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Special Honduras Coronavirus

Alles auf Anfang: Regierung beschließt neuen Lockdown

Die Zahl der Coronainfektionen steigt in Honduras unaufhaltsam, auch Staatspräsident Hernández ist am Virus erkrankt. Die Regierung reagiert mit einem erneuten Lockdown.


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Angesichts steigender Coronainfektionen stoßen Kliniken an ihre Belastungsgrenzen. Bei Lockerungen legt die Regierung nun den Rückwärtsgang ein. (Stand: 24. Juni 2020)

    Gut drei Monate seit Bekanntwerden der ersten Coronafälle steht Honduras noch immer am Anfang der Pandemie: Innerhalb eines Monats hat sich die Zahl der an Covid-19-Erkrankten verdreifacht. Nur etwas mehr als 10 Prozent der Patienten gelten derzeit als wieder genesen - die meisten sind gemäß den offiziellen Statistiken noch an dem Virus erkrankt. Zu diesen zählt seit vergangener Woche auch der honduranische Staatspräsident Juan Orlando Hernández. Seit dem 16. Juni wird er wegen Corona im Militärkrankenhaus behandelt.



    Gesundheitssystem am Limit

    Große staatliche Krankenhäuser sind längst an der Belastungsgrenze angekommen. Es fehlen Ärzte und anderes Klinikpersonal, um mehr Behandlungsräume für Covid-19-Patienten anbieten zu können. Landesweit stehen gerade einmal 120 Intensivbetten für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung. Ein weiteres Problem: Die mangelhafte Ausstattung und die Konzentration der ohnehin geringen Ressourcen auf Corona erschwert die Behandlung von Dengue-Patienten. Im Februar 2020 hat die Panamerikanische Gesundheitsorganisation einen starken Anstieg des Virus in Zentralamerika und der Karibik gemeldet.

    Alles auf Anfang: Regierung nimmt Lockerungen zurück

    Honduras zählt nach Panama und Guatemala zu den Ländern mit den meisten Coronainfizierten in Zentralamerika. Seit Mitte März gelten strenge Ausgangsbeschränkungen, insbesondere in den Regionen Cortés und Francisco Morazán, wo sich die Hauptstadt des Landes, Tegucigalpa, befindet. Medienberichten zufolge hat die Regierung die Lockerungen des wirtschaftlichen Lebens im Hauptstadtbezirk wegen stark steigender Coronainfektionen wieder zurückgenommen. Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs, Restaurants und andere Betriebe mussten gut zwei Wochen nach Öffnung wieder schließen.

    Erst am 8. Juni hatte die Regierung, entgegen der Warnungen von Virologen, mit dem Hochfahren der Wirtschaft begonnen. Geplant war, dass in den stark betroffenen Gebieten vorerst 20 Prozent der Mitarbeiter zu ihren Arbeitsplätzen zurückkehren dürfen, in Regionen mit geringerem Infektionsgeschehen 40 beziehungsweise 60 Prozent. Für die Hauptstadt hat die Regierung diese Regelung nun gekippt. Der öffentliche Personennahverkehr, Einkaufszentren, Flughäfen und Schulen bleiben landesweit geschlossen.

    Wirtschaftseinbruch um bis zu 4 Prozent möglich

    Der Arbeitgeberverband COHEP geht davon aus, dass der Lockdown eine halbe Million Arbeitsplätze im Land zerstört habe. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird in diesem Jahr zwischen 2,9 und 3,9 Prozent zurückgehen, prognostiziert die honduranische Zentralbank. Besonders hart trifft die Coronakrise die Tourismusindustrie im Land. Die karibische Ferieninsel Roatán rechnet nicht vor Jahresende mit einer Wiederbelebung des Gastgewerbes, da Kreuzfahrttouristen ausbleiben würden, heißt es in einem wöchentlichen Statement zur Lage in Honduras der Deutsch-Honduranischen Industrie- und Handelskammer (AHK). Und die restlichen circa 960 Hotels auf dem Festland, überwiegend kleine Pensionen, müssten mit einer Auslastung von 5 bis 10 Prozent auskommen.


    "Die geschlossenen Grenzen, die ausbleibenden Kreuzfahrtschiffe sowie der eingestellte Flugverkehr haben die Tourismusbranche in eine tiefe Krise gerissen. 97 Prozent der Firmen sind KMU und alle sind von Covid-19 betroffen," sagt AHK-Geschäftsführer Peter Paysen.


    Pandemie trifft die Ärmsten am stärksten

    Honduras gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 2.500 US-Dollar (US$) zu den ärmsten Ländern Zentralamerikas. Nur Nicaragua weist ein noch geringeres BIP Pro Kopf aus. Die durchschnittliche Armutsrate in Honduras liegt laut Zahlen der UN-Wirtschaftskommission CEPAL bei 55,7 Prozent, fast jeder Fünfte lebt sogar in extremer Armut (19,4 Prozent) und verdient nicht mehr als 1 US$ pro Tag. Die Einschränkungen des wirtschaftlichen Lebens und die Ausgangsbeschränkungen bringen große Teile der Bevölkerung in Existenznot.

    Hinzu kommt, dass auch viele Angehörige in den USA in der Coronakrise ihre Jobs verloren haben und deshalb weniger Geld in die Heimat schicken können:  Zwischen Januar und Mai 2020 flossen 1,94 Milliarden US$ nach Honduras, das entspricht einem Rückgang der Rücküberweisungen von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für die honduranische Volkswirtschaft sind diese Geldsendungen aus dem Ausland extrem wichtig: Sie machen etwa ein Fünftel der Wirtschaftsleistung aus. Durch das Ausbleiben von Einkommen und knapper Lebensmittel kommt es vielerorts zu Hungerprotesten der verarmten Bevölkerung.

    Von Sofia Hempel | Bonn

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Eine Einreise nach Honduras ist trotz erster Lockerungen nicht möglich. Wann Flüghäfen wieder öffnen, ist ungewiss. (Stand: 24. Juni 2020)

    Seit dem 15. März ist die Einreise über Land, Luft und Wasser nach Honduras untersagt. Flughäfen sind von den Anfang Juni beschlossenen Lockerungen explizit ausgenommen. Wann sie wieder öffnen, ist derzeit ungewiss. Auch der öffentliche Personennahverkehr, sowohl der städtische als auch der innerstädtische, bleibt in Honduras eingestellt.


    Da das Infektionsgeschehen in Honduras nach wie vor sehr dynamisch ist, sollten für eine aktuelle Einschätzung der Lage lokale Tageszeitungen herangezogen werden. Hierzu zählen unter anderem "La Tribuna", "La Prensa" und "Tiempo Digital". Die Deutsch-Honduranische Industrie- und Handelskammer (AHK) veröffentlicht wöchentlich ein Statement zur Coronasituation in deutscher Sprache auf ihrer Internetseite.

    Beachten Sie die fortlaufend aktualisierten Informationen des Auswärtigen Amtes zu Honduras, insbesondere die aktuellen Reisehinweise zum Land. Bei der Wiedereinreise nach Deutschland kann es zu Beschränkungen kommen, darunter zu Quarantäneverordnungen. Die Maßnahmen können innerhalb Deutschlands abweichen. "Reisende sollten sich hierüber vor einer Reise bei den Behörden ihres Bundeslandes erkundigen", heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes.

    Bewegungsfreiheit eingeschränkt

    Wegen der Coronapandemie hat die honduranische Regierung am 10. Februar den Gesundheitsnotstand ausgerufen und am 16. März, sechs Tage nach Bekanntwerden des ersten Coronafalls, landesweite Ausgangsbeschränkungen verhängt. Diese sind nach wie vor in Kraft.

    Menschen im Land dürfen sich nur an einem Werktag pro Woche von 9 bis 17 Uhr frei bewegen, es gilt eine allgemeine Maskenpflicht. Wer an welchem Tag rausgehen darf, regelt die letzte Ziffer im Ausweis. Samstags und sonntags müssen alle zu Hause bleiben. Die Ausgangsbeschränkungen betreffen Touristen gleichermaßen.

    Geschäfte des täglichen Bedarfs und Apotheken sind am Wochenende geschlossen. Allerding ist ein Außerhausverkauf gestattet. Einkaufs- und Kongresszentren bleiben bis auf Weiteres geschlossen.

    Betriebe müssen Transport von Mitarbeitern selbst organisieren

    Der öffentliche Personenverkehr, in Honduras ausschließlich von privaten Unternehmen organisiert, ist seit zwei Monaten eingestellt. Busse, Mikrobusse und Taxen dürfen wegen der Coronabestimmungen seit Mitte März keine Passagiere mehr befördern. Unternehmen müssen für ihre Angestellten die Beförderung zur Arbeitsstätte unter strengen Hygienemaßnahmen selbst organisieren. Zudem müssen Arbeitgeber einen Passierschein für ihre Mitarbeiter bei der nationalen Polizei beantragen.

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    Von Sofia Hempel | Bonn

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