Podcast Weltmarkt

Folge 36: Korea: Hightech, K-Pop und neue Chancen

- Oktober 2026 -

Südkorea zählt zu den innovativsten Ländern der Welt. WELTMARKT zeigt, welche Chancen der Hightech-Standort deutschen Unternehmen bietet.

Viele aktuelle Trends beginnen mit einem großen K: K-Pop, K-Food, K-Beauty und K-Dramen. Hinter dem „K“ verbirgt sich: Korea. Der ostasiatische Staat ist aber nicht nur für seine Kultur-Trends bekannt.

Südkorea ist vor allem ein globaler Trendsetter bei technologischen Innovationen. Im Global Innovation Index (GII) der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) belegt Korea auch 2026 innerhalb Asiens wieder Platz 1 und im weltweiten Vergleich Platz 4.

Besonders stark ist Südkorea bei Halbleitern. Gerade jetzt im KI-Zeitalter ist die Welt abhängig von koreanischen Halbleiter-Lieferungen. Was viele nicht wissen: Die koreanische Chip-Industrie ist wiederum abhängig von deutschen Zulieferern. Das gleiche gilt übrigens auch für Koreas Robotik-Branche: Während die Koreaner immer mehr eigene Roboter entwickeln und produzieren, ist die die Branche gleichzeitig auf Zulieferungen aus Deutschland angewiesen.

Die Korea- und Wirtschaftsexpertin Katharina Viklenko leitet das Büro von Germany Trade and Invest in Seoul und geht im WELTMARKT-Interview intensiv auf den Hightech-Standort Südkorea ein. Außerdem spricht Weltmarkt mit Marie Antonia von Schönburg, Geschäftsführerin der Deutsch-Koreanischen Auslandshandelskammer (AHK) in Seoul. 

Die AHK-Chefin hat einige Ideen, wie deutsche Unternehmen an dem K-Culture-Boom mitverdienen können. Und sie erklärt auch, wo Koreaner besonders schnell und wo sie besonders langsam sind. Ein Spoiler vorweg: Dass deutsche Unternehmen in Sachen Innovationen prinzipiell asiatischen hinterherhinken, wie manche meinen, verneint die AHK-Geschäftsführerin ausdrücklich.

 

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Gäste in dieser Folge

 

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Marie Antonia von Schönburg

wurde im Frühjahr 2025 zur Geschäftsführerin und Präsidentin der AHK Korea ernannt. Sie hat mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen internationale Wirtschaft, Mitgliedermanagement und Unternehmensbeziehungen. Vor ihrer Tätigkeit in Seoul war sie als Chefdelegierte der Deutschen Wirtschaft in Sri Lanka tätig. Davor war sie viele Jahre für die Deutsch-Spanische Handelskammer im Einsatz, unter anderem als stellvertretende AHK-Geschäftsführerin und als Leiterin der Delegation in Barcelona. Marie Antonia von Schönburg hat in Passau Betriebswirtschaft studiert und in Dublin Internationales Management.

 

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Katharina Viklenko

ist seit 2019 für Germany Trade and Invest (GTAI) tätig und leitet seit 2024 das GTAI-Büro in Seoul.

Die Wirtschaftsexpertin unterstützt deutsche KMU mit Marktinformationen zu Korea und ist zugleich zentrale Ansprechpartnerin für koreanische Investoren mit Interesse am Standort Deutschland. Ihre Analysen zur koreanischen Wirtschaft und zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich Innovationen sind abrufbar unter https://www.gtai.de/korea. Bereits während ihres Studiums der Sinologie und Koreanistik in Tübingen absolvierte Katharina Viklenko Auslandsaufenthalte in Beijing und Seoul.

 

Weiterführende Informationen

AHK Korea

Asien-Pazifik-Konferenz (APK) / Asia-Pacific-Conference (29.-31. Oktober 2026)

Informationen zur südkoreanischen Wirtschaft

Halbleiterstandort Asien

 

Transkript der Folge 

Das folgende Transkript wurde zum Zwecke der Barrierefreiheit mit einer Spracherkennungssoftware erstellt und danach auf offensichtliche Fehler hin korrigiert. Es entspricht nicht unseren Ansprüchen an ein vollständig redigiertes Interview. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

 

(5 Sekunden eingespielte Musik)

Das war die koreanische Boygroup BTS mit ihrem Song Dynamite. Sie sind hier völlig richtig bei WELTMARKT, dem Podcast der deutschen Außenwirtschaft. Und die koreanische Band von eben ist Koreas berühmtester K-Pop-Export – und Botschafter für das ganze Land.

Marie Antonia von Schönburg Wenn junge Menschen Korea hören, dann geht eine ganze Welt auf von koreanischem Essen, von Filmen, von Serien, Shopping. Diese ganze kulturelle Sichtbarkeit schafft unglaublich Aufmerksamkeit für Korea. Ich glaube auch sehr viel Sympathien und damit sicher auch ein gewisses Vertrauen in koreanische Produkte.

Meint Marie Antonia von Schönburg, CEO der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer in Seoul.

Aber Südkorea ist natürlich viel mehr als ein K-Pop-Phänomen: Das Land ist einer der wichtigsten Hightech-Standorte weltweit, unter anderem führend in den Bereichen Halbleiter, Elektronik, Batterien, Robotik und bei digitalen Technologien – und ist viel enger mit Deutschlands Wirtschaft verbunden als viele meinen. Von der Wirtschafts- und Korea-Expertin Katharina Viklenko werden wir später hören, dass Koreas boomender Halbleitersektor und auch die Robotik-Branche auf deutsche Zulieferer angewiesen sind.

Doch erst zurück zur koreanischen Kultur-Welle – und zu Marie Antonia von Schönburg, CEO der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer, kurz: AHK Korea.

Liebe Frau von Schönburg, viele aktuelle Trends beginnen mit einem großen K für “Korea” im Namen:  K-Pop, K-Food, K-Beauty usw. Welche Rolle spielt die K-Culture für die koreanische Wirtschaft?

Marie Antonia von Schönburg Die meisten Menschen, wenn sie K-Culture hören, denken an K-Pop, K-Dramen, K-Beauty und denken zunächst an den Unterhaltungswert und Lifestyle, aber aus koreanischer Sicht ist das nicht ein reines Kulturthema, sondern tatsächlich ein internationaler, wichtiger Wettbewerbsfaktor des Landes. 

Diese Korean Wave hat das Image Koreas weltweit grundlegend verändert. Wenn junge Menschen Korea hören, dann geht eine ganze Welt auf von koreanischem Essen, von Filmen, von Serien, Shopping. Diese ganze kulturelle Sichtbarkeit schafft unglaublich Aufmerksamkeit für Korea. Ich glaube auch sehr viel Sympathien und damit sicher auch ein gewisses Vertrauen in koreanische Produkte. 

Es ist wirklich auch ein Exportfaktor, die Contentindustrie, K-Drama, also Netflix oder die Gaming-Industrie. Das sind wirklich Wirtschaftszweige, die Milliarden exportieren, Hunderttausende von Arbeitsplätzen schaffen und echte Wirtschaftskraft hinter sich bringen.

Können deutsche Unternehmen denn von dieser koreanischen Welle profitieren? K-Beauty ist ja auch schon in deutschen Drogeriemärkten zu finden.

Marie Antonia von Schönburg Also absolut, das geschieht auch bereits. Sowohl in den Drogeriemärkten sind die Produkte, aber auch auf digitalen Plattformen, Korea gilt weltweit als Trendsetter für Hautpflege, für Inhaltsstoffe, digitale Vermarktungskonzepte und deutsche Händler können von der Nachfrage definitiv profitieren, indem sie mehr koreanischen Produkte in ihre Regale stellen. 

Aber ich glaube, dass sie auch zunehmend daran profitieren könnten, dass sie exklusive Kooperation machen oder vielleicht sogar neue Produkte gemeinsam entwickeln. Wenn koreanische Marken international expandieren und erfolgreich sind, dann benötigen sie Logistik, sie benötigt Verpackungstechnologien, Maschinen, Automatisierungslösungen. 

Und überall dort sind deutsche Firmen stark und deswegen sehe ich also die ganze Korean Beauty und sonstige K-Produkt-Welle, die jetzt auch nach Deutschland geschwappt ist, als absolute Möglichkeit für deutsche Unternehmen auch hier Teil dieser internationalen globalen Wertschöpfung zu werden.

Wie viele deutsche Unternehmen sind eigentlich vor Ort?

Marie Antonia von Schönburg Es sind rund 560 deutsche Unternehmen in Korea. Und deutsche Unternehmen sind vor allem dort erfolgreich, wo technologische Exzellenz, Qualität, Zuverlässigkeit und auch langfristige Kooperation gesucht wird, vor allem Innovationskooperationen. Das sehen wir immer mehr im Bereich der Forschung, gibt es immer mehr Zusammenarbeit zwischen deutschen und koreanischen Unternehmen. 

Und wo das besonders gut funktioniert, ist in klassischen Bereichen wie Maschinen- und Anlagenbau, Industrieautomation, sprich auch Industrie 4.0. Chemie und Spezialmaterialien, Medizintechnik. Also viele der klassischen Bereiche, in denen deutsche Unternehmen schon schon lange erfolgreich sind. Zudem aber auch definitiv und immer mehr Software und Digitallösungen, industrielle Software, industrial AI. 

Von daher gibt es viele, viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Und was auch wichtig ist, ist dass deutsche Unternehmen nicht nur als Lieferanten auftreten, sondern dass auch immer mehr Entwicklungspartnerschaften entstehen. Zwischen Unternehmen, aber auch zwischen Universitäten, deutschen Unternehmen und koreanischen Universitäten und umgekehrt, das Fraunhofer Institut zum Beispiel ist hier auch sehr aktiv.

Ist Asien nicht inzwischen so fortschrittlich und innovativ, dass die Deutschen da eher hinterherhinken?

Marie Antonia von Schönburg Dass die Innovation nur noch in Asien stattfindet, würde ich so nicht unterschreiben. Es gibt nach wie vor unglaublich innovative deutsche Unternehmen, die mit Unternehmen hier in Asien zusammenarbeiten. Und auch gerade in der Forschung ist Deutschland nach wie vor noch sehr geschätzt aufgrund der auch langen Erfahrung und der Tiefe der Forschungen, die Länder wie Korea einfach nicht bieten können. 

Ich glaube, der Eindruck, dass Deutschland hinterherhinkt liegt mehr an der Geschwindigkeit als an der Qualität der Innovation oder an der Qualität der Produkte. Geschwindigkeit ist hier absolut das wichtigste Ziel, noch vor Qualität. Es geht darum, Produkte schnell auf den Markt zu bekommen, schnell zu skalieren, schnell Rückmeldung aus dem Markt zu bekommen und während das Produkt schon auf dem Markt ist, dann weiter zu verbessern. 

Ich glaube, ein gutes Beispiel dafür ist genau die Automobilindustrie, die mit durchschnittlichen Autos irgendwann mal angefangen hat und dadurch, dass sie sie wahnsinnig billig anbieten konnten, ihre Produkte auf den Markt gebracht haben. Und alle Kleinkindkrankheiten, die die Autos mit sich gebracht haben, die haben sie dann einfach durch die Jahre mit Ingenieursleistungen behoben und mittlerweile fantastische und qualitativ hochwertige Autos auf den Markt gebracht. Das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was der Deutsche macht. 

Der Deutsche ist so, das Produkt muss 110%ig sein und lieber dreimal als nur einmal getestet sein. Und erst dann kommt es auf den Markt. Und das ist eine der Dinge, warum auch meines Erachtens Korea und Deutschland so gut zusammenarbeiten können, weil Deutschland unglaubliche Präzision, Qualität, Ingenieurwissen und tiefgreifende Forschung mit sich bringt, während Korea rein auf der zeitlichen Schiene das Zugpferd ist und sagt, wir müssen vorwärts kommen. Das Produkt muss schneller auf den Markt kommen.

Was sollten denn deutsche Geschäftsleute unbedingt beachten, um in Südkorea erfolgreich zu sein?

Marie Antonia von Schönburg Ich hatte ja gesagt, die Koreaner sind wahnsinnig schnell, aber wenn es da im Aufbau von Beziehungen angeht, sind sie glaube ich sehr viel langsamer als Deutsche, weil eben dieser persönliche Faktor für sie wahnsinnig wichtig ist. Und sie möchten das Unternehmen kennenlernen, sie möchten wissen, wie sehr dieser Lieferant dann auch tatsächlich liefern kann. 

Wenn dann die Partnerschaft zustande kommt, werden Entscheidungen unglaublich schnell getroffen. Und es wird auch erwartet, dass dann sehr schnell geliefert wird. Gerade in größeren deutschen Unternehmen, wo die Wege vielleicht doch ein bisschen länger sind, und da vielleicht auch ein paar mehr Genehmigungen eingeholt werden müssen, ist das nicht ganz so einfach und da fehlt dann auch oft das Verständnis, dass die Koreaner sagen, wo ist denn das Problem? Wir haben doch irgendwie alles besprochen und jetzt muss es hier mal losgehen.

Apropos “Jetzt muss es mal losgehen”: Bei der Gleichberechtigung scheint Korea noch stark hinterherzuhinken …

Marie Antonia von Schönburg Egal wie wahnsinnig große wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Fortschritte es hier gegeben hat, es ist doch nach wie vor noch eine recht traditionelle, patriarchische Gesellschaft mit traditionellen Rollenbildern. Und da leiden viele Frauen drunter und sind deswegen aus dem Berufsleben doch noch eher ausgeschlossener als es vielleicht in anderen, zumindest in nordeuropäischen Ländern der Fall ist. 

Und was leider sehr groß ist, ist tatsächlich einer der größten Gender-Pay-Gaps in den OECD-Ländern. Teilzeitarbeit gibt es hier tatsächlich nicht, zumindest nicht weit verbreitet. Mir ist es noch nie über den Weg gelaufen. Geteilte Elternzeit gibt es tatsächlich. Korea ist das Land mit der geringsten Geburtenrate der OECD-Länder. Und die Regierung versucht händeringend, die jungen Leute dazu zu bekommen, mehr Kinder in die Welt zu setzen. 

Und eines der unterstützenden Punkte ist, wie gesagt, die geteilte Elternzeit. Aber rein gesellschaftlich ist es doch nach wie vor so, dass die Frau diejenige ist, die sich um Haushalt, um Kinder kümmert. Und jegliche berufliche Entwicklung parallel zu den Aufgaben gemacht werden muss. 

Das ist jetzt natürlich sehr über den Kamm geschoren und ich sehe auch dass es immer mehr junge Menschen gibt, vor allem junge Frauen gibt, die sich gegen diese traditionellen Rollenmuster wehrt und wo ich einfach davon ausgehe, dass wir in den nächsten Jahren unglaubliche soziale Veränderungen sehen werden in Korea.

Als Ausländer ist es nicht ganz leicht, private Kontakte mit Koreanern aufzubauen und wirklich Teil der Gesellschaft zu werden …

Marie Antonia von Schönburg Ich glaube, dass Koreaner vor allem deswegen schüchtern sind oder als schüchtern empfunden werden, weil es oft Sprachbarrieren gibt. Und deswegen glaube ich, dass es hier in Korea bis auf wenige Ausnahmen absolut entscheidend ist, dass man auch die Landessprache lernt. Das hängt nicht damit zusammen, dass Koreaner verschlossen sind oder dass sie Ausländer nicht kennenlernen wollen, sondern dass es wirklich einfach ein Problem der Verständigung ist. 

Und ich kenne sowohl Deutsche als auch andere Ausländer, die Koreanisch gelernt haben und die viele koreanische Freunde haben. Was sich auf jeden Fall lohnt, in jedem Fall, ist offen zu sein, auch an der Kultur interessiert zu sein. Lokalen Vereinen, Sportclubs, wie auch immer beizutreten oder auch beruflichen Netzwerken, um eben mehr Kontakt zu den Koreanern zu haben. 

Und gerade in beruflichen Netzwerken findet man auch Koreaner, die im Zweifelsfall auch Englisch sprechen und so, dass man dort einen Ansatzpunkt hat.

Stichwort “berufliche Netzwerke” – in Kürze findet in Seoul mit der APK das Mega-Netzwerk-Event schlechthin statt. Was verbirgt sich dahinter?

Marie Antonia von Schönburg Die APK ist die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft und seit 1986, also jetzt schon seit 40 Jahren, die wichtigste wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Plattform der deutschen Wirtschaft in der Asienpazifikregion. Wir bringen regelmäßig alle zwei Jahre hochrangige Vertreter aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen. 

Und dieses Mal findet die APK hier bei uns in Seoul statt, am 29. bis 31. Oktober. Und die AHK ist im Endeffekt der Logistikpartner. Die Asien-Pazifik-Konferenz wird vom Asien-Pazifik-Ausschuss gemeinsam koordiniert, also inhaltlich. Im Mittelpunkt dieses Jahr werden stehen geopolitische Veränderungen. Industrielle KI ist, glaube ich, für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger. Innovation, davon kann man nie genug reden. 

Resilienz von Lieferketten, Energiewende und nachhaltiges Wachstum sind so einige der wichtigsten Themen. Ich glaube, spätestens seit der Covid-Pandemie, seit den geopolitischen Spannungen und Lieferketten-Schocks, den Diskussionen über resiliente Lieferketten verfolgen doch viele Unternehmen immer gezielter auch eine gewisse Diversifizierung, nicht nur in Lieferketten, sondern eben auch in Absatzmärkten. Und hier sehen wir, dass Asien doch eine sehr, sehr große Rolle spielt. Asien, das immer noch eine der größten Wachstumsregionen der Welt ist.

Sie erwarten für Ihre Konferenz bis zu Tausend Besucherinnen und Besucher. Haben Sie vielleicht ein paar persönliche Tipps für sie, jenseits des Kongressprogramms?

Marie Antonia von Schönburg Ja, natürlich gerne. Wer sich zeitlich es leisten kann, dem kann ich die Klassiker empfehlen, wie den Gyeongbokgung Palast, gerne beim Sonnenuntergang, besonders schön, die Hanok Villages, Spaziergänge, zum Beispiel entlang des Jonggyecheon, dieser kleine Fluss, der mitten durch die Stadt führt. 

Hoch zum Namsan Tower fahren, von dort aus hat man einen fantastischen 360-Grad-Blick über die ganze Stadt. Und ganz viel Essen, von einem Restaurant ins nächste gehen. Korean Barbecue, Bibimbap, Korean Fried Chicken, alles was Sie aus den K-Serien kennen. Es schmeckt köstlich. Ich kann es Ihnen ans Herz legen. 

Und ein ganz persönlicher Tipp zum Schluss ist, auch abseits der typischen touristischen Zonen einfach mal durch Viertel laufen, in die sich sonst kein Tourist verläuft, um auch mal das echte Soul, den koreanischen Alltag, mitzuerleben und die Cafés und Restaurants in den etwas ruhigeren Gegenden auch mal ausprobieren.

Das macht auf jeden Fall Lust auf Seoul. Vielen Dank an Marie Antonia von Schönburg . 
Jetzt schauen wir genauer auf die Technologien, die für Koreas Wachstum sorgen: auf Halbleiter, künstliche Intelligenz und Robotik. Und sprechen mit Katharina Viklenko. Sie ist Leiterin des Korea-Büros von Germany Trade & Invest.

Hallo Frau Viklenko. Korea gilt als einer der wichtigsten Hightech-Standorte weltweit. Ist das so?

Katharina Viklenko Also der Eindruck ist grundsätzlich zutreffend. Korea belegt zum Beispiel auch im Global Innovation Index, der Weltorganisation für geistiges Eigentum stets die vorderen Ränge. Die Besonderheit, die den Hightech-Standort Südkorea ausmacht, ist, dass es sich durch kurze Innovationszyklen auszeichnet. 

Und vor allem auch über eine hohe Geschwindigkeit bei der Kommerzialisierung neuer Technologien verfügt. Das ist auch der Grund, warum es beispielsweise für deutsche Firmen oder auch für ausländische Firmen sehr häufig als eine Art Testlabor für neue Produkte und neue Dienstleistungen und Zukunftstechnologien benutzt wird. Testmarkt, weil die Kunden oder die Bevölkerung zum einen sehr offen ist gegenüber neuen Technologien. 

Also man kann hier sehr sehr vieles ausprobieren, erstmal austesten, schauen ob das Produkt überhaupt gut ankommt oder ob nachjustiert werden muss und zum anderen sind die koreanischen Konsumenten und Kunden auf der anderen Seite eben auch sehr anspruchsvoll. Das heißt, wenn das Produkt hier im Markt im lokalen Markt bestehen kann dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass es auch in anderen asiatischen Märkten oder auch Weltmärkten durchaus Erfolg haben kann.

Gerade jetzt im KI-Zeitalter scheint die Welt abhängig zu sein von Halbleitern aus Südkorea… Und auch die koreanische Wirtschaft erscheint abhängig von Ihrer Chip-Industrie. Kann man beides so sagen?

Katharina Viklenko Das kann man durchaus so sagen, Südkorea ist einer der weltweit wichtigsten Halbleiterstandorte. Und koreanische Firmen spielen, eben eine Schlüsselrolle gerade beim Thema KI, Rechenzentren, Smartphones und Elektronikprodukte mit den Chips die sie zur Verfügung stellen. Wir haben insbesondere eine Weltmarktführerschaft, gerade bei Speicherchips, also bei den sogenannten DRAM-Speicherchips und vor allem auch bei den HBM. 

Also das sind sogenannte High Bandwidth Memory Chips, die als anspruchsvollste Variante eben gelten. Und mit diesen HBMs lassen sich eben mehrere DRAMs stapeln. Um platzsparend besonders viel Speicher unterzubringen. Das sind also tatsächlich genau die Chips, die die KI-Welt aktuell braucht. Gibt es eine starke Abhängigkeit der koreanischen Wirtschaft von der Chipindustrie, die Elektronikbranche ist der wichtigste Industriesektor und Halbleiter sind ein großer Bestandteil davon. 

Vor allem ist das Land von den Exporten von Chips sehr stark abhängig. Zum Beispiel gerade in diesem Jahr waren die Chip-Exporte tatsächlich der zentrale Wachstumstreiber der Wirtschaftsleistung. Wir haben allein im ersten Halbjahr gesehen, dass die Exporte dank dieses Chipbooms eben nominal um 50 Prozent zugelegt haben. Und auch das prognostizierte Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr, das bei aktuell mehr als 3 Prozent liegt, beruht fast ausschließlich auf diesem Chip-Boom und ist entsprechend auch von der Entwicklung der künstlichen Intelligenz auf den Weltmärkten sehr stark abhängig.

Und welche Rolle spielen hier deutsche Zulieferer? Im Vorgespräch sprachen Sie sogar von einer Abhängigkeit Südkoreas.

Katharina Viklenko Die Abhängigkeit koreanischer Chiphersteller von deutschen Zulieferern ist tatsächlich deutlich höher als oft wahrgenommen. Südkorea produziert einige der wichtigsten Chips der Welt und Deutschland liefert dabei eben einen wichtigen Teil der Technologien, Materialien, der Spezialchemie und der Ausrüstung, ohne die diese Chips wirklich oft nicht hergestellt werden könnten.

Das Unternehmen Carl Zeiss etwa liefert Hochpräzissionsoptik für modernste Lithografiesysteme, wie sie das niederländische Unternehmen ASML zur Fertigung von Halbleitern eben bereitstellt. Es ist also ein unverzichtbarer Bestandteil der Fertigung leistungsfähiger Chips. Ein weiteres Beispiel das Unternehmen TRUMPF, das Lasertechnologien für die Halbleiterproduktion stellt und gleichermaßen eine wichtige Komponente eben für moderne Lithografieanlagen zur Fertigung von Chips zuliefert. 

Wir haben im Bereich von Chemikalien einige deutsche Anbieter. Wir haben Merck. Wir haben BASF, das ist ein Forschungs- und Entwicklungszentrum für elektronische Materialien, für die Halbleiterindustrie in Ansan in Korea betreibt. Und wir haben Henkel, das etwa Klebstoffe für Advanced Packaging, also die Gehäusetechnologie liefert.

Stichwort Industriepolitik:  Tut die südkoreanische Regierung etwas, um die Halbleiterindustrie noch weiter zu fördern?

Katharina Viklenko Auf jeden Fall. Die südkoreanische Regierung setzt auf KI und setzt weiterhin auf Halbleiter. Halbleiter sind in Korea ohnehin eine strategische Schlüsselindustrie von nationaler Bedeutung und insofern immer ein wichtiger Bestandteil der nationalen Industriepolitik. Entsprechend setzt die koreanische Regierung aktuell wirklich vollumfänglich darauf, um auch die technologische Führungsposition in diesem Feld zu sichern.

Bereits 2023 wurde ein erstes großes Halbleitercluster in der Stadt Jongin im Großraum Seoul angekündigt, mit zahlreichen neuen Fabriken von SK Hynix und Samsung. Das galt damals als Ziel, eben das weltweit größte Halbleitercluster aufzubauen. Und sollte im Jahr 2047 fertiggestellt werden. Durch den aktuellen Boom, durch die aktuell hohe Nachfrage nach Chips soll die Fertigstellung dieses Clusters deutlich vorgezogen werden. Und aktuell ist ein weiteres Chip-Mega-Cluster, diesmal in der Honnam-Region, im Südwesten Koreas, noch mal ins Spiel gekommen. 

Dort will die Regierung gemeinsam mit den koreanischen Chip-Herstellern eben ein weiteres Mega-Cluster aufbauen und mehr als 560 Milliarden US-Dollar investieren. Wichtig oder interessant ist dabei, dass in diesem Fall Halbleiter sehr eng verzahnt werden sollen mit weiteren Investitionen in auch unter anderem KI-Datenzentren. Als weiteres Megaprojekt und sogenannte Physical AI, also Robotik beispielsweise, um eben diese drei Themen Halbleiter, KI-Datenzentren und Physical AI, also physische KI, zu verzahnen.

Sie erwähnten gerade eine enge Verzahnung von Halbleitern mit Physical AI, also Robotern …

Katharina Viklenko Korea hat die mit Abstand weltweit höchste Roboterdichte in der Industrie. Beispielsweise kommen auf 10.000 Beschäftigte mehr als 1200 Roboter. Spannend ist dabei, dass das Thema Automatisierung eine lange Tradition in Korea hat und als Antwort auf zahlreiche Herausforderungen gesehen wird. 

Wir haben in Korea durchaus mit einer alternden Gesellschaft zu tun. Korea verzeichnet einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung und hat auch mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Auch steigende Lohnkosten sind ein Antriebsfaktor für mehr Automatisierung.

Sind Sie denn schon mal von einem Roboter bedient worden?

Katharina Viklenko Ich bin tatsächlich schon mal zu meinem Platz gewiesen worden. Ich habe auch schon mal einen von einem Roboterbarista aufgebrühten Kaffee getrunken. Also es ist durchaus schon Alltag in Korea, dass man das sieht. Ein interessanter Aspekt ist, eine Art menschliche Komponente oder wo versucht wird, irgendwie Roboter auch in soziale Gefüge zu integrieren. 

Also es gibt tatsächlich immer mehr quasi haustierähnliche Roboter, die man sich so als Begleiter für den Alltag als eine Art Haustier beschaffen kann, die sich dann vor allem an alleinstehende Menschen richten.

Korea setzt nicht nur besonders gern Roboter ein, sondern entwickelt und produziert die auch zunehmend selbst – ist aber auch hier auf Zulieferungen aus dem Ausland angewiesen. Auch aus Deutschland?

Katharina Viklenko Deutschland war, wenn man sich also etwa die Daten des Branchenverbandes anschaut, das zweitwichtigste Herkunftsland für Roboter und Robotikteile im Jahr 2024 mit einem Anteil von fast 16 Prozent. Und die Felder, wo deutsche Firmen besonders aktiv sind, das sind etwa Services, Industrieroboter, aber auch Roboterteile und Software, die aus Deutschland gefragt sind.

Zum Abschluss noch eine Frage: Zu Ihren Aufgaben gehört es auch, koreanische Firmen vom Standort Deutschland zu begeistern. Wie einfach – oder schwierig – ist das?

Katharina Viklenko Grundsätzlich ist das so, dass der internationale Wettbewerb um Investitionen natürlich deutlich stärker geworden ist. Dennoch ist Deutschland aber weiterhin ein sehr attraktives Land für ausländische Investitionen. 

Einer der größten Vorteile ist, dass es eben als größte Volkswirtschaft Europas auch einen Zugang zum EU-Binnenmarkt bietet oder eine hohe Rechtssicherheit hat, eine starke industrielle Basis, also nicht ganz unähnlich zu Korea und auch mit einer hohen Innovationskraft und Förderung von Forschung und Entwicklung punkten kann. Ich würde gerne noch ergänzen, was koreanische Firmen an Deutschland besonders schätzen. 

Wir haben nämlich eine Umfrage gemacht. Und dort haben wir eben festgestellt, dass wichtige Punkte genannt wurden: Die Nähe zu wichtigen Kunden in Europa, hochqualifizierte Fachkräfte, die hier zur Verfügung stehen. Auch die Forschungslandschaft mit Universitäten und Institutionen. Und nicht zuallerletzt auch industrielle Cluster und etablierte Lieferketten, die koreanische Firmen am Standort Deutschland besonders wertschätzen.

Wir sind am Ende unseres Interviews angekommen. Wollen Sie noch etwas ergänzen?

Katharina Viklenko 잘 들어주셔서 감사합니다. Jal deureo-jusyeoseo gamsahapnida. 
Katharina Viklenko Das wäre: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Vielen Dank für Ihre Zeit! Wir nehmen aus diesen beiden Interviews aus Seoul mit: Korea ist kulturell ein globaler Trendsetter und technologisch ein echter Taktgeber – und die Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft ist viel umfassender als von vielen angenommen. Allen APK-Besuchern wünschen wir eine gute Reise und erfolgreiches Netzwerken!

Zahlreiche Analysen von Katharina Viklenko und andere weiterführende Informationen finden Sie wie immer in unseren Shownotes.

Nächstes Mal führen wir Sie auf einen anderen Kontinent, nach Südamerika, wo das Freihandelsabkommen Mercosur gerade Fahrt aufnimmt. Seien Sie gespannt, bis dahin!