Special Schweden Wege aus der Coronakrise

Ende September kehrt die Normalität größtenteils zurück

Trotz wirtschaftlicher Erholung wurden einige Hilfsmaßnahmen bis Ende September verlängert. Zu diesem Zeitpunkt sollen dann die meisten Einschränkungen wegfallen. 

Von Michał Woźniak | Stockholm


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Die schwedische Wirtschaftsleistung hat wegen Corona 2020 knapp 3 Prozent eingebüßt. Die Regierungskrise ist vorübergehend vertagt. (Stand: 7. Juli 2021)

    Regierungskrise vorerst vertagt

    Das Parlament hat dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven gegenüber Ende Juni ein Misstrauensvotum ausgesprochen. Am 7. Juli erhielt er sein Amt zurück - allerdings auf eine alles andere als überzeugende Weise. Nach dem schwedischen Wahlsystem ist eine Mehrheit nicht notwendig, es darf nur keine Mehrheit dagegen stimmen. Daher reichten Löfven 116 Stimmen von 349. Enthaltungen abgezogen, fehlten der Opposition zwei Stimmen um sein Comeback zu verhindern.

    Dadurch wird das Regieren in der alten Unterstützer-Konstellation - von tiefrot-links über rot und grün bis liberal-agrar-gelb - nicht einfacher: Die Krise wurde durch den Streit um die Liberalisierung des Mietsystems ausgerufen. Ein ähnlicher Konflikt könnte bereits im Herbst beim Votum über den Haushalt 2022 anstehen. Dann wird sich zeigen, ob das neue Kabinett - voraussichtlich größtenteils die bisherigen Gesichter - bis zu den regulär 2022 anstehenden Wahlen durchhält.

    Laut Schätzung des schwedischen Statistikamtes SCB sank das Bruttoinlandsprodukt 2020 im Vergleich zum Vorjahr um real 2,8 Prozent. Die Prognosen erwarten übereinstimmend, dass das Vorkrisenniveau bereits im laufenden Jahr wieder erreicht wird. Was dazu beiträgt, erfahren Sie in unserem Wirtschaftsausblick.

    Kommen Neuwahlen, würden sie mit dem Auslaufen zahlreicher Hilfsmaßnahmen zusammenlaufen. Ein entscheidender Moment, der die von der Konkursstatistik kolportierte Resistenz der Wirtschaft überprüfen wird. Laut dem schwedischen Statistikamt SCB mussten 2020 knapp 6.800 Unternehmen ihre Tätigkeit einstellen, das sind weniger Firmen als im Jahr zuvor. Einen Anstieg verzeichneten hier nur vier Sektoren: die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Logistik, unternehmensnahe Dienstleistungen und vor allem die Hotel- und Gastwirtschaft. Das wirkliche Ausmaß dürfte sich aber erst nach dem Auslaufen der Hilfsmaßnahmen, also im letzten Quartal 2021, zeigen.

    Industrie erholt sich zügig

    Die Erholung der Industrie kommt schnell voran. Der vom staatlichen Konjunkturinstitut erhobene Index der Wirtschaftstendenz setzte im Frühling 2021 seinen steilen Wachstumskurs fort. "Sowohl bei Vorgütern, Investitionsgütern als auch langlebigen Konsumgütern ist das Vertrauen so hoch wie nie zuvor", analysierten die Autoren das Mai-Ergebnis. Nur die Anbieter von schnelllebigen Konsumgütern sind etwas zurückhaltender. Die Bauwirtschaft erwartet zum ersten Mal seit Sommer 2018 steigende Angebotspreise.

    Die meisten Sparten erreichten in den ersten vier Monaten 2021 laut SCB Umsatzgewinne - und zwar nicht nur im Vergleich zu den ersten vier Monaten 2020, sondern auch im Vergleich zu den ersten vier Monaten 2019. Zu den wenigen Ausnahmen zählten Lebensmittelhersteller, Druckereien sowie Verarbeiter von Energierohstoffen. Der Maschinenbau und die Kfz-Branche nutzen für ihr Wachstum vor allem die starke Exportnachfrage - die Binnenumsätze bleiben in beiden Fällen noch unter dem Vorkrisenniveau. Allerdings hat der Auftragseingang beider Sparten im Frühling im Vergleich zum Jahreswechsel an Fahrt verloren. Auch deswegen bleibt die Auslastung noch unter dem Niveau des Jahres 2019.

    Hinzu kommen Engpässe bei Zulieferern. Der Verband der technischen Industrie Teknikföretagen identifizierte in seinem Juni-Bericht neben einem Engpass bei Halbleiterimporten auch einen bei einheimischen Lieferungen. "Die Versorgungslage ist angespannt. Viele Zulieferer außerhalb der Technologiebranche, wie beispielsweise die Stahlindustrie, unternehmen nicht genug Anstrengungen um [unseren] Bedürfnissen nachzukommen", sagt Bengt Lindqvist, Chefvolkswirt des Verbandes. Entsprechend plagen den Technologiesektor lange Lieferzeiten und Preisanstiege bei den Komponenten. "Wenn dies nicht nachlässt, legt es erfahrungsgemäß den Grundstein für den nächsten Wirtschaftsabschwung", warnt Lindqvist.

    Uneinheitlicher Investitionsausblick

    Vor allem könnte sich die Erholung der Maschinen- und Geräteinvestitionen verlangsamen. Diese Investitionen gingen laut der Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission 2020 um knapp 6,5 Prozent zurück, sollen aber dieses und nächstes Jahr jeweils ein Wachstum von über 5 Prozent aufweisen. Dabei helfen sollen auch einige Initiativen der Regierung, wie Vergünstigungen für Maschinenkäufe, Förderung von Forschung und Entwicklung, "grüne" Staatsinvestitionen und zahlreiche Stützen für den Arbeitsmarkt, Jobeinsteiger und das Wachstum von Kleinstfirmen.

    Öffentliche Mittel werden auch Hauptantriebskraft des Investitionswachstums insgesamt sein. Wegen der rückläufigen Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen 2019 konnte bereits im ersten Pandemiejahr ein kleines Wachstum verbucht werden. Der Unternehmenssektor gab wegen der negativen Investitionsentwicklung im Dienstleistungssektor aber insgesamt weniger aus. Im laufenden und kommenden Jahr soll sich der Trend drehen.

    Ein Fokus dürfte die Digitalisierung sein. "Die Pandemie hat zu einer starken technologischen Entwicklung geführt. Wir sehen auch, dass einige Unternehmen an der Spitze stehen und gut darin sind, sich neue Technologien anzueignen. Hier ist es wichtig, dass die übrigen Unternehmen mithalten, bevor der Abstand zu den Effizienteren zu groß wird", sagt Sanna Arnfjorden, Chefin des Arbeitgeberverbandes Sinf. Die "Übrigen", das sind knapp 50 Prozent der befragten Zulieferer, gaben an, erst am Anfang ihres Digitalisierungsweges zu stehen.

    Weiterführende Informationen zu ausgewählten Branchen bietet unser Branchencheck.

    Deutsche Exporte hinken hinterher

    Deutsche Industrieausstatter könnten die Chancen des Digitalisierungstrends besser auszunutzen. Sie sind bei den schwedischen Maschinenimporten (SITC 7.1 bis 7.4) unangefochtener Spitzenreiter. Im Jahr 2020 sicherten sie sich knapp 29 Prozent der Importaufträge im Gesamtwert von etwa 13 Milliarden Euro und damit so viel wie die fünf nächststärksten Konkurrenten (Italien, China, Finnland, USA, Dänemark) zusammen. Bei Elektronik (SITC 7.5-7.6) fiel das Ergebnis mit knapp 1,2 Milliarden Euro weniger beeindruckend aus. Spitzenreiter Niederlande verdiente fast viermal mehr. Zudem erzielt Deutschlands größter Konkurrent Polen weit höhere Zuwächse in diesem Bereich - immerhin teilweise dank der dort produzierenden deutschen Investoren.

    Stärkere Anstrengungen bei der Gewinnung schwedischer Kunden scheinen jedoch nicht nur bei Industrieausstattern notwendig zu sein. Deutschland - Schwedens wichtigste Importnation - wurde zu Beginn der Pandemie nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen wie die Konkurrenz. Seit Sommer 2020 kann es aber mit deren Wachstumstempo nicht mithalten, wohl nur teilweise bedingt durch den Produktmix.

    Lesen Sie die aktuelle Einschätzung der schwedischen Wirtschaftslage von Professor Hubert Fromlet, Senior Berater der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Um den Übergang zum regulären Betrieb so nahtlos wie möglich zu gestalten, verlängert die Regierung zahlreiche Hilfsmaßnahmen bis Ende September 2021. (Stand: 30. August 2021)

    Sofern trotz Kurzarbeit und anderer Hilfsmaßnahmen Kündigungen unausweichlich werden, sollten sich Unternehmen mit den schwedischen Arbeitsrechtsbestimmungen vertraut machen, vor allem mit der flexibleren Auslegung des Arbeitsmangels als Kündigungsgrund.

    Unterstützungsmaßnahmen der Regierung

    Was?

    Wer?

    Wie viel?

    Wann?

    Kompensation von Umsatzausfällen

    Selbstständige mit einem Mindestumsatz von 200.000 skr (etwa 19.730 Euro), ab November mindestens 180.000 skr (etwa 17.750 Euro) im Jahr 2019

    Seit November 2020 bis zu 70 Prozent des Umsatzrückgangs, aber nicht mehr als 48.000 skr (etwa 4.735 Euro); um eine Kompensation beantragen zu können, muss ein Mindestumsatzrückgang gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum von 30 Prozent dokumentiert werden; Grundlage für die Berechnung des Umsatzrückgangs ist der entsprechende Vorjahreszeitraum

    Bis 30.09.2021

    Kompensation von Umsatzausfällen

    Handelsgesellschaften, bei denen mindestens ein Partner eine natürliche Person ist

    Unternehmen, die vom coronabedingten Rückgang des Nettoverkaufs betroffen sind, der im Vergleich zum entsprechenden Monat 2019 mindestens folgende Höhe erreichte:

    • März, April 2020 - 30 Prozent,
    • Mai 2020 - 40 Prozent,
    • Juni, Juli 2020 - 50 Prozent,
    • August-Oktober 2020 - 40 Prozent,
    • November 2020-Februar 2021 - 30 Prozent,
    • März-September 2021 - 30 Prozent

    können über die Behörde für Wohnen, Bauen und Planen einen Ausgleich für die Ausfälle beantragen; ihre maximale Höhe variiert je nach Monat und beträgt für das 2. Quartal 2021 bis zu 90 Prozent des Rückgangs, aber nicht mehr als 24.000 skr (etwa 2.386 Euro) für jeden natürlichen Partner.

    Um die Hilfen beantragen zu können, müssen die Antraggeber einen Mindestumsatz in 2019 erwirtschaftet haben; für Hilfen im Zeitraum März bis Oktober 2020 liegt die Schwelle bei 200.000 skr (etwa 18.887 Euro), für die Monate danach bei 180.000 skr (etwa 16.999 Euro)

    Bis 30.09.2021

    Kurzarbeit

    Alle Unternehmen

    Normalerweise können Angestellte für maximal 7 aufeinanderfolgende Monate in Kurzarbeit geschickt werden und Arbeitgeber einen Ausgleich bis zu 50 Prozent der Kosten beantragen; wegen Corona wurde die Obergrenze der Dauer bis zum 30.06.2021 aufgehoben und der Erstattungsanteil im Zeitraum 1.12.2020 bis 31.3.2021 auf 75 Prozent angehoben; zu den normalerweise möglichen Kürzungen der Arbeitszeit um 20, 40 oder 60 Prozent wurde für den Zeitraum 1.1.2021 bis 30.4.2021 eine zusätzliche Kürzungsschwelle von 80 Prozent hinzugefügt; weitere Informationen gibt und Anträge bearbeitet die Schwedische Agentur für Wirtschaftliches und Regionales Wachstum

    Bis 30.9.2021

    Steuerstundung

    Alle Unternehmen mit nicht selbstverschuldeten Liquiditätsproblemen

    Umfasst Mehrwertsteuer und Lohnsteuer; nähere Informationen stellt das schwedische Finanzamt auf Englisch zur Verfügung; die digitale Beantragung ist ausschließlich auf Schwedisch möglich

    k.A.

    Fixkostenerstattung

    Alle Unternehmen mit Nettoverkäufen von mindestens 250.000 skr (etwa 23.609 Euro) im letzten vollen Finanzjahr, die für die F-Steuer registriert sind

    Unternehmen, die von coronabedingten Umsatzrückgängen betroffen sind, die im Vergleich zum entsprechenden Monat 2019 mindestens folgende Höhen betragen:

    • März, April 2020 - 30 Prozent,
    • Mai 2020 - 40 Prozent,
    • Juni-Oktober 2020 - 50 Prozent,
    • November 2020-April 2021 - 30 Prozent,
    • Mai-Juni 2021 - 30 Prozent

    können eine Erstattung der Fixkosten beantragen; Kleinunternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und Jahresumsätzen unter 100 Millionen skr (etwa 9,9 Millionen Euro) können bis zu 90 Prozent, größeren Firmen bis zu 70 Prozent der unausweichlichen Fixkosten erstattet werden; in beiden Fällen liegt die Obergrenze der Kompensation für den Zeitraum August 2020 bis Juni 2021 bei 97 Millionen skr (etwa 9,6 Millionen Euro); Unternehmen, die ihre Tätigkeit  aufgrund von Maßnahmen des Pandemiegesetzes vorübergehend ganz aussetzen müssen, können eine Erstattung von bis zu 100 Prozent beantragen; in ihrem Fall beinhalten Fixkosten zusätzlich Lohnkosten, die nicht bereits von den Kurzarbeitsregelungen profitieren; die Obergrenze der Kompensationszahlungen wurde auf 75 Millionen skr (etwa 7,7 Millionen Euro) monatlich festgelegt.

    Für Unternehmen, die neben dem oben erwähnten Mindestumfang an Umsatzausfällen weitere 25 Prozent nachweisen können, die direkt durch Coronabeschränkungen verursacht wurden, gilt für den Zeitraum Juni 2020 bis September 2021 eine Sonderregelung, die die Erstattung von bis zu 100 Prozent der Fixkosten ermöglicht.

    1.3.2020 bis 30.9.2021

    Mietzuschuss

    Unternehmen aus den Bereichen Einzelhandel, Hotel- und Gastwirtschaft, verbraucherorientierte Industrien und Dienstleistungen

    Vermietern, die ausgewählten Mietern, deren Angebot sich an Einzelpersonen wendet, im Zeitraum Januar bis März 2021 die Miete senken, werden 50 Prozent des Rabatts von der Lokalverwaltung erstattet.

    Grundlage ist ein entsprechender, schriftlicher Vertrag zwischen Vermieter und Mieter, der auch rückwirkend, aber nicht später als am 30.04.2021 unterschrieben wurde.

    Bezuschussungszeitraum 1.1. bis 30.9.2021

    Überbrückungskredit

    Kleine und mittlere Unternehmen

    Unternehmen können über ihre Hausbank/ihren Kreditgeber einen neuen Kredit beantragen, der im Rahmen des Programms Företagsakuten zu 70 Prozent vom staatlichen Schuldenbüro Riksgälden garantiert wird.

    Bis 30.9.2021

    Arbeitslosengeld

    Selbstständige

    Selbstständige werden bei der Auszahlung von Arbeitslosengeld von der sogenannten Fünf-Jahre-Regel befreit, wenn sie ihre Tätigkeit aussetzen, weil die Einnahmen coronabedingt wegfallen. Die Regel besagt, dass ein Selbstständiger zwischen dem Geltendmachen von Ansprüchen auf Arbeitslosenunterstützung mindestens fünf Jahre ununterbrochen am Markt aktiv gewesen sein muss.

    Bis Ende 2021

    Höhere Starthilfe

    Neugründer

    Verdoppelung der Auszahlungsdauer der Starthilfe auf 12 Monate

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Für entlassene Mitarbeiter wurden die Mindestanforderungen bezüglich Beschäftigungsdauer und Dauer der Mitgliedschaft bei der freiwilligen Arbeitslosenversicherung (A-Kassa) für die Auszahlung von Arbeitslosengeld gesenkt. Damit die Zeit ohne Anstellung so kurz wie möglich bleibt, fördert der Staat Unternehmen, die neue Mitarbeiter einstellen. Mit Nachlässen bei den Sozialabgaben sollen Kleinstfirmen zum Wachstum animiert werden. Damit auch Berufseinsteiger und Langzeitarbeitslose bessere Chancen haben, werden mehr Mittel für Einführungs- und Extrastellen bereitgestellt. Zudem können Unternehmen unabhängig von ihrer Größe günstiger Berufseinsteiger einstellen.

    Flexiblere Krankschreibungen

    Die Gültigkeit großzügigerer Regelungen im Krankheitsfall wurde bis Ende September 2021 verlängert. Angestellte müssen demnach ab dem 15. statt wie bisher ab dem 8. Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Die schwedische Sozialversicherungsanstalt entschädigt Arbeitgeber für Krankenzahlungen, die "über den normalen Umfang" hinausgehen.

    Handelt es sich um eine langwierige Krankheit, die einer Reha bedarf, kann die übliche Überprüfung der Arbeitsfähigkeit nach 180 Krankheitstagen ab März 2021 auf einen Zeitpunkt nach dem 365. Tag verlegt werden, falls der Arzt glaubt, bis dahin sei der Patient wieder arbeitsfähig.

    Ein-Personen-Gesellschaften sowie Kommanditisten können ebenfalls bis Ende September 2021 einen pauschalen Ausgleich für die ersten 14 Krankheitstage sowie eine Kompensation für eine vom Arzt verordnete Quarantäne in Anspruch nehmen. Mitbewohner von positiv auf Covid-19 getesteten Personen werden angehalten, ebenfalls zu Hause zu bleiben. Dafür können sie die sogenannte Trägerzulage (smittbärarpenning) beantragen. Diese beträgt bis zu 80 Prozent ihres Gehaltes, aber nicht mehr als 78 Euro pro Tag.

    Aktuelle Informationen zu Krisenmaßnahmen in Schweden
    • Eine Übersicht der Corona-Hilfsmaßnahmen auf Englisch bietet das öffentliche Businessportal Verksamt an.
    • Auf Deutsch informiert das Sonderportal der AHK Schweden.

    Innovationen und Umwelt bieten Chancen

    Trotz des Umfangs der akuten Hilfsmaßnahmen bleiben in der Staatskasse genug Mittel für zukunftsorientierte Programme. Zwar wird sich auch im größten Land Skandinaviens die seit 2015 gehaltene "schwarze Null" wieder rot einfärben. Der öffentliche Schuldenstand, der 2019 bei etwa 35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lag, wird 2020 sichtlich zulegen. Dennoch wird der schwedische Haushalt damit im Vergleich zu den anderen Staaten der Europäischen Union weiterhin sehr gut dastehen.

    Die schwedische Finanzministerin kündigte für 2021 ein Konjunkturpaket im Umfang von knapp 10 Milliarden Euro an. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, Innovationen, Bildung und Gesundheit.

    Unternehmen und Forschungsinstitute bekommen Unterstützung für ihre Innovationstätigkeit. Um auch die allgemeine Investitionstätigkeit zu beschleunigen, erhalten Unternehmen zudem neue Abschreibungsmöglichkeiten für die Erneuerung des Maschinenparks. Sie werden auch auf dem Weg zum „fossilfreien Schweden“ unterstützt. Die zentrale Bezuschussung der Gesundheitspflege wird sowohl in direkter Verbindung mit der Pandemiebekämpfung als auch in Bereichen wie Onkologie, notärztliche Hilfe oder Geburtshilfe eingesetzt.

    Schwedischer Corona-Impfplan

    Die Impfkampagne wird von den Regionen verantwortet, ist freiwillig und kostenlos. Geimpft wird ausschließlich mit Produkten von BioNTech/Pfizer und Moderna. Ab dem 1. September 2021 können Personen über 18 Jahre und mit besonders schwachem Immunsystem eine dritte Dosis buchen. Alle Terminvereinbarungen werden über das Gesundheitsportal 1177.se abgewickelt.


    Über die aktuellen Impfraten informiert das Dashboard des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Mit Coronapass ist die Reise nach Schweden unproblematisch. Ende September sollen die inländischen Beschränkungen nahezu komplett entfallen. (Stand: 14. September 2021)

    Die sinkenden Infektions- und Krankenzahlen sowie die "größte Impfkampagne der schwedischen Geschichte" nahm die dortige Regierung bereits im Mai zum Anlass, einen fünfstufigen Plan der Rückkehr zum normalen Alltag vorzustellen.

    Knapp zwei Monate nach dem Einläuten der dritten Stufe Mitte Juli gab die staatliche Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten grünes Licht, um Stufe vier zu zünden. Demnach werden zum 29. September die meisten Teilnehmerlimits bei Veranstaltungen wegfallen - bis dahin von 50 Personen ohne feste Sitzordnung in Innenräumen bis 3.000 mit fester Sitzordnung im Freien. Einzig bei sehr großen Events mit über 15.000 Teilnehmern gelten auch dann noch Beschränkungen, die jedoch mit einer Coronapass-Kontrolle vermieden werden können. Aufgehoben wird zudem die Empfehlung, in der Gastronomie, in Kinos, Theatern oder bei Sportevents nur maximal acht Personen zusammensitzen zu lassen.

    Empfehlungen (rekommendationer) sind in Schweden anders zu verstehen als in vielen Ländern. Auf ihnen basierten in den vergangenen anderthalb Jahre nahezu alle Einschränkungen im öffentlichen Leben. Das Land setzt auf ein hohes Maß an Selbstverantwortung statt auf Strafen. Die Empfehlungen sollten nach Möglichkeit befolgt werden, um Missverständnisse und Unannehmlichkeiten zu vermeiden.

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Eine weitere Empfehlung, die ab dem 29. September ihre Gültigkeit verliert, ist die zum Homeoffice. Öffentliche Stellen werden wieder zu normalen Abläufen zurückkehren und auch Privatbetriebe können dies tun. Nur sollten Arbeitnehmer, die Symptome aufweisen, weiterhin zuhause bleiben.

    Coronapass erleichtert die Einreise

    Bereits seit dem 1. Juli 2021 ist die Einreise nach Schweden fast wieder so einfach, wie vor der Pandemie - zumindest für Inhaber des digitalen Covid-Zertifikats der Europäischen Union (EU). Sie sind von weiteren Formalitäten befreit, müssen sich allerdings auf Grenzkontrollen einstellen. Reisende aus dem nordischen Raum (Dänemark, Finnland, Island und Norwegen) sowie Waren- und Personentransporteure brauchen nicht einmal einen Coronapass. Einreisen von außerhalb Europas bleiben bis mindestens Ende Oktober in den meisten Fällen tabu.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Wer keinen Coronapass hat und nur anhand eines Testergebnisses nach Schweden reist, sollte beachten, dass in Schweden ausschließlich private Einrichtungen Tests durchführen. Wird ein Testergebnis für die Rückreise benötigt, muss man Kosten von mindestens 50 Euro pro Person/Test einrechnen. Je nach benötigter Testart und Ergebnisschnelligkeit können es aber auch mehrere hundert Euro werden. Beim Mitte Juni eingerichteten Testcenter am Stockholmer Flughafen Arlanda reichen die Preise von etwa 120 Euro beim Antigentest binnen 45 Minuten bis zu knapp 350 Euro für einen PCR-Test binnen zwei Stunden.

    Verbindungen werden nicht mehr aber voller

    Der Betrieb am Hauptstadtflughafen läuft - wie alle Flugplätze in Schweden - auf Sparflamme. Swedavia, Betreiber von 10 Flugplätzen im Land, vermeldete für August zwar die höchsten Passagierzahlen seit dem Pandemieausbruch. Doch auch die reiseintensive Sommerzeit brachte nur bedingte Entspannung - gegenüber 2019 ergab sich ein Rückgang der Fluggäste um 60 Prozent. Und wie Firmenchef Jonas Abrahamsson unterstreicht: "Ende August wurde eine gewisse Verlangsamung der Erholung im Luftverkehr festgestellt. Obwohl es viele Lichtblicke gibt, besteht weiterhin eine große Unsicherheit darüber, wie sich die Pandemie entwickeln wird und inwieweit der Geschäftsreiseverkehr im Herbst an Fahrt gewinnen kann".

    Eher der Privat- als der Dienstverkehr dürfte den Reedereien Sorgen bereiten. So gab Stena Line vor Sommer 2021 an, in den Pandemiemonaten hätte sich zwar der Güterverkehr unerwartet gut entwickelt. Die Passagierzahlen wären aber wegen zurückgegangener Nachfrage und eingeschränkter Ticketverkäufe um die Hälfte gesunken. Nichtsdestotrotz fahren ihre Fähren, genau wie die der Konkurrenz TT-Line, uneingeschränkt. Seit dem 30. August ist das Routenangebot zwischen Deutschland und Schweden sogar um eine Verbindung reicher geworden: Ab Rostock geht es nun über das gotländische Visby nach Nynäshamn.

    Von Michał Woźniak | Stockholm

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