Zollbericht EU Freihandelsabkommen (Warenursprung, Präferenzen)
Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Philippinen
Bei den Verhandlungen wurden substanzielle Fortschritte erzielt. Für deutsche Unternehmen wird sich der Zugang zu einem attraktiven Wachstumsmarkt deutlich verbessern.
23.09.2026
Am 22. September 2026 verkündete Maros Šefčovič, EU-Kommissar für Handel, eine politische Einigung mit den Philippinen über ein Freihandelsabkommen. Die konkrete Umsetzung und technische Details sind Gegenstand weiterer Verhandlungen. Ziel ist es, die Verhandlungen in den kommenden Monaten abzuschließen. Anschließend müssen das Europäische Parlament und der Rat zustimmen, bevor das Freihandelsabkommen in Kraft treten kann. Das Abkommen wird den Zugang deutscher Exporteure zum philippinischen Markt erleichtern. Zollabbau, Ursprungsregeln und Übergangsfristen sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht worden.
Besserer Marktzugang für Waren und Dienstleistungen
Mit dem Abkommen sollen 94 Prozent der Zolltariflinien liberalisiert werden. Dies deckt mehr als 97 Prozent des bilateralen Handels zwischen der EU und den Philippinen ab. Wichtige Themen aus Sicht der EU im Bereich Warenverkehr sind Hindernisse im Handel mit Energie und Rohstoffen, gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Verfahren und Bestimmungen sowie der Schutz der Rechte des geistigen Eigentums, insbesondere geografische Angaben.
Das Abkommen soll nicht nur den Marktzugang für Waren erleichtern und verbessern, sondern wie bei allen modernen Abkommen üblich auch weitere Themenbereiche abdecken. Dazu zählen beispielsweise Dienstleistungen, Investitionen, öffentliche Beschaffung und Aspekte der Nachhaltigkeit.
Deutsche Exporte in die Philippinen zuletzt stark gestiegen
Deutschland ist für die Philippinen der wichtigste Handels- und Investitionspartner in der EU. Im 1. Halbjahr 2026 konnten deutsche Unternehmen ihre Exporte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 1 Milliarde Euro steigern. Der von EU-Handelskommissar Maros Šefčovič angekündigte Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Hindernissen - unter anderem bei Maschinen, Arzneimitteln und Medizintechnik - ist aus deutscher Sicht als sehr positiv zu bewerten, da diese Produkte bereits heute gut 40 Prozent der Exporte in die Philippinen ausmachen.
Zudem könnten sich Unternehmen aus der EU künftig an öffentlichen Ausschreibungen in den Philippinen beteiligen, so die Ankündigung der EU-Kommission. Ein attraktiver Wachstumsmarkt, denn das Land investiert massiv in seine Infrastruktur. Im Rahmen ihres „Build Better More“ Programms will die Regierung bis 2028 rund 3.000 Projekte mit einem Volumen von 225 Milliarden US-Dollar (US$) realisieren. Aus deutscher Sicht bieten beispielsweise die geplanten neuen Flughäfen und Metrostrecken interessante Geschäftschancen. Durch das Freihandelsabkommen dürften die Hürden für eine Beteiligung an diesen milliardenschweren Projekten weiter sinken.
Engere Zusammenarbeit im Bereich Energie geplant
Auch im Energiesektor soll die Kooperation zwischen der EU und den Philippinen mit dem Abkommen intensiviert werden. Die Philippinen wollen unabhängiger von fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl werden und setzen unter anderem auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis 2040 soll deren Anteil an der Stromerzeugung auf 50 Prozent verdoppelt werden.
Aus Sicht der deutschen Wirtschaft bietet das Abkommen zusätzliche Möglichkeiten, die Lieferketten zu diversifizieren. Schon heute sind die Philippinen ein wichtiger Lieferant von Halbleitern und elektronischen Bauteilen – 2025 hatten sie mit knapp 3 Milliarden Euro einen Anteil von gut 60 Prozent an den deutschen Importen aus den Philippinen. Mit dem Handelsabkommen könnte zudem die Versorgung europäischer Unternehmen mit kritischen Rohstoffen wie Nickel und Kupfer, von denen die Philippinen über bedeutende Vorkommen verfügt, stärker diversifiziert werden, so Handelskommissar Šefčovič.
Zum Hintergrund
Die EU und die Philippinen hatten 2015 erstmals Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufgenommen. Seit 2017 waren diese jedoch ausgesetzt. Am 18. März 2024 kündigten die EU und die Philippinen an, die Verhandlungen über ein modernes Freihandelsabkommen wieder aufzunehmen. Seitdem fanden insgesamt sechs Verhandlungsrunden statt. Zurzeit profitieren die Philippinen von Zollerleichterungen im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems für Entwicklungsländer. Damit gewährt die EU den Philippinen für zwei Drittel der Zolltarifpositionen einen zollfreien Zugang zum EU-Markt.
Quellen und weiterführende Informationen:
- Pressemitteilung der EU-Kommission zur Einigung vom 22. September 2026
- Pressemitteilung der EU-Kommission zur Wiederaufnahme der Verhandlungen vom 18. März 2024
- EU-Strategie für die Zusammenarbeit im indopazifischen Raum
- Das Schema allgemeiner Zollpräferenzen (APS)