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Kensington-Vertrag: Er hält, was er verspricht
Ein Jahr nach Unterzeichnung des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags kann ein leicht positives Resümee gezogen werden: Erste Projekte gingen an den Start. Wo sich neue Chancen ergeben und welche Hürden für deutsche Exporteure bleiben.
20.07.2026
Ein neuer Meilenstein in der außenpolitischen Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland: Am 17. Juli 2025 unterzeichnen die Staatsoberhäupter beider Länder den deutsch-britischen Freundschaftsvertrag, den Kensington-Vertrag.
Er soll eine neue Phase der bilateralen Zusammenarbeit einläuten: Ziel des Vertrags ist es, die Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung, Wirtschaft, Migration, Bildung und Forschung zu vertiefen. „Wir wollen enger zusammenarbeiten, insbesondere nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Es ist überfällig, dass wir einen solchen Vertrag miteinander abschließen“, bekräftigte Bundeskanzler Friedrich Merz die Wichtigkeit der Unterzeichnung.
Brexit-Folgen: Handelsbeziehungen bleiben herausfordernd
Dass im Jahr 2025 der Handel zwischen beiden Ländern einen neuen Post-Brexit-Rekord erzielte, unterstreicht die positive Entwicklung: Rund 118 Milliarden Euro betrug das gemeinsame Handelsvolumen in dem Jahr. Aber: „Es fehlen konkrete Impulse im Kensington-Vertrag“, gibt Sara Borella, Referatsleiterin West- und Mitteleuropa der Deutschen Industrie- und Handelskammer, zu Bedenken.
Denn noch immer hat das bilaterale Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern nicht den Pre-Brexit-Rekordwert von 127 Milliarden Euro aus dem Jahr 2015 geknackt. Bis dahin lag es stabil auf einem fünften Platz im deutschen Handelspartnerranking, das sich auf Warenlieferungen bezieht. Nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs rutschte das Land zeitweise auf den elften Platz ab und konsolidierte sich 2025 auf einem schwachen neunten Platz.
Kensington-Vertrag soll die Wirtschaft ankurbeln
Die Grundlage des Kensington-Vertrags ist ein Aktionsplan mit 17 gemeinsamen Leuchtturmprojekten in Bereichen wie Verteidigung, Wirtschaft, Wissenschaft, Klima oder Gesellschaft. Die Projekte sollen die Handelsbeziehung beider Länder verbessern.
Einige davon bauen auf bereits bestehende Kooperationen auf. Darunter fällt beispielsweise das Trinity-House-Abkommen aus dem Jahr 2024. Es legt eine Vertiefung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit fest. Der Fokus liegt auf gemeinsamen Rüstungsprojekten, wie der Entwicklung neuer Waffensysteme. Dieses Projekt wurde im Juni 2026 auf dem gemeinsamen Defence-Industry-Forum erneut gefestigt.
Auch die nun jährlich stattfindende Umsetzung des Germany-UK Business Government Forums ist ein Projekthighlight des Kensington-Vertrags. Die Veranstaltung soll wirtschaftliche Verflechtungen vertiefen und weitere Wachstumspotenziale aufdecken. Zuletzt fand sie Ende April 2026 in Berlin statt und wurde von Bundeswirtschaftsministerin Reiche sowie ihrem britischen Amtskollegen Peter Kyle eröffnet.
Enge Verbindung der Strommärkte angestrebt
Andere Leuchtturmprojekte wiederum haben zeitliche Vorgaben. So soll zum Beispiel bis Ende 2030 der Nordsee-Interkonnektor GriffinLink entwickelt und in Betrieb genommen worden sein. GriffinLink soll den deutschen und britischen Strommarkt miteinander verbinden und dabei auch Offshore-Windparks einbeziehen. Daran arbeitet der deutsche Netzbetreiber TenneT Germany gemeinsam mit dem britischen Energieinfrastrukturunternehmen National Grid Ventures. Ziel ist es, mit dem Interkonnektor die Versorgungssicherheit von ganz Europa zu verbessern. Erster Zwischenschritt dieses Projekts: Im Januar 2026 trafen sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und UK-Energieminister Ed Miliband auf dem Hamburger Nordsee-Energiegipfel, um gemeinsam mit sieben weiteren EU-Staaten ein Memorandum of Understanding zu unterzeichnen.
Reiseerleichterungen umgesetzt, Bahnverbindung noch ungewiss
Sofort in die Praxis umgesetzt wurden Maßnahmen, die Reisen zwischen den Ländern erleichtern: Schon Ende August 2025 öffnete Deutschland die automatisierte Grenzkontrolle (E-Gates) für britische Staatsangehörige an Flughäfen. Weitere Schritte sollen folgen.
Einzelne Projekte, wie zum Beispiel die Einrichtung einer direkten Zugverbindung von Deutschland ins Vereinigte Königreich, haben dagegen lange Planungsziele. Ob und ab wann die Bahnen tatsächlich fahren werden, hängt stark von politischer Kontinuität und von bürokratischen Hürden ab.
EU-UK-Verbindung: zahlreiche Fragen offen
Außerdem agiert das Vereinigte Königreich weiterhin außerhalb des EU-Binnenmarkts: Handels- und zollbedingte Bürokratie sowie uneinheitliche Standards bleiben für Unternehmen komplexe Kostentreiber. Ebenso fehlen Lösungen, was die Arbeitskräftemobilität angeht: Freizügigkeit besteht nicht, was die Rekrutierung von Fachkräften in beiden Ländern erschwert.