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Das Start-up Yorizon betreibt Rechenzentren mit grüner Datenkraft
Nachhaltig, dezentral und günstig: Mit diesen Zielen will das deutsche Jungunternehmen Kunden gewinnen. Das berichtet Co-Geschäftsführer Gernot Hofstetter in einer Case Study.
25.02.2026
Von Heiko Stumpf, Jürgen Maurer, Lisa Flatten | San Francisco, Taipei, Bonn
Beim Bau und Betrieb von Datenzentren treten zahlreiche Herausforderungen auf. Ob Strom, Wasser oder Fläche – Rechenzentren benötigen enorme Ressourcen. Kunden fordern zudem eine geringe Latenz, mehr Kontrolle über ihre Daten sowie Lösungen, die auf ihre Anforderungen zugeschnitten sind.
Der Zugriff auf Dienste von Hyperscalern wie AWS, Google Cloud Platform und Microsoft Azure ist kostspielig, wirkt jedoch oft alternativlos. Zudem fehlt es bislang an Transparenz und verlässlichen Messgrößen, um den enormen Energie- und Wasserverbrauch herkömmlicher Rechenzentren ganzheitlich zu bewerten.
Doch es gibt bereits Ansätze, Datenfabriken sowohl nachhaltiger als auch dezentral und günstiger nutzbar zu machen: von energieeffizienten Technologien bis hin zu dezentralen Edge-Lösungen. Yorizon, ein Start-up der HOCHTIEF PPP Solutions, tritt dabei gemeinsam mit seinem Partner als Betreiber der YEXIO Edge-Rechenzentren auf. Damit bieten sie ein Komplettpaket für dezentrale Datensicherung aus einer Hand:
- HOCHTIEF PPP Solutions verantwortet Planung, Bau und Betrieb der Rechenzentren.
- Auf dieser Grundlage bietet Yorizon eine Open-Source-Cloud-Plattform an, die Kommunen und Unternehmen digitale Souveränität ermöglicht.
Energieeffizienz steht in allen Lebenszyklen im Fokus
Bisher sind 15 YEXIO-Edge-Rechenzentren in Planung. "Die Datenzentren werden komplett mit erneuerbarer Energie betrieben und die entstehende Abwärme in lokale Fernwärmenetze eingespeist", sagt Gernot Hofstetter, Co-Geschäftsführer von Yorizon. Das kann die Kosten für den Betrieb von Datenzentren deutlich reduzieren. Gerade für Kommunen kann dieses Kreislaufkonzept auch wirtschaftlich ein Mehrwert sein.
Auch die Kühlung spielt für den nachhaltigen Betrieb eine zentrale Rolle. Die Server in den YEXIO-Rechenzentren arbeiten mit einer hocheffizienten "Direct-to-Chip"-Wasserkühlung, was den Energiebedarf deutlich reduziert. "Gleichzeitig senken wir den Energie- und Ressourcenverbrauch über den gesamten Lebenszyklus durch eine modulare Holzbauweise." Hofstetter resümiert: “Alles, was hilft, den Energieeinsatz zu verringern, birgt Geschäftschancen.”
Auch auf der Software-Seite gibt es laut Hochstetter noch eine Menge Potenzial, um den Stromverbrauch zu reduzieren. "So ist eine wesentliche Stellschraube, Rechenlasten intelligent zu steuern und Systeme automatisiert hoch- oder runterzufahren, um unnötige Leerlaufzeiten zu vermeiden. Effizientere Softwarearchitekturen und ein geeignetes Systemmonitoring helfen, um unnötigen Energieverbrauch schnell zu erkennen und zu reduzieren."
Datensouveränität durch dezentrale Open-Source-Anwendung
Die YEXIO-Rechenzentren bieten mit ihrem Edge-Ansatz (also am Rand des Netzwerks, wo Daten entstehen und genutzt werden) weitere Lösungen: "Rechenleistung soll dort entstehen, wo sie gebraucht wird und nicht in weit entfernten Hyperscaler-Datenzentren", erklärt Hochstetter. "Unsere Open-Source-basierte Technologie schafft zudem Raum für souveräne und skalierbare Cloud- und KI-Anwendungen."
So können sich Kunden – ob Unternehmen oder öffentliche Stellen – über die bereitgestellte Open-Source-Softwareplattform eine individuelle, auf die eigenen Bedürfnisse und Einsatzgebiete angepasste Software-Lösung zusammenzustellen. Die obendrauf noch deutlich erschwinglicher ist als die weniger flexiblen Hyperscaler-Angebote.
Die Nähe zum Kunden birgt viele Vorteile
"Dank der lokalen Nähe der Edge-Cloud-Services ist es möglich, Kommunen und Unternehmen direkt anzubinden. Das sichert Datenhoheit und sorgt für zuverlässige Verfügbarkeit, ohne von zentralen Netzwerken abhängig zu sein", so Hofstetter. Das ist insbesondere im öffentlichen Sektor relevant: Denn öffentliche KI-Anwendungen bergen erhebliche technische und gesellschaftliche Risiken – vor allem dort, wo sensible Daten verarbeitet werden, wie zum Beispiel bei Bürgerdiensten.
Durch den Edge-Ansatz von YEXIO-Rechenzentren lassen sich KI-Anwendungen fast in Echtzeit bereitstellen. Das ist besonders relevant für kritische Bereiche wie Produktion, Forschung, Gesundheitswesen oder Finanztransaktionen. Die auf einen Kunden zugeschnittene Software-Lösung ist darüber hinaus privat, sicher und leicht zu kontrollieren.
"Über unser Partner-Netzwerk aus IT-Systemhäusern und Managed Service Providern, beispielsweise Bechtle und Insight, nutzen insbesondere der Mittelstand und Großkunden, Kommunen, sowie Versicherungen und Banken unsere regionalen und digital souveränen Cloud-Infrastrukturlösungen." Darüber hinaus arbeitet Yorizon zusammen mit Energieversorgern, KI-Plattform-Anbietern und Softwareunternehmen, die ihre Dienste in Europa auf unabhängiger Infrastruktur betreiben möchten.
Der Schwerpunkt der ersten YEXIO-Edge-Rechenzentren liegt derzeit auf Deutschland. Doch Yorizon und sein Partner wollen ins Ausland expandieren. "In den kommenden Jahren ist die europaweite Expansion der YEXIO-Rechenzentren geplant", erklärt Hochstetter.