Branchen | Israel | Infrastrukturbau & ÖPNV
Israels Metronetz: Erste Bewerbungsphase zieht 33 Bieter an
Israels größtes Infrastrukturprojekt eröffnet deutschen Anbietern Chancen bei Infrastrukturtechnik und Ausrüstung.
30.06.2026
Im Juni 2026 hat die staatliche Gesellschaft NTA – Metropolitan Mass Transit System die erste Bewerbungsphase für den Tiefbau (Infra 1) der Kernstrecke des geplanten Metronetzes abgeschlossen. NTA verantwortet Planung und Bau von Nahverkehrsprojekten in der Metropolregion Tel Aviv.
Die Ausschreibung umfasst Tunnel mit einer Gesamtlänge von 78 Kilometern sowie 59 unterirdische Stationen. Die Kernstrecke wird von drei künftigen Linien genutzt. Die Kosten werden auf rund 21 Milliarden US-Dollar (US$) geschätzt.
Für deutsche Zulieferer ist diese Phase frühzeitig relevant: Mit der Auswahl geeigneter Bewerber beginnen internationale Bauunternehmen typischerweise, Partner für Ausrüstung, Technologien und Dienstleistungen zu suchen. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, sich als Zulieferer in den entstehenden Lieferketten zu positionieren.
Aufgrund des Projektumfangs werden erhebliche Mengen an Maschinen, Komponenten und Systemlösungen benötigt, die voraussichtlich überwiegend importiert werden. Darüber hinaus besteht Bedarf an ausländischer Expertise für die Planung der Metro. Entsprechende Kapazitäten für Projekte dieser Art und Größenordnung sind in Israel nur begrenzt vorhanden. Allerdings können spezialisierte israelische Ingenieur- und Planungsbüros ausländische Zulieferer hinsichtlich der geltenden technischen Normen, Anforderungen und Arbeitsmethoden beraten.
Wichtig zu wissen
Das Metronetz im Großraum Tel Aviv gilt als das größte Infrastrukturprojekt Israels. Geplant sind rund 150 Kilometer Tunnelstrecke und 109 Stationen. Der Gesamtwert wird auf rund 45 Milliarden US$ beziffert. Das System soll zwischen 2037 bis 2042 stufenweise in Betrieb gehen und nach vollständiger Fertigstellung jährlich rund 800 Millionen Fahrgastbewegungen bewältigen.
Projekt löst internationales Interesse aus
Der Wettbewerb ist international ausgeprägt und wird durch Anbieter aus Indien und China zusätzlich preislich verschärft. Deutsche Unternehmen haben vor allem in spezialisierten Nischen sowie als Zulieferer internationaler Konsortien Chancen.
Laut NTA haben 20 Bewerber – darunter Einzelunternehmen und Konsortien – Unterlagen eingereicht. Insgesamt sind 33 Unternehmen beteiligt. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung Globes handelt es sich um 11 israelische und 22 ausländische Firmen, darunter 9 aus Indien, 6 aus China, 5 aus Europa und 2 aus den USA.
Erstmals beteiligen sich laut Globes auch indische und US-amerikanische Unternehmen an einer großen Infrastrukturausschreibung in Israel. Dies wurde in Israel positiv aufgenommen, da zuvor befürchtet wurde, die geopolitische Lage könnte potenzielle Bieter abschrecken.
Infrastrukturtechnik gefragt
NTA plant, die Hauptausschreibung Ende 2026 zu veröffentlichen. Dann sollen auch die zugelassenen Bewerber bekanntgegeben werden. Dies erleichtert ausländischen Zulieferern die Vorbereitung auf die Auftragsakquisition. Das Projekt ist in 11 Abschnitte gegliedert, die jeweils separat vergeben werden. Ein Bewerber kann maximal drei Lose gewinnen.
Liefermöglichkeiten für deutsche Unternehmen entstehen unter anderem in folgenden Bereichen:
- Tunnelbautechnik
- Hydraulik- und Antriebstechnik
- Sensorik
- Baugrund- und Gebäudesicherung
- Sicherheits- und Kommunikationstechnik
- Schalungstechnik
Ein Großteil der Anlagen, Maschinen und Ausrüstungen dürfte importiert werden, da entsprechende Kapazitäten im Inland fehlen. Nach Angaben von NTA-Generaldirektor Itamar Ben-Meir müssen die Aushubarbeiten 40 Millionen Kubikmeter Erdreich entfernen und 20 Tunnelbohrmaschinen einsetzen.
Zusätzliche Anforderungen ergeben sich durch Sicherheitsvorgaben: Unterirdische Stationen müssen so ausgelegt werden, dass sie im Bedarfsfall als Schutzräume dienen können.
Geschäftschancen bei Systemtechnik und Dienstleistungen
Die Vergabe der Systemtechnik (Infra 2) soll zeitnah nach den Tiefbauaufträgen erfolgen. Laut NTA ist die Veröffentlichung der entsprechenden Ausschreibung kurz nach Abschluss der ersten Phase vorgesehen. Ziel ist eine frühe Integration in das Gesamtprojekt.
Das Projekt soll nach dem DBOM-Modell (Design, Build, Operate, Maintain) umgesetzt werden. Der Auftragnehmer übernimmt Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung.
Auch in diesem Bereich entstehen Zulieferchancen, unter anderem bei:
- Depotausrüstung und Werkstatttechnik
- Energieversorgung
- Gleisbau
- Schall- und Vibrationsschutz
- Sicherheits- und Kommunikationstechnik
Darüber hinaus besteht Bedarf an Planungs- und Beratungsleistungen. Deutsche Dienstleister können sich insbesondere als Fachplaner oder Subunternehmer innerhalb internationaler Konsortien positionieren.
Mehrere deutsche Unternehmen sind oder waren im israelischen Schienenverkehr aktiv, darunter DB Engineering & Consulting, DB Bahnbaugruppe und Siemens Mobility. Im Spezialtiefbau lieferte Herrenknecht Tunnelbohrmaschinen für die im Bau befindliche Stadtbahn in Tel Aviv. Mittelständische Zulieferer sind in der Regel nicht öffentlich sichtbar.
Einen Überblick über weitere Infrastrukturprojekte in Israel sowie Hinweise zum Markteintritt bietet der GTAI-Bericht zum Infrastruktursektor in Israel.
Wichtige Anlaufstellen
Projektgesellschaft NTA
Als zuständige Gesellschaft stellt NTA offizielle Informationen und Dokumente bereit und organisiert die Ausschreibungen.
Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer
Die Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer (AHK) vermittelt Einstiegswissen und lokale Kontakte. Durch ihr Netzwerk in Israel hilft sie deutschen Unternehmen, relevante Ansprechpartner beim Projekt zu identifizieren.