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Branche kompakt | Kanada | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Branchenstruktur

Kanadas Pharmaindustrie zählt zu den innovativsten Branchen und konzentriert sich auf Ontario und Québec. British Columbia, vor allem Vancouver, ist ein wichtiger Biotech-Standort.

Von Heiko Steinacher | Toronto

Kanadas Pharmaindustrie konzentriert sich in Ontario (Toronto) und Québec (Montreal). Mehr als 70 Prozent der Arbeitgebenden der Branche entfallen auf die beiden Provinzen (Stand: 2024). Die Beschäftigung im Sektor wächst seit mehr als zehn Jahren konstant und zählt mehr als 35.000 Angestellte. British Columbia, insbesondere Vancouver, entwickelt sich zunehmend zum Biotech-Hotspot.

Die Branche gilt als eine der innovativsten Kanadas und umfasst internationale Konzerne, zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Auftragshersteller (CMOs) und Auftragsforschungsinstitute (CROs). 

Großteil der Forschungsausgaben fließt nach Ontario

Ein Großteil der FuE-Ausgaben der Branche fließen in die Provinz Ontario. GlaxoSmithKline, Sanofi Pasteur und die kanadische Apotex haben dort eine starke Präsenz. Hinzu kommt das Chemie- und Life-Science-Cluster in Windsor-Sarnia-Lambton, eines der größten des Landes, das sowohl petrochemische als auch biochemische Unternehmen umfasst.

Die Provinz beherbergt auch renommierte Universitäten und Forschungseinrichtungen wie die University of Toronto, die McMaster University und das MaRS Discovery District. Diese Institutionen fördern Innovationen, bieten eine solide Grundlage für biotechnologische Forschung und unterstützen die Entwicklung sowie Kommerzialisierung neuer Therapien. Ontario ist damit nicht nur Produktionsstandort, sondern auch ein zentraler Treiber für Innovationen in Bereichen wie Biopharmazeutika, Impfstoffe und personalisierte Medizin.

Wichtige Branchenunternehmen in KanadaUmsatz in Milliarden US-Dollar

Unternehmen

Sparte

Umsatz Jahr 2023  

Johnson & JohnsonPharma, Medizintechnik

3,7

Novo Nordisk Pharma

1,9

AbbVieBiopharma

1,4

Novartis Pharma

1,3

AstraZeneca Pharma, Biotechnologie

1,3

MerckPharma

1,3

Bayer Pharma, Biotechnologie, Chemie

1,2

Apotex Pharma, Generika

1,1

GlaxoSmithKline Pharma, Biotechnologie

1,1

Pfizer Pharma, Biotechnologie

1,0

Wechselkurs Jahresdurchschnitt 2023: 1US$ = 1,35 can$Quelle: IQVIA Institute 2025

Der Pharmamarkt in Kanada wird von großen internationalen Unternehmen beherrscht. Zu den umsatzstärksten Unternehmen im Jahr 2023/24 zählen Johnson & Johnson, Merck, Pfizer, AbbVie, Novartis und Novo Nordisk. Auch deutsche Unternehmen wie Bayer und Boehringer Ingelheim haben eine starke Präsenz auf dem kanadischen Markt aufgebaut und profitieren von der hohen Nachfrage nach innovativen Therapien.

Um ihre FuE-Kapazitäten und Marktpräsenz zu erhöhen, gehen Pharmahersteller häufig Kooperationen mit kanadischen Forschungseinrichtungen und Biotechfirmen ein. So haben LMC Healthcare, Diabetes Canada, Intervent und Boehringer Ingelheim Canada im November 2024 eine gemeinsame Initiative vorgestellt, die darauf abzielt, das Risiko von Typ-2-Diabetes bei gefährdeten Menschen zu senken.

Im Jahr 2023 entfiel rund die Hälfte des gesamten Pharmamarktes auf die zehn umsatzstärksten Pharmaunternehmen. Die zehn umsatzstärksten Arzneimittel – allen voran Produkte zur Behandlung chronischer und entzündlicher Erkrankungen wie Ozempic, Trikafta, Infliximab, Stelara und Humira – erzielten 2023 rund 70 Prozent der Umsätze der zwanzig stärksten Produkte.

Biotechnologie besonders dynamisch im Großraum Vancouver 

Im Großraum Vancouver wurden in den letzten zehn Jahren rund 8.000 neue Jobs im Biotechnologiebereich geschaffen. Die Region profitiert von einer starken Forschungslandschaft rund um die University of British Columbia und von Innovationsinfrastrukturen wie den Discovery Parks, die gezielt die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen fördern.

Einen guten Überblick über die Konzentration regional ansässiger Unternehmen bietet die Canadian Life Sciences Datenbank. Die Webseite ermöglicht die Unternehmenssuche nach verschiedenen Kategorien (wie Pharmazeutika, Medizintechnik oder Biotechnologie), unterscheidet aber für die Suche auch Kriterien wie Diagnostik oder FuE.

Die größten F&E-Clusterinitiativen in Kanada

  • MaRS Discovery District (Toronto, Ontario): eines der größten Innovationszentren der Welt, das Start-ups und etablierte Unternehmen in den Bereichen Biotechnologie und Pharmazie unterstützt; es bietet Zugang zu Kapital, Mentoring und einem umfangreichen Netzwerk von Partnern
  • Montreal InVivo (Montreal, Québec): fördert die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten in der Region Montreal; konzentriert sich auf die Entwicklung und Kommerzialisierung von biowissenschaftlichen Innovationen
  • Vancouver's Discovery Parks (Vancouver, British Columbia): unterstützende Infrastruktur für biotechnologische und pharmazeutische Unternehmen; fördert die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und der Industrie und unterstützt die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen
  • Toronto Innovation Acceleration Partners (TIAP; Toronto, Ontario): fördert die Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen und unterstützt Start-ups im Bereich Biotechnologie und Pharmazie; bietet Zugang zu Kapital, Mentoring und einem umfangreichen Netzwerk von Partnern

Hohe Importabhängigkeit, aber deutscher Lieferanteil leicht rückläufig

Kanada ist bei medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen stark importabhängig. Im Jahr 2024 beliefen sich die Einfuhren (SITC‑Position 54) laut UN Comtrade auf rund 19,8 Mrd. US$, was einem marginalen Rückgang gegenüber 2023 entspricht. Die USA bleiben mit knapp 30 Prozent Anteil wichtigster Lieferant (2024: etwa 5,2 Milliarden US$, gut ein Viertel der Branchenimporte). Weitere bedeutende Herkunftsländer sind Deutschland, Portugal, die Schweiz und Irland.

Die Importe aus Deutschland gingen 2024 erneut zurück – um etwa 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und liegen nun bei einem Anteil von rund 11 Prozent. Damit setzt sich der Trend der Vorjahre fort, in denen der deutsche Lieferanteil trotz steigender Gesamteinfuhren leicht rückläufig war.

In der bilateralen Handelsstruktur zwischen Kanada und Deutschland zählen Fertigarzneimittel sowie Impfstoffe, Blutprodukte und Kulturen zu den wichtigsten Importpositionen Kanadas. Diese Kategorien unterstreichen die Bedeutung deutscher Anbieter in Bereichen wie Onkologie, seltene Krankheiten, Immuntherapien und Biologika – Spezialpräparate, die in Kanada nicht in ausreichendem Umfang hergestellt werden und daher überwiegend importiert werden müssen.

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