin Frauke Schmitz-Bauerdick in Paris über kulturelle Besonderheiten in Frankreich und auch in Vietnam aufgeklärt.

Jede Menge Frauenpower.

Links zu dieser Folge finden Sie wie immer in den Shownotes. Außerdem gibt es weitere interessante Themen zur Außenwirtschaft auf der Website von Germany Trade & Invest, www.gtai.de

Nächstes Mal werden wir uns übrigens mit der Bauwirtschaft beschäftigen. Eine Expertin vom Verband Beratender Ingenieure und ein Vertreter des deutschen Bauunternehmens German Rail Engineering werden uns erzählen, wie es ums Geschäft mit der Infrastruktur in Auslandsmärkten steht. Haben Sie eine gute Zeit. Und bis dahin.

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