Best Practice | Landtechnik | Wettbewerb mit China

"Noch kaum China-Konkurrenz auf Drittmärkten"

Hidden Champions in Nischenmärkten wie der Landtechnikhersteller Grimme können den chinesischen Wettbewerb noch auf Distanz halten. Konkurrenz reift jedoch in China heran.

Von Ulrich Binkert | Bonn

Frank Nordmann, Managing Director Grimme China, Landtechnik Frank Nordmann, Managing Director Grimme China, Landtechnik | © Grimme

Frank Nordmann ist weit herumgekommen, seit er 1992 bei Grimme angefangen hat. Der gelernte Landtechnik-Meister hat für den Hersteller von Kartoffel-, Rüben- und Gemüsetechnik in Kanada gelebt und Märkte in Südamerika und Afrika entwickelt. Seit Anfang 2025 pendelt der 57-Jährige zwischen dem Firmensitz im niedersächsischen Damme und Tianjin in China. Dort ist Nordmann seit 2025 Geschäftsführer Vertrieb. In China ist Grimme seit 2011 mit einer eigenen Vertriebsniederlassung vertreten und produziert seit 2018 auch vor Ort.

Herr Nordmann, sitzt Ihnen der chinesische Wettbewerb auch schon im Nacken?

Für uns ist das ein wichtiges Thema. Es beschränkt sich bisher aber noch weitgehend auf China selbst. Mit Exporten haben chinesische Konkurrenten erst vor zwei, drei Jahren begonnen. Als Einstieg gehen sie in nahegelegene Märkte wie Kasachstan und Russland. Erste Sichtungen haben wir inzwischen auch in Südamerika.

Ihnen hilft bestimmt Ihre starke Marktstellung.

Ja, in unseren Absatzländern streben wir einen Marktanteil von mindestens 50 Prozent an. In der Kartoffeltechnik, mit der wir 80 Prozent des Umsatzes erwirtschaften, decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab: von der Vorbereitung des Bodens bis zu dem Zeitpunkt, wo die Kartoffeln das Lager gewaschen und verpackt verlassen.

Über das Unternehmen

Grimme ist mit Abstand Weltmarktführer bei Maschinen rund um die Produktion und Verarbeitung von Kartoffeln. Das Familienunternehmen stellt auch Rüben- und Gemüsetechnik her und setzte 2025 mit insgesamt 3.300 Mitarbeitern knapp 800 Millionen Euro um. Es produziert an sieben Standorten weltweit, darunter im Stammwerk Damme (rund 1.800 Mitarbeiter) und in Idaho/USA (400 Mitarbeiter). In Tianjin/China arbeiten 100 Menschen für Grimme, 25 davon im Vertrieb.

In welchen Märkten sind Sie stark – und was erwarten die Kunden dort?

In der Kartoffeltechnik sind wir besonders stark bei Flächen über 5 Hektar: Dort geht es um Effizienz bei minimalem Arbeitseinsatz. Entsprechend sind die USA unser Hauptmarkt, vor Großbritannien, Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Ländern. Ein präsenter Service ist beim Einsatz in Böden voller Sand, Steine oder Kluten entscheidend. Die Kunden müssen die Maschinen bei einem Ausfall schnell wieder zum Laufen bekommen und niemand will da lange auf Ersatzteile warten. Außerdem bieten wir extrem viele individuelle Optionen: Mit einem Kartoffelernter, der für die Lüneburger Heide konfiguriert ist, können Sie schon auf einem niederländischen Polder nichts anfangen.

Ist die Kartoffeltechnik eine Nische, die die Chinesen nicht so im Fokus haben?

Ein Stück weit schon. Die globalen Umsätze erreichen ganz grob geschätzt – vielleicht 1,5 Milliarden Euro. Die Chinesen, die stark in der Massenproduktion sind, werden bei ihrem Aufwand den möglichen Ertrag im Blick behalten. In China selbst sind Kartoffeln bei Weitem nicht so wichtig wie Reis, Weizen oder Mais.

Warum produziert Grimme dann auch in China?

Weil das Land für uns schon ein wichtiger Markt ist. Und weil man in China wie auch in Indien momentan grob ein Drittel billiger produzieren kann als in Europa. Wir stellen in Tianjin, bei einem Local Content von etwa 80 Prozent, einfachere Maschinen her. Bisher nur für China, wir wollen den Standort aber ausbauen.

Um auch preislich mithalten zu können?

Ja, und weil der Bedarf für einfachere Maschinen steigt: Gerade Indien, China und andere Länder Asiens werden weniger Kartoffeln aus westlichen Industriestaaten importieren und dafür mehr selbst erzeugen. Damit verlagert sich die Produktion ein Stück weit aus unseren etablierten Märkten dorthin, wo die Kundschaft weniger und eher einfache Technik nachfragt. Wie in Indien, wo Arbeitskraft billig und reichlich vorhanden ist und wo die Betriebsflächen absehbar klein bleiben werden.

Und wohin werden sich diese "neuen" Märkte entwickeln?

Die werden auch vermehrt effiziente Technik nachfragen. China ist selbst dafür ein gutes Beispiel. Noch holt dort oft ein Roder die Kartoffeln aus dem Boden, die dann von Menschen aufgelesen werden. Auf den Feldern fehlen aber jetzt schon Arbeitskräfte, und irgendwann wird der Einsatz von hochpreisiger Technik interessant. Schon heute machen solche Erntemaschinen, die wir aus Deutschland liefern, 10 Prozent unseres China-Umsatzes aus. Mehr Produktion und Effizienz ist auch durch den neuen Fünfjahresplan der Regierung zu erwarten. Der priorisiert erstmals den Kartoffelanbau, mit einem starken Fokus übrigens auf KI.

13.03.2026 Wirtschaftsumfeld | China | Industriepolitik
Chinas neuer Fünfjahresplan zielt auf technologische Souveränität

Deutsche Unternehmen sollten sich mit der neuen chinesischen Roadmap 2026 bis 2030 auseinandersetzen, um den sich daraus ergebenen Wirtschaftsentwicklungen strategisch zu begegnen.

Konzentrieren Sie sich in China dann eher auf den professionellen Kartoffelanbau?

Ja, das sind etwa 15 Prozent der Fläche, auf der in China Kartoffeln angebaut werden. Unsere Kunden sind in der Inneren Mongolei und in Xinjiang, also in Nord- und Westchina. Das sind meist große Anbauer von Industriekartoffeln für Pommes, Chips oder Stärke. Über 80 Prozent der chinesischen Kartoffeln kommen jedoch aus Süd- und Südwestchina – wo wir aber keine 5 Prozent unserer Landesumsätze tätigen. Der Anbau auf den Terrassen und kleinteiligen Strukturen dort passt nicht zu unserer Technik.

Kopieren die chinesischen Wettbewerber Ihre Maschinen?

Das fing vor etwa zehn Jahren an. Und beschränkt sich nicht nur auf unseren ehemaligen Techniker, der mit seinen Nachbauten in einer Garage anfing. Inzwischen haben wir in China vier oder fünf Wettbewerber: Alle versuchen mit 1:1-Kopien unserer einfacheren Maschinen in den Markt zu drängen; bei den komplexeren Modellen scheitern sie bislang. Zwei dieser Firmen sind schon recht groß; sie stehen hinter den Exporten der lokalen Branche.

Treten diese Wettbewerber mit Kampfpreisen an?

In China unterbieten sie uns tatsächlich um 30 oder 40 Prozent. Und qualitativ haben die sich inzwischen verbessert. In Exportmärkten wie Kasachstan ist der Preisunterschied kleiner, eher 10 Prozent. Die chinesischen Hersteller haben dort ebenfalls ihre Kosten und können sich die offenbar nicht einfach wegsubventionieren lassen.

Was sind das für Konkurrenten?

Ich kann Ihnen keine genaueren Daten zu Umsatz oder Mitarbeiterzahl geben, diese Informationen sind uns nicht bekannt. Nach außen sind die privat, im Hintergrund ist aber der Staat involviert.

Mit Subventionen?

Die Firmen erhalten unter anderem Steuerrabatte von 5 bis 8 Prozent. Oder sie bekommen Betriebsgebäude und -gelände verleast oder "überlassen“. Und die Mehrwertsteuer erlassen. Die bekommen wir zwar auch zurück, die Zahlung belastet aber unseren Cash Flow.