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Thailand benötigt große Batteriespeicher
Thailand plant einen massiven Ausbau von Solaranlagen und Batteriespeichern. Deutsche Unternehmen können zuliefern.
04.11.2026
Thailand will 2050 klimaneutral sein. Die Regierung hatte die Zielmarke im November 2025 von 2065 um 15 Jahre vorverlegt. Voraussetzung für eine zügige Energiewende ist der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung. Dafür sind vor allem Solaranlagen geplant. Da die Stromerzeugung aus Solarenergie wetterbedingt schwankt, sind zusätzliche Speicherkapazitäten erforderlich.
Laut ersten Angaben des noch nicht veröffentlichten Entwicklungsplans für den Stromsektor (Power Development Plan, PDP) soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2050 auf 60 Prozent steigen. Kernenergie soll 10 Prozent beitragen. Hier ist der Einsatz der noch kaum erprobten kleinen modularen Kernreaktoren (Small Modular Reactors) eingeplant. Die verbleibenden 30 Prozent bleiben fossil. Thailand prüft die Erzeugung und den Einsatz von grünem Wasserstoff. Ob er in größerem Umfang eingesetzt wird, ist noch nicht abzusehen.
Solarstrom als Rückgrat der Energiewende
Nach ersten Angaben sieht der PDP bis 2050 Solarkapazitäten von 272 Gigawatt vor. Derzeit verfügt Thailand nur über rund 6 Gigawatt an netzgebundener Solarkapazität. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 2026 circa 120 Gigawatt. Das Energieministerium will umfangreiche Batteriespeichersysteme installieren lassen. Sie sollen Stromspitzen glätten, wenn die Solarstromproduktion den Verbrauch übersteigt. Bisher sind im Stromnetz Batteriespeicher mit einer Gesamtleistung von gerade einmal 1 GW im Einsatz. Der vorläufige PDP sieht Batteriespeicher mit einer Leistung von 40 Gigawatt vor.
Experten halten diese aber für zu niedrig. Je nachdem, wie viel Strom über welchen Zeitraum gespeichert werden soll, müssen die Speicher ausreichend dimensioniert sein, um größere Strommengen aus der Produktion am Tag in die Abendstunden zu verlagern. Die Spitzenlast der Stromnachfrage liegt nach Sonnenuntergang zwischen 19 und 20 Uhr.
Private Investoren sind Vorreiter
Bei Dachanlagen treiben vor allem Industriefirmen den Ausbau von Batteriespeichern voran. Sie produzieren den Solarstrom hauptsächlich für den Eigenbedarf, denn der staatliche Strommonopolist EGAT reguliert die Einspeisung ins Netz streng. Ziel von EGAT ist es, dass dezentrale Anlagen die Netzstabilität nicht gefährden. Neue Solarparks werden daher nur noch mit Batteriespeichern ausgeschrieben. Indem der Staat den Zubau von Solarkapazitäten an den Bau von Batteriespeichern knüpft, will er volatile Strompreise vermeiden und den Preisanstieg generell unter Kontrolle halten.
Insgesamt verläuft der Ausbau der erneuerbaren Energien bislang schleppend. Projektvergaben und Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements) der Versorger mit privaten Erzeugern sind oft intransparent und werden angefochten. Ausschreibungen müssen unter Umständen wiederholt werden.
Geschäftschancen jenseits der chinesischen Lieferketten
Mehr als 100 Akteure des Batteriespeichersektors haben sich in der Thailand Energy Storage Technology Association (TESTA) zusammengeschlossen und wollen die Entwicklung unterstützen. Der Verband gehört zur nationalen Forschungs- und Wissenschaftsbehörde NSTDA (National Science and Technology Development Agency; entspricht der Fraunhofer-Gesellschaft). Zu den Mitgliedern zählen auch BASF und der TÜV Süd.
Lithium-Ionen-Batterien sind laut TESTA in Thailand die wichtigste Speichertechnologie. Deren Produktion und Lieferketten sind überwiegend in China angesiedelt. Der Aufbau von großen Batteriespeichern benötigt aber vielfältige Kompetenzen wie technische Standardisierung und die schwierige Einspeisung größerer Mengen von Batteriestrom ins Netz. Hierbei sowie bei Elektronik und Chemie kann es Chancen für deutsche Zulieferer geben.
Bedarf an Batteriespeichern wächst in ganz Südostasien
Generell wächst die Stromnachfrage in ganz Südostasien schnell. So wird sie sich im dynamischen Vietnam bis 2050 mindestens vervierfachen. Selbst das wachstumsschwache Thailand mit seiner schon heute schrumpfenden Bevölkerung rechnet bis 2050 mit einer Verdoppelung der Stromnachfrage auf etwa 430 Terrawattstunden. Dies entspricht etwa dem heutigen Strombedarf Deutschlands.
Alle großen Volkswirtschaften in der Region haben zudem Net-Zero-Klimaziele. Windenergie wird im windarmen Südostasien nicht im industriellen Maßstab ausgebaut. Und die Voraussetzungen für grundlastfähige Wasserkraft oder Geothermie sind nur in einigen Gegenden gegeben. Solarstrom soll in den meisten südostasiatischen Ländern die wichtigste Erzeugungsquelle für die Energiewende sein. Hierfür werden auch dort große Batteriespeicher benötigt.
Die regionale Integration der nationalen Stromnetze zu einem regionalen ASEAN Power Grid (APG) ist geplant, wird aber lange Zeit erfordern. Die wirtschaftlichen Unterschiede und nationalen Interessen sind hier deutlich stärker ausgeprägt als im integrierten Strombinnenmarkt der EU.
Energiesubventionen als Mittel der Sozialpolitik
Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass Südostasien seine Stromerzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Energien bis 2030 verdoppeln wird. Der Zuwachs fällt im Vergleich zur globalen Entwicklung jedoch moderat aus und reicht bei Weitem nicht aus, um mit dem Wachstum der Stromnachfrage in Südostasien Schritt zu halten. Infolgedessen dürfte laut IEA in der ASEAN-Region auch die Stromerzeugung aus Kohlekraftwerken ohne Emissionsminderung bis 2035 um durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr wachsen.
Eine substanzielle Energiewende dürfte es in den ASEAN-Staaten auch nur geben, wenn sie kostenneutral geschieht. Solarstrom inklusive Batteriespeichersystemen sollte dazu gegenüber fossilen Erzeugungsformen preislich konkurrenzfähig sein. Betriebe und Privatverbraucher in der Region reagieren viel sensibler auf höhere Energiepreise als in Industrieländern. Strom, Kraftstoffe und Kochgas werden daher aktuell mit Milliardensummen subventioniert, um gestiegene Energiepreise abzufedern.