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Mongolei investiert in Kraftwerke und Stromnetze
Bis 2030 sollen 2.500 Megawatt Kraftwerksleistung in der Mongolei entstehen. Auch der Netzausbau bietet deutschen Firmen Chancen. Gefragt sind Know-how für Planung und Ausrüstung.
23.10.2026
Die Mongolei verfolgt das Ziel, sich als alternativer Lieferant kritischer Rohstoffe zu etablieren. Neben Lithium beherbergt der Binnenstaat laut US Geological Survey die zweitgrößten Vorkommen an seltenen Erden.
Der Ausbau der Energieversorgung eröffnet deutschen Unternehmen gute Geschäftsmöglichkeiten. Benötigt werden neue Kraftwerkskapazitäten, Stromleitungen, Umspannwerke und Speicherlösungen. Hinzu kommen Planungs-, Beratungs- und Ingenieurleistungen. Die Investitionen sollen die Grundlage für neue Industrieprojekte schaffen, insbesondere für die energieintensive Verarbeitung kritischer Rohstoffe.
Dass bislang noch kein Abbau erfolgt, hat mehrere Gründe. Einer davon sind fehlende Kapazitäten für die energieintensive Aufbereitung der Erze, die vor Ort erfolgen müsste. Doch auch ohne zusätzliche Industrieprojekte leidet die Mongolei unter Strommangel, insbesondere in den kalten Wintermonaten.
Dann ist das Land auf teure Stromimporte aus Russland und China angewiesen. Die Regierung will deshalb in den nächsten Jahren bestehende Kohlekraftwerke modernisieren und neue Anlagen errichten. Sie will damit die Versorgungssicherheit erhöhen und neue Industrieprojekte ermöglichen. Aktuelle Mehreinnahmen aus Rekordexporten von Kupfer und Kohle schaffen dafür fiskalischen Spielraum. Bei den erneuerbaren Energien soll die Verbesserung der Rahmenbedingungen zusätzliche Investoren anlocken.
Energiesystem bleibt hinter der Nachfrage zurück
Anfang 2026 verfügte das Land mit 3,5 Millionen Einwohnern laut Angaben des mongolischen Energieministeriums über Kapazitäten von 1.910 Megawatt zur Stromerzeugung. Zum Vergleich: Die Leistung der größten deutschen Kraftwerke beträgt jeweils mehr als 2.000 Megawatt. Der Anteil der Kohlekraftwerke an den Erzeugungskapazitäten liegt in der Mongolei bei 82 Prozent. Der Rest entfällt auf erneuerbare Energien.
Laut Schätzungen dürfte der Leistungsbedarf der Mongolei bis 2035 um 3.240 Megawatt steigen. Da gleichzeitig ältere Kraftwerkskapazitäten wegfallen, liegt der erforderliche Bruttozubau noch höher.
Die Berechnung des Energieministeriums basiert auf beantragten Leistungsanforderungen von Stromverbrauchern, die das Energiesystem derzeit nicht erfüllen kann. Besonders hoch ist der Bedarf in und um die Hauptstadt Ulan Bator sowie in den Abbaugebieten für Kupfer im Süden.
Großprojekte wie die kürzlich beschlossenen zum Bau einer Stahlhütte und einer Kupferschmelze dürften dabei bereits berücksichtigt worden sein. Auf Energie entfällt beim Schmelzen von Kupfererz und Raffinieren etwa ein Viertel der Betriebskosten, so ein Bericht des Mongolian Mining Journal.
Günstiger und dauerhaft verfügbarer Strom sei eine Grundvoraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg, schreibt die Fachzeitschrift. Die Verarbeitung von seltenen Erden dürfte noch energieintensiver sein.
Erzeugungskapazitäten sollen sich bis 2030 verdoppeln
beträgt der Investitionsbedarf für den Energiesektor der Mongolei bis 2050, schätzt das Energieministerium.
Aufgrund ihrer großen Kohlevorkommen setzt die Mongolei beim Ausbau der Erzeugungskapazitäten vor allem auf Heizkraftwerke. Bis 2030 sollen durch Aus- und Neubau rund 2.500 Megawatt zusätzliche Leistung entstehen.
Ein erstes Kraftwerk der Ausbauinitiative ging im September 2026 im nordmongolischen Sükhbaatar ans Netz. Das Unternehmen Ride Mongolia investierte aus eigenen Mitteln 148 Millionen US-Dollar (US$) in den Bau des Heizkraftwerks.
Zur Schließung der Kapazitätslücken will die mongolische Regierung künftig stärker auf private Investitionen setzen. Zudem sind mehrere Projekte als öffentlich-private Partnerschaften geplant.
Dazu zählt das geplante und bereits im Bau befindliche Heizkraftwerk-5 in Ulan Bator. Von der laut Medienberichten veranschlagten Investitionssumme von 657 Millionen US$ entfallen 80 Prozent auf den privaten Partner. Den Rest trägt die öffentliche Hand.
| Kraftwerk | Leistung | Status | Geplante Inbetriebnahme |
|---|---|---|---|
| Ride Mongolia | 70 | Neubau | Im September 2026 Betrieb aufgenommen |
| Toson | 8 | Ausbau | Phase 2: Juni 2027 |
| Buuruljuut | 300 | Ausbau | Phase 2: Oktober 2027 |
| Kasen | 2x 330 | Neubau | Phase I: Juli 2027; Phase II: Dezember 2027 |
| Heizkraftwerk Nr. 5 | 2x 150 | Neubau | Phase 1: Mai 2028, Phase 2: Oktober 2029 |
| Dalanzadgad | 50 | Neubau | Mai 2028 |
| Shiveegobi | 2x 330 | Neubau | Phase I: Mai 2029; Phase II: Oktober 2030 |
| Tavantolgoi Kraftwerk | 300 + 150 | Neubau | Oktober 2029 |
| Gesamt | 2.498 | 2026 bis 2030 |
Die schnell wachsende Hauptstadt benötigt neue Kraftwerke besonders dringend. Dort lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Mongolei. Zudem befinden sich dort zahlreiche Betriebe des verarbeitenden Gewerbes.
In den vergangenen Jahren kam es dort im Winter häufig zu Stromabschaltungen, weil verschlissene Turbinen und Generatoren ausgefallen sind. Derzeit werden laut der Nachrichtenagentur Montsame mehrere Anlagen erneuert etwa im Heizkraftwerk-3. Das Heizkraftwerk-4 soll zudem einen neuen Boiler erhalten.
Weitere Chancen entstehen beim Ausbau der Stromnetze
Parallel zum Ausbau der Kraftwerkskapazitäten muss die Mongolei ihre Übertragungsnetze erweitern. Nur so lassen sich die neuen Erzeugungskapazitäten in das Stromnetz integrieren.
Zwischen 2026 und 2030 sollen insgesamt 2.365 Kilometer neue Stromleitungen in Betrieb gehen. Ein Schwerpunkt ist der Netzausbau im Raum Ulan Bator. Dafür veranschlagt das Energieministerium rund 1 Milliarde US$. Geplant sind mehrere Hundert Kilometer neuer 220- sowie 500-Kilovolt-Leitungen sowie mehrere Umspannwerke.
| Übertragungsleitung | Länge | Zeitraum | Investitionen | Partner |
|---|---|---|---|---|
| Ulaanbaatar–Darkhan | 196,5 | 2027 bis 2030 | 38 | |
| Baganuur–Chinggis–Choibalsan | 486 | 2029 bis 2032 | 144 | |
| Baganuur–Choir | 188 | 2025 bis 2028 | 47 | Weltbank |
| Erdeneburen–Myangad | 69 | 2026 bis 2028 | 14,1 | Staatshaushalt |
| Myangad–Uliastai | 399,3 | 2028 bis 2030 | 140 | |
| Netzausbau im Raum Ulaanbaatar | 214 (500-KV-Leitungen), einschließlich drei Umspannwerke und weitere Maßnahmen für den Netzausbau) | 2026 bis 2030 | 1.000 | |
| Mandal–Choir | 181,5 | 2029 bis 2032 | 34,4 | |
| Sainshand–Tsagaansuvarga | 204,6 | 2027 bis 2030 | 40 | EBRD |
| Choir–Sainshand | 204,6 | 2027 bis 2030 | 40 | EBRD |
| Mandal–Arvaikheer | 287 | 2026 bis 2029 | 78 | World Bank |
Internationale Geberbanken unterstützen die Mongolei beim Ausbau der Übertragungsleitungen, beispielsweise die Weltbank im Rahmen ihres Energiesektorprojektes.
Mongolei startet neuen Anlauf bei erneuerbaren Energien
soll der Anteil erneuerbarer Energien an den Erzeugungskapazitäten bis 20230 in der Mongolei erreichen.
Trotz ihres großen Potenzials kam der Ausbau der erneuerbaren Energien in der Mongolei in den vergangenen Jahren kaum voran. Auf Wasser-, Solar- und Windkraft entfielen Anfang 2026 lediglich 18 Prozent der Erzeugungskapazitäten.
Experten führen dies auf einen Mangel an Batteriespeichern als Regelreserven sowie auf unzureichende Übertragungsleitungen zurück. Hinzu kommen regulatorische Hürden. In allen Bereichen zeichnen sich jedoch Verbesserungen ab. So hat die Regierung im Juni 2026 erstmals Solarprojekte mit einer Gesamtleistung von 220 Megawatt über einen Auktionsmechanismus vergeben.
Weitere Ausschreibungen für andere Landesteile sind in der Vorbereitung
Die Ausschreibungsplattform des mongolischen Energieministeriums bietet einen Überblick über diese sowie weitere Projekte im Energiesektor des Landes. Zukünftige Versteigerungen von Kapazitäten für Solar- und Windparks werden über die Auktionsplattform des Ministeriums durchgeführt.
Den Zuschlag erhält das Unternehmen, das den niedrigsten Einspeisetarif für den produzierten Strom verlangt. Die erfolgreichen Bieter haben bereits Stromabnahmeverträge unterzeichnet. Zudem haben sie sich zum Bau von Batteriespeichersystemen verpflichtet. Die Umsetzung der Projekte würde die Solarkapazitäten der Mongolei mehr als verdoppeln.
| Standort | Provinz | Leistung | Batteriespeicher | Zuschlag |
|---|---|---|---|---|
| Kherlen | Khentii | 20 | 15 | RJE Mongolia Runxin Capital Holdings |
| Kharkhorin | Uvurkhangai | 50 | 30 | Monhorus International |
| Saintsagaan | Dundgovi | 50 | 30 | Smart Natural Energy |
| Orkhon | Bulgan | 50 | 30 | Magnus Centurion Construction Zhejiang Chint New Energy Development |
| Sumber | Govisumber | 50 | 30 | Alkhana Trade |