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Nearshoring-Case-Study aus Bulgarien: SEVIC baut E-Transporter – mit deutschen Zulieferern
Das Bochumer Unternehmen SEVIC Systems produziert und entwickelt elektrische Nutzfahrzeuge in Bulgarien. Das Beispiel zeigt, wie gut das Nearshoring im EU-Land Bulgarien funktioniert und warum deutsche Kfz-Teile-Zulieferern dort von neuen Kooperationsmöglichkeiten profitieren.
21.07.2026
- Ausgangslage: Die Kooperation mit dem chinesischen Partner funktionierte nicht mehr
- Lösung: Ein deutsch-bulgarisches Joint-Venture nutzt Standortvorteile
- Ergebnis: Neues Werk in der Trakia Economic Zone – Chancen für deutsche Kfz-Zulieferer
- Learning: Nearshoring nach Bulgarien verkürzt Lieferwege und stärkt europäische Lieferketten
Das Bochumer Unternehmen SEVIC Systems zeigt, wie Nearshoring nach Bulgarien in der Praxis funktioniert. Der Hersteller elektrischer Nutzfahrzeuge hat die Produktion in das EU‑Land verlagert und dort ein deutsch‑bulgarisches Joint Venture aufgebaut. Das Produkt ist ein leichtes und leises Elektrofahrzeug für den Verkehr auf der letzten Meile, mit modularen Fracht-Aufbauten, dem so genannten „Cargo-Swap-System“. Damit können die Besitzer den SEVIC-Transporter von einem geschlossenen Kastenwagen in eine Pritsche verwandeln.
Ausgangslage: Die Kooperation mit dem chinesischen Partner funktionierte nicht mehr
SEVIC Systems begann im Jahr 2019, in Bulgarien unter der Lizenz des chinesischen Herstellers Cenntro elektrische Nutzfahrzeuge zu bauen. Aber die Kooperation lief nicht erfolgreich, unter anderem gab es Lieferschwierigkeiten mit einzelnen Komponenten. „Wir waren nicht zufrieden“, erzählt Hristina Trifonova, Prokuristin, von SEVIC Systems in Plovdiv. Also kündigte das Unternehmen die Zusammenarbeit.
Lösung: Ein deutsch-bulgarisches Joint-Venture nutzt Standortvorteile
Die Verantwortlichen bei SEVIC hatten vor Ort noch einen weiteren Partner: Milara International hieß der Auftragsfertiger des Bochumer Unternehmens. Bei diesem „Contract Manufacturing“ vergeben Unternehmen Aufträge zur Produktion an andere Hersteller. Krassimir Petkov, CEO von Milara International, investierte 2021 selbst in SEVIC Systems, gemeinsam gründete man ein Joint Venture zur Produktion leichter Nutzfahrzeuge.
Das Joint Venture profitiert dabei von den Standortvorteilen: Im Vergleich mit Deutschland sind Körperschaftsteuern, Lohnkosten und Energie günstiger. Es gibt genügend Fachkräfte für die Produktion. SEVIC Systems hat seinen Hauptsitz weiterhin in der ehemaligen Opel-Stadt Bochum. Dort entstehen Design und der Markenauftritt. Die Elektro-Transporter entstehen in Plovdiv, Bulgarien. Daneben produziert das Unternehmen auch Maschinen zur Handhabung von Wafern für die Halbleiterindustrie. Vor allem hat das Joint-Venture die gesamte Wertschöpfungskette nach Europa verlagert: Teile kommen aus der EU und werden in Bulgarien montiert.
Ergebnis: Neues Werk in der Trakia Economic Zone – Chancen für deutsche Kfz-Zulieferer
Weil SEVIC bei der Suche nach Komponenten hauptsächlich europäische Hersteller im Blick hat, bieten sich auch Chancen für deutsche Hersteller von Kfz-Teilen, die neue Kunden suchen. Aktuell expandiert das Unternehmen und baut in der Trakia Economic Zone, einem großen Industriegebiet mit direkter Autobahnverbindung, eine neue Produktionsstätte. In diesem Industriegebiet sind bereits weitere deutsche Firmen ansässig, unter anderem Kühlgeräte-Produzent Liebherr.
SEVIC Systems etabliert sich weiter auf dem europäischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge. Es gibt verschiedene Aufbauten für jeden Bedarf: die Straßenreinigung, die Post, den Paketdienst. „Wir haben unser Produkt bereits nach Frankreich und Italien verkauft und sind gerade dabei neue Kunden zu gewinnen“, sagt Milara-CEO Petkov. Dabei hat er auch den deutschen Markt im Blick: Er ist gerade dabei, ein neues Vertriebsbüro in München zu eröffnen.
Learning: Nearshoring nach Bulgarien verkürzt Lieferwege und stärkt europäische Lieferketten
Die bulgarische Industrie ist tief in europäischen Liefer- und Wertschöpfungsketten integriert, und das funktioniert bestens: „Wir beziehen nun alle Komponenten von europäischen Lieferanten. Das spart uns Zeit bei der Produktion und bei Reparaturen“, sagt SEVIC-Managerin Trifonova. Mit dem eigenen Entwicklungsbüro vor Ort kann das Unternehmen schneller Produktionsschritte optimieren und Reparatur- und Wartungsaufträge koordinieren, die das Team auch als Fernwartung anbietet.
Das Fahrgestell kommt aus der Türkei, der Elektromotor aus Deutschland, die Karosserieteile aus Rumänien und die Aufbauten auf der Ladebrücke kommen aus Deutschland und Italien: all diese Teile liegen im Lagerraum. In einer kleinen Fertigungsstrecke nebenan montieren neun bis zwölf Schlosser alle diese Teile zu einem kleinen Elektroauto zusammen. Für SEVIC arbeiten in Plovdiv insgesamt 83 Mitarbeiter. Dabei handelt es sich nun nicht mehr um ein deutsch-chinesisches, sondern um ein deutsch-bulgarisches Projekt.