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Warum Datenzentren bald die Seidenstraße säumen könnten

Zentralasien bietet gute Bedingungen für Datenzentren. Der Markt befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Erste Projekte gibt es in Kasachstan und Usbekistan.

Von Viktor Ebel | Almaty

Wer den Begriff "Data Center Valley" hört, denkt zunächst an das Silicon Valley in Kalifornien. Mit einer geplanten Fläche von 200 Hektar und einer elektrischen Anschlussleistung von 300 Megawatt würde das Projekt auch dort gut passen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein Datenzentrum, das im kasachischen Ekibastuz entstehen soll. Angetrieben mit günstigem Strom aus einem der weltweit größten Kohlekraftwerke könnte das Data Center Valley Kasachstans Weg in das Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) ebnen.

Auch im benachbarten Usbekistan nehmen die Ankündigungen für den Bau von Datenzentren zu. Die Regierung wirbt dort besonders aktiv um Investitionen. Ende 2025 wurde per Präsidialdekret eine Sonderzone in der Autonomen Republik Karakalpakstan geschaffen. Sie bietet umfangreiche Steuervergünstigungen und günstige Strompreise.

Die Zielgruppe sind internationale Anbieter wie DataVolt aus Saudi‑Arabien. Das Unternehmen arbeitet bereits an einem Datenzentrum mit einer Leistung von 12 Megawatt in Taschkent. Zudem plant DataVolt, sein Portfolio in Usbekistan auf 500 Megawatt auszuweiten.

Zentralasien bietet viele Vorteile für Datenzentren

Der saudi-arabische Techkonzern ist nicht zufällig in Usbekistan gelandet. Das Land baut seine Stromerzeugungs- und Übertragungskapazitäten aus. Zudem ist die Regierung um ein investorenfreundliches Geschäftsklima bemüht. In der Branchensprache werden diese Faktoren als die drei "P" bezeichnet. Sie stehen für Power, Pipes und Policy.

Sonderzone für KI und Datenzentren in der Autonomen Republik Karakalpakstan

  • Fast alle Steuern und Importzölle entfallen bei Investition von über 100 Millionen US-Dollar.
  • Der Strompreis beträgt 0,05 US-Cent je Kilowattstunde.
  • Die Regelungen gelten bis 2040.
  • Bis 2030 sollen 1 Milliarde US-Dollar an Investitionen angezogen werden.
  • Die geringe durchschnittliche Jahrestemperatur begünstigt die Kühlung mit Außenluft.

Neben Usbekistan positioniert sich vor allem Kasachstan als Standort für Rechenzentren in Zentralasien. Das Land verfolgt ambitionierte Pläne beim Ausbau seiner Kraftwerkskapazitäten. Dies gilt sowohl für fossilen als auch für erneuerbare Energieträger. Etwa im Jahr 2035 soll zudem das erste Kernkraftwerk des Landes ans Netz gehen und günstigen Strom einspeisen. Kasachstan ist der weltweit größte Uranproduzent und will davon in Zukunft stärker wirtschaftlich profitieren.

0,025 US$/kWh

soll der Strom im Data Center Valley Ekisbastuz kosten.

Auch an Sonderwirtschaftszonen mit Investitionsanreizen mangelt es dem größten Land der Region nicht. Die Regierung zeigte sich zuletzt jedoch enttäuscht von deren Effektivität. Sie kündigte an, die Sonderwirtschaftszonen zu reformieren. Als erstes Land in Zentralasien regelt Kasachstan den Umgang mit KI per Gesetz.

Ein möglicher Standortvorteil könnte ein Hochgeschwindigkeitsdatenkabel durch das Kaspische Meer nach Aserbaidschan sein. Über dieses will sich das Land ab Ende 2026 direkt in den Datenverkehr zwischen Europa und Asien einklinken. Ziel ist es, sich damit von Russland unabhängiger zu machen. Das Projekt gilt als wichtiger Schritt, um in Zentralasien die Voraussetzungen für den Bau groß angelegter Datenzentren zu schaffen.

Markt für Datenzentren steht noch am Anfang

Dies dürfte dazu beitragen, dass die Länder beim nächsten Government AI Readiness Index von Oxford Insights weitere Plätze gut machen. Bereits 2025 verbesserte sich Kasachstan um 18 Ränge auf Platz 58. Usbekistan stieg um 25 Ränge auf Platz 62. Oxford Insights bescheinigt beiden Ländern unter anderem Fortschritte bei der digitalen Infrastruktur. Trotz der Zugewinne liegen sie im globalen Vergleich weiterhin im Mittelfeld der 195 untersuchten Länder.

Noch sei kein Datenzentrum in Zentralasien KI-fähig, hieß es bei einer Paneldiskussion. Diese fand auf der GITEX Central Asia and Caucasus 2026 in Almaty statt. Die KI- und Techmesse wurde Anfang Mai 2026 erstmals in Zentralasien ausgerichtet.

Für eine kontinuierliche KI-Produktion benötigen Datenzentren sehr hohe Strommengen. Die elektrische Anschlussleistung müsse hier mehrere hundert Megawatt betragen, sagte ein Vertreter des Unternehmens Akashi. Das Unternehmen arbeitet in der Hauptstadt Astana an dem ersten Tier-IV-zertifizierten Datenzentrum Zentralasiens. Tier-IV steht für höchste Ausfallsicherheit, vollständige Fehlertoleranz und eine redundante Versorgung aller Komponenten.

Geplante und in Bau befindliche Datenzentren in Kasachstan und UsbekistanInvestitionen in Millionen US-Dollar
Projekt (Kapazität)

Investition

ProjektstandAnsprechpartner
Kasachstan   
Data Center Valley in Ekibastuz im Gebiet Pawlodar (1 GW)

30.000

PlanungMinisterium für künstliche Intelligenz und digitale Entwicklung
Zwei Hyperscale‑Datenzentren in den Gebieten Akmola und Karaganda (200 MW)

1.400

Absichtserklärung unterzeichnetGK Hyperscale
Tier IV Datenzentrum in Astana (100 MW)

441

Inbetriebnahme Phase1: 2027Akashi Data Center
Datenzentrum im Innovationshub Alatau in Almaty (7,2 MW)

337

UmsetzungFreedom Holding Corp.
Hyper Cloud Datenzentrum in Almaty (2 MW)

k.A.

Umsetzung; Inbetriebnahme: Ende 2026Beeline
Usbekistan   
Datenzentrum in der Region Karakalpakstan (300 MW)

Phase1: 700

PlanungShanghai LinkWise Data Intelligence
DataVolt-Datenzentrum in Taschkent (12 MW)

150

UmsetzungTashkent IT Park
Datenzentrum auf Basis erneuerbarer Energien in der Autonomen Republik Karakalpakstan (???)

131

Investitionsabkommen unterzeichnetKeycore Technology Corp.; Nvidia
Datenzentrum in der Region Buchara (300 MW)

k.A.

Absichtserklärung unterzeichnet Shanghai LinkWise Data Intelligence
Datenzentrum in der Region Surchandarja (300 MW)

k.A.

PlanungShanghai LinkWise Data Intelligence
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Geschäftschancen entstehen in mehreren Bereichen

Datenzentren durchlaufen aufwendige Zertifizierungsverfahren. Dies gilt auch außerhalb der Verfügbarkeitsprüfung nach dem Tier-System. Neben den Bauvorschriften im jeweiligen Land müssen die Anlagen internationalen Bau- und Sicherheitsstandards entsprechen. Erst dann gelten die Projekte als finanzierbar und versicherbar, sagt Marina Puschkin.

Sie begleitete 16 Jahre lang Bauprojekte beim TÜV Rheinland. Heute vermittelt sie mit ihrem Unternehmen GENNDATA ein Netzwerk deutscher Sachverständiger. Diese umfasst Baurecht-, Planung und Inbetriebnahme im internationalen Umfeld.

Die vielversprechenden Projektankündigungen in Zentralasien führten sie zur GITEX nach Almaty. Diese lassen in naher Zukunft Geschäftschancen bei Planung und Zertifizierung von Datenzentren erwarten. "Die Frage ist nicht, ob die Datenzentren gebaut werden, sondern wann", sagt sie.

Derzeit richtet sich der Blick auf die First Mover in dem neu entstehenden Markt. Von ihrem Erfolg hängt das weitere Projektgeschehen ab. Deutsche Unternehmen sollten Zentralasien daher im Blick behalten.

Moderne und effiziente Technik ebenfalls gefragt

Dies betrifft nicht nur Anbieter von Ingenieurdienstleistungen, sondern auch Ausrüstungslieferanten. Moderne Datenzentren setzen auf redundante Systeme für Kühlung, Lüftung und Feuerlöschung. Insbesondere bei energieeffizienter und innovativer Gebäudetechnik zählen deutsche Unternehmen zu den Weltmarktführern. Dazu gehören unter anderem Inertgas‑ und Wassernebellöschsysteme für Datenzentren.

In dem von Wasserknappheit bedrohten Zentralasien dürften zudem Kühlsysteme gefragt sein, die auf Außenluft setzen. Auch wassersparende Technologien gewinnen an Bedeutung.

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