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Pharmazeutika: Es geht um De-Risking und Innovation

Die Nachfrage nach Medikamenten in Südamerika steigt. Die EU ist der wichtigste Lieferant. Das Abkommen bietet Chancen, doch die Wirtschaft sieht noch Potenzial für Verbesserungen.

Gloria Rose

Von Gloria Rose | São Paulo

Das EU-Mercosur-Abkommen ist für europäische Pharmaunternehmen von großer Bedeutung, da es Handelsvorteile bietet und eine weitere Marktexpansion ermöglicht. Schon heute ist die EU der mit Abstand wichtigste Arzneimittellieferant der Südamerikaner. Betrachtet man die Länder einzeln, ist Deutschland nach den USA das zweitwichtigste Lieferland der Mercosur-Staaten.

Mercosur erhebt derzeit Zölle auf pharmazeutische Produkte von bis zu 14 Prozent. Durch den Zollabbau werden europäische Medikamente und Gesundheitsprodukte wettbewerbsfähiger. Der bessere Marktzugang ist umso bedeutender, da die Pharmamärkte Südamerikas intensiv wachsen. Das liegt daran, dass der Region ein rascher demografischer Wandel bevorsteht und die Nachfrage nach hochwertigen Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen steigt.

Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen im Gesundheitssektor ausgeklammert

Einen freien Zugang zum öffentlichen Beschaffungswesen sieht das Abkommen im Gesundheitssektor nicht vor. Bei Anschaffungen für Brasiliens öffentliches Gesundheitssystem "Sistema Único de Saúde" (SUS) werden lokale Produzenten bevorzugt. Das ist in der brasilianischen Industriepolitik verankert. In Argentinien fragt das öffentliche Beschaffungswesen viele Produkte gar nicht nach. Hier ergeben sich demnach keine neuen Chancen für europäische Exporte.

Positive Effekte auf Versorgung und Forschung

Darüber hinaus trägt das Abkommen zur Diversifizierung der Lieferketten bei und verbessert damit die Versorgungslage in der EU. Pharmakonzerne aus Brasilien und Argentinien decken mehr als die Hälfte der Medikamentennachfrage auf den heimischen Märkten und expandieren mittlerweile auch auf Auslandsmärkte. Auch in Paraguay und Uruguay erweitern ansässige Arzneimittelfabrikanten ihre Kapazitäten, bislang allerdings nur für den Inlandsmarkt. Die Kooperation mit dem Mercosur kann demnach dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von China und Indien zu verringern und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln zu vermeiden.

Positive Aussichten bestehen auch für die Forschung und Entwicklung. Das Abkommen begünstigt gemeinsame Innovationsprojekte zwischen europäischen und Mercosur-Pharmaunternehmen. Dies könnte Fortschritte bei Biotechnologie, Impfstoffen und neuen medizinischen Behandlungen ermöglichen.

Wirtschaft sieht noch Luft nach oben

Für den deutschen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim bedeutet der Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens eine gute Gelegenheit, Präsenz und Einfluss in Südamerika, insbesondere in Brasilien, auszubauen. Geschäftsführerin Andrea Sambati begrüßt die Handelserleichterungen, bemängelt jedoch, dass große Hürden für den Pharmasektor weiter bestehen blieben. Im brasilianischen Patentschutz stellt Sambati Beeinträchtigungen für das Innovationsökosystem fest, die im Abkommen nicht behandelt worden seien.

Insgesamt stellten die Verfahren zum Schutz geistigen Eigentums ausländische Konzerne vor große Herausforderungen, ebenso wie die langwierigen Zulassungsverfahren für neue Produkte und die fehlende Vorhersehbarkeit in der Preisgestaltung. Um die Registrierung und den Vertrieb innovativer Arzneimittel in Südamerika zu erleichtern, müssten EU und Mercosur Vorschriften harmonisieren und die Verfahren vereinfachen. Aufbauend auf dem Freihandelsabkommen könne die intensivere Zusammenarbeit auf diese Bereiche ausstrahlen.

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