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Special | Bangladesch | Beschaffung

Bangladesch baut seine Rolle als IT‑Dienstleister aus

Niedrige Kosten, ein großer Talentpool und spezielle Hightechparks machen Bangladesch zu einem aufstrebenden IT-Outsourcing‑Standort. Die Regierung fördert die Entwicklung.

Von Mareen Haring | Berlin

Bangladesch ist als Beschaffungsmarkt für Informationstechnologie (IT)-Dienstleistungen für viele Unternehmen noch weitgehend unbekannt. Die noch junge Branche im Land steht dabei im Schatten des Nachbarn Indien und anderer regionaler Konkurrenten wie Vietnam, der Philippinen oder Malaysia. 

Mit seiner jungen, technologieaffinen und in Teilen englischsprachigen Bevölkerung bietet das Land aber gute Voraussetzungen, um Dienstleistungen wie IT-enabled Services (ITeS) oder Software-Entwicklung weltweit zu exportieren. Im Jahr 2025 boten 4.500 registrierte Unternehmen mit über 300.000 Beschäftigten ITeS-Dienste und Softwareentwicklung an, so die Bangladesh Association of Software and Information Services (BASIS). Außerdem gibt es laut der Bangladesh Investment Development Authority (BIDA) über 650.000 registrierte Selbständige einer der größten IT-Freelancer-Pools weltweit.

KI steigert Umsatz mit Auslagerung von Geschäftsprozessen

Im Jahr 2026 liegt die Marktgröße der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in Bangladesch laut Mordor Intelligence geschätzt bei 9,4 Milliarden US-Dollar (US$). Das Marktforschungsinstitut prognostiziert, dass dieser Wert bis 2031 auf 12,8 Milliarden US$ steigen wird. 

Der IT-Dienstleistungsmarkt erreichte laut BIDA im Jahr 2025 rund 2,1 Milliarden US$. Für den Zeitraum 2025 bis 2029 erwartet die Behörde, dass der Markt mit einer jährlichen Wachstumsrate von fast 12 Prozent auf 3,3 Milliarden US$ anwächst. 

Das dominierende Segment dabei ist Business Process Outsourcing (BPO). Mit der Auslagerung von Geschäftsprozessen setzten die knapp 400 bangladeschischen Dienstleister in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 umgerechnet rund 900 Millionen US$ um, so die Daten der Bangladesh Association of Contact Center and Outsourcing (BACCO). Damit wurde der Gesamtjahreswert von 2024 in Höhe von 850 Millionen US$ bereits im 1. Halbjahr 2025 überschritten. Grund dafür sei der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI), sagt Tanvir Ibrahim, Präsident von BACCO, in der Zeitung The Business Standard.

Künstliche Intelligenz ist ein Segen, um unsere Fähigkeitslücke zu anderen Ländern zu minimieren. Unsere Arbeitsaufträge sind gestiegen.

Tanvir Ibrahim Präsident der Bangladesh Association of Contact Center and Outsourcing (BACCO) in The Business Standard

Statista Market Insights weist einen deutlich geringeren Branchenumsatz aus. Laut Angaben der Analysten hat Bangladesch 2025 umgerechnet nur rund 681 Millionen US$ mit BPO verdient, bis 2030 sollen es 983 Millionen US$ werden. In jedem Falle ist Bangladesch noch lange kein Schwergewicht. So soll der große Nachbar und Konkurrent Indien bis dahin fast 13 Milliarden US$ mit der Auslagerung von Geschäftsprozessen einnehmen.

Bangladesch punktet mit niedrigen Gehältern und guten Englischkenntnissen

Die Konkurrenz auf dem weltweiten Outsourcing-Markt ist groß. Im Ataraxis Global Outsourcing Talent Index zur Standortattraktivität für die Auslagerung von IT-Dienstleistungen belegt Bangladesch 2026 Rang 20 und wird als "Elite Outsourcing Hub" klassifiziert. Dennoch lagen mit den Philippinen, Malaysia, Indien, Indonesien, Pakistan und Nepal sechs asiatische Länder vor Bangladesch. Im Vergleich zu höher platzierten Outsourcing‑Standorten wurden die schwächere digitale Infrastruktur und geringere politische Stabilitätswerte bemängelt. Auch bei Qualifikation und Verfügbarkeit von Fachkräften hinkt das Land der regionalen Konkurrenz hinterher.

Bangladesch kann vor allem mit niedrigen Gehältern und guten Englischkenntnissen punkten, so das Ergebnis von Ataraxis. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für einen Software-Entwickler lag 2025 bei etwa 300 US$ pro Monat, für Mitarbeitende auf Senior-Level bezahlen Unternehmen monatlich rund 1.000 US$. 

Exportziel nicht erreicht

Bangladesch will sich künftig ein größeres Stück vom globalen Outsourcing-Kuchen sichern und die Exporte von IKT-Dienstleistungen steigern. Diese lagen im Finanzjahr 2024/2025 (1. Juli bis 30. Juni) bei 725 Millionen US$. Davon entfielen 87 Prozent auf "computer services" wie Softwareentwicklung und IT-gestützte Dienste. Telekommunikationsdienste waren mit rund 13 Prozent das zweitgrößte Segment, weniger als 1 Prozent entfielen auf Informationsservices wie nachrichtliche Dienstleistungen. Das von der Regierung angestrebte Exportziel von 5 Milliarden US$ bis 2025 wurde damit deutlich verfehlt. Geringe Investitionen, Qualifizierungslücken und die politische Lage waren einige der Gründe dafür.

Bei den Zielmärkten für IT-Dienstleistungsexporte dominieren die Vereinigten Staaten, Japan, das Vereinigte Königreich, Südkorea, Norwegen sowie Dänemark. Insgesamt exportieren rund 500 BASIS-Mitgliedsunternehmen Software und IT-Dienstleistungen in mehr als 104 Länder. Wichtige Unternehmen sind beispielsweise BJIT, Brain Station 23, ULKASEMI, SELISE Digital Platforms, Cefalo Bangladesh, Samsung R&D Institute Bangladesh, Enosis Solutions, Therap, Radiant Data Systems und Data Path.

Regierung hat Ausbaupläne für den IT-Sektor

Um die Branchenexporte zu stärken, will die Regierung im Rahmen der "Smart Bangladesh Vision 2041" landesweit Hightechparks errichten. Dort sollen sich neben Herstellern von IT-Hardware und Elektronik auch IT-Dienstleister sowie Ausbildungseinrichtungen für IKT-Berufe ansiedeln. Zudem sollen Ökosysteme für IT-Start-ups entstehen. Investoren erhalten Anreize wie Einkommen- und Umsatzsteuerbefreiungen in den ersten Jahren des Betriebs sowie Gutschriften bei Rücküberweisungen von Unternehmensgewinnen. Im April 2025 waren 32 Hightechparks betriebsbereit, die Zielmarke liegt bei 114 solcher Parks, so Daten der BIDA.

Zudem hat die neu gewählte Regierung im April 2026 einen strategischen Fünfjahresplan vorgelegt, der vorsieht, IKT als vorrangigen Sektor einzustufen. Hier sollen bis 2034 rund 1 Million Arbeitsplätze entstehen, 200.000 davon in den Bereichen Cybersicherheit, BPO, KI und Daten, Halbleiter sowie Industrie 4.0. Weitere 800.000 Jobs sollen indirekt durch Freelancing entstehen. Mit der "Digital Bangladesh Initiative" will sie die Software-, Hardware- und BPO-Industrie stärken. Zudem soll bis 2031 Hochgeschwindigkeitsinternet flächendeckend verfügbar sein, so die Bangladesh Planning Commission.