Logistik | Brasilien

Brasilien plant massive Investitionen in das Verkehrsnetz

Der überwiegende Teil des Transports erfolgt über das Straßennetz. Doch die Regierung will Milliarden in den Ausbau und die bessere Integration der Transportwege investieren.

Von Dennis Barbosa | São Paulo

Im fünftgrößten Land der Welt ist die Logistik oft komplex – und die Qualität der Verkehrswege variiert stark je nach Region. Im Logistics Performance Index (LPI) der Weltbank erreichte Brasilien 2023 Platz 51 von 139 Ländern weltweit. Damit steht es auf einer Stufe mit Bulgarien und Ungarn und ist das führende Land in Lateinamerika. Brasiliens größte Stärke in dem Ranking ist die Pünktlichkeit, während Schwachpunkte im Zollbereich und bei internationalen Versandprozessen liegen.

Transportwege und -zeiten

Mehr als 60 Prozent des Gütertransports in Brasilien erfolgen über Straßen. Die Qualität des Straßennetzes ist jedoch regional sehr unterschiedlich. Laut einer Studie des Dachverbands des Transportwesens CNT (Confederação Nacional do Transporte) sind zwei Drittel der Straßen in einem mittelmäßigen bis schlechten Zustand. Ein weiteres Problem stellt die Erneuerung der Lkw-Flotte dar, die durchschnittlich 14 Jahre als ist.

 

Straßen

Die größten Autobahnen Brasiliens, meist doppelspurig und gut instand gehalten, verbinden Städte in den südöstlichen und südlichen Regionen einschließlich Metropolen wie São Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und Curitiba. Auch im Nordosten sind die größeren Städte im Allgemeinen durch qualitativ bessere Straßen verbunden.

Die Qualität der Straßen lässt nach, je weiter man sich von der Küstenlinie entfernt, insbesondere in Gegenden mit geringer Bevölkerungsdichte. Besonders Schwertransporte und Lieferungen ins Hinterland bedürfen einer ortskundigen Planung, denn eine ganzjährige Befahrbarkeit ist nicht überall gewährleistet.

Ein Standardcontainer benötigt von Santos nach São Paulo sowie von São Paulo nach Rio de Janeiro jeweils einen Tag per Lkw. Es gibt über 400 Mautstellen im Land, und große Städte erlassen Einschränkungen bezüglich der Lkw-Fahrzeiten. Wegezeiten und Mautgebühren für privat betriebene Straßen können auf dem Portal Rotas Brasil ermittelt werden.

Schienen

Der Schienengüterverkehr hat in den letzten Jahren zugenommen, doch nur knapp ein Fünftel der Transportleistung entfällt auf die Bahn. Das Schienennetz wird überwiegend privat betrieben und ist primär auf den Transport von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen zugeschnitten, insbesondere Getreide und Eisenerz für den Export. Viele Strecken führen direkt von den Erzeugungs- und Abbauregionen zu Häfen oder zu den Metropolen. Damit bietet das Schienennetz wenig Flexibilität.

Häfen

Brasilien besitzt etwa 170 Frachthäfen entlang seiner Küste und Flüsse. Besonders im Amazonasgebiet wird der Wasserweg häufig genutzt, da die Straßen- und Schieneninfrastruktur begrenzt ist.

Luftverkehr

Aufgrund hoher Kosten macht der Luftverkehr weniger als 1 Prozent der brasilianischen Transportmatrix aus. Er bleibt auf hochwertige Produkte oder schwer zugängliche Gebiete beschränkt, wie die Freihandelszone von Manaus.

Logistikdrehscheiben

São Paulo und Umgebung verfügen über die am besten ausgebaute Infrastruktur, auch für multimodale Transporte, was die Stadt zu einem Zentrum für große Transportunternehmen macht. Entlang der gesamten Küste befinden sich verschiedene Containerterminals, beispielsweise von Süden nach Norden in den Häfen von Paranaguá, Santos, Rio de Janeiro, Salvador, Suape und Fortaleza.

Wichtigste Umschlagplätze in Brasilien 2024

Metropolregion São Paulo: Brasiliens größtes Logistikzentrum mit einem umfangreichen multimodalen Verkehrsnetz, wichtige Rolle für die landesweite Verteilung von Waren

Hafen Santos: Brasiliens Haupttor für Ein- und Ausfuhr, nahe São Paulo gelegen, mit Anbindung an Straßen- und Schienennetz

Hafen Paranaguá (Paraná): Wichtiger Exporthafen für Getreide und Fleisch

Hafen Navegantes (Santa Catarina): Bekannt für schnelle Containerabfertigung, einer der modernsten Häfen Brasiliens

Hafen Suape (Pernambuco): Industrie- und Hafenkomplex in Pernambuco, wichtig für die Logistik in Nordost-Brasilien

Hafen Rio de Janeiro: Wichtig für die Wirtschaft der zweitgrößten Metropole des Landes, hauptsächlich für Container, Weizen, Stahlprodukte und Fahrzeuge

Flughafen Guarulhos (São Paulo): Brasiliens verkehrsreichster Flughafen, wesentlicher Knotenpunkt für internationalen und nationalen Luftverkehr

Flughafen Viracopos: In Campinas, rund 90 Kilometer von São Paulo, beherbergt das größte Luftfrachtterminal Brasiliens, wichtiger Verbindungspunkt für nationale und internationale Flüge

Ein von der Regierung Lula da Silva im August 2023 angekündigtes Programm zur Wachstumsbeschleunigung (Programa de Aceleração do Crescimento, PAC) sieht umfangreiche Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung der Transportinfrastruktur vor. Ein wichtiger Punkt ist die Verbesserung der Integration der Verkehrsträger.

Zu den geplanten Verbesserungen gehören 18 neue Straßenbrücken in Regionen im Landesinneren sowie die Verdoppelung von 31 Autobahnabschnitten und der Bau Dutzender neuer Strecken. Es gibt auch mehr als 20 Studien zur Konzessionierung von Straßen an private Autobahnbetreiber im ganzen Land. An mehr als 90 Flughäfen sind ebenfalls Investitionen vorgesehen. Bei den Eisenbahnen liegt der Schwerpunkt auf dem Bau von drei langen Strecken in Pernambuco, Bahia, Goiás und Mato Grosso. Im Bereich der Hafeninfrastruktur wird der größte Teil der Investitionen von privaten Unternehmen erwartet, die Terminals betreiben.

Die geplanten privaten und staatlichen Investitionen belaufen sich auf insgesamt 349 Milliarden brasilianische Reais (R$; rund 68 Milliarden US-Dollar), von denen der größte Teil bis 2026 fließen soll. Früher angekündigte ähnliche Programme haben jedoch nicht alle geplanten Investitionen realisiert, und tausende Projekte sind unvollendet geblieben.

Transportunternehmen

Der brasilianische Logistikmarkt ist groß und komplex. Neben großen internationalen Unternehmen wie DHL Express und Fedex sind im Land etwa 266.000 Frachttransportunternehmen und mehr als 847.000 selbstständige Transportunternehmer tätig.

Führende Transportunternehmen in Brasilien (2024) *)
AnbieterHauptsitzNiederlassungenVerkehrsträger

Braspress

 

São Paulo

117

Straße
CorreiosBrasília11.000Luft, Straße
DHL Express BrasilSão Paulonicht verfügbarStraße
Fedex BrasilSão Paulonicht verfügbarStraße
JadlogSão Paulomehr als 500Straße
JSLSão Paulomehr als 300Straße, Schiene
Latam CargoCampinas (Bundesstaat São Paulo) nicht verfügbarLuft
Log-in LogísticaRio de Janeironicht verfügbarSee, Straße
MRS LogísticaJuiz de Fora (Bundesstaat Minas Gerais)2Schiene
RumoCuritiba (Bundesstaat Paraná)nicht verfügbarSchiene
* in alphabetischer Reihenfolge.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Sicherheit verdient Aufmerksamkeit: Im Jahr 2023 wurden fast zwei Ladungen pro Stunde auf brasilianischen Straßen gestohlen, insgesamt mehr als 17.000 Fälle laut der Beratungsfirma Overhaul. Dies stellt einen Anstieg von 4,8 Prozent gegenüber 2022 dar.

Wie können sich Firmen absichern?

  1. Schließen Sie eine Transportversicherung ab.
  2. Erkundigen Sie sich bei der Transportfirma nach ihren Sicherheitsmaßnahmen.
  3. Zu den üblichen Vorsichtsmaßnahmen gehören: die Verwendung von Fahrzeugortungs- und -blockiersystemen, detaillierte Routenplanung zur Vermeidung von besonders gefährlichen Gebieten und Zeiten, die Beauftragung bewaffneter Eskorten für besonders gefährdete Ladungen sowie spezielle Schulungen für die Fahrer, um Risikosituationen zu verhindern.

Lieferbedingungen, Transportversicherung

In den Kaufverträgen wird vereinbart, nach welchen Lieferbedingungen der Warenverkehr zwischen Verkäufer und Käufer abgewickelt werden soll. Wenn dies nicht individuell im Kaufvertrag geregelt werden soll, einigen sich die Vertragspartner auf handelsübliche Lieferklauseln wie die INCOTERMS. Die vollständige deutschsprachige Fassung der INCOTERMS wird von der International Chamber of Commerce (ICC) in Deutschland herausgegeben.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV bietet ein Transport-Informations-Serviceportal mit zahlreichen Informationen und Links zum Thema Transportversicherungen. Da etwa 80 bis 90 Prozent des Außenhandels von internationalen Logistikfirmen abgewickelt werden, arbeiten diese mit den Transportversicherungen zusammen, mit denen sie ohnehin weltweit kooperieren.

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkung

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV)

 

Deutscher Speditions- und Logistikverband e.V. (DSLV)

Gibt unter anderem ein kostenpflichtiges Handbuch für den internationalen Straßengüterverkehr in 64 Ländern heraus.
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