Mehr Investitionen durch weniger Regularien - das ist das Ziel der Regierung für den Energiesektor. Die Finanzierung über Green Bonds gewinnt an Bedeutung.
Im Philippine Energy Plan 2023-2050 hat die Regierung ihre Ziele für den Energiesektor formuliert. Bis 2050 soll sich der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 50 Prozent verdoppeln. Daneben steht der Ausbau des Übertragungs- und -verteilnetzes im Mittelpunkt. Die Steuerung und Koordination der Sektorziele ist nicht einfach: Hält der Netzausbau nicht mit dem Kapazitätszubau mit, sind Engpässe bei der Einspeisung aus kleinen, dezentralen Kraftwerken zu erwarten. Bereits heute müssen Wind- und Solaranlagen zum Teil temporär abgeregelt werden, um die Netzstabilität nicht zu gefährden.
Strommarkt ist weitgehend liberalisiert
Mit dem Electric Power Industry Reform Act (EPIRA) fiel 2001 der Startschuss für die Neuorganisation des philippinischen Strommarktes. Die Entflechtung (Unbundling) hat dazu geführt, dass sich Erzeugung, Übertragung, Verteilung und Handel heute überwiegend in privater Hand befinden. Auf Regierungsseite legt das Department of Energy (DOE) die Richtlinien (Circulars) für die Marktteilnehmer fest, ist für die Steuerung des Strommarktes und die Entwicklung und Durchführung von Regierungsprogrammen für den Energiesektor zuständig. Die Regulierungsbehörde Energy Regulatory Commission (ERC) ist unter anderem für die Überwachung des Stromnetzes verantwortlich und legt die Stromtarife fest. Die Philippinen haben neben Singapur die höchsten Strompreise in der Region.
Trotz Entflechtung des Strommarktes können Unternehmen in verschiedenen Segmenten aktiv sein. So kann ein Stromverteiler (Distribution Utility; DU) bis zu 50 Prozent seines Strombedarfs über Eigenproduktion oder über Beteiligungen an anderen Erzeugern decken. Beispielsweise ist die größte DU in den Philippinen, Meralco, auch ein bedeutender Stromproduzent und im Rahmen von Konsortien an Gas- und Kohlkraftwerken beteiligt. Um eine Monopolbildung zu verhindern, darf ein einzelner Stromerzeuger maximal 30 Prozent der Gesamtkapazitäten halten.
Immer mehr Stromkunden können ihren Versorger selbst wählen
Das von der National Grid Corporation of the Philippines (NGCP) betriebene nationale Stromübertragungsnetz besteht aus drei regionalen Netzen in den Hauptregionen Luzon, Visayas und Mindanao, die über Hochspannungskonnektoren und Unterseekabeln miteinander verbunden sind. Bei der Stromverteilung gibt es neben den rund 20 privaten DUs weitere 120 regionale Genossenschaften (Electric Cooperative; EC). Die Verteilstromnetzbetreiber verteilen den Strom weiter an die Versorger (Supplier) in ihren Servicegebieten. Gemäß Renewable Portfolio Standard (RPS) müssen die Versorger mindestens 2,5 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen.
Bei den Endabnehmern gibt es zwei Kategorien: Großkunden (Contestable Consumer) können ihren Supplier frei wählen, während kleinere Verbraucher (Captive Consumer) an ihren lokalen Versorger gebunden sind. Im Juni 2026 wurde die Untergrenze für Contestable Consumer auf eine Spitzenlast von 100 Kilowatt statt wie bisher 500 Kilowatt abgesenkt. Dadurch können weitere 12.000 Kunden ihren Stromlieferanten künftig selbst auswählen. Im Juli 2026 gab es rund 3.300 Contestable Consumer. Davon waren 2 Prozent Unternehmen mit sehr hohem Strombedarf, die auch direkt Abnahmeverträge mit Stromproduzenten schließen können.
Stromhandel erfolgt vor allem über Abnahmeverträge
Der Stromhandel zwischen den Akteuren erfolgt zu 80 bis 90 Prozent über bilaterale Lieferverträge (Power Supply Agreement; PSA), mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren. Die restlichen 10 bis 20 Prozent werden über die zentrale Plattform Wholesale Electricity Spot Market (WESM) gehandelt. Dort müssen alle Produzenten ihre nicht über PSA reservierten Kapazitäten anbieten. Der Spot-Preis wird über Angebot und Nachfrage im 5-Minuten-Takt ermittelt. Seit dem Beginn der Nahostkrise ist er rasant gestiegen und war im Juni 2026 mit umgerechnet 0,15 US-Dollar (US$) fast dreimal so hoch wie vor dem Konflikt.
Vielfältige Marktinstrumente für Stromproduzenten
Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien können entweder im Rahmen von Green Energy Auctions (GEA) auf die vom DOE auktionierten Kapazitäten bieten oder über das Green Energy Option Programm (GEOP) direkt an Endverbraucher mit einer Spitzenlast von mindestens 50 Kilowatt verkaufen. Über das Net-Metering-Programm können Produzenten mit einer Kapazität von maximal 100 Kilowatt ihren überschüssigen Strom ins Netz einspeisen.
Mit dem Expanded Roof-mounted Solar Programm können Betreiber von Aufdach-PV-Anlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Kilowatt ihren Strom ins Netz oder an den Versorger abgeben. Statt den Strom direkt zu verkaufen, kann er auch als Renewable Energy Certificate (REC) auf dem Renewable Energy Market (REM) an Supplier veräußert werden, damit diese beispielsweise ihre Mindestquote von 2,5 Prozent an Stromproduktion aus erneuerbaren Energien erreichen.
Die Regierung hält für Investitionen in erneuerbare Energien eine Reihe von Incentives bereit. Im WESM-System wird der Strom bevorzugt gehandelt. Auch sind die Investoren in den ersten sieben Jahren nach Inbetriebnahme von der Einkommensteuer befreit, danach gilt ein reduzierter Gewerbesteuersatz von 10 statt 20 Prozent. Zudem fällt auf den Stromverkauf und andere Dienstleistungen keine Mehrwertsteuer an. Des Weiteren können Sonderabschreibungen auf die Ausrüstung in Anspruch genommen werden. Ausführliche Informationen bietet die Investitionsbehörde Board if Investment (BOI).
Verbesserungen bei Projektfinanzierung
Die Finanzierung von Erneuerbare-Energie-Projekten gestaltet sich zum Teil schwierig, so die Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die philippinische Regierung will die Rahmenbedingungen für Investoren verbessern und hat beispielsweise 2025 das Limit zur Vergabe von Einzelkrediten für solche Vorhaben von 25 auf 40 Prozent des Nettovermögens der Bank hochgesetzt. Die philippinischen Banken emittieren verstärkt Anleihen für Nachhaltigkeitsprojekte (Green Bonds) und die Nachfrage danach wächst. Der größte Finanzdienstleister BDO hat seit 2022 grüne Anleihen im Wert von 6,3 Milliarden US$ am Markt platziert.
Landerwerb und Fachkräftemangel sind Hürden
Ausländische Investoren dürfen in den Philippinen kein Land erwerben. Ende 2025 wurde allerdings die Höchstdauer für die Pacht von 75 auf 99 Jahre angehoben. Der Prozess ist aber nach Aussage von Marktkennern weiterhin lang und bürokratisch, was vor allem bei größeren Windkraft- und PV-Projekten häufig zu Verzögerungen führt. Ein weiteres Problem ist die Verfügbarkeit von Fachkräften im Bereich erneuerbare Energien. Um diese Lücke zu schließen, hat die Deutsch-Philippinische Industrie und Handelskammer 2025 eine Kooperationsvereinbarung mit der philippinischen Ausbildungsbehörde TESDA zur Förderung von "Green Jobs" geschlossen - unter anderen für erneuerbare Energien.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Boris Alex
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Kuala Lumpur