Special | Ukraine | Japans Unterstützung

Japan ist Schlüsselpartner beim Wiederaufbau der Ukraine

Japan zählt zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine. Dort ansässige Unternehmen können Finanzhilfen, Garantien und Entwicklungshilfe für Projekte in der Ukraine nutzen.

Von Frank Robaschik | Tokyo

Bei der Höhe der bilateralen Hilfen an die Ukraine belegt Japan bis Ende April 2025 mit insgesamt 10,8 Milliarden Euro laut dem Ukraine Support Trackers des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) weltweit Rang 4 die EU-Institutionen ausgenommen. Dabei gewährt Japan auch mit Blick auf die pazifistische Verfassung kaum militärische Hilfen, stimmte allerdings im Juli 2024 dem Verkauf von in Japan gefertigten Patriot-Raketen für circa 20 Millionen US-Dollar (US$) an die USA zu. 

Im April 2025 schlossen Japan und die Ukraine eine Vereinbarung über einen Kredit in Höhe von rund 3,2 Milliarden US$. Dieser erfolgte im Rahmen einer Initiative der G7-Staaten. Aber auch über multilaterale Institutionen ist Japan aktiv. Mit Wirkung bis April 2024 hatte Japan Garantien an die zur Weltbank-Gruppe gehörende Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegeben, woraufhin die Bank Kredite in Höhe von 5 Milliarden US$ an die Ukraine vergab.

Japans Unternehmen haben Interesse an Wiederaufbauprojekten

Die japanische Außenwirtschaftsförderung Japan External Trade Organization (JETRO) eröffnete am 10. Oktober 2024 in der Ukraine ein Büro. Gleichzeitig hob die JETRO einen Ukraine Business Desk in ihrer Zentrale in Tokyo aus der Taufe. Bereits im Februar 2024 und im Juni 2024 hatten Japan und die Ukraine zahlreiche Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Neben Ministerien und staatlichen Stellen beteiligen sich zahlreiche Unternehmen, darunter auch große Handelshäuser wie Sumitomo und das im Rahmen der URC 2024 in Berlin zu Leuchtturmprojekten gekürte Sojitz, der Landmaschinenhersteller Kubota und das Internetunternehmen Rakuten.

Nach einer im Dezember 2024 veröffentlichten JETRO-Umfrage haben mehrere japanische Firmen Interesse am Geschäft mit der Ukraine auch im Rahmen von Investitionen und Projekten für den Wiederaufbau. Besonders im Fokus stehen die Bereiche Bau, Logistik, Elektrotechnik und Elektronik, Stahl, Banken, Handel, Metallerzeugnisse, Maschinen sowie Nahrungsmittelverarbeitung. 

Ausgewählte japanische Firmen mit Kooperationsvereinbarungen oder Entwicklungshilfeprojekten in der Ukraine
BrancheFirma
Öffentliche UnternehmenJapan Bank for International Cooperation, Nippon Export and Investment Insurance, Japan Water Agency
LandwirtschaftKubota, Yanmar Agribusiness, Mebiol, Kakuichi, AC Biode, EF Polymer, Allied Carbon Solutions, Mayekawa, Sagri, Iseki, NTC International, Yamada Bee Farm
DigitalesRakuten Symphony, Sojitz, Global Security Experts, Picocela, Digital Knowledge, Internet Initiative Japan
AbfallbehandlungPadeco, Nippon Basic, Gomi Solutions
EnergiewirtschaftSumitomo, Komaihaltec, Kawasaki Heavy Industries, Iwatani, Daiwatec
BauwirtschaftThermalytica (Farben), Tagawa Shikkui Labs (Baumaterial), Metal Products (Baustahlverarbeitung), IHI (Studie zum Einsatz mobiler Brücken), Serendix, Aldagram, Komaihaltec, Toyo Koka, IKEE, IHI Infrastructure Systems, Tokyo Rope, Nichiha
Schienenfahrzeuge *Senko Shoji, Mitsubishi Electric, Fuji Electric
NutzfahrzeugeSojitz, Isuzu
MedizintechnikInstalimb, Sansei
* Modernisierung der Fahrzeuge der Metro in KyjiwQuelle: Ministry of Foreign Affairs 2024; Ministry of Energy, Trade and Industry 2024, JICA 2025

Japan gibt Garantien für das Ukrainegeschäft

Die staatliche Versicherungsgesellschaft NEXI (Nippon Export and Investment Insurance) sichert Geschäfte japanischer Unternehmen in der Ukraine ab. Die Garantien sichern sowohl die Exporte von Dienstleistungen und Gütern als auch Investitionen vor Ort ab. Das Gesamtvolumen der Garantien beträgt rund 1,2 Milliarden Euro.

Japan sichert Ukrainegeschäft mit Garantien ab
Art der GarantieVolumenLaufzeitZweck
Investitionsgarantien150 Milliarden Yen (rund 900 Millionen Euro5 Jahre (bis 2029)Förderung von Investitionen aus Japan in der Ukraine
Exportkreditgarantien50 Milliarden Yen (rund 300 Millionen Euro)2 Jahre (bis 2026)Förderung von Exporten aus Japan in die Ukraine zum Wiederaufbau des Landes
Quelle: Nippon Export and Investment Insurance 2025

Bei der Japan-Ukraine-Wirtschaftskonferenz (Japan-Ukraine Conference for Promotion of Economic Growth and Reconstruction) in Tokyo im Februar 2024 unterzeichneten NEXI und ihr ukrainisches Pendant ein Memorandum of Understanding (MoU). Es soll die Kooperation im Bereich Export- und Investitionsabsicherung vertiefen. Zudem soll es japanische Unternehmen ermutigen, sich am Wiederaufbau zu beteiligen und gleichzeitig Zugang zum europäischen Markt zu gewinnen.

Entwicklungshilfe unterstützt auch wirtschaftliche Aktivitäten in der Ukraine

Die Entwicklungshilfeorganisation Japan International Cooperation Agency (JICA) hat ihr Büro in der Ukraine – nach vorübergehender Schließung im Januar 2022 – im November 2023 wieder eröffnet. Seither konzentriert sich ihre Arbeit auf vier zentrale Bereiche des Wiederaufbaus:

  1. Schaffung von Grundlagen für den Wiederaufbau, unter anderem durch Minenräumung, Räumung nicht explodierter Kampfmittel und Trümmerbeseitigung.
  2. Verbesserung der Lebensbedingungen und der Umwelt, unter anderem durch Wiederherstellung des Stromnetzes und anderer Infrastruktur.
  3. Wiederaufbau der Industrie und Exportförderung, unter anderem durch die Unterstützung der Landwirtschaft und des Unternehmertums.
  4. Stärkung der Demokratie und der Verwaltung, unter anderem durch die Stärkung des öffentlichen Rundfunks und des Finanzsystems.

In diesen vier zentralen Bereichen stellt Japan Maschinen, Ausrüstung und Know-how sowie finanzielle Mittel zur Verfügung.

Im Juli 2024 startete die JICA ein Projekt zur Unterstützung von Firmen in der Ukraine. Dieses zielt darauf ab, die Risiken für japanische Unternehmen, die in der Ukraine Geschäfte machen möchten, zu verringern. Die JICA sammelte Informationen, führte Marktforschungen durch und wählte 14 japanische Firmen für die Teilnahme an dem Projekt aus.

Japans Politik steht hinter der Ukraine

Politischer Rückhalt zur weiteren Unterstützung der Ukraine ist vorhanden. In Japan besteht die Angst, dass wenn man Russland den Angriff auf die Ukraine ungestraft durchgehen lässt, dies ein Präzedenzfall für ähnliche Entwicklungen in Asien sein könnte, beispielsweise für einen Angriff Chinas auf Taiwan. Japan hat zudem selbst eine Grenze zu Russland und sieht so die Änderung von Grenzen durch Gewalt mehr als kritisch. Hochrangige japanische Politiker sprechen daher immer wieder davon, dass die Sicherheit Europas und die Stabilität des Indopazifiks untrennbar miteinander verknüpft sind. Vor diesem geopolitischen Hintergrund ist davon auszugehen, dass Japan seine finanzielle und politische Unterstützung für die Ukraine auch in Zukunft fortsetzen wird.

Wie wichtig Japan die Sicherheit der Ukraine ist, zeigt sich auch in symbolischen Gesten. So wählte der japanische Außenminister Takeshi Iwaya – Mitglied der seit Oktober 2024 amtierenden Regierung unter Premierminister Shigeru Ishiba – nach seinem Amtsantritt die Ukraine neben Peru als eines seiner ersten Reiseziele. Sein Besuch in Kyjiw unterstrich die außenpolitische Priorität, die Japan der Unterstützung der Ukraine beimisst.

Die meisten Sanktionen gegen Russland trägt Japan ebenfalls mit. Allerdings bezieht es weiter Erdgas aus Sachalin, an dessen Erschließung sich japanische Firmen beteiligt hatten. Im Jahr 2024 betrugen die Importe 3,6 Milliarden US$.

Wer verwaltet die japanischen Förderprogramme?
BezeichnungAnmerkungen
JETRO, Büro in KyjiwAußenwirtschaftsförderungsgesellschaft; Kontaktaufnahme über das JETRO-Büro in Warschau oder den Ukraine Business Support Desk in Tokyo unter der Telefonnummer +81 3 3582 5196.
JICA, Büro in KyjiwSetzt die Entwicklungszusammenarbeit Japans um.
Quelle: Recherchen der Germany Trade & Invest 2025

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