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Chinas neuer Fünfjahresplan zielt auf technologische Souveränität

Deutsche Unternehmen sollten sich mit der neuen chinesischen Roadmap 2026 bis 2030 auseinandersetzen, um den sich daraus ergebenen Wirtschaftsentwicklungen strategisch zu begegnen.

Von Christina Otte | Bonn

China bringt 2026 seinen neuen Fünfjahresplan auf den Weg. Ende Oktober 2025 hat das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas Empfehlungen zur Ausarbeitung des 15. Fünfjahresprogramms vorgelegt, das den Zeitraum 2026 bis 2030 abdeckt.

Für deutsche Unternehmen sind diese Leitlinien relevant, da Fünfjahrespläne in China in der Regel wichtige wirtschaftspolitische Weichen stellen – etwa für die Förderung von Schlüsseltechnologien oder die strategische Ausrichtung zentraler Industrien. Entsprechend wirken sie sich auf zukünftige Geschäftsmöglichkeiten, Wettbewerbsfähigkeit und die allgemeine wirtschaftliche Stabilität aus.

Die Verabschiedung des Plans wird im März 2026 durch den Nationalen Volkskongress erwartet. Bislang liegen somit nur Leitlinien vor, die jedoch bereits deutliche Hinweise auf die Grundzüge der kommenden Wirtschaftsstrategie geben. Insgesamt knüpft der 15. Fünfjahresplan an die bisherige Agenda an, setzt aber stärkere Akzente auf Innovation, industrielle Modernisierung und technologische Eigenständigkeit.

Chinas 15. Fünfjahresplan ist nicht nur für das Land selbst, sondern für die Welt von großer Bedeutung. Letztere ist aufgewacht, aber (noch) ohne Antwort. Unterdessen marschiert China weiter auf seinem Weg hin zu technologischer Selbstständigkeit und zur Kontrolle internationaler Wertschöpfungsketten. Wie damit umgehen ? Es ist ein Balanceakt für Politik und Wirtschaft.

Corinne Abele Leiterin Außenwirtschaftsbereich, GTAI Shanghai

Aufbau eines modernen Industriesystems

Das Zentralkomitee empfiehlt, die industrielle Basis durch stärkere Innovationskraft und Hightech weiterzuentwickeln. Klassische Sektoren wie Chemie und Maschinenbau sowie Informations- und Telekommunikationstechnik sollen weiterhin ein bedeutendes Gewicht in der verarbeitenden Industrie behalten. Gleichzeitig sollen sich diese traditionellen Industrien durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz modernisieren.

Geplant sind neue Innovationsprogramme, höhere Investitionen in Forschung sowie eine Stärkung moderner Industriecluster. Darüber hinaus sollen neue Industriezweige entstehen – darunter neue Energieformen, neue Materialien, die Low-Altitude-Economy (wie Drohnen) sowie erweiterte Bereiche der Luft- und Raumfahrt. Zu den strategisch wichtigen Zukunftsbranchen zählen außerdem Quantentechnologie, Biotechnologie, Wasserstoff- und Fusionsforschung, Gehirn-Computer-Schnittstellen, künstliche Intelligenz und 6G.

Auch regulatorisch soll die Entwicklung unterstützt werden: Die Regierung will den Zugang zu Risikokapital erleichtern und die Gründung sowie das Wachstum von Start-ups und kleinen und mittleren Unternehmen stärker fördern.

Ziel: Technologische Unabhängigkeit und Resilienz

Mit den Empfehlungen führt China industriepolitische Programme wie Made in China 2025 fort. Gleichzeitig verstärkt die Regierung das Ziel, die Abhängigkeit von ausländischer Technologie und Zulieferungen zu verringern und gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Schocks zu erhöhen. Denn der Handelskonflikt mit den USA hat China die eigene technologische Abhängigkeit vor Augen geführt. 

Durchbrüche in Schlüsseltechnologien – wie etwa bei Halbleitern, High-End-Messtechnik, Software, neuen Materialien und Biotechnologie – sollen die Kehrtwende bringen. Die Grundlagenforschung soll ausgebaut, ein Einwanderungssystem für Hightechfachkräfte eingeführt und der Schutz geistiger Eigentumsrechte weiter gestärkt werden. Zudem plant die Führung, steuerliche Anreize für Unternehmensinvestitionen in Forschung und Entwicklung auszuweiten. 

Internationale Kooperation und Handel

Parallel dazu strebt China weiterhin internationale Kooperation an – nach eigener Darstellung zum gegenseitigen Nutzen und unter Wahrung des multilateralen Handelssystems. Schwerpunkte sollen auf Wissenschaftsaustausch, technischer Innovation, Dienstleistungshandel und Industriekooperation liegen. Auch die Internationalisierung heimischer Firmen will China stärker fördern.

Dazu wollen die Planer regionale und bilaterale Handels- und Investitionsabkommen vorantreiben, darunter den Ausbau der Freihandelszone Hainan. Grenzüberschreitender Datentransfer und E‑Commerce sollen erleichtert und Lieferketten effizienter gesteuert werden. Im Rahmen der Belt and Road Initiative regt das Zentralkomitee unter anderem Verbesserungen der Zugverbindungen zwischen Europa und Asien an. Internationales Kooperationspotenzial sieht China bei grüner Entwicklung, künstlicher Intelligenz, Digitalwirtschaft, Gesundheit, Tourismus und Landwirtschaft. 

Grüne Transformation und Umweltschutz

China bekräftigt seine Klimaziele und will die führende Rolle bei grünen Technologien weiter ausbauen. Hierfür sollen erneuerbare Energien, Elektrofahrzeuge, Energiespeicher sowie Wasserstoff und Kernfusion als Technologien der nächsten Generation gefördert werden. Zudem will die Führung den grünen Transport und die Kreislaufwirtschaft stärken. Priorität haben der Ausbau neuer Energieinfrastrukturen, moderne Wassernetze sowie der verbesserte Hochwasserschutz und die effizientere Verteilung von Wasserressourcen. 

Stärkung des Binnenkonsums und Sozialpolitik

Der schwache inländische Konsum seit der Coronapandemie 2020 und die Immobilienkrise bleiben für die Zentralregierung drängende Probleme. Frühere Anreize wirkten nur begrenzt, weshalb umfassendere Reformen der sozialen Sicherungssysteme und eine Modernisierung des ländlichen Raumes – auch angesichts des demografischen Wandels – notwendig erscheinen. Die Lage am Arbeitsmarkt ist angespannt, vor allem wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit.

Dem Binnenkonsum kommt daher eine Schlüsselrolle zu. Das Zentralkomitee schlägt vor, den Übergang zu einem einheitlichen nationalen Markt zu beschleunigen. Derzeit verhindert ein Flickenteppich regionaler Regulierungen Effizienz und Wettbewerb.

Staatliche Investitionen sollen gezielter fokussiert und private Unternehmen an großen Projekten stärker beteiligt werden. Bestehenden Überkapazitäten möchte die Führung durch Reformen bei Fusionen, Übernahmen, Insolvenzen sowie der Nutzung leerstehender Immobilien begegnen.

Im Finanzsektor wollen die Planer das Zentralbanksystem modernisieren, neue Instrumente der Wissenschafts- und Technologiefinanzierung einführen und Bereiche wie grüne Finanzen, Rentenfinanzierung und digitale Finanzdienstleistungen stärken. Shanghai soll als internationales Finanzzentrum weiterwachsen.

Ob die Regierung im Fünfjahresplan allen Empfehlungen des Zentralkomitees angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen und eines mittlerweile überdehnten Staatshaushalts folgt, bleibt abzuwarten.

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