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Markttrends

Japans Chemiefirmen treiben vor allem Investitionen bei Halbleiterchemikalien und Pharmazeutika voran. Sie planen dabei viele Projekte im Ausland.

Frank Robaschik

Von Frank Robaschik | Tokyo

Die japanische Regierung unterstützt die Halbleiter- und Batterieindustrie mit hohen Fördermitteln. Beide Branchen sollen im Inland Kapazitäten aufbauen, wofür sie mehr Chemikalien benötigen. Teil der japanischen Wachstumsstrategie ist zudem, die Produktion von Pharmazeutika zu stärken.

In der Spezialchemie bauen japanische Firmen ihr Angebot aus. Einige von ihnen zählen in ihren Nischen zu den Weltmarktführern. Beispiele sind die Halbleiterchemie, Batteriechemikalien und Kohlenstofffasern. Japanische Unternehmen investieren zudem kräftig in Forschung und Entwicklung. Zusätzlich zum organischen Wachstum kaufen sie Firmen zu. Damit wollen sie ihr Produktportfolio stärken und weitere Marktanteile gewinnen.

Viel Schwung bei Halbleiterchemikalien

Die Anbieter von Halbleiterchemikalien profitieren von Großinvestitionen bei Chipprojekten in Japan. So expandiert der taiwanische Chiphersteller TSMC auf Kyushu. Gleichzeitig baut Japan den Auftragsfertiger Rapidus auf. In der Folge steigen hier auch die Investitionen in Vorprodukte.

Das Ministry of Economy, Trade and Industry (METI) gewährt finanzielle Unterstützung. So soll Sumco für seine Waferproduktion in der Präfektur Saga bis zu einem Drittel seiner Investitionskosten als Subvention erhalten. Sumco will für das Vorhaben 388 Millionen US$ aufwenden. Das ist nur noch rund ein Viertel der Summe, die das Unternehmen nach ursprünglichen Plänen aus dem Jahr 2023 investieren wollte. Grund ist laut Meldungen der japanischen Presse die schwächere Nachfrage nach Wafern für PCs und Smartphones. Dagegen steigt die Nachfrage nach Wafern für Anwendungen in der künstlichen Intelligenz. 

Auch weitere Firmen wie NGK, Zeon und Fuso Chemical treiben größere Vorhaben bei Halbleiterchemikalien in Japan voran. Der französische Industriegasspezialist Air Liquide errichtet zwei weitere Anlagen für Gase für die Halbleiterindustrie. 

Ein größeres Vorhaben von Nippon Shokubai für Elektrolyte für Lithium-Ionen-Batterien unterstützt Japans Wirtschaftsministerium ebenfalls mit Subventionen. JX Advanced Metals wiederum erweitert seine Kapazitäten bei Substraten für die optische Kommunikation.

Ausgewählte Investitionsprojekte der chemischen Industrie in Japan Investitionssumme in Millionen US-Dollar
Akteur/Projekt

Investitions-summe *

ProjektstandAnmerkungen
NGK/Neue Fabrik in Nomi in der Präfektur Ishikawa 

468

4/2027 - 10/2029Erhöhung der Produktionskapazität von Keramik für Halbleiterfertigungsanlagen
Zeon/Bau eines Werks in Shunan in der Präfektur Yamaguchi

468

2/2026 - 2028Cyclo-Olefin-Polymere für Medizintechnik und Halbleiterindustrie, Kapazität von 12.000 Tonnen pro Jahr
FP Corporation/neue Fabrik in Bando in der Präfektur Ibaraki

388

5/2026 - 9/2028Werk für ultrasteife Polypropylen-Platten und Logistikanlagen
Sumco / Erweiterung der Produktion in den Präfekturen Yamagata und Saga

388

Beginn der Lieferungen 2028 - 2031Erweiterung Produktion von Halbleitersilizium und von 300-mm-Siliziumwafer hoher Präzision in Imari (Präfektur Saga) und Yonezawa (Präfektur Yamagata)
Nippon Shokubai/ neue Fabrik in Kitakyushi in der Präfektur Fukuoka

288

1/2026 -12/2028Batterieelektrolyt Lithiumbis(fluorsulfonyl)imid (LiFSI), Kapazität 3.000 Tonnen pro Jahr
Fuso Chemical/neue Fabrik in Fukuchiyama in der Präfektur Kyoto

267

3/2026 - 2/2029Siliziumdioxid als Rohstoff für Poliermittel für die Halbleiterproduktion
Air Liquide / zwei neue Anlagen in Hiroshima

226

4/2026 - 12/2028Industriegase für die Halbleiterindustrie: ultrareiner Stickstoff, Sauerstoff und Argon
JX Advanced Metals/Erweiterung in Kitaibaraki in der Präfektur Ibaraki

134

2/2026 - 2030Verdreifachung der Kapazität bei Indiumphosphid für Anwendungen in der optischen Kommunikation.
* Umgerechnet zum Wechselkurs 1 US$ = 149,56 Yen. Quelle: Unternehmensangaben 2026; Ministry of Economy, Trade and Industry 2026

Investitionen auch bei Arzneimitteln

Takeda Pharmaceutical plant in Osaka bis 2029 eine Erweiterungsinvestition von rund 1 Milliarde US-Dollar (US$) für plasmabasierte Therapien. Chugai Pharmaceutical steckt von 2026 bis 2028 rund 535 Millionen US$ in ein neues Laborgebäude in Tokyo. Die Japan Blood Products Organization gab im Juli 2026 Pläne für den Bau einer neuen Anlage für Plasmapräparate in Chitose auf Hokkaido bekannt. Dafür und für den Ausbau zweier bestehender Standorte will sie 1,3 Milliarden US$ investieren.

Das deutsche Unternehmen Boehringer Ingelheim errichtet von 2026 bis 2028 für rund 240 Millionen Euro ein weiteres Werk in Higashine in der Präfektur Yamagata. Das Werk ist auf die Versorgung japanischer Patienten ausgelegt und soll darüber hinaus Pharmazeutika für den Export nach Asien und Ozeanien produzieren. Die US-amerikanische Firma Eli Lilly steckt von 2026 bis 2028 rund 134 Millionen US$ in den Ausbau von Produktion und Lagerung in Kobe in der Präfektur Hyogo.

Im Ausland setzen die Firmen vor allem auf Arzneimittel

In der Petrochemie will Shintech in den kommenden Jahren für 3,4 Milliarden US$ sein Werk in Plaquemine im US-Bundesstaat Louisiana ausbauen. Die Erweiterungen betreffen Ethylen, Vinylchloridmonomer und kaustische Soda. Diese werden zur Produktion von Polyvinylchlorid benötigt. Shintech ist die US-Tochterfirma von Shin-Etsu Chemical.

Bei Arzneimitteln investiert Fujifilm im Ausland massiv in den Ausbau seiner Kapazitäten in der Auftragsproduktion. Von 2024 bis 2028 investiert das Unternehmen noch einmal 1,2 Milliarden US$ in den USA. Bis dahin will Fujifilm bei Biopharmazeutika weltweit über Kapazitäten von 750.000 Litern verfügen. Daiichi Sankyo erweitert für rund 1 Milliarde Euro seinen Standort Pfaffenhofen in Deutschland. Asahi Kasei schloss im April 2026 die rund 780 Millionen Euro schwere Übernahme des deutschen Pharmaunternehmens Aicuris ab. Shionogi vereinbarte im Oktober 2026 den Erwerb des US-amerikanischen Wettbewerbers IntraBio. Der Kauf des Spezialisten für Medikamente für seltene Krankheiten soll Shionigi 2 Milliarden US$ kosten.

Bei Batteriechemikalien baut Asahi Kasei für 1,2 Milliarden US$ ein Werk für Separatoren in Kanada. Die Inbetriebnahme verzögert sich jedoch wegen des zurzeit schwächeren Wachstums der Elektromobilität in Nordamerika. Anstatt des ursprünglich geplanten Starts im Jahr 2027 soll dieser nun etwa 1,5 bis 2 Jahre später erfolgen. Bei Farben vereinbarte Nippon Paint im Oktober 2026 die Übernahme des Südostasiengeschäfts des niederländischen Wettbewerbers Akzo Nobel. Diese soll 1,35 Milliarden US$ kosten und bis Mitte 2027 abgeschlossen sein. 

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