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Kasachstan baut Düngemittelproduktion gezielt aus
Das Land will mehr Dünger für den Bedarf der Landwirtschaft sowie Exportmärkte produzieren. Neben Phosphat- und Stickstoffdünger soll das Portfolio um Kalidünger erweitert werden.
23.06.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Der zentralasiatische Flächenstaat Kasachstan verfügt über ein erhebliches landwirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig stehen laut Vereinten Nationen 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Landdegradation unter Druck.
Neben Wüstenbildung, Versalzung und Erosion ist auch die Nährstoffverarmung ein Thema. Letztere ist auf den geringen Einsatz von Mineraldüngemitteln zurückzuführen.
beträgt der jährliche Bedarf an Mineraldüngern auf kasachischen Feldern.
Im Jahr 2025 wurden auf kasachischen Feldern 1,8 Millionen Tonnen Dünger ausgebracht. Das entspricht laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums nur 57 Prozent des wissenschaftlich fundierten Bedarfs. Um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern und der Bodendegradation entgegenzuwirken, soll der Einsatz ausgeweitet werden. Ab 2030 ist eine bedarfsgerechte Düngung vorgesehen.
Unternehmen investieren hierfür Milliarden in neue Standorte zur Produktion von Mineraldüngern. Dazu zählt auch ein Abbau- und Verarbeitungsprojekt für Kali.
Kasachstan wäre damit eines von wenigen Ländern weltweit, das alle drei Hauptnährstoffe für Mineraldünger produziert: Stickstoff, Phosphor und Kalium (NPK). Neben dem Beitrag zur heimischen Landwirtschaft sind die Projekte auch auf den Export ausgerichtet.
Neue Düngemittelfabriken im Bau
Phosphatrohstoffe für die Düngemittelproduktion gewinnt Kasachstan überwiegend aus dem Karatau-Phosphoritbecken im Süden des Landes. Hier soll eine Schwestergesellschaft den Branchenprimus Kazphosphat Ende 2026 mit dem Bau eines Produktionskomplexes beginnen. Die jährliche Kapazität soll 1 Million Tonnen Mineraldünger pro Jahr zu errichten.
Neu in der Branche ist das Energieunternehmen Souths Oil. Es will 2027 in die Produktion von Phosphatdünger einsteigen. Technologiepartner ist ein chinesisches Unternehmen.
Die Produktion von Stickstoffdüngern konzentriert sich im Westen des Landes. Dort wird auch der Ausgangsstoff Erdgas gefördert.
Der bisher einzige Hersteller solcher Dünger, Kazazot, plant bis 2030 den Bau eines Ammoniak-Harnstoff-Komplexes für rund 1,6 Milliarden US-Dollar (US$). Ein ähnliches Projekt dieser Größenordnung verfolgt das Gasunternehmen QazaqGaz. Es will die Weiterverarbeitung von Erdgas ausbauen. Beide Anlagen liegen in der Nähe der kasachischen Häfen am Kaspischen Meer und somit an einer wichtigen Transportroute zwischen Europa und Asien.
| Projekt (Standort/Gebiet) | Investitionssumme | Projektstand (voraussichtlicher Produktionsbeginn) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Bergbau- und Verarbeitungsanlage für Kalium-Bor-Salze (Satimola/Mangistau) | 2.400 | Umsetzung (2029) | Qazaq Kalium |
| Anlage für Ammoniak und Harnstoff (Mangistau) | 1.640 | Vorbereitung (2030) | KazAzot Prime |
| Anlage für Ammoniak und Harnstoff (Mangistau) | 1.350 | Umsetzung (2029) | QazaqGaz; Qazesta Fertilizers |
| Anlage für Harnstoff (Aktobe) | 1.200 | Vorbereitung (2029) | CNPC; Aktobemunaigas |
| 2. Phase eines Chemiecluster für Mehrnährstoffdünger (Schambyl) | 1.000 | Umsetzung (2027) | EuroChem-Karatau |
| Anlage für mineralische Düngemittel mit Schwerpunkt Phosphat (Schambyl | 575 | Vorbereitung (2028) | Zhanatas Chemical Complex; Kazphosphat |
| Anlage für Phosphatdüngemittel (Turkestan) | 270 | Umsetzung (2027) | Souths-Oil ; China Tianchen |
Einstieg in Kalidüngerproduktion
Ein Novum ist die Förderung und Aufbereitung von Kaliumsalzen aus dem Vorkommen Satimola. Das Projekt wird von Qazaq Kalium vorangetrieben. Das Unternehmen plant Investitionen in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar (US$). Ziel ist es, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem der weltweit führenden Produzenten von Kalidünger aufsteigen.
Die deutschen Spezialtiefbauunternehmen Thyssen Schachtbau und Schachtbau Nordhausen sind maßgeblich an der Planung und Entwicklung der Schächte beteiligt. Eine Teilfinanzierung erfolgt durch die KfW IPEX-Bank. Dies könnte auch weiteren deutschen Unternehmen den Zugang zu Lieferaufträgen eröffnen.
Subventionen für Dünger haben sich 2025 verdoppelt
Im Jahr 2025 hat sich das Finanzierungsvolumen für die Subventionierung von Mineraldüngern laut Landwirtschaftsministerium im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt, von rund 88 Millionen US$ auf fast 160 Millionen US$. Die kasachische Regierung subventioniert Dünger mit bis zu 60 Prozent.
Seit 2024 fließen die Mittel direkt an die Produzenten, statt wie zuvor an die Landwirte. Damit will die kasachische Regierung Subventionsmissbrauch und Weiterverkauf unterbinden. So wird sichergestellt, dass der Dünger dort ankommt, wo er gebraucht wird.
Geschäftschancen in vielen Bereichen
Deutsche Unternehmen können sich mit Ausrüstung und Know-how an nahezu allen Schritten der Wertschöpfungskette beteiligen. Dies umfasst das Teufen der Schächte für den Untertagebau. Hinzu kommt der Abbau mit Baggern, Bohrtechnik, Pumpen sowie die Aufbereitung der Rohstoffe durch Zerkleinern, Mahlen und Anreichern.
Auch die Verarbeitung durch chemische Prozesse, Granulierung und Trocknung bietet Einsatzmöglichkeiten. Darüber hinaus ergeben sich Chancen bei Klassieren und Abfüllen in die Verpackungen.
Markt nicht immer leicht zu bearbeiten
Kasachstan ist für deutsche Technologieanbieter kein Neuland mehr. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen für neue und etablierte Unternehmen. Dazu zählen wechselnde Gesetzgebung und Zertifizierungsvorschriften. Diese können Lieferaufträge verzögern oder gar unrentabel machen.
Lokale Rechtsanwälte können hierbei auch in deutscher Sprache beraten. Bei der Zertifizierung unterstützt die nationale Unternehmerkammer Atameken.
Ein zunehmend wichtiger Faktor ist die Lokalisierung. Neben der öffentlichen Beschaffung steigen auch im Rohstoffsektor und in der Industrie die Zielwerte für den Local Content. Gleichzeitig besteht die Gefahr von Scheinlokalisierung.
Aus Unternehmerkreisen wird berichtet, dass importierte Waren vor Ort nur gering veredelt und anschließend als lokale Produkte verkauft werden. Gegenüber Germany Trade & Invest betont ein Unternehmensvertreter, dass deutsche Marken allein aus Reputationsgründen so nicht vorgehen könnten.
Dünger soll Exportportfolio erweitern
Trotz der Herausforderungen bestehen gute Chancen auf Lieferaufträge für deutsche Unternehmen. Ausrüstung "made in Germany" genießt weiterhin einen guten Ruf in Kasachstan. In exportorientierten Industrien setzen kasachische Unternehmen zunehmend auf Spitzentechnologien.
Dies gilt auch für Düngemittelprojekte. Sie sollen neben dem heimischen Markt auch Nachbarländer beliefern. Weitere Absatzmärkte sind Lateinamerika und Europa.
Brasilien ist der größte Düngemittelimporteur von Düngemitteln weltweit und war zuletzt das wichtigste Exportziel von kasachischem Dünger. Mit China grenzt zudem der weltweit größte Verbraucher von Düngemitteln direkt an Kasachstan. China hat seine Einfuhren von Kalidünger in den vergangenen fünf Jahren auf über 4 Milliarden US$ verdoppelt. Ein Großteil der Importe stammt aus Russland.