Die Vorzüge der Niederlande als Investitionsstandort sind vielfältig. Dabei sticht die gute Infrastruktur heraus. Wermutstropfen sind die hohen Lohnkosten.
Die Niederlande sind weltweit eines der größten Empfänger- und Herkunftsländer ausländischer Direktinvestitionen (FDI). Stärken des Standorts sind ein hoch entwickelter Finanzsektor, die strategische Lage, ein effizienter Logistiksektor, gut ausgebildete Arbeitskräfte sowie eine hochwertige Infrastruktur für Verkehr und Kommunikation. Mit dem Internetknoten AMS-IX Amsterdam Internet Exchange verfügt die Niederlande über einen der weltweit fünf wichtigsten Knotenpunkte des internationalen Datenverkehrs.
Laut World Investment Report der Welthandelskonferenz UNCTAD wiesen die Nettozuflüsse ausländischer Direktinvestitionen in die Niederlande 2023 gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 155,57 Milliarden Euro auf, auch die Nettoabflüsse sanken um 131,35 Milliarden Euro. Ende 2023 betrug der Gesamtbestand ausländischer Direktinvestitionen rund 2,47 Billionen Euro. FDI fließen insbesondere in die Wachstumssektoren Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), Biotechnologie, Medizintechnik, Elektronik und Maschinen- und Gerätebau.
Grund für sinkende FDI sind eine international schwächere Nachfrage und gestiegene Finanzierungskosten. Die niederländische Zentralbank nennt zudem eine Mindeststeuer von 15 Prozent auf Gewinne multinationaler Unternehmen, die seit 2024 rund 140 Länder anwenden und die Konzerne zu Umstrukturierungen bewegt.
Deutschlands Investoren im Windschatten der USA
Laut Statistikamt CBS waren in den Niederlanden 2021 rund 25.000 multinationale Unternehmen ansässig, rund 16.000 davon (etwa 64 Prozent) unter nicht niederländischer Kontrolle. Die USA führten die Liste von Firmen mit ausländischem Mehrheitsanteil mit 3.000 Unternehmen an, knapp vor Deutschland mit 2.400, sowie Großbritannien, Belgien und Frankreich.
CBS zufolge kamen im Jahr 2023 die meisten ausländischen Direktinvestitionen aus den USA (499 Milliarden Euro), aus Großbritannien (410 Milliarden Euro), Deutschland (219 Milliarden Euro) und Luxemburg (194 Milliarden Euro). Der Großteil multinationaler Unternehmen in ausländischem Besitz ist mit einem Anteil von etwa 37 Prozent im Groß- und Einzelhandel tätig, bei Unternehmensdienstleistungen (17 Prozent), in verarbeitendem Gewerbe (13 Prozent) und IKT (12 Prozent).
Am 1. Juni 2023 trat mit dem Netherlands Foreign Direct Investment Screening Act ein Gesetz zur Regelung ausländischer Direktinvestitionen in Kraft. Es schreibt eine obligatorische Meldepflicht für Investitionen in verschiedenen Sektoren vor, darunter Kernenergie, Wärmenetze, Transport, Finanzen und Rüstung.
Größte Unternehmen in den Niederlanden mit deutscher Muttergesellschaft (Berichtsjahr 2023)Unternehmen | Branche | Umsatzvolumen in Mio. Euro |
|---|
| ALSO Nederland B.V. | Technologieanbieter für die ITK-Branche | 2.074 |
| MediaMarkt Nederland | Handelskette für Unterhaltungselektronik | 1.556 |
| BMW Nederland B.V. | Automobilsektor | 1.368 |
| BMW Financial Services | Finanzdienstleistungen | 1.317 |
| BASF Nederland B.V. | Chemische Erzeugnisse | 1.315 |
| Mercedes-Benz Nederland B.V. | Automobilsektor | 1.055 |
| Metro Distributie Nederland B.V. | Großhandel | 860 |
Quelle: Deutsch-Niederländische Handelskammer (AHK Niederlande) 2025
Gut entwickelter Arbeitsmarkt
Der niederländische Arbeitsmarkt bietet ein hohes Maß an Work-Life-Balance für Arbeitnehmer. Laut CBS sind 82 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig, 16 Prozent in der verarbeitenden Industrie und 2 Prozent in der Landwirtschaft. Die Lohnkosten gelten sektorenübergreifend als vergleichsweise hoch. Laut Eurostat beliefen sie sich bei größeren Unternehmen im Jahr 2023 auf 43,30 Euro pro Stunde. Der EU-Durchschnitt betrug im gleichen Jahr 31,80 Euro pro Stunde, in Deutschland waren es 41,30 Euro pro Stunde.
Beim jährlichen Wettbewerbsranking des Schweizer International Institute for Management Development (IMD) sind die Niederlande unter 67 untersuchten Ländern von Platz 5 im Jahr 2023 auf Rang 9 im Jahr 2024 zurückgefallen, zählen jedoch weiterhin zu den wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Mit dem Ziel, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken, hat ein Verbund öffentlicher und privater Akteure die Wissens- und Innovationsagenda 2024 bis 2027 aufgestellt.
Investitionsförderung: Nachhaltigkeit und Innovation stehen im Fokus
Die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme von Investitionszuschüssen gelten für in- und ausländische Investoren gleichermaßen. Die Niederlande nutzen europäische, nationale und regionale Förderinstrumente. Bilaterale Förderprogramme mit Deutschland haben die Schwerpunkte Nachhaltigkeit (erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Verringerung von Treibhausgasen), Innovation und Digitalisierung.
Öffentliche Förderdarlehen für Unternehmen bieten unter anderem die Programme Green Projects Scheme und Innovation Credit Scheme. Die niederländische Unternehmensagentur RVO fördert innovative Produktentwicklungen, die aufgrund des hohen Risikos nicht von Banken und anderen privaten Geldgebern finanziert werden.
Steuererleichterungen und EU-Förderung in grenznahem Raum
Dividenden und Kapitalgewinne einer ausländischen Tochtergesellschaft sind von der Körperschaftssteuer befreit. Die niederländische Unternehmenssteuerstruktur bietet zudem die Vorabverständigung auf Verrechnungspreisvereinbarungen (Advance Pricing Agreement, APA) sowie auf Steuerbescheide (Advance Tax Ruling, ATR). So erhalten Unternehmen frühzeitig Klarheit über künftige Steuern. Außerdem gibt es in den Niederlanden keine Zweigstellengewinnsteuer und es wird keine Quellensteuer auf Zinsen und Lizenzgebühren erhoben.
Für den deutsch-niederländischen Grenzraum bestehen im Rahmen der EU-Initiative Interreg Europe zwei Projektgebiete mit denen die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gefördert wird. Das Gebiet Deutschland-Nederland, das in NRW vom nördlichen Westfalen bis zum Niederrhein reicht, verfügt im Zeitraum 2021 bis 2027 über insgesamt 450 Millionen Euro für die Schwerpunktthemen Energie und Klima, Hightech-Systeme und -Materialien, Integration, Bildung und Arbeitsmarkt, Landwirtschaft und Lebensmittel, Gesundheit und Pflege. Im Gebiet Euregio Maas Rhein, in NRW im erweiterte Raum Aachen, können im Zeitraum 2021-2027 rund 176 Millionen Euro für die smarte, grüne, CO2-arme und soziale Entwicklung der Region vergeben werden.
Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nicht tarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.
Von
Michael Sauermost
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Bonn