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Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie

Japan fördert die Entwicklung nachhaltiger Technologien. Sobald diese künftig am Markt nachgefragt sind, will das Land sie anbieten können.

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

Die Bepreisung von Kohlenstoffdioxid ist in Japan bisher moderater als in Deutschland. Daher ist der Handlungsdruck für klimafreundliche Lösungen geringer. Dennoch ist einiges im Fluss. Mit Unterstützung des japanischen Staats entwickeln japanische Firmen vor allem Technologien zur Dekarbonisierung. Bisher beschränkt sich die Anwendung oft auf Demonstrationsprojekte, die zeigen, dass die Technologien funktionieren. Bemühungen gibt es etwa beim Recycling, bei der Speicherung von Kohlenstoffdioxid, bei Wasserstoff und nachhaltigen Treibstoffen für Flugzeuge (sustainable air fuel, SAF). 

Im Ausland gibt es ein großes Nachhaltigkeitsvorhaben unter Beteiligung japanischer Firmen. In den USA wollen der US-amerikanische Ammoniakspezialist CF Industries, der japanische Stromerzeuger JERA und das japanische Handelshaus Mitsui klimafreundliches Ammoniak produzieren. Im August 2026 erfolgte der erste Spatenstich für das Vorhaben: Es soll eine Kapazität von bis zu 1,4 Millionen Tonnen Ammoniak pro Jahr haben. Für das Projekt in Ascencion Parish im US-Bundesstaat Louisiana wollen die Partner die Speicherung von Kohlenstoffdioxid (CCS) nutzen und 3,7 Milliarden US-Dollar (US$) investieren. Die beiden japanischen Firmen halten zusammen einen Anteil von 60 Prozent an dem Vorhaben. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für 2029 geplant. Linde plant, für dieses Ammoniakprojekt für mehr als 400 Millionen US$ einen Luftzerleger zu bauen. 

Kreislaufwirtschaft auf dem Vormarsch

Beim Ausbau der Kreislaufwirtschaft steht die Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe und leicht recycelbarer neuer Materialien im Fokus. Japan will die Wiederverwertungsrate von Kunststoffverpackungen bis 2030 auf 60 Prozent steigern. Im Jahr 2024 wurde laut dem Plastic Waste Management Institute hierbei ein Wert von 34,4 Prozent erreicht. Daher erscheint das Ziel für 2030 ambitioniert. 

Für die Wiederverwertung aller Kunststoffe gilt ein Ziel von 100 Prozent bis 2035. Dabei ist allerdings auch die thermische Wiederverwertung, also die Verbrennung, zulässig. Im Jahr 2024 erreichte Japan so eine Wiederverwertungsrate bei Kunststoffen von 89 Prozent. Tatsächlich recycelt wurden von der Gesamtmenge 22 Prozent, davon 20 Prozent physisch und 2 Prozent chemisch. Künftig soll insbesondere das chemische Recycling zunehmen.

Bei Wasserstoff gibt es einige interessante Vorhaben

Bei Wasserstoff unterzeichneten Daimler Truck, die Hamburger Hafen und Logistik sowie Kawasaki Heavy Industries im Oktober 2025 eine Absichtserklärung für eine Kooperation. Die Partner wollen bis Anfang der 2030er Jahre eine Lieferkette für Flüssigwasserstoff in Europa aufbauen.

In Japan legten Japan Suiso Energy und Kawasaki Heavy Industries im November 2025 den Grundstein für ein Flüssigwasserstoffterminal in Kawasaki in der Präfektur Kanagawa. Dieses Terminal soll unter anderem einen Speicher für 50.000 Kubikmeter Flüssigwasserstoff erhalten und im Fiskaljahr 2030 (April bis März) in Betrieb gehen. Bis dahin will Kawasaki Heavy Industries auch einen Tanker für 40.000 Kubikmeter Flüssigwasserstoff bauen. Beide Vorhaben werden von der staatlichen New Energy and Industrial Technology Development Organization (NEDO) finanziell unterstützt. Der Flüssigwasserstoff selbst soll aus dem Ausland kommen.

Im Inland will Japan zudem einen Transportkorridor für Wasserstofffahrzeuge von Fukushima nördlich von Tokyo bis Fukuoka auf Kyushu bauen. Dabei sollen circa 30 Wasserstofftankstellen primär für Lastkraftwagen entstehen. Daneben gibt es in acht Präfekturen vom Zentralstaat unterstützte regionale Wasserstoff-Initiativen: in Tokyo, Fukushima, Kanagawa, Hokkaido, Yamanashi, Aichi, Fukuoka und Hyogo. Dazu gehören auch die Städte Kawasaki, Yokohama, Nagoya und Kobe. Die Präfektur Tokyo denkt unter anderem an den Bau von Pipelines.

Bei nachhaltigem Flugbenzin startet Japan langsamer als Europa

Beim Flugbenzin SAF ist seit 2025 eine Anlage von Cosmo Oil in Osaka mit einer Kapazität von 30 Millionen Litern pro Jahr in Betrieb. Weitere Anlagen planen ENEOS in der Präfektur Wakayama, Idemitsu Kosan in der Präfektur Yamaguchi, Taiyo Oil in der Präfektur Okinawa, Cosmo Oil in der Präfektur Kagawa und Idemitsu Kosan in der Präfektur Chiba. Japan subventioniert SAF-Vorhaben je nach Technologie bis zu einem Drittel beziehungsweise bis zur Hälfte der Investitionskosten. Das Wirtschaftsministerium METI hatte 2025 für diese Subventionen ein Budget von mehr als 2 Milliarden US$ vorgesehen.

Allerdings dürfte keine der Anlagen vor 2028 mit der kommerziellen Produktion starten. Japan hat zwar bereits seit Längerem das offizielle Ziel ausgegeben, bis 2030 einen Anteil von 10 Prozent SAF am genutzten Flugbenzin zu erreichen. Bisher gibt es jedoch keinerlei Pflichtanteile. Im August 2026 schlug ein Beratungsgremium des METI die Einführung erster Pflichtanteile für SAF vor. Gemäß dem Vorschlag sollen diese 2030 mit 1 Prozent beginnen und bis 2034 auf 5 Prozent steigen. Sie sollen zudem nur für internationale Flüge gelten, die von Japans sieben größten Flughäfen starten.

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