Branchen | Philippinen | Bauwirtschaft
Hochbau: Marktchancen für deutsche Produkte und Dienstleistungen
Bei Wohnungsbauprojekten im Hochpreissegment kommen oft ausländische Expertise und Technik zum Einsatz. Die energetische Sanierung von Bestandsbauten bietet ebenfalls Potenzial.
01.12.2025
Von Boris Alex | Kuala Lumpur
Die positiven Wachstumsaussichten im philippinischen Bausektor eröffnen auch deutschen Anbietern von Dienstleistungen, Produkten und Lösungen für den Hochbau Geschäftschancen. Im Wohnungsbau ist vor allem das Hochpreis- und Luxussegment interessant, denn dieses wächst nach Angaben des Immobiliendienstleisters Jones Lang LaSalle überdurchschnittlich. Zudem stellen die Projektentwickler höhere Anforderungen an Design, Qualität und technische Ausstattung, was sich in der Nachfrage nach hochpreisigen Baumaterialien, Ausstattungselementen für Bäder und Küchen sowie Gebäudetechnik niederschlägt.
Nicht nur das Hochpreissegment bietet Chancen für "made in Germany"
Große Wohnungs- und Apartmentkomplexe in diesem Segment werden meist von den Immobilien- und Bauunternehmen der führenden philippinischen Industriekonglomerate wie Ayala Land, Megaworld oder SM Prime realisiert. Die Käufer solcher Objekte erwarten hochwertige Fenster, Türen, Böden, Armaturen und Badmöbel sowie Küchengeräte und -einrichtungen. Bei den Baustoffen setzen die Architekten und Baufirmen zunehmend auf Qualität, insbesondere wenn es um den Feuchtigkeitsschutz geht. Materialien, die für das feuchttropische Klima und die starken Regenfälle während der Taifunsaison geeignet sind, werden stärker nachgefragt. "Made in Germany" genießt in den Philippinen weiter einen guten Ruf und Luxusmarken finden in der kaufkräftigen Oberschicht ihre Abnehmer.
Im staatlichen Wohnungsbau liegt der Fokus stärker auf Kostensenkung. Auch in diesem Segment bieten sich Chancen, beispielsweise bei nachhaltigen Baustoffen und innovativen Konstruktionstechniken. So soll der Markt für Fertigbetonteile bis 2029 um durchschnittlich 10 Prozent pro Jahr auf rund 3 Milliarden US-Dollar (US$) zulegen, so die Prognose des Marktforschers ConsTrack360. Der Trend im öffentlichen Wohnungsbau geht zudem in Richtung gemischter Siedlungsstrukturen mit Wohnungen und Einfamilien-, Duplex- und Quad-Häusern sowie Townhouses statt großer Apartmentblöcke. Dies eröffnet Chancen für innovative Architekturkonzepte.
Im Wirtschaftsbau steht Gebäudeeffizienz im Vordergrund
Im Wirtschaftsbau spielt Energieeffizienz eine wichtige Rolle, denn die philippinischen Strompreise für gewerbliche Abnehmer zählen mit durchschnittlich 0,15 US$ je Kilowattstunde zu den höchsten in Südostasien. Im Einzelhandel bietet neben dem Bau neuer Einkaufszentren, die zunehmend auch in Großstädten der zweiten und dritten Reihe (Tier-1-, Tier-2-Städte) entstehen, auch die energetische Sanierung von Bestandsbauten Geschäftspotenzial. Dabei soll mit einem modernen Building Management System die Effizienz der Kühl- und Lüftungsanlagen, der Beleuchtung und Aufzüge gesteigert werden.
Lösungen hierfür sind auch bei Büro- und Industriebauten gefragt, vor allem in energieintensiven Branchen wie der Elektronik- und Halbleiterindustrie, bei IT-Diensten beispielsweise im Bereich Business Process Management oder beim Betrieb von Rechenzentren. So soll der philippinische Data-Center-Markt bis 2030 um jährlich 20 Prozent auf 2 Milliarden US$ zulegen. Die benötigten Stromkapazitäten dürften sich dadurch von 560 Megawatt im Jahr 2024 auf 1.300 Megawatt erhöhen, so eine Prognose des Marktforschers Mordor Intelligence.
Informationsplattform für Green-Building-Produkte
Der Markt für nachhaltiges Bauen (Green Building) soll laut Branchenschätzungen bei etwa 10 Milliarden US$ liegen. Dies umfasst sowohl Dienstleistungen als auch technische Lösungen und Baumaterialien. Prognosen zufolge dürfte das Segment jedes Jahr um 10 bis 15 Prozent wachsen. Der Immobiliendienstleister Colliers erwartet beispielsweise, dass 60 Prozent der neuen Büroflächen, die bis Ende 2027 in der Hauptstadtregion auf den Markt kommen, "grün" zertifiziert werden. Das Philippine Green Building Council hat mit dem Green Building Procurement Hub eine Plattform geschaffen, auf dem Anbieter von nachhaltigen Baulösungen Informationen zu ihren Produkten veröffentlichen können.