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Deutsche Maschinenbauer profitieren

Der Zollabbau stärkt ihre Wettbewerbsposition. Trotz langer Übergangsfristen bietet das Abkommen bereits jetzt hohe Zollvorteile vor chinesischen und indischen Maschinen.

Von Gloria Rose, Fabian Nemitz | São Paulo, Bonn

Deutschland ist seit vielen Jahren Brasiliens drittwichtigstes Lieferland für Maschinen und Anlagen, nach China und den USA. Die Importe aus der Bundesrepublik bezifferten sich 2025 auf knapp 3,7 Milliarden US-Dollar (US$). Der Marktanteil Deutschlands entwickelte sich in den vergangenen Jahren rückläufig. Von 2020 bis 2025 sank er von 9,2 auf 7,5 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil Chinas von 23,5 auf 27,2 Prozent.

Deutschland liefert ein sehr breites Spektrum an Maschinen und Anlagen nach Brasilien. Die wichtigsten Produktgruppen waren 2025:

  • Teile für Verbrennungsmotoren (HS 8409)
  • Wellen, Kurbeln, Lagergehäuse etc. (HS 8483)
  • Zentrifugen (HS 8421)
  • Maschinen, Apparate und Geräte mit eigener Funktion (HS 8479)
  • Armaturen und ähnliche Apparate für Rohr- oder Schlauchleitungen, Dampfkessel, Sammelbehälter etc. (HS 8481)
  • Turbo-Strahltriebwerke, Turbo-Propellertriebwerke und andere Gasturbinen (HS 8411)

Chancenradar zeigt: 772 Produkte profitieren besonders

Das seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendete Interimshandelsabkommen (iTA) umfasst insgesamt 1.080 Produkte der NCM-Warengruppe 84 (Kernreaktoren, Kessel, Maschinen, Apparate, mechanische Geräte sowie deren Teile). Der Zollabbau erfolgt ausgehend von dem mit Brasilien vereinbarten Basiszollsatz oder dem Meistbegünstigungszollsatz (MFN), sofern dieser niedriger ist. Für rund 650 Produkte liegt der Ausgangszollsatz bei 14, 16 oder 18 Prozent. Der vollständige Zollabbau erfolgt für die meisten Waren schrittweise über einen Zeitraum von 10 beziehungsweise 15 Jahren.

Der Maschinenbau profitiert besonders von dem EU-Mercosur-Abkommen. Für insgesamt 658 Produkte gilt seit 1. Mai 2026 ein hoher sofortiger Zollvorteil. Ein Grund hierfür ist, dass Brasilien im Frühjahr 2026 die Zölle auf eine große Zahl an Branchenprodukten um bis zu 7,4 Prozentpunkte angehoben hat. Während dieser Zoll für die meisten Länder weiter gilt, greift seit Inkrafttreten des iTA der mit der EU vereinbarte Basiszollsatz, der in vielen Fällen deutlich niedriger liegt, zusätzlich reduziert um die erste Zollabbaustufe.

Weitere 436 Produkte profitieren von einer hohen Zollabbaugeschwindigkeit von mehr als 1,2 Prozentpunkten pro Jahr. Bei insgesamt 322 Produkten sind beide Chancenkategorien gleichzeitig erfüllt. Die nachstehende Tabelle zeigt die Top-5-Produkte des Chancenradars, ausgehend von der Höhe der brasilianischen Importe.

Top-5 Chancen im Bereich Maschinen und AnlagenImporte in Millionen US-Dollar; Marktanteil in Prozent

NCM-Warengruppe

Produktbezeichnung

MFN-Zollsatz (Basiszollsatz) *)

Vollständiger Zollabbau für EU

durchschnittlicher jährlicher Import Brasiliens 2021 bis 2025

Importtrend

Marktanteil Deutschlands an Brasiliens durchschnittlichen Importen 2021 bis 2025

Hoher sofortiger ZollvorteilHohe Abbaugeschwindigkeit

84119100

Teile von Turbo-Strahltriebwerken oder Turbo-Propellertriebwerken

7,2 (0)

zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens

4.006,0

steigend

3,6

ja 

84111200

Turbo-Strahltriebwerke mit einer Schubkraft von > 25 kN

7,2 (0)

zollfrei seit Inkrafttreten des Handelsabkommens

2.999,5

steigend

0,0

ja 

84798999

Maschinen, Apparate und mechanische Geräte mit eigener Funktion

20,0 (14,0)

1. Januar 2036

732,0

steigend

11,0

jaja

84099190

Andere Teile für Verbrennungsmotoren

16,0

1. Januar 2036

428,7

steigend

21,8

 ja

84831090

Andere Wellen

16,0

1. Januar 2036

428,4

steigend

4,6

 ja
* Meistbegünstigungszollsatz (allg. WTO-Zollsatz); für EU-Ursprungswaren gelten seit 1.5.26 die im iTA vorgesehenen Basiszollsätze; maßgeblich ist der niedrigere Zollsatz; ist der MFN-Satz niedriger als der Basiszollsatz, gilt der MFN-Satz, und umgekehrt.Quelle: Interimshandelsabkommen EU-Mercosur 2026; Comex Stat 2026; Industrieverband des Bundesstaates São Paulo (FIESP) 2026; Berechnungen von Germany Trade & Invest 2026

Weniger Hürden für Maschinenimporte

Brasilien ist der mit Abstand größte Maschinenbaumarkt im Mercosur und Standort von mehr als 100 deutschen Maschinen- und Anlagenbauern. In einer Phase des stark zunehmenden Wettbewerbs mit indischen und chinesischen Maschinen stärkt das EU-Mercosur-Abkommen die Position europäischer Anbieter – nicht nur durch den schrittweisen Abbau von Zöllen, sondern auch über eine stärkere Harmonisierung technischer Standards. Dadurch sinken langfristig Kosten und Markteintrittsbarrieren. 

Für viele Unternehmen dürfte die höhere Planungssicherheit sogar wichtiger sein als die Zollsenkungen selbst. Bislang profitieren zahlreiche Maschinenimporte vom Sonderregime Ex-Tarifário, das für bestimmte Kapitalgüter vorübergehend reduzierte Zollsätze gewährt. Die Genehmigung muss jedoch regelmäßig verlängert werden, und einzelne Anträge wurden zuletzt überraschend abgelehnt oder der Prozess war sehr kosten- und zeitintensiv. Das EU-Mercosur-Abkommen schafft einen langfristig verlässlicheren Rahmen für Investitions- und Beschaffungsentscheidungen.

Profitieren könnten nicht nur Exporteure aus Deutschland, sondern auch die zahlreichen deutschen Tochtergesellschaften in Brasilien. Das Abkommen erleichtert den Austausch von Komponenten, Maschinen, Dienstleistungen sowie Forschungs- und Entwicklungsleistungen zwischen deutschen und brasilianischen Standorten. Damit stärkt es Brasiliens Rolle als Produktions- und Servicestandort für den gesamten südamerikanischen Markt.

Weitere Informationen zum Maschinenbausektor in Brasilien und dem Mercosur

Mehr Informationen zu den Auswirkungen des EU-Mercosur-Abkommens auf den Maschinenbau in den Mercosur-Staaten sowie eine Einordnung der wichtigsten Trends finden Sie in dieser weiterführenden Analyse.