Special | Slowakei | Coronavirus

Covid-19: Gesundheitswesen in der Slowakei

Der Covid-Winter stellt das Gesundheitssystem auf die Probe. Um die Infektionswelle zu brechen, finden neben dem Impfprozess flächendeckend Tests statt. (Stand 18. Januar 2021)

Von Miriam Neubert | Bratislava

Im Frühjahr 2020 hatte das Virus wegen früher staatlicher Anti-Covid-Maßnahmen das Gesundheitssystem kaum herausgefordert. Anders war es im Winter, als die tägliche Zahl der positiven Befunde zum Teil hoch ausschlug und in der Folge immer mehr Menschen in Krankenhäuser eingewiesen werden mussten.

In der Krise herrscht Personalmangel

Unter dem Druck der Pandemie machen sich einige Schwächen des slowakischen Gesundheitssystems besonders bemerkbar: Ein ausgeprägter Personalmangel, da viele Ärzte und Krankenschwestern im besser zahlenden Ausland arbeiten. Verstärkt wird dieser aktuell durch die Ansteckung von Hunderten von Gesundheitsmitarbeitern mit dem Virus und durch Quarantäneauflagen.

Hinzu kommen die geringere Bedeutung und Qualität der ambulanten Versorgung, der Mangel an Allgemeinmedizinern und die Krankenhauslastigkeit, was das System in Krisenzeiten zusätzlich belastet. Die öffentlichen Einrichtungen leiden zudem unter Ineffizienzen und sind zum Teil verschuldet.  

Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in der Slowakei

Indikator

Wert

Bevölkerungsgröße (zum 30.6.2020 in Mio.)

5,46

Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (zum 31.12.2019 in %)

16,6

Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (2018)

3,5

Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner (2018)

5,7

Gesundheitsausgaben pro Kopf (2019 in Euro, OECD Schätzung)

1.198

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2019 in %, OECD Schätzung)

6,9

Quelle: Statistikamt der Slowakischen Republik; OECD; Eurostat


Um Platz zu machen für Covid-19-Patienten, mussten Krankenhäuser geplante Behandlungen zunehmend einschränken. Einige Institute sind von der Regierung speziell für Covid-Erkrankte bestimmt worden. Zahlen zur aktuellen Bettenbelegung bei Covid-Patienten liefert das Nationale Zentrum für Gesundheitsinformationen (NCZISK).

Antigen-Schnelltests für alle

Bereits 2020 war die Bevölkerung an zwei Wochenenden Ende Oktober und Anfang November einem wiederholten flächendeckenden Antigen-Test unterzogen worden. Dabei waren über 50.000 positive Fälle entdeckt worden. Doch hatte ihre Isolierung den weiteren Anstieg im Dezember nicht verhindert. Vom 18. bis 26. Februar 2021 läuft eine weitere landesweite Testaktion. So hofft die Regierung den Druck auf die Krankenhäuser zu senken.

Auch die Nachfrage nach PCR-Tests ist hoch, da generell in der akuten Lage mehr getestet werden muss, positive Antigentestergebnisse mit PCR-Tests überprüft werden und andere Länder, zum Beispiel Deutschland, bei der Einreise aus der Slowakei einen negativen PCR-Test auf Covid-19 fordern, der andernfalls aber auch in Deutschland gemacht werden kann.

Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur

Die Gesundheitsausgaben pro Kopf liegen in der Slowakei laut einem Bericht der Europäischen Kommission deutlich unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union (EU), sowohl mit 1.600 Euro in um die Kaufkraft bereinigten absoluten Zahlen, als auch nach ihrem Anteil von 6,7 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (2017). Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren weisen Indikatoren wie Lebenserwartung und vermeidbare Todesfälle im Vergleich zum EU-Durchschnitt auf Handlungsbedarf hin.

Ein wichtiger Aspekt angesichts der häufig überalterten Gesundheitsinfrastruktur sind Investitionen in Umbau, Effizienz, Erneuerung und Digitalisierung der Krankenhäuser sowie in die Qualität der ambulanten und akuten Versorgung.

Europäische Aufbau- und Fördermittel

Der Haushalt 2021 rechnet das Gesundheitswesen zu den Prioritäten und hat 49 Millionen Euro vorgesehen, um Zuzahlungen zu Medikamenten für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu übernehmen. Für die Erneuerung der Infrastruktur und Ausstattung sind 98 Millionen Euro eingeplant. Die Zuschüsse für das zum Teil verschuldete öffentliche Krankenhauswesen betragen 125 Millionen Euro.

Ab Mitte 2021 könnte das slowakische Gesundheitssystem dann auf erste Gelder des EU-Aufbauinstruments Next Generation EU zurückgreifen. Der im Dezember aktualisierte Entwurf des dazugehörigen Reformprogramms sieht zwischen 2021 und 2026 rund 1,5 Milliarden Euro an Investitionen in die Gesundheitsversorgung vor. Es geht dabei vor allem um die Akutversorgung. In Bau und Umbau von Krankenhäusern und ihre Ausrüstungen und die Einführung eines einheitlichen Krankenhausinformationssystems könnten 1,1 Milliarden Euro fließen. Aus den auslaufenden und den neuen Mitteln im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens der EU (zusammen aktuell über 20 Milliarden Euro) werden bis 2027 zusätzliche Gelder in Projekte des Gesundheitssektors fließen. 

Medizintechnik gefragt

Auch Medizintechnik soll erneuert werden. Zahlen von Eurostat zufolge sind deutsche Anbieter als Lieferanten gut aufgestellt. Im Segment elektrodiagnostische und radiologische Geräte und Apparate (SITC 774) kommen sie gleich nach den Niederlanden und lieferten im 1. Halbjahr 2020 nominal gleich 40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei medizinischen Instrumenten, Apparaten und Geräten (SITC 872) steht Deutschland als Lieferland nach der Tschechischen Republik an zweiter Stelle und registrierte im 1. Halbjahr 2020 einen Zuwachs von 8,6 Prozent.

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