Japan fördert seine Halbleiterindustrie mit hohen Subventionen. Dies und die KI-getriebene Nachfrage stärken die Branche. Große Player wollen weiter kräftig investieren.
Die japanische Regierung setzt auf die Förderung strategischer Branchen wie die künstliche Intelligenz (KI) und die Halbleiterindustrie. Mit dem Gewinn einer Zwei-Drittel-Mehrheit bei den Wahlen zum Unterhaus des Parlaments am 8. Februar 2026 hat Premierministerin Sanae Takaichi ein starkes Mandat dafür gewonnen, diese Wirtschaftspolitik fortzusetzen. Bereits im Dezember 2025 hatte der globale Halbleiterverband SEMI ein starkes Wachstum der Halbleiterinvestitionen in Japan prognostiziert.
TSMC will 3-Nanometer-Fertigung in Japan aufbauen
Drei Tage vor der Wahl, am 5. Februar 2026, hatte der CEO von TSMC, dem weltgrößten Auftragshersteller von Halbleitern, ein Update der Japanpläne der taiwanischen Firma verkündet. Danach soll das zweite TSMC-Werk in Japan 3-Nanometer-Technologie nutzen. Derart kleine Chips werden bisher nur in Taiwan und in Südkorea produziert. TSMC plant auch in den USA eine 3-Nanometer-Fertigung. Bei der Entscheidung von TSMC für das Upgrade des geplanten Werks spielte die Industriepolitik Japans eine Rolle.
"Die 3-Nanometer-Technologie ist eine der fortgeschrittensten und wird für KI und Smartphones genutzt. […] Wir schätzen besonders die Initiativen von Premierministerin Takaichi in zukunftsweisenden Bereichen wie generativer KI, autonomem Fahren und Robotik. Hier setzt sie sich nicht nur proaktiv für die Förderung von Investitionen, sondern auch für die Schaffung von Nachfrage ein." Che-Chia Wei, CEO von TSMC
Ursprünglich war das zweite TSMC-Werk in Kumamoto auf der Insel Kyushu mit 6- bis 12-Nanometer-Technologie geplant. Der Bau hätte planmäßig bereits 2025 beginnen sollen. Das erste Werk ist seit 2024 in Betrieb und für die Fertigung von Logikchips mit 12/16-Nanometer- und 22/28-Nanometer-Technologie ausgelegt. Details zum geänderten Vorhaben sind noch nicht bekannt. Premierministerin Takaichi betonte, dass Japan Straßen, Wasserversorgung und Industrieparks für Firmen im Umfeld von TSMC bereitstellen wird.
Rapidus erhält umfangreiche Fördermittel
Die größte staatliche Förderung bekommt ein riesiges Start-up auf Hokkaido: Die Firma Rapidus soll als Auftragsfertiger Halbleiter auf Basis der 2-Nanometer-Technologie von IBM fertigen. Die Massenfertigung soll voraussichtlich im März 2028 beginnen. Erste Gewinne visiert die Regierung für das Fiskaljahr 2029 an. Für das Fiskaljahr 2031 ist der Börsengang des Start-ups geplant. Die Regierung will sich im Fiskaljahr 2025 über die staatliche Information-technology Promotion Agency (IPA) mit etwa 669 Millionen US-Dollar (US$) an Rapidus beteiligen und im Fiskaljahr 2026 dann mit einer weiteren Milliarde US$.
Im Fiskaljahr 2025 rechnet die Regierung mit privaten Beteiligungen an dem Start-up in Höhe von circa 869 Millionen US$. Japanischen Medien zufolge dürften es sogar mehr als 1 Milliarde US$ werden. Laut der Tageszeitung Nihon Keizai Shimbun beteiligen sich neben Softbank, Sony Group, NTT, Toyota, Kioxia und NEC auch Fujitsu, JX Metals und möglicherweise IBM. Bis März 2032 hofft die Regierung auf private Beteiligungen an Rapidus von 6,7 Milliarden US$.
Bisher förderte die Regierung Rapidus vor allem über die New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO). Bis Ende März 2026 soll die staatliche Förderagentur NEDO Rapidus Mittel für Forschung und Entwicklung von insgesamt rund 11,4 Milliarden US$ gewähren. Im Fiskaljahr 2026 sollen nochmal 4,2 Milliarden US$ und im Fiskaljahr 2027 weitere 2 Milliarden US$ hinzukommen. Dazu will die Regierung bis März 2032 private Kredite an Rapidus in Höhe von mehr als 13,4 Milliarden US$ absichern.
Micron investiert weitere 10 Milliarden US$ in Japan
Im September 2025 bewilligte Japans Regierung Fördermittel für ein weiteres Werk für Speicherchips des US-Herstellers Micron Technology. Micron will 10 Milliarden US$ investieren, um so im Sommer 2028 die Produktion in einem weiteren Werk in Hiroshima aufzunehmen.
Der japanische Halbleiterhersteller Kioxia und die US-Firma Sandisk starteten im September 2025 in einem zweiten Werk die Produktion von Speicherchips. Diese Fertigung in Kitakami in der Präfektur Iwate soll ab dem 1. Halbjahr 2026 nennenswerte Volumina erreichen. Darüber hinaus verlängerten Kioxia und Sandisk Ende Januar 2026 ihre Joint-Venture-Vereinbarungen zur Produktion von Speicherchips im Werk in Yokkaichi in der Präfektur Mie bis Ende 2034 um weitere fünf Jahre.
Im August 2025 vereinbarten die Softbank Group und Intel, dass sich der der japanische Technologiekonzern am amerikanischen Halbleiterhersteller mit 2 Milliarden US$ beteiligt.
Japan fördert Großprojekte für HalbleiterwerkeSubventionen und Investitionssummen in Milliarden US-Dollar 1| Träger | Projekt | Zeitraum | Subvention | Investitionssumme |
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| Rapidus | Halbleiterwerk, 2-Nanometer und 1,4-Nanometer-Verfahren | Start der Massenproduktion Ende 2027/Anfang 2028 | 17,6 für Forschung und Entwicklung bis 03/2028, Garantien für Kredite in Höhe von 13,4 bis 03/2032 | 46,8 bis 03/2032, davon 26,7 für 2-Nanometer-Verfahren und 20,1 für 1,4-Nanometer-Verfahren |
| TSMC 2 | 2. Halbleiterwerk, 3-Nanometer-Verfahren | k.A. | bis zu 4,9 3 | 13,9 3 |
| Micron | Werk für DRAM-Speicherchips der nächsten Generation | Produktion ab 2028 | bis zu 3,3 | 10 |
| Fuji Electric und Denso | Siliziumkarbid-Leistungshalbleiter und -Wafer | Produktion ab 9/2026 beziehungsweise 5/2027 | bis zu 0,47 | 1,4 |
1 1 US$=149,56 Yen; 2 TSMC mit Partnern - bisher mit Sony, Denso und Toyota geplant; 3 Summe noch laut ursprünglichem Plan vor dem Upgrade auf 3-Nanometer-Technologie.Quelle: Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) 2025, Prime Minister’s Office 2026
Schwierigere Lage bei Leistungshalbleitern
Doch es gibt auch Schwierigkeiten. So musste der japanische Auftragsfertiger JS Foundry im Juli 2025 Insolvenz anmelden. Der japanische Chipproduzent Renesas wiederum hatte dem US-Halbleiterhersteller Wolfspeed mehr als 2 Milliarden US$ zur Verfügung gestellt. Da Wolfspeed sich seit Mitte 2025 in einem Gläubigerschutzverfahren befindet, musste Renesas 1,6 Milliarden US$ abschreiben. Nach der Restrukturierung von Wolfspeed könnte Renesas einen Anteil an der US-Firma von bis zu 38 Prozent halten.
Renesas hat ursprüngliche Pläne zur Fertigung von Siliziumkarbid-Halbleitern 2025 aufgegeben. Das Unternehmen ist aber weiter bei Galliumnitrid-Halbleitern aktiv und hofft dort auf Nachfrage seitens Datenzentren.
Bei Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern läuft noch ein 1,4 Milliarden US$ schweres Investitionsvorhaben von Fuji Electric und Denso. Darüber hinaus soll im April 2026 die Fertigung von Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern in einem Werk des japanischen Herstellers von elektronischen Bauelementen Rohm und seines japanischen Partners Lapis Semiconductor beginnen. Rohm vereinbarte zudem im Dezember 2025 eine Zusammenarbeit mit der indischen Tata Electronics. Im ersten Schritt soll Tata ab 2026 Leistungshalbleiter für die Automobilindustrie herstellen.
Japans Wirtschaftsministerium fördert daneben vor allem die Entwicklung von Chiplets, das Packaging und optische Halbleitertechnik.
Japan fördert Entwicklung von HalbleitertechnikAusgewählte Förderprojekte des METI zur Entwicklung von Technologien seit 2021| Halbleitersektor | Firma (Bereich) |
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| Chiplets, Packaging | Rapidus (Chiplet-Package-Design), TSMC (3D-IC-Chipstapeltechnologie), Yamaha Motor Robotics Holdings (Chip-on-Wafer-Direktbonding-3D-Stacking-Integrationstechnologie), Tokyo Electron (Herstellungs- und Prozesstechnologie für 3D-Halbleiterbauelemente), Sony Semiconductor Solutions (3D-Stapelelementtechnologie), Shinko Electric Industries (Packaging der nächsten Generation), Advanced SoC Research for Automotive (Chiplets) |
| Optische Halbleitertechnik | NTT Innovative Devices, Furukawa Electric, Shinko Electric (alle drei Technologie zur Montage optischer Chips), Kioxia (fotoelektrische Interface-Speichercontroller) |
Quelle: METI 2025; Zusammenstellung von Germany Trade & Invest 2026
Japanische Anbieter sind stark aufgestellt
Japanische Firmen haben hohe Weltmarktanteile bei der Fertigung von Bildschirmsensoren, Microcontroller-Units, NAND-Speicherchips und Leistungshalbleitern. Zudem halten sie hohe Weltmarktanteile bei Halbleitermaschinen und bei Chemikalien für die Halbleiterindustrie.
Japan verfügt über eine signifikante HalbleiterfertigungAusgewählte Weltmarktanteile japanischer Firmen in Prozent | Bereich | Firma (Weltmarktanteil) |
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| Bildsensoren | Sony Semiconductor Solutions (49,5) |
| Microcontroller-Units | Renesas (15,5) |
| NAND-Speicher | Kioxia (14,9) |
| Leistungshalbleiter | Fuji Electric (3,4 Prozent), Mitsubishi Electric (2,8 Prozent), Toshiba (2,7 Prozent), Denso (vor allem für den Eigengebrauch), Renesas, Rohm Semiconductor und Toshiba Electronic Devices & Storage |
Quelle: METI Dezember 2025; Germany Trade & Invest 2026
Von Frank Robaschik
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Tokyo