Branchen | Kasachstan | Erzbergbau
Kasachstans Bergbau braucht Technik und Kapital
Reich an Metallerzen, benötigt das Land Ausrüstung und Expertise. Für umfassende Rohstoffkooperationen bestehen jedoch weiterhin Hindernisse.
17.06.2026
Von Viktor Ebel | Almaty
Kasachstan entwickelt sich zu einem zentralen Rohstoffakteur im eurasischen Raum. Das zentralasiatische Land liegt auf halbem Weg nach China und verfügt über zahlreiche Lagerstätten kritischer Rohstoffe. Zugleich besteht eine langjährige industrielle und metallurgische Kompetenz. Zudem verfolgt die Politik seit einigen Jahren das Ziel, im Rohstoffsektor stärkere Wertschöpfungsketten aufzubauen.
Vor allem mit Deutschland strebt Kasachstan eine engere Zusammenarbeit an. Beide Länder sind seit 2012 Rohstoffpartner. Nach den Vorstellungen der Entscheidungsträger in Berlin und Astana könnte diese Partnerschaft künftig über die Lieferung von Maschinen hinausgehen. Deutsche Unternehmen sollen in die Förderung und Verarbeitung dringend benötigter kritischer Rohstoffe investieren und Ausbildungskooperationen eingehen.
Deutsche Ausrüstung bereits im Einsatz
Dass Kasachstans Erzbergbau für deutsche Unternehmen kein Neuland ist, zeigte sich Anfang Juni 2026 bei einer Geschäftsanbahnungsreise nach Astana und in die Bergbauregion Qaraghandy. Germany Trade & Invest (GTAI) begleitete die Delegation aus mehreren deutschen Technologieunternehmen. Diese sind zum Teil bereits seit Jahrzehnten auf dem kasachischen Markt aktiv und beliefern die Bergbaukonzerne des Landes unter anderem mit:
- Lüftungs- und Entstaubungsanlagen (Compact Filter Technology; CFT),
- Förderbändern (H & E Logistik; Teil der Herrenknecht Gruppe),
- Spezial- und Sondergetriebe (PW Hübner; Cavex),
- Misch- und Sortiermaschinen (Haver & Boecker Niagara),
- Mühlen und Mahlanlagen (Gebr. Pfeiffer),
- Rollpressen und Brikettieranlagen (Köppern).
Der Erfolg von Bergbauausrüstung "made in Germany“ ist unter anderem auf die Qualität und Langlebigkeit der Produkte zurückzuführen. Zudem verfügen deutsche Unternehmen im kasachischen Markt über einen weiteren Vorteil. Viele Mitarbeitende sprechen Russisch und sind als Spätaussiedler aus Kasachstan mit der lokalen Kultur vertraut. Gerade im kasachischen Geschäftsumfeld, in dem der persönliche Kontakt einen hohen Stellenwert hat, stellt dies einen Wettbewerbsvorteil dar.
| Rohstoff | Projekt (Gebiet) | Investition | Projektstand | Ansprechpartner |
|---|---|---|---|---|
| Kupfer | Aidarly (Abai) | 4.500 | Vorbereitung (bis 2029) | Aidarly Project |
| Koksay (Schambyl) | 2.800 | Vorbereitung (bis 2027) | Kazakhmys | |
| Benkala (Westkasachstan) | 600 | Vorbereitung (bis 2029) | China National Machinery Industry Corporation | |
| Kalium | Satimola (Atyrau) | 1.600 | Umsetzung | Qazaq Kalium |
| Wolfram | Verkhne-Kairakty & Severny Katpar (Qaraghandy) | 1.100 | Vorbereitung | Tau-Ken Samruk, Cove Capital |
| Lithium | Achmetkino (Ostkasachstan) | 500 | Vorbereitung | HMS Bergbau, Alatau Lithium |
| Nickel/Kobalt | Bugetkol (Aqtöbe) | 470 | Umsetzung (2027-2029) | Saryarka Mining |
| Zink | Schalkija (Qysylorda) | 400 | Umsetzung | Tau-Ken Samruk, ShalkiyaZinc |
| Gold | Jubilejnoje (Aqtöbe) | 300 | Inbetriebnahme: 2026 | AltynEx |
| Zinn | Syrymbat (Nordkasachstan) | 280 | Inbetriebnahme: 2027 | Solidcore Resources |
Strenge Compliance beeinflusst das Geschäft
Als Wettbewerbsnachteil bewerten die Firmenvertreter strenge Compliance-Richtlinien. Zunehmend komplexe Sanktionsregelungen sowie aufwendige Kunden- und Endverwendungsprüfungen würden den Arbeitsaufwand massiv steigern und Projekte teils unrentabel machen. Wer diese Hürden bewältigt, hat damit noch nicht alle Risiken überwunden. Langwierige Genehmigungsverfahren für Exportlizenzen sowie unberechenbare Lieferwege über das Kaspische Meer können ein Geschäft auch nach Abschluss beeinträchtigen und Vertragsstrafen verursachen.
Dies zeigte sich beim Besuch des staatlichen Bergbauholding Tau-Ken Samruk. Für ein großes Explorationsprojekt im kommenden Jahr hat das Unternehmen Sensortechnik für die Erkundung aus der Luft in Deutschland bestellt. Da es sich um Dual-Use-Ware handelt, die sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar ist, verzögert sich das Exportgenehmigungsverfahren. Künftig könnten solche Aufträge an chinesische Unternehmen gehen, so ein Unternehmensvertreter. Die Konkurrenz aus Fernost punktet mit geringerer Bürokratie, deutlich kürzeren Lieferzeiten und verbessert zugleich die Qualität ihrer Produkte.
Geschäftsklima weist noch Schwächen auf
Kritik richtet sich nicht nur an Deutschland. Auch Kasachstan erschwert Unternehmen teils den erfolgreichen Abschluss von Geschäften. Der in Kasachstan tätige deutsche Rechtsanwalt Michael Quiring erklärt: "In den letzten Monaten vertritt der kasachische Fiskus die Ansicht, bei Warenlieferungen sei seitens der kasachischen Unternehmen eine Quellensteuer (WHT) in Höhe von 20 Prozent auf den Warenwert einzubehalten." Das betrifft beispielsweise Zahlungen eines kasachischen Käufers an ein deutsches Unternehmen, das Technik nach Kasachstan liefert.
"Würde auf solche Lieferungen pauschal eine Quellensteuer von 20 Prozent erhoben, käme dies wirtschaftlich einer künstlichen Verteuerung der notwendigen Ausrüstung gleich und könnte ausländische Lieferanten faktisch davon abhalten, überhaupt nach Kasachstan zu liefern", sagt der Jurist im Gespräch mit GTAI. Die Praxis sei nicht nur aus verschiedenen Gründen rechtlich unbegründet, sondern auch investitionshemmend und für die industrielle Entwicklung des kasachischen Bergbaus schädlich.
| Warenbezeichnung *) | Importe |
|---|---|
| Bohrmaschinen und Tiefbohrgeräte, andere (843049) | 9,1 |
| Druckluftmotoren, nichtlinear arbeitend (841239) | 18,8 |
| Teile für Bohr- und Tiefbohrmaschinen (843143) | 19,0 |
| Maschinen/Apparate zum Sortieren oder Sieben (847410) | 43,5 |
| Bohrmaschinen und Tiefbohrgeräte, selbstfahrend (843041) | 72,8 |
| Maschinen/Apparate zum Zerkleinern oder Mahlen (847420) | 77,6 |
| Frontschaufellader, selbstfahrend unter Tage (842951) | 178,3 |
| Summe | 419,0 |
Abbau und Verarbeitung überlassen Deutsche anderen
Dem dynamischen regulatorischen Umfeld dürfte es geschuldet sein, dass es bislang keine nennenswerten deutschen Investitionen in Abbau und Verarbeitung kritischer Rohstoffe in Kasachstan gibt. Auch der 2024 von der Bundesregierung aufgelegte Rohstofffonds hat daran nichts geändert. Bisher sind keine Mittel für Projekte in Kasachstan geflossen, wie aus Berlin zu vernehmen ist. Mit HMS Bergbau gibt es derzeit lediglich ein prominentes Beispiel eines deutschen Unternehmens, das in die Exploration von Lithium involviert ist.
Kasachstan will mehr als nur Rohstofflieferant sein
Bis zur Produktion dürften im besten Fall noch einige Jahre vergehen. Mittelfristig werden kasachische Rohstoffe allenfalls über Händler ihren Weg nach Deutschland finden. Ein Verzeichnis über abgebaute Rohstoffe und die wichtigsten Produzenten in Kasachstan findet sich in der Marktstudie "Kritische Rohstoffe" der Delegation Zentralasien.
"Aus der deutschen Perspektive ist entscheidend, den kasachischen Rohstoffsektor nicht als kurzfristige Beschaffungsalternative, sondern als mittel- bis langfristiges Partnerökosystem zu betrachten“, sagt die Autorin der Studie, Anna Kim, und regt eine Zusammenarbeit bei der Ausbildung von Fachkräften an.
Ein Beispiel ist das 2024 gegründete deutsch-kasachische Universitätskonsortium in Öskemen (Ust-Kamenogorsk), das auf nachhaltigen Bergbau und seltene Erden spezialisiert ist. Damit könne deutsches Know-how frühzeitig eingebracht und Standards gesetzt werden. Dies könne die Geschäftsanbahnung in Zukunft erleichtern.
Wichtige Messen und Veranstaltungen zum Thema Bergbau in Kasachstan
- MINEX Kazakhstan (Astana) - Konferenz rund um strategische Rohstoffprojekte, jährlich im April
- Astana Mining & Metallurgy Congress (Astana), zentrale Plattform für den industriepolitischen Dialog, jährlich im Juni
- Mining Week Kazakhstan (Qaraghandy), regionale Fachmesse für Bergbau und Metallurgie für Zentral- und Ostkasachstan, jährlich im Juni
- Mining & Metals Central Asia (Almaty), größte internationale Fachmesse für Bergbau und Metallurgie in Kasachstan sowie mit länderübergreifender Ausstrahlung, jährlich im September