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Strommangel: Usbekistan setzt neben Gas auf Wind- und Solarkraft

Usbekistans Bevölkerung und Wirtschaft wachsen stark. Das Land investiert in neue Kraftwerke und Übertragungsleitungen. Ausrüstung und Planungsdienstleistungen sind gefragt.

Von Viktor Ebel | Taschkent

Erneuerbare Energien haben in Usbekistan erst spät Einzug gehalten. Die ersten größeren Solarparks gingen 2021 ans Netz. Seitdem hat das zentralasiatische Land seine grünen Erzeugungskapazitäten kräftig ausgebaut.

Der Ausbau ist dringend notwendig. Die boomende Wirtschaft und die wachsende Bevölkerung lassen die Stromnachfrage kontinuierlich steigen. Gleichzeitig verfolgt das Land ambitionierte Ziele zur Senkung seiner Emissionen. Diese sollen bis 2030 um 35 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2020 sinken.

Auch 2026 hält die Dynamik an. Bis Jahresende sollen Regierungsangaben zufolge mehr als 6,7 Gigawatt neue Erzeugungskapazitäten hinzukommen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Solar- und Windparks.

Gleichzeitig baut das Land seine Kapazitäten bei gasbetriebenen Kraftwerken aus. Zudem sollen neue Formen der Stromerzeugung erschlossen werden, darunter Müllverbrennung und Kernkraft.

Für ausländische Unternehmen bietet die usbekische Energiewirtschaft langfristige Kooperationschancen. Diese reichen von Ausrüstungslieferungen bis hin zu Beratungs- und Planungsdienstleistungen.

Prall gefüllte Projektpipeline für Wind- und Solaranlagen

6 Mrd. US$

wurden bis Mitte 2025 in erneuerbare Energien investiert, so Regierungsvertreter.

Ausländische Investoren aus der Golfregion treiben den Ausbau der erneuerbaren Energien in Usbekistan maßgeblich voran. ACWA Power aus Saudi-Arabien und Masdar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten haben in den vergangenen Jahren mehrere Anlagen ans Netz gebracht. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.

ACWA Power arbeitet an zwei Solarparks mit jeweils 500 Megawatt in der Region Samarkand. Hinzu kommt ein Windpark mit 1,5 Gigawatt in der Autonomen Republik Karakalpakstan. Masdar bereitet ein Solarprojekt mit 300 Megawatt in der Region Kaschkadarja vor. Insgesamt will das Unternehmen in den nächsten Jahren Projekte mit einer Leistung von 2 Gigawatt realisieren.

Ausgewählte Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien in Usbekistan *)Leistung in Megawatt; Investitionen in Millionen US-Dollar
Projekt (Region)

Leistung

Investitionen

Status / ZeitplanInvestor / Entwickler
Sazagan Solarkraftanlage 1 (Samarkand)

500 

770

Im Bau; Indienststellung 2027 vorgesehenACWA Power
Sazagan Solarkraftanlage 2 (Samarkand)

500

990

Im Bau; Indienststellung 2028 vorgesehenACWA Power
Guzar Solarkraftanlage (Kaschkadarja)

300 

225

Im Bau; Indienststellung 2027 vorgesehenMasdar
Kungrad Windkraftanlage (einschließlich 1.500 km Übertragungsleitungen; Karakalpakstan)

1.500

2.600

Im Bau; Umsetzung über 2027 hinausACWA Power
Kungrad Windkraftanlage (Karakalpakstan)

1.000

1.060

In VorbereitungAMEA Power
Bulungur Windkraftanlage (Samarkand)

500

500

Im Bau; Indienststellung 2027 vorgesehenUniversal Energy
Artemisya Windkraftanlage Phase 1 (Buchara)

100

keine Angabe

Im Bau; Indienststellung 2027 vorgesehenVoltalia
Naryn Wasserkraftkaskade, Stufen 2 bis 6 (Namangan)

190

428

Im Bau; stufenweise Inbetriebnahme bis 2027Uzbekhydroenergo
National Solar Program, Projekte 3 und 4 (Standorte offen)

250

keine Angabe

In Vorbereitung (Ausschreibung)Investor offen; Projektvorbereitung mit Asiatischer Entwicklungsbank
Weitere Solar- und Windprojekte (mehrere Regionen)

etwa 2.000

etwa 2.000

in VorbereitungMasdar
* Ohne Berücksichtigung von Batteriespeichern.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

An Solar- und Windparks sind deutsche Unternehmen bislang nur punktuell beteiligt. Chinesische Anbieter liefern häufig Windturbinen und Solarpaneele sowie treten als Generalauftragnehmer auf. Für deutsche Unternehmen ergeben sich vor allem Chancen bei Planung und Projektsteuerung.

Ein Beispiel ist das Beratungsunternehmen GOPA aus Hamburg. Als Project Manager Consultant hat es drei große Solarparks von Masdar in Usbekistan begleitet. Dabei prüfte das Unternehmen Dokumente, koordinierte Schnittstellen und überwachte den Bau.

Weitere Geschäftschancen bei Netzausbau und -integration

Mit der zunehmenden Einspeisung aus Wind- und Solarparks werden auch die Übertragungsnetze ausgebaut. Laut Regierungsangaben sollen bis 2030 neun neue 220-Kilovolt-Umspannwerke gebaut werden. Hinzu kommen sieben 500-Kilovolt-Umspannwerke sowie fast 5.000 Kilometer neue Stromleitungen.

Das eröffnet Absatzchancen für Transformatoren, Hochspannungsschaltanlagen sowie Schutz-, Leit- und Messtechnik. Deutsche Anbieter schlüsselfertiger Speicherlösungen könnten zudem von der seit 2024 geltenden Batteriespeicherpflicht für Wind- und Solarparks profitieren.

Auch die intensivierte Energiekooperation mit den Nachbarländern könnte weitere Geschäftsfelder eröffnen, schreibt das German Economic Team (GET) in einer aktuellen Studie. "Die regionale Integration der Stromnetze braucht Systemlösungen, die über den Bau von Übertragungsleitungen hinausgehen", sagt Woldemar Walter vom GET im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Deutsche Unternehmen seien hier gut aufgestellt, da sie über Erfahrung in der Netzplanung, Systemintegration und Netzautomatisierung sowie bei digitalen Steuerungssystemen verfügen.

Ab 2030 soll mehr als die Hälfte des Stroms grün sein

Während beim Ausbau Solar- und Windkraft dominieren, wird der Großteil des Stroms weiterhin aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Konventionelle Kraftwerke stellten Ende 2025 rund zwei Drittel der installierten Leistung von 24,7 Gigawatt. An der Stromerzeugung lag ihr Anteil aufgrund der hohen Auslastung sogar noch höher.

Das soll sich bis Ende des Jahrzehnts jedoch ändern. Die Regierung prognostiziert für 2030 eine jährliche Stromerzeugung von 129 Milliarden Kilowattstunden. Davon sollen 54 Prozent auf erneuerbare Energien entfallen.

Usbekistan setzt weiterhin auf fossile Brennstoffe

Um die wachsende volatile Erzeugung aus erneuerbaren Energien in das Stromnetz zu integrieren, bleibt Usbekistan auf konventionelle Kraftwerke angewiesen. Für 2026 war die Fertigstellung mehrerer großer Gas- und Dampfkraftwerke vorgesehen.

Ein Kraftwerk mit 1,5 Gigawatt ging im August 2026 in der Region Syrdarja ans Netz. Weitere Neu- und Ausbauprojekte sollen in den nächsten Monaten folgen. Sie entstehen in Dschissach, Nawoi und Kaschkadarja.

Im Mai 2026 kündigte die usbekische Regierung zudem den Bau eines neuen Braunkohlekraftwerks mit 1,4 Gigawatt in Angren an. Es soll mit Braunkohle aus dem nahe gelegenen Vorkommen Nisbosh versorgt werden.

Das Investitionsvolumen wird mit 1,3 Milliarden US-Dollar (US$) angegeben. Die Mittel sind unter anderem für den Kauf effizienter ultra-überkritischer Dampfkraftwerkstechnik vorgesehen.

Bau des ersten Kernkraftwerks hat bereits begonnen

Um der wachsenden Stromnachfrage gerecht zu werden und zugleich die eigenen Klimaziele zu erreichen, setzt Usbekistan künftig auch auf Kernkraft. Im Juni 2026 begann der Bau der ersten Anlage dieser Art. Das Projekt wird von Rosatom aus Russland umgesetzt, soll 9,5 Milliarden US$ kosten und etappenweise bis 2035 ans Netz gehen.

Die Beteiligung von Rosatom spricht eher gegen ein deutsches Engagement. Anders sieht es beim nuklearen Backend aus. Für Transport, Behandlung und Lagerung radioaktiver Abfälle wird eine usbekische Behörde zuständig sein. Sie ist auf Expertise aus dem Ausland angewiesen. 

Im Nachbarland Kasachstan wollen die staatlichen Stellen hierfür auf Know-how aus Deutschland zurückgreifen. Die kasachische Agentur für Atomenergie verhandelt mit dem in Karlstein am Main ansässigen Unternehmen Nukem über Beratungsdienstleistungen zum Management radioaktiver Abfälle.

Waste-to-Energy steht in Usbekistan noch am Anfang

Ein weiteres Novum in Usbekistans Energiesektor sind Müllverbrennungsanlagen zur Stromerzeugung. Die ersten sechs Anlagen werden aktuell mit chinesischen Projektpartnern vorbereitet. Laut Regierungsangaben sind von den veranschlagten 933 Millionen US$ Investitionen bereits über ein Viertel abgeflossen.

Die Anlagen sollen im Laufe des Jahres 2027 in Betrieb gehen. Eine zweite Projektwelle unter Beteiligung ausländischer Unternehmen soll mittelfristig fünf weitere Waste-to-Energy-Anlagen ermöglichen und 625 Millionen US$ an Investitionen anziehen.

Erste Müllverbrennungsanlagen zur Stromerzeugung entstehen in UsbekistanInvestitionen in Millionen US-Dollar
Standort/Region

Investition

Geplante Inbetriebnahme

Projektpartner
Taschkent

240

2027

China CAMC Engineering
Andischan

110

2027

China CAMC Engineering
Namangan

141,5

2027

China Everbright International
Fergana

141,5

2027

China Everbright International
Kaschkadarja

150

2026

Shanghai SUS Environment
Samarkand

150

2026

Shanghai SUS Environment
Quelle: Investitionsagentur Usbekistans 2026