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Niederländische Chemieindustrie steckt in einer Transformation

Der Chemiesektor leidet nicht nur unter einer zwischenzeitlichen Konjunkturschwäche. Vor allem die hohen Kosten führen zu einer Konsolidierung und einem strukturellen Umbruch.

Michael Sauermost

Von Michael Sauermost | Bonn

Ausblick der chemischen Industrie in den Niederlanden

Bewertung:

 

  • Externe Faktoren wie der Irankrieg oder der US-Handelskrieg zeigen Wirkung: Vor allem die traditionelle Basischemie leidet.
  • Die Zukunft des niederländischen Chemiesektors hängt von der Geschwindigkeit des Ausbaus der Wasserstoff-, CO2- und Strominfrastruktur ab.
  • Risiko: Die Transformationsphase könnte sich allerdings als längere Durstrecke entpuppen.
  • Die Niederlande werden Europas bedeutender Chemie-Hub bleiben: kleiner, aber technologisch anspruchsvoller und nachhaltiger.

 

Anmerkung: Einschätzung des Autors für die kommenden zwölf Monate auf Grundlage von prognostiziertem Umsatz- und Produktionswachstum, Investitionen, Beschäftigungsstand, Auftragseingängen, Konjunkturindizes etc.; Einschätzungen sind subjektiv und ohne Gewähr; Stand: September 2026.

  • Die niederländische Chemieindustrie bleibt trotz geschwächter Wettbewerbsfähigkeit ein führender europäischer Standort. Klimaneutrale Lösungen zählen zu den Wachstumstreibern.

    Analog zur Entwicklung in der EU steht auch der niederländische Chemiesektor seit geraumer Zeit unter Druck. Spätestens seit dem Ukrainekrieg hat sich die Lage deutlich verschlechtert. Besonders betroffen ist die Basischemie. 

    Hohe Energiepreise, steigende CO2-Kosten und Überkapazitäten in der globalen Petrochemie belasten die Branche. Hinzu kommt zunehmender Wettbewerb aus den USA, China und dem Nahen Osten. 

    Der niederländische Chemiesektor dürfte künftig weniger in den Ausbau von Kapazitäten investieren. Stattdessen dürften Investitionen verstärkt in die Transformation zu einem CO2-armen, technologieintensiven Chemiestandort fließen.

    Düstere Zukunft für die Basischemie

    Einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge wurde in Europa im Zeitraum 2022 bis 2025 nahezu ein Zehntel der Chemiekapazitäten stillgelegt. Von den betroffenen Produktionskapazitäten von rund 37 Millionen Tonnen entfielen 19,5 Prozent auf die Niederlande.

    7,2 Mio. Tonnen

    an Fertigungskapazitäten der Basischemie wurden im Zeitraum 2022 bis 2025 in den Niederlanden abgebaut.

    Die Produzenten Covestro und Tronox kündigten 2025 an, ihre Chemiewerke in Rotterdam 2026 zu schließen. Die Schließungen belasten auch weitere Branchenunternehmen im Rotterdamer Hafengebiet.

    Unternehmen stellen Investitionen in Rotterdam auf den Prüfstand

    Der Port of Rotterdam beherbergt Europas größten Petrochemiecluster. Die Unternehmen arbeiten eng miteinander sowie mit Unternehmen im größeren Industriedreieck von Rotterdam, Antwerpen und dem Ruhrgebiet zusammen.

    Rund 40 Prozent der petrochemischen Produktion Europas entfallen bislang auf diese Region. Sie zählt zu den Gebieten, die besonders stark von der Krise der europäischen Chemieindustrie betroffen sind.

    Laut niederländischem Chemieverband VNCI erwirtschaftet die niederländische Chemieindustrie jährlich rund 64 Milliarden bis 67 Milliarden Euro Umsatz. Die Branche bleibt stark auf Basischemikalien, Petrochemie, Kunststoffe und Polymere ausgerichtet.

    Produktion von Basischemikalien schrumpft weiter

    Basischemikalien dürften zusammen rund 60 bis 70 Prozent der chemischen Produktion ausmachen. Spezialchemikalien erreichen dabei einen Anteil von 10 bis 15 Prozent. Dazu zählen Beschichtungen, Additive, Industriemittel und Farben.

    Auf Düngemittel entfallen 5 bis 10 Prozent. Hochleistungsmaterialien, Fasern und Verbundwerkstoffe erreichen ebenfalls einen Anteil von 5 bis 10 Prozent.

    Biobasierte und zirkuläre Chemikalien erreichen bislang nur einen kleinen, aber dynamisch wachsenden Anteil.

    Laut dem Chemical Trends Report des europäischen Branchenverbands Cefic sank die niederländische Chemieproduktion 2025 gegenüber dem Vorjahr um knapp 4,9 Prozent. Damit war der Rückgang etwa doppelt so stark aus wie im EU-Durchschnitt (-2,4 Prozent).

    Das Statistikamt CBS beobachtet seit dem Höchststand 2021 einen deutlichen Rückgang der Branchenproduktion. Laut PLastics Europe ging die Produktion von Kunststoffen in den Niederlanden zwischen 2023 und 2025 um 14,4 Prozent zurück. Auch die Kapazitäten zur Herstellung von Recyclingkunststoffen stehen unter Druck. 

    Nach Angaben von ING-Wirtschaftsanalysten erholte sich die Lage der niederländischen Chemieindustrie 2026 zwischenzeitlich. Hintergrund war die Schließung der Straße von Hormus infolge des Nahostkonflikts.

    Europäische Kunden bauten vorsichtshalber Lagerbestände auf. Gleichzeitig nahm der Wettbewerbsdruck aus dem Ausland ab.

    Niederländische und andere europäische Chemieproduzenten sind deutlich weniger von der Golfregion abhängig. Die Region deckt etwa ein Fünftel ihres Rohstoffbedarfs.

    Dennoch lag die Chemieproduktion laut Eurostat weiterhin mehr als 25 Prozent unter den Höchstständen, die Ende 2017 oder Januar 2022 erreicht wurden. Der Abwärtstrend sei noch lange nicht durchbrochen. 

    Außerdem könnte sich der temporäre Sondereffekt umkehren. Sobald die Lieferketten wieder normal laufen, dürften viele Kunden über hohe Lagerbestände verfügen. Über einen längeren Zeitraum könnten daher nur wenige neue Bestellungen eingehen, erwarten die Experten von ING.

    Chemiesektor soll technisch anspruchsvoller werden

    Energieintensive Standardchemikalien dürften immer stärker unter Wettbewerbsdruck stehen. Die starke Infrastruktur, der Hafen Rotterdam, die internationale Vernetzung und die vorhandenen Cluster sprechen jedoch für den Standort. 

    Die Niederlande dürften damit ein zentraler europäischer Standort für Chemie bleiben. Erwartet wird eine Verschiebung hin zu höherwertigen Chemiesegmenten. 

    Weg vom Volumen, hin zur Nachhaltigkeit

    Die Branche wird sich voraussichtlich von volumengetriebenen Standardprodukten hin zu Spezialchemikalien, nachhaltigen Werkstoffen und biobasierten Produkten entwickeln. Hinzu kommen Batteriematerialien und klimafreundliche Prozesslösungen. 

    Wachstum dürfte künftig weniger über Produktionsmengen als über Technologie, Innovation und höhere Wertschöpfung entstehen.

    Wachstumspotenziale bestehen vor allem bei Wasserstoff und klimaneutralen Molekülen sowie beim Auf- und Ausbau der CCS- und CO2-Infrastruktur.Hinzu kommen chemisches Recycling, biobasierte Rohstoffe und Hochleistungsmaterialien. Innovationscluster wie Rotterdam und Chemelot dürften künftig zu einer stärker technologie- und innovationsorientierten Chemieindustrie beitragen.

    Um die Industrie im Land zu halten und die Klimaziele aufrechtzuerhalten, gab das niederländische Kabinett im September 2026 eine gewaltige Subvention von 1,3 Milliarden Euro für das CO2-Speicherprojekt Aramis frei. Das Projekt zählt zu den größten Initiativen für CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS – Carbon Capture and Storage) in den Niederlanden.

    Verteidigungssektor rückt in den Fokus

    Auch für die Verteidigungsindustrie gewinnt der niederländische Chemiesektor zunehmend an Bedeutung, wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft PwC und der niederländischen Forschungsorganisation TNO zeigt. 

    Untersucht wurden sechs Materialgruppen: energetische Werkstoffe, korrosionsbeständige Beschichtungen, starke Fasern und leichte Verbundwerkstoffe, technische Keramik, additive Fertigung sowie Metamaterialien.

    Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in den Niederlanden
    Akteur/Projekt

    Investitionssumme (in Mrd. Euro)

    ProjektstandAnmerkungen
    Neste / Ausbau SAF-Produktion Rotterdam

    ca. 1,9

    Schrittweise Inbetriebnahme, Fertigstellung 2027Ausbau der Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF) und erneuerbaren Kraftstoffen aus biogenen und recycelten Rohstoffen
    Porthos Project (Port of Rotterdam CO₂ Transport Hub and Offshore Storage)

    ca. 1,3

    Fertigstellung für 2. Jahreshälfte 2027 geplantPublic-private partnership-Vorhaben zwischen EBN, Gasunie und der Port of Rotterdam Authority
    Holland Hydrogen I (Shell)

    etwa 1 

    Fertigstellung 2027Bau eines der größten Elektrolyseure Europas zur Herstellung von grünem Wasserstoff
    Indaver Plastic2Chemicals

    0,15 

    EntstehungsphaseAusbau der chemischen Recyclinganlage (von Kunststoffabfällen zu neuen chemischen Rohstoffen)
        
    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2026

    Von Michael Sauermost | Bonn

  • Der niederländische Chemiesektor wird von internationalen Playern sowie lokalen Spezialisten geprägt. Mit Investitionen in nachhaltige Lösungen will die Branche führend bleiben.

    Die niederländische Chemieindustrie gehört zu den führenden Triebkräften der Wirtschaft des Landes. Die Niederlande verfügen nach Deutschland und Frankreich über die drittgrößte Chemieindustrie Europas. 

    Die Branche zeichnet sich durch eine hohe geografische Konzentration, eine starke Exportorientierung und eine effiziente Integration entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus.

    Der Sektor ist zudem eng mit den Nachbarländern vernetzt. Das Rotterdamer Hafengebiet fungiert dabei als "Schaltzentrale". Pipelines verbinden es mit chemischen Produktionszentren in Belgien, Deutschland und Nordfrankreich. Damit ist die niederländische Industrie Teil eines starken Clusters in Nordwesteuropa.

    Chemie-Hubs prägen die Clusterstruktur

    Ein zentrales Merkmal der niederländischen Chemiewirtschaft ist ihre fast vollständige Organisation in fünf hochgradig integrierten Clustern. Die Firmen arbeiten dort eng zusammen. 

    Der größte Petrochemie-Hub Europas ist in Rotterdam-Moerdijk angesiedelt. Der Schwerpunkt liegt auf Raffinerien, Basischemikalien, Logistik und Distribution. 

    Laut Hafenbetreiber befinden sich dort fünf große Erdölraffinerien, darunter Anlagen von Shell und ExxonMobil. Hinzu kommen mehr als 40 (petro-)chemische Unternehmen. Der Standort ist daher auch für Zulieferunternehmen von Bedeutung.

    Chemelot in Sittard-Geleen ist ein vollständig integrierter Chemiepark im Süden des Landes. Die Schwerpunkte liegen auf Hochleistungskunststoffen, Düngemitteln (Ammoniak/Harnstoff) und Forschungsaktivitäten am angeschlossenen Campus.

    In Terneuzen (Zeeland) konzentrieren sich die chemische Weiterverarbeitung sowie die Kunststoffproduktion. Der Standort wird von Dow Chemical geprägt. Die Unternehmen produzieren entlang der Ethylen-Wertschöpfungskette. Zudem besteht ein intensiver Austausch mit dem belgischen Chemiecluster in Antwerpen.

    Zu den weiteren bedeutenden Chemie-Hubs zählen Eemsmond (Delfzijl/Eemshaven) und Amsterdam. Amsterdam bildet eine Schnittstelle zu Life Sciences, Spezialchemie und biobasierten Kraftstoffen. Eemsmond wird auch als der "grüne Hub im Norden" bezeichnet. Dort sind die Segmente Chlor-Alkali-Chemie, Methanol und biobasierte Chemie vertreten.

    Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in den NiederlandenGeschätzte Fertigungsanteile 2024/25 in Prozent

    Sparte

    Wirtschaftliche Bedeutung / Standorte

    Anteil in Prozent

    Basischemikalien (Olefine, Aromaten, Chlor, Ammoniak, Methanol etc.)

    Dominiert weiterhin die niederländische Chemieproduktion. Rotterdam zählt zu den größten petrochemischen Clustern Europas. 

    35 - 40

    Petrochemische Vorprodukte und Raffinerienahe ChemieIn Rotterdam und im Chemiepark Chemelot angesiedelt.

    20 - 25

    Kunststoffe und PolymereWichtiges Standbein mit Schwerpunkten in Rotterdam, Chemelot und Emmen. 

    15 - 20

    Spezialchemikalien (Beschichtungen, Additive, Industriemittel, Farben)

    Wachsende Bedeutung, jedoch geringer als in Belgien oder Deutschland. 

    15 - 20

    Düngemittel und AgrochemikalienTraditionell bedeutend durch die Ammoniak- und Stickstoffchemie, aber deutlich kleiner als die Basischemie.

    5 - 10

    Hochleistungsmaterialien, Fasern und VerbundwerkstoffeSpezialisierte Unternehmen angesiedelt.

    5 - 10

    Biobasierte und KreislaufchemieNoch relativ klein, aber zentraler Investitionsschwerpunkt der kommenden Jahre.

    bislang bis 5

    Quelle: Recherchen von Germany Trade and Invest

    Kleinstfirmen und Großunternehmen dominieren

    Das niederländische Handelsregister (KvK) verzeichnete Anfang 2025 mehr als 2.100 aktive Chemieunternehmen. Davon waren rund 1.400 Unternehmen der industriellen Fertigung von chemischen Erzeugnissen zuzuordnen. 

    Die Branchenstruktur wird von zwei unterschiedlichen Gruppierungen geprägt. Einerseits besteht eine sehr hohe Konzentration globaler Großkonzerne. Andererseits gibt es eine breite Basis kleiner Dienstleistungsunternehmen und Spezialisten.

    Knapp die Hälfte der registrierten Unternehmen sind Kleinstbetriebe mit 1 bis 4 Beschäftigten. Hierzu zählen vor allem spezialisierte Beratungen, Chemiedienstleister, Handelsagenturen und hoch spezialisierte Labore.

    Rund 30 Prozent sind kleine Unternehmen mit 5 bis 19 Beschäftigten. Dabei handelt es sich häufig um Nischenproduzenten, Zulieferer für Additive oder lokale Veredelungsbetriebe. Lediglich knapp 8 Prozent der registrierten Unternehmen gehören zur Größenklasse von 20 bis 49 Beschäftigten. Die industriellen Schwergewichte machen rund 12,5 Prozent der Unternehmen aus. 

    Internationale Unternehmen dominieren die Produktion

    Im Unterschied zu Belgien verfügen die Niederlande nur über eine überschaubare Zahl an großen börsennotierten Chemiekonzernen mit Hauptsitz im Land. Ein Großteil der Chemieproduktion entfällt auf internationale Unternehmen. Dazu zählen Shell Chemicals, Dow, LyondellBasell, SABIC, BASF, Covestro und ExxonMobil. Diese Unternehmen prägen die Standorte Rotterdam, Chemelot und Delfzijl. Ihre Konzernzentralen befinden sich jedoch nicht in den Niederlanden.

    Auch große deutsche Chemieunternehmen nutzen die Niederlande als strategischen Produktions-, Forschungs- oder Vertriebsstandort. Dazu zählen beispielsweise Covestro (Standort: Geleen; Innovative Beschichtungen, Harze, Klebstoffe und Spezialmaterialien) und BASF (Vertriebs- und Servicezentrale in Arnhem). Hinzu kommen Evonik (Delfzijl; Wasserstoffperoxid), Wacker Chemie (Amsterdam; Life Sciences und Biotechnologie) sowie BYK (Deventer, Denekamp und Nijverdal; Additive).

    Wichtige Branchenunternehmen in den NiederlandenUmsatz in Milliarden Euro

    Unternehmen / Firmensitz

    Sparte

    Umsatz 2025

    DSM-Firmenich / Doppelsitz Maastricht, Kaiseraugst CH Ernährung, Aromen, Duftstoffe, Spezialchemikalien

    12,5 (Konzern)

    AkzoNobel / AmsterdamFarben, Lacke und Beschichtungen

    10,2

    OCI Global / AmsterdamStickstoffchemie, Düngemittel, Ammoniak, Methanol

    k.A. 

    Corbion / AmsterdamBiochemie, Milchsäure, Lebensmittelzutaten, Fermentation

    1,30

    Aufgeführt sind nur Unternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden.Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest, 2026

    Forschung im Chemiesektor wird groß geschrieben

    Die Forschung und Entwicklung (F&E) im niederländischen Chemiesektor gilt als fortschrittlich. Vor dem Hintergrund des Dekarbonisierungsdrucks konzentrieren sich die Forschungsaktivitäten kaum noch auf klassische, fossil basierte Prozesse, sondern fast ausschließlich auf die CO2-neutrale Transformation. Dazu zählen nachhaltiger Kohlenstoff, biobasierte Chemie, grüner Wasserstoff und fortschrittliche Materialien. Weitere Schwerpunkte sind chemieorientierte künstliche Intelligenz und Automatisierung.

    Nach Angaben des Verbandes VNCI investieren die niederländischen Chemieunternehmen jährlich etwas mehr als 1 Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung. Die genannten Bereiche bilden die zentralen Forschungsschwerpunkte der Branche.

    Enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie

    Ein Kennzeichen des Standorts Niederlande ist in diesem Zusammenhang die sehr enge, staatlich geförderte Zusammenarbeit zwischen Industrie, Spitzenuniversitäten und Forschungsinstituten. Über die zentrale Innovationsplattform ChemistryNL sowie Förderprogramme wie den National Growth Fund werden Großprojekte koordiniert.

    Universitäten wie die TU Delft, die Universität Amsterdam (HIMS) oder die Universität Wageningen (WUR) betreiben Grundlagenforschung in mehreren Bereichen. DAzu zählen Systemkatalyse, biobasierte Rohstoffe und computergestützte Materialchemie.

    Start-ups spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Viele Unternehmen konzentrieren sich auf nachhaltige Lösungen. Ein bekanntes Beispiel ist Avantium. Das Unternehmen produziert zu 100 Prozent biobasierte Kunststoffe (PEF) als Alternative zu PET.

    Von Michael Sauermost | Bonn

  • Für EU-Staaten ist der Marktzugang in den niederländischen Chemiesektor im Regelfall unproblematisch.

    Anbieter aus Deutschland und anderen EU-Staaten finden in den Niederlanden keine Hemmnisse beim Marktzugang vor. Es bestehen keine generellen Beschränkungen oder Verbote für ausländische Investitionen im klassischen Chemiesektor. Unternehmen aus Deutschland und anderen EU-Ländern stoßen beim Markteintritt auf offene regulatorische Rahmenbedingungen.

    Allerdings gelten in bestimmten chemischen Teilbereichen strenge Melde- und Kontrollpflichten. Dies betrifft insbesondere Bereiche, die die nationale Sicherheit oder strategische Schlüsseltechnologien berühren. Dazu zählen beispielsweise Dual-Use-Güter.

    Wie in anderen Mitgliedstaaten gelten auch in den Niederlanden die Zulassungsvorschriften der Europäischen Chemieagentur (ECHA). In der Niederlanden ist die Gesellschaft SGS zuständig. 

    Bei Pflanzenschutzmitteln übernimmt diese Aufgabe die Behörde CTGB und für Arzneien die Agentur CIBG.

    Öffentliche Ausschreibungen veröffentlichen die Niederlande auf dem 2005 gegründeten Portal Expertisecentrum Aanbesteden (Dutch Public Procurement Expertise Centre). Seit 2017 ist das allgemeine Kompetenzzentrum für öffentliche Beschaffung Teil des Wirtschaftsministeriums.

    Im innergemeinschaftlichen Warenverkehr der Europäischen Union (EU) sind die Regelungen des Umsatzsteuerkontrollverfahrens in der EU zu beachten. Informationen hierzu finden sich auf der Internetseite des Bundeszentralamtes für Steuern. Hinsichtlich der Normierung gelten die einschlägigen EU-Richtlinien (siehe etwa die Website des Deutschen Instituts für Normung e.V.).

    GTAI stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

  • Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK Niederlande

    Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

    Ministerie van Volksgezondheid, Welzijn en SportMinisterium für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport
    SGS Nederland B.V.Zuständig für die Zertifizierung von Chemikalien
    College voor de toelating van gewasbeschermingsmiddelen en biociden (CTGB)Zuständig für die Zertifizierung von Pflanzenschutzmitteln
    CIBGZuständig für die Zertifizierung von Arzneien u.a. Gesundheitsprodukten
    Koninklijke Vereniging van de Nederlandse Chemische Industrie (VNCI)Verband der Chemieindustrie
    Nederlandse Vereniging voor Farmaceutische Geneeskunde (NVFG)Verband der Pharmaindustrie
    Nederlandse Cosmetica Vereniging (NCV)Verband der Kosmetikindustrie
    ChemistryNLInternetportal, auf Englisch
    PetfecMesse für die Petrochemie in Rotterdam; nächster Termin: 01. bis 02.12.2027