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Bergbau in Spanien und Portugal vor neuem Aufschwung

Investitionen in neue Minen für Lithium, Wolfram, Kupfer und Nickel eröffnen Zulieferchancen für den Maschinen- und Anlagenbau. Erste Projekte gehen an den Start.

Friedrich Henle

Von Friedrich Henle | Madrid

Das Thema Rohstoffe hat auch Spanien und Portugal erreicht. Beide Länder wollen dem Bergbausektor mehr Gewicht verleihen. Neue Strategien, Förder- und Explorationsprogramme sollen dabei helfen. Unternehmen aus dem In- und Ausland treiben Minenprojekte voran.

Ein Grund für die gestiegene Bergbauaktivität ist auch die EU-Rohstoffstrategie. Mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) hat die EU die Rohstoffsicherung zum Kernthema erklärt. Besonders bei kritischen Rohstoffen könnte die Iberische Halbinsel künftig eine größere Rolle für Europa spielen.

EU verleiht elf Projekten strategischen Status

10 Prozent des europäischen Lithiumbedarfs ließen sich allein aus der geplanten Barroso-Mine in Portugal decken. Die El Moto-Mine in Südwestspanien hätte das Potenzial, rund 25 Prozent des Wolframverbrauchs zu liefern. Aus dem ebenfalls dort geplanten Aguablanca-Projekt könnten zudem bis zu 30 Prozent des benötigten Nickels stammen.

Die geplanten Minenvorhaben gehören zu den europaweit 47 Projekten, die die EU im März 2025 als strategisch für die Versorgung mit kritischen Rohstoffen eingestuft hat. Der CRMA bildet die Grundlage für die Auswahl. Fast ein Viertel aller ausgewählten Projekte liegt auf der Iberischen Halbinsel. Das EU-Label soll schnellere Genehmigungsverfahren und Finanzierungsmöglichkeiten ermöglichen.

Strategische Projekte in SpanienInvestitionssumme in Millionen Euro
Projekt (Ort/ Region)ProjekttypRohstoff

Investitions-summe

ProjektträgerProjektstand
Poly Metallurgical Refinery (Gerena/ Andalusien)Abbau (Untertagebau) und VerarbeitungKupfer, Zink, Blei, Silber

850

Cobre Las Cruces, S.A.In Planung
CirCular (Huelva/ Andalusien)RecyclingKupfer, Silber, Gold, Nickel, Zinn, Palladium, Platin

500

Atlantic Copper, S.L.U.In Umsetzung; Produktionsstart Ende 2026 geplant
Las Navas (Cañaveral/ Extremadura)Abbau (Tagebau und Untertagebau)Lithium

540

Lithium Iberia, S.L.In Planung
El Moto (Abenójar/ Kastilien-La Mancha)Abbau (Untertagebau)Wolfram, Gold

211

Abenójar Tungsten, S.A.In Umsetzung; Produktionsstart 1. Quartal 2029 geplant
Aguablanca (Monesterio/ Extremadura)Abbau (Untertagebau)Kupfer, Silber, Gold, Nickel, Kobalt, Platin

100

Río Narcea Recursos, S.A.In Planung
Doade (Beariz/ Galizien)Abbau (Untertagebau)Lithium, Feldspat

120

Recursos Minerales de Galicia, S.A.In Planung; Produktionsstart 2028 geplant
La Parrilla (Almoharín/ Extremadura)Abbau (Tagebau) und VerarbeitungWolfram

30

Iberian Resources Spain, S.L.In Planung
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026
Strategische Projekte in PortugalInvestitionssumme in Millionen Euro
Projekt (Ort/ Region)ProjekttypRohstoff

Investitionssumme

ProjektträgerProjektstand
Barroso (Boticas/ Vila Real)Abbau (Tagebau)Lithium

350

Savannah Resources, PLCIn Planung; Produktionsstart 2028 geplant
Lift One (Estarreja/ Aveiro)VerarbeitungLithium

432

Lithium Energy, S.A.pausiert
Romano Mina (Montalegre/ Vila Real)Abbau (Tagebau und Untertagebau)Lithium

650

Lusorecursos Portugal Lithium, S.A.In Planung
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Finanzierung aus Deutschland für Portugals Lithiummine

Einen Schritt weiter ist das Lithiumprojekt "Barroso" im Norden Portugals. Im Juli 2026 präsentierte der Projektträger Savannah Resources die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Nach Angaben des britischen Unternehmens reicht die Produktion der Mine aus, um daraus jährlich eine halbe Million Batterien für Elektroautos herzustellen.

Bereits im Januar 2026 stellte die portugiesische Regierung einen Zuschuss in Höhe von 110 Millionen Euro in Aussicht. Zudem besteht seit Dezember 2024 die grundsätzliche Bereitschaft der deutschen Bundesregierung, einen möglichen Kredit der KfW IPEX-Bank über 270 Millionen US-Dollar mit einer staatlichen Garantie abzusichern.

Die potenzielle Förderunterstützung basiert auf Lithiumlieferungen nach Deutschland. Grundlage ist ein Abnahmevertrag von Savannah Resources mit AMG Lithium über 90.000 Tonnen an lithiumhaltigem Erzkonzentrat pro Jahr. AMG Lithium betreibt seit 2024 eine Lithiumraffinerie in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt.

Platzierung in Europa bei der Förderung kritischer Rohstoffe:

  • Spanien: Strontium (1.), Tantal (1.), Flussspat (1.), Wolfram (2.), Kupfer (2.)
  • Portugal: Lithium (1.), Wolfram (3.), Kupfer (5.), Feldspat (6.)

Quelle: Europäische Kommission 2026

Wolframminen nähern sich der Umsetzungsphase

Bei der geplanten Wolfram-Mine "El Moto" in der spanischen Region Kastilien-La Mancha ist der Startschuss bereits gefallen. Laut einer Pressemitteilung des Projektträgers Abenójar Tungsten vom August 2026 haben die Bauarbeiten begonnen. Mit 12,6 Millionen Euro bezuschusst die spanische Regierung das Projekt. Die erste Produktion von Wolframkonzentrat erwartet das Unternehmen im ersten Quartal 2029.

Weiter fortgeschritten ist auch das Wolfram-Projekt "La Parrilla" in der Extremadura. Dabei handelt es sich um die Reaktivierung einer Mine, die erst 2022 geschlossen wurde. Eigentümer des Projektträgers Iberian Resources Spain ist der Vermögensverwalter BlackRock aus den USA. Nach Angaben des Unternehmens wollen sich größere japanische Unternehmen an dem Minenprojekt beteiligen.

Bergbauinvestitionen bieten Chancen für Zulieferer

Ebenfalls um Wolfram geht es bei dem Vorhaben von Eurobattery Minerals in A Gudiña in Galizien. Das Unternehmen hat sich in der zweiten EU-Einreichungsrunde für strategische Projekte beworben. Geschäftsführer Roberto García Martínez rechnet mit einem Produktionsbeginn im ersten Quartal 2027 und erklärt gegenüber Germany Trade & Invest: "Die Finanzierung haben wir inzwischen über eine im Mai 2026 platzierte Wandelanleihe gesichert. Das Detailengineering befindet sich in der Abschlussphase und wird in Kürze veröffentlicht. Ein Großteil der zentralen Anlagen und Ausrüstungen ist bereits bestellt." Verbindliche Aufträge an deutsche Hersteller seien bisher noch nicht vergeben worden. Allerdings würden derzeit Angebote mehrerer deutscher Unternehmen für weiteres Equipment geprüft.

785 Mio. Euro

betrug der Importwert Spaniens bei Bergbaumaschinen im Jahr 2025.

Allein bei den von der EU ausgewählten strategischen Projekten auf der Iberischen Halbinsel ergibt sich ein Investitionsbedarf von mehr als 3 Milliarden Euro. Daraus entstehen Zulieferchancen für Anbieter von Bergbaumaschinen und Bergbauausrüstung. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) beobachtet bereits eine gestiegene Nachfrage aus der Region. "Die Ausfuhren nach Spanien und Portugal haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen", sagt Christoph Danner, Rohstoffexperte im Fachverband Mining des VDMA. Im Vergleich zu anderen Märkten sei das Volumen jedoch weiterhin ausbaufähig.

Ein wachsendes Potenzial des iberischen Marktes bestätigt auch Oliver Wilke, Vertriebsleiter Bergbau bei der Hermann Paus Maschinenfabrik. Das mittelständische Unternehmen aus Emsbüren in Niedersachsen stellt Spezialfahrzeuge für den Untertagebergbau her und ist in Portugal und Spanien über Vertriebspartner präsent. Wilke ordnet die Bedeutung des Marktes jedoch ein und sagt: "In Portugal haben wir zuletzt vier Maschinen im Jahr verkauft, aber unser größter Markt ist in Lateinamerika. Besonders in Peru verkaufen wir über unseren lokalen Partner Ferreyros zwischen 20 bis 30 Fahrzeuge pro Jahr."

Gesellschaftliche Akzeptanz bleibt Herausforderung

Viele Rohstoffvorhaben in Portugal und Spanien stoßen auf Widerstand. Bürgerinitiativen und Umweltverbände kritisieren aus ihrer Sicht eine unzureichende Einbindung der lokalen Bevölkerung und negative Auswirkungen auf die Umwelt. Häufig geht es um die Frage, ob der Wasserverbrauch die regional verfügbaren Ressourcen übermäßig belastet.

Mittlerweile beschäftigt beispielsweise die Barroso-Mine in Portugal auch den Europäischen Gerichtshof. Lokale Initiativen werfen der Europäischen Kommission in einer Klage vor, bei der Einstufung als strategisches Projekt europäisches Umweltrecht und Nachhaltigkeitsziele nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkungen
Asociación Española de Minería Metálica (AMINER)Spanischer Verband des Metallbergbaus
Associação Nacional da Indústria Extractiva e Transformadora (ANIET)Portugiesischer Bergbauverband
Ministerio para la Transición Ecológica y el Reto Demográfico (MITECO)Spanisches Ministerium für Umwelt und Demografie (auch verantwortlich für den Bergbausektor)
Ministério do Ambiente e EnergiaPortugiesisches Ministerium für Umwelt und Energie (auch verantwortlich für den Bergbausektor)
Direção-Geral de Energia e Geologia (DGEG)Oberste Bergbaubehörde Portugals
Mining & Minerals HallEuropäisches Branchentreffen für den Bergbau- und Rohstoffsektor (alle zwei Jahre); nächster Termin: 20. bis 22. Oktober 2026 in Sevilla