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Kupfer, Stahl und Gold: Mongolei will Metallindustrie aufbauen

Die Mongolei will damit beginnen, ihre Rohstoffe zu verarbeiten. Eine Kupferschmelze und eine Stahlhütte sollen den Anfang machen. Milliardeninvestitionen bahnen sich an.

Von Viktor Ebel | Ulan Bator

Die Mongolei verfügt über umfangreiche Rohstoffvorkommen, aber nur eine begrenzte verarbeitende Industrie. Die Wirtschaft des Landes lebt vor allem vom Export von Kohle sowie Kupfererz und Kupferkonzentrat nach China. Rund 90 Prozent der Ausfuhren gehen in das Nachbarland. Insbesondere Kupfer hat sich dank hoher Weltmarktpreise und einer robusten Nachfrage zu einem wichtigen Devisenbringer entwickelt. Die steigenden Exporterlöse haben der mongolischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren zusätzliche Impulse verliehen.

6,8 %

betrug der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025.

Dies verschafft der Regierung Spielraum, neben Infrastrukturprojekten auch Vorhaben zur Weiterverarbeitung von Rohstoffen voranzutreiben. Ziel ist es, mehr Wertschöpfung im Land zu schaffen und qualifizierte Arbeitsplätze aufzubauen. Im Juni 2026 wurde ein lange geplantes Investitionsprojekt für den Bau einer Kupferschmelze vergeben. Weitere Vorhaben zeichnen sich bei der Verarbeitung von Eisenerz, Gold und Uran ab. Die damit verbundenen Milliardeninvestitionen könnten auch Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Anbieter eröffnen.

Kupferschmelze soll Exporterlöse steigern

Im Ausschreibungsverfahren für die geplante Kupferschmelze setzte sich der chinesische Konzern China Nonferrous Metal Industry's Foreign Engineering and Construction (NFC) durch. Das Unternehmen hat bereits zahlreiche vergleichbare Projekte im In- und Ausland als EPC-Auftragnehmer (Engineering, Procurement, Construction) realisiert. In der Mongolei will NFC mehr als 700 Millionen US-Dollar (US$) investieren. Das benötigte Kupfer soll aus den Lagerstätten des staatlichen Bergbaukonzerns Erdenet stammen.

Nach Angaben des Unternehmens kontrolliert Erdenet 38 Prozent der mongolischen Kupferreserven. Im Jahr 2025 förderte der Konzern mehr als 40 Millionen Tonnen Kupfererz und produzierte bis zu 600.000 Tonnen Kupferkonzentrat. Der geplante Kupferkomplex soll laut Ausschreibungsunterlagen jährlich 120.000 Tonnen Kathodenkupfer erzeugen. Wichtigster Absatzmarkt dürfte erneut China sein, wo Kupfer insbesondere für den Ausbau der Elektromobilität und der Energiewirtschaft benötigt wird.

Deutsch-Mongolische Hochschule für Rohstoffe und Technologie (DMHT)

Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt mit einem Projekt die praxisnahe Ausbildung an der DMHT. Damit trägt Deutschland dazu bei, den Bedarf an Fachkräften im Rohstoffsektor zu decken und die Wertschöpfung in der Mongolei zu steigern.

Die DMHT profitiert vom Transfer internationaler Expertise und Standards, das sie auch bei wissenschaftlichen Dienstleistungen für die mongolische Industrie anwendet. Für deutsche Unternehmen kann die DMHT als Bindeglied zum Rohstoffsektor der Mongolei fungieren.

Eigener Stahl für den Bauboom in der Mongolei

Anders gelagert ist das geplante Stahlprojekt, das vorrangig den heimischen Markt bedienen soll. Der Bauboom ließ den Stahlverbrauch 2025 auf rund 1 Million Tonnen steigen. Nach Schätzungen der Regierung könnte der Bedarf bis 2030 auf 1,7 Millionen Tonnen wachsen. Bislang ist die Mongolei bei Stahlerzeugnissen weitgehend auf Importe angewiesen.

Im Frühjahr 2026 leitete die Regierung das Auswahlverfahren für das Projekt ein. Noch im Jahresverlauf soll ein Investor bestimmt werden. Die Stahlhütte soll auf Basis der Darkhan Metallurgical Plant (DMP) entstehen. Dort produziert die Erdenes Mongol Group bereits Eisenerzkonzentrat und Stahlprodukte in begrenztem Umfang. Zur Versorgung des geplanten Stahlwerks soll der Eisenerzabbau in der Khust-Uul-Mine ausgeweitet werden.

Die Investitionen werden auf 806 Millionen US$ veranschlagt. Mit einer Jahreskapazität von 1 Million Tonnen Stahlerzeugnissen, darunter Bewehrungsstahl, Stahlknüppel und Mahlkugeln, könnte die Anlage künftig bis zu 70 Prozent des Inlandsbedarfs decken. Dies würde die Importabhängigkeit reduzieren und die Kosten der mongolischen Bauwirtschaft senken. Zudem soll die entstehende Abwärme energetisch genutzt werden.

Deutsche Ausrüstung für Goldraffinerie?

Auch ein Verarbeitungskomplex für Gold steht erneut auf der Agenda. Das Vorhaben war zwischenzeitlich zurückgestellt worden, unter anderem aufgrund des stark gestiegenen Goldpreises. Inzwischen wurden die Planungen wieder aufgenommen. Nach Angaben des Industrie- und Rohstoffministeriums laufen die Vorbereitungen für eine Ausschreibung im Sommer 2026. Die Kosten des Projekts werden auf rund 70 Millionen US$ geschätzt.

Ministeriumsvertreter informierten sich zuletzt in Deutschland über verfügbare Technologien und Produktionsverfahren. Neben Gold und Silber sollen durch die Weiterverarbeitung metallurgischer Schlacken auch Platin und Palladium gewonnen werden. Nach den Vorstellungen des Ministeriums könnte die Anlage bereits 2027 im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft den Betrieb aufnehmen.

Kohleveredlung könnte Umweltbelastung senken

Kohle exportiert die Mongolei vor allem an die Stahlindustrie in China. Im Jahr 2025 wurde eine Machbarkeitsstudie für eine Kohleveredlungsanlage nahe der Baganuur-Mine abgeschlossen. Dort soll halbverkokte Kohle produziert werden.

Das Vorhaben verfolgt auch umweltpolitische Ziele. Viele Haushalte heizen weiterhin mit Kohle und tragen damit erheblich zur Luftverschmutzung in den Städten bei. Nach Angaben von Erdenes Mongol könnten raucharme Briketts die Staub- und Emissionsbelastung um bis zu 80 Prozent verringern. Der Staatskonzern, der zu den Eigentümern der Mine gehört, gilt zugleich als zentraler Ansprechpartner für den geplanten Kohlechemiekomplex. Die Investitionskosten werden auf rund 190 Millionen US$ geschätzt.

Frankreichs Orano investiert in Uranerzprojekt

Internationale Aufmerksamkeit erhielt 2025 die Investitionsvereinbarung zwischen der mongolischen Regierung und dem französischen Konzern Orano zur Förderung und Verarbeitung von Uran. Nach Angaben der World Nuclear Association verfügt die Mongolei über bedeutende Uranvorkommen. Seit Mitte der 1990er Jahre wird jedoch kein Uran mehr abgebaut.

Orano plant Investitionen von 1,6 Milliarden US$ in die Entwicklung der Zuuvch-Ovoo-Mine in der Wüste Gobi. Medienberichten zufolge begannen die Bauarbeiten im Juni 2026. Die Umsetzung dürfte mindestens bis 2030 dauern. Das Uran soll mittels In-situ-Recovery-Verfahren (ISR) gewonnen werden. Dadurch stehen hydrometallurgische Prozesse stärker im Vordergrund als der klassische Erzbergbau.

Die Einbindung von Orano in europäische Lieferketten könnte den Markteintritt für deutsche Unternehmen erleichtern. Potenziell gefragt sind unter anderem Prozesschemikalien, Pumpen sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik.