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Bis zu 3 Milliarden Euro für KI-Gigafabrik in Polen
Polen will eine der EU-weit geförderten KI-Gigafabriken bauen. Eine Ausschreibung der Europäischen Kommission läuft bereits. Das Projekt könnte große Investitionen freisetzen.
13.08.2026
Die Europäische Kommission hat eine lang erwartete Ausschreibung für KI-Gigafabriken veröffentlicht. Interessierte Länder können im Rahmen des Förderprogramms finanzielle Unterstützung beantragen. Die geplanten Rechenzentren sollen das Training von KI-Modellen ermöglichen und Rechenkapazitäten für KI-Anwendungen bereitstellen. Nach den Plänen der Kommission entstehen europaweit dank der Förderung bis zu sieben Gigafabriken mit einem Gegenwert von mindestens 30 Milliarden Euro. Auch Polen will sich um einen Zuschlag aus dem Förderprogramm bewerben.
Die Ausschreibung unterscheidet zwischen mittelgroßen und großen KI-Gigafabriken. Maßgeblich ist die Zahl der installierten KI-Beschleuniger. Ihre Leistungsfähigkeit muss mindestens dem H100-Chip von Nvidia entsprechen.
Eine mittelgroße Anlage soll bis 2033 mindestens 25.000 KI-Beschleuniger umfassen. Bis 2035 soll die Kapazität auf 75.000 Chips anwachsen. Für große Projekte liegen die Schwellenwerte bei 50.000 Chips beziehungsweise 100.000 Chips. Nach Angaben des polnischen Digitalisierungsministeriums strebt Polen den Bau einer mittelgroßen KI-Gigafabrik an.
Vor allem die Zahl der KI-Beschleuniger verdeutlicht die Dimension des Vorhabens. Der Supercomputer PIAST-Q in Poznań, einer der leistungsfähigsten KI-Rechner Polens, verfügt beispielsweise über rund 1.000 Chips. Bereits die erste Ausbaustufe der geplanten Gigafabrik wäre damit um ein Vielfaches größer.
Keine Zuschüsse, sondern garantierte Bestellungen
Private Unternehmen werden den Bau und Betrieb übernehmen. Auch öffentliche Einrichtungen können sich beteiligen. Die EU tritt über ihre Digitalinitiative EuroHPC JU nicht als Investor auf, sondern verpflichtet sich gemeinsam mit den beteiligten Mitgliedstaaten zum Ankauf von Rechenkapazitäten. Für eine mittelgroße KI-Gigafabrik sind in der ersten Ausbaustufe öffentliche Abnahmezusagen von bis zu 100 Millionen Euro durch die EU sowie ein gleich hoher Beitrag der Mitgliedstaaten vorgesehen. Zusammen dürfen diese Zusagen maximal ein Drittel der Investitionskosten abdecken.
Polen hatte die erforderlichen staatlichen Mittel bereits im Juli 2026 garantiert. Demnach würde die erste Ausbaustufe des geplanten Rechenzentrums rund 600 Millionen Euro kosten. Einschließlich der zweiten Ausbaustufe steigt das Investitionsvolumen in Polen auf insgesamt 3 Milliarden Euro.
Unternehmen müssen ein gemeinsames Angebot einreichen
Mehrere Staaten können sich gemeinsam um eine KI-Gigafabrik bewerben und mehrere Standorte als ein verbundenes Rechenzentrum betreiben. Nach Angaben des Staatssekretärs im polnischen Digitalisierungsministerium, Dariusz Standerski, wollen sich Estland, Lettland und Litauen an Polens Vorhaben beteiligen. Polnische Medien berichten zudem über ein Interesse Tschechiens.
Von Seiten der Unternehmen haben bereits mehrere Partner erstes Interesse signalisiert, darunter der polnische Onlinehändler Allegro, der Cloudanbieter CloudFerro aus Warschau sowie die polnische Tochter des französischen Mobilfunkkonzerns Orange. "Das Angebot steht weiteren Partnern offen, sowohl den Mitgliedstaaten, als auch kommerziellen Akteuren", erklärte Standerski in einer Mitteilung des Ministeriums.
EuroHPC JU nimmt Bewerbungen bis zum 12. November 2026 entgegen. Die Auswahl der Projekte soll Anfang 2027 erfolgen. Spätestens 18 Monate nach Vertragsunterzeichnung muss die jeweilige Gigafabrik betriebsbereit sein. Über die Vergabe entscheiden unter anderem die technische Qualität des Projekts, die Energie- und IT-Infrastruktur, das Geschäftsmodell sowie die finanzielle Tragfähigkeit des Vorhabens.
KI-Investitionen eröffnen Absatzchancen
Sollte Polen den Zuschlag erhalten, dürfte davon nicht nur die digitale Infrastruktur des Landes profitieren. Die Gigafabrik könnte auch internationalen Partnern neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Bereits bei früheren Investitionen in Rechenzentren kamen wichtige Dienstleistungen und Komponenten von ausländischen Anbietern.
So stellte der Baukonzern Hochtief im April 2026 gemeinsam mit einem Partnerunternehmen ein Rechenzentrum für den Cloudanbieter Data4 bei Warschau fertig. Produkte deutscher Hersteller finden sich bereits in polnischen Rechenzentren, darunter Serverschränke von Rittal sowie Komponenten für Klima-, Filter- und Gebäudetechnik. Die Ausschreibung dürfte daher auch bei internationalen Zulieferern auf großes Interesse stoßen.
Weitere Informationen zur Ausschreibung veröffentlicht die Europäische Kommission auf ihrer Internetseite.