Arbeitsmarkt | Portugal

Rekordbeschäftigung erschwert Suche nach Fachkräften in Portugal

Das Lohnniveau in Portugal fällt im europäischen Vergleich niedriger aus. Die Tendenz zeigt jedoch nach oben, auch wegen des zunehmenden Fachkräftemangels.

Von Friedrich Henle, Caroline Cöster Domingues (AHK Portugal) | Madrid, Lissabon

Stärken des Arbeitsmarkts

  • Weit überdurchschnittliche Fremdsprachenkenntnisse
  • Hoher Anteil naturwissenschaftlich-technischer Studienabschlüsse
  • Unternehmen loben motivierte und flexible Arbeitskräfte

Schwächen des Arbeitsmarkts

  • Brain Drain von Fachkräften ins Ausland
  • Faktische Vollbeschäftigung bedeutet teils knappe Arbeitskräfte
  • Verbreitete Unzufriedenheit mit Gehalt und Entwicklungschancen

  • Portugals Arbeitsmarkt bleibt durch Zu- und Abwanderung in Bewegung. Die Gehälter sind im EU-Vergleich niedrig. Jedoch herrscht erhebliche Konkurrenz um Fachkräfte.

    Der Ausbildungsstand in Portugal wird insbesondere im universitären Bereich von Unternehmen häufig gelobt. Ein Grund dafür ist die hohe Belegung wirtschaftsrelevanter Studienfächer. Der Anteil der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) liegt bei etwa 30 Prozent und damit über dem EU-Durchschnitt. Deutsche Unternehmen in Portugal schätzen am lokalen Personal neben den Fachkenntnissen auch Motivation, Flexibilität und Lernbereitschaft. 

    Verfügbarkeit von Fachkräften: zwei Seiten einer Medaille

    Der Statistikdatenbank Pordata zufolge schlossen 2025 rund 109.500 Menschen in Portugal ein Universitätsstudium ab. Das entspricht einem Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter waren 36.700 Absolventinnen und Absolventen der Fachrichtungen Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Recht sowie 19.800 aus den Ingenieurwissenschaften. Mathematik, naturwissenschaftliche Fächer sowie Informations- und Kommunikationstechnologien absolvierten 10.500 Personen.

    Angesichts der geringen Arbeitslosigkeit und des hohen Beschäftigungsstands stellt die Verfügbarkeit von Arbeitskräften für Arbeitgeber eine Herausforderung dar. So beziffert beispielsweise der nationale Bauverband AICCOPN den Fachkräftemangel im portugiesischen Bausektor auf etwa 60.000 bis 80.000 Personen.

    Laut einer weltweiten Umfrage der ManpowerGroup vom Februar 2026 haben 82 Prozent der Arbeitgeber in Portugal Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Unter den 41 untersuchten Ländern belegt Portugal damit Platz 5. Besonders in den Bereichen Gesundheitswirtschaft, Schwerindustrie und Materialien sowie Konsumgüter und Dienstleistungen fehlt qualifiziertes Personal. Die befragten Arbeitgeber gaben an, dem Mangel vor allem mit interner Weiterbildung, Umschulung und Lohnsteigerungen zu begegnen. 

    Insbesondere bei technischem und naturwissenschaftlichem Fachpersonal konkurrieren Unternehmen sowohl miteinander als auch mit Wettbewerbern im Ausland. Einige technologische Vorreiter kooperieren mit Universitäten oder Forschungseinrichtungen und positionieren sich so als potenzielle Arbeitgeber. Bosch arbeitet beispielsweise mit der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Universität Minho zusammen.

    Migration in den Arbeitsmarkt und gleichzeitig Braindrain ins Ausland

    Die demografischen Herausforderungen in Portugal und Deutschland ähneln sich. Die Geburtenraten sind vergleichbar niedrig, die Lebenserwartung nahezu gleich hoch. Auf dem Arbeitsmarkt in Portugal herrscht jedoch mehr Dynamik, als die stagnierende Einwohnerzahl und die geringe Arbeitslosigkeit vermuten lassen.

    Einerseits sorgt Migration dafür, dass neue Arbeitskräfte auf dem portugiesischen Arbeitsmarkt aktiv werden. Insgesamt leben bereits rund 1 Million Migrantinnen und Migranten in Portugal. Sie stammen laut dem Datenportal der Wirtschaftszeitung Expansión vor allem aus den portugiesischsprachigen Ländern Angola und Brasilien. Zugewanderte arbeiten häufig im Dienstleistungssektor. Auch die Landwirtschaft setzt zunehmend auf Arbeitskräfte aus dem Ausland.

    Die hohe Lebensqualität und vergleichsweise moderate Lebenshaltungskosten machen Portugal auch für digitale Nomaden attraktiv – Fachkräfte insbesondere aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie, Marketing, Design oder Beratung, die gerne ortsunabhängig arbeiten.

    Dem Zustrom an neuen Arbeitskräften steht andererseits eine starke Abwanderung gegenüber. Insbesondere junge und gut ausgebildete Portugiesinnen und Portugiesen verlassen das Land, weil ihnen im Ausland teils deutlich höhere Gehälter geboten werden. 

    Insgesamt leben mehr als zwei Millionen portugiesische Staatsangehörige im Ausland. Die beliebtesten Auswanderungsziele waren 2024 die Schweiz, Spanien und Frankreich. Insgesamt verließen 65.000 Personen das Land. Das waren 5.000 Personen weniger als im Jahr zuvor und deutet auf eine gewisse Stabilisierung hin.

    Arbeitslosigkeit betrifft vor allem junge Menschen

    Die Arbeitslosenquote belief sich laut dem portugiesischem Statistikamt INE im Juni 2026 auf 5,3 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Die Zahl der Beschäftigten stieg auf 5,4 Millionen. Hintergrund ist die positive wirtschaftliche Entwicklung, die vor allem durch die robuste private Nachfrage und den Anstieg der Investitionen getragen wird.

    Die Betrachtung nach Altersgruppen zeigt jedoch deutliche Unterschiede. Demnach ist Arbeitslosigkeit in Portugal vor allem ein Jugendphänomen. Bei den unter 25-Jährigen liegt die Quote bei 18,3 Prozent. In der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen sind hingegen nur 3,7 Prozent als arbeitslos gemeldet. 

    Auch Teilzeitbeschäftigung und befristete Arbeitsverhältnisse sind unter jüngeren Arbeitskräften deutlich stärker verbreitet. Der Berufseinstieg ist häufig schwierig. Mit zunehmender Erfahrung finden die meisten Arbeitskräfte jedoch ihren Platz im Berufsleben, sei es im In- oder Ausland.

    Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse im internationalen Vergleich

    Portugal nimmt bei den Fremdsprachenkenntnisse im internationalen Vergleich eine Spitzenposition ein. Das gilt vor allem für Englisch. Im Ranking von Education First belegt das Land weltweit den 6. Platz bei den Englischkenntnissen von Nicht-Muttersprachlern. 

    Viele Portugiesinnen und Portugiesen sprechen zudem weitere Sprachen wie Spanisch oder Französisch. Die verbreitete Mehrsprachigkeit hat auch die Ansiedlung von Zentren für Unternehmensdienstleistungen in den vergangenen Jahren begünstigt.

    Portugal im weltweiten Vergleich

    Folgende Karte ermöglicht den Vergleich zwischen zahlreichen Ländern weltweit. Bitte beachten Sie, dass die Werte in der Karte aus international standardisierten Quellen stammen und somit ggf. von Angaben aus nationalen Quellen im Text abweichen können.

    Quelle: CIA Factbook 2024

     

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Unternehmen spüren den Fachkräftemangel immer stärker. Sie steuern mit dem Einsatz von Personalvermittlungen und internen Qualifizierungen gegen diesen Trend an.

    Der portugiesische Arbeitsmarkt entwickelt sich zunehmend zu einem kandidatengetriebenen Markt. Während Unternehmen ihre Einstellungspläne ausweiten, sinkt zugleich die Bereitschaft qualifizierter Fachkräfte zum Arbeitgeberwechsel. 

    Für Arbeitgeber gewinnen Karriereperspektiven, Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmodelle und transparente Vergütungssysteme bei der Fachkräftegewinnung und des Personalmanagements an Bedeutung.

    Unternehmen müssen ihr Recruiting optimieren

    87 Prozent der von der Personalberatung Hays befragten rund 500 Unternehmen wollen 2026 neues Personal einstellen. Gleichzeitig denken 67 Prozent der befragten Fachkräfte über einen Stellenwechsel nach. Die Differenz von 20 Prozentpunkten ist laut Hays die höchste seit Beginn der jährlichen Umfrage vor mehr als 20 Jahren. Die letzte Umfrage führte Hays im November und Dezember 2025 durch.

    "Erfolgreiche Arbeitgeber zeichnen sich heute durch attraktive Entwicklungsmöglichkeiten, flexible Arbeitsmodelle und eine starke Arbeitgebermarke aus",

    sagt Matilde Moreira, Strategic Accounts Director bei Hays Portugal. Mit der steigenden Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften verschärfe sich jedoch auch der Wettbewerb um Talente, sodass es für Unternehmen immer wichtiger sei, sich durch ein überzeugendes Arbeitgeberversprechen und eine attraktive Value Proposition zu differenzieren.

    Von den Fachkräften, die 2025 mindestens ein Jobangebot ablehnten, gaben 22 Prozent an, dass unter anderem fehlende Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten ausschlaggebend waren. Rund 15 Prozent nannten zudem einen langsamen Recruiting-Prozess als Grund.

    Mit internen Umschulungen und Personaldienstleistern gegen den Fachkräftemangel

    Arbeitgeber in Portugal begegnen den Schwierigkeiten bei der Personalsuche mit unterschiedlichen Maßnahmen. Teilweise qualifizieren sie ihre Belegschaft um oder weiter. Zudem richten Unternehmen ihre Suche stärker international aus und beauftragen vermehrt Personaldienstleister mit der Rekrutierung. 

    Es gibt zahlreiche Personalberatungsfirmen, sogenannte Consultorias de Recursos Humanos. Unternehmen, die portugiesische oder deutsche Führungs- und Fachkräfte für Aufgaben in Portugal suchen, finden auch in der Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer (AHK Portugal) eine erfahrene Anlaufstelle. Zu den Mitgliedern der AHK Portugal gehören zudem mehrere Personalvermittlungsfirmen.

    Von staatlicher Seite ist das Institut für Beschäftigung und Berufsbildung IEFP mit seinen Zentren für die Arbeitsvermittlung landesweit zuständig. Das dazugehörige Portal net empregos veröffentlicht Stellenangebote. Auch zahlreiche Unternehmen weisen auf ihren Internetseiten auf Stellenangebote hin. Die Suche über Jobportale wie Emprego ist verbreitet.

    Mehrere Anbieter veröffentlichen jährlich aktualisierte Lohn- und Gehaltsstudien. Dazu zählen unter anderem Hays, Mercer und Page Personnel. Auf Zeitarbeitsverträge spezialisierte Unternehmen sind beispielsweise Manpower Group, RHmais und Randstad Portugal.

    Künstliche Intelligenz verändert Tätigkeiten, aber weniger die Anzahl der Arbeitsplätze

    Der Trend zu generativer künstlicher Intelligenz (KI) erfasst viele Aufgaben auch in portugiesischen Unternehmen. Für Arbeitskräfte verlagern sich Tätigkeiten von Routineaufgaben hin zur kritischen Prüfung von KI-generierten Ergebnissen und der Lösung komplexer Probleme. 

    Rund 65 Prozent der von Hays befragten Unternehmen geben an, bereits KI-Anwendungen einzusetzen. 78 Prozent davon erwarten eine höhere Produktivität und Effizienz. Zudem setzen 52 Prozent auf mehr Kreativität und Ideenfindung durch KI.

    Die Unsicherheit unter den Beschäftigten nimmt jedoch zu. Die Hälfte der befragten Fachkräfte zeigt sich ziemlich oder sehr besorgt, dass KI-Anwendungen ihren Arbeitsplatz gefährden könnten. Vor einem Jahr lag dieser Wert erst bei einem Viertel.

    Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und niedrige Gehälter 

    Für Unzufriedenheit unter den Beschäftigten sorgen vor allem fehlende Entwicklungsmöglichkeiten. Die Höhe der Gehälter und Leistungsprämien wird an zweiter Stelle genannt. Beim Thema mentale Gesundheit beklagen Beschäftigte am häufigsten ein allgemein hohes Stressniveau, geringe Unterstützung durch das Unternehmen sowie zu viele Arbeitsstunden.

    Eine berufliche Veränderung vollzogen 44 Prozent der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten. Dazu gehörten ein Arbeitgeberwechsel oder ein Wechsel innerhalb des Unternehmens. Gleichzeitig lehnten 52 Prozent im Jahr 2025 mindestens ein Jobangebot ab. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 45 Prozent gelegen.

    Unternehmen können die bekannten Schwachstellen des Arbeitsmarktes jedoch gezielt adressieren. Wer Entwicklungsperspektiven aufzeigt und Leistung honoriert, kann sich positiv von Wettbewerbern abheben. Investitionen in Aus-, Fort- und Weiterbildung wirken sich positiv auf Engagement, Loyalität, Leistungsbereitschaft und Produktivität der Beschäftigten aus.

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Löhne und Gehälter in Portugal zogen 2025 deutlich an. Die meisten Unternehmen wollen die Vergütungen 2026 um bis zu 5 Prozent anheben.

    Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gingen die Löhne 2025 deutlich nach oben. Der durchschnittliche Monatslohn stieg gegenüber dem Vorjahr nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation um 7,8 Prozent auf 1.262 Euro.

    Für 2026 geben 64 Prozent der rund 500 von der Personalberatung Hays befragten Unternehmen in Portugal an, die Gehälter um maximal 5 Prozent anheben zu wollen. Weitere 24 Prozent stellen sich auf höhere Steigerungen ein. Nur 10 Prozent rechnen nicht mit Gehaltserhöhungen.

    Die gesamten Arbeitskosten in Portugal bleiben im europäischen Vergleich niedrig. Eine Arbeitsstunde kostete 2025 einschließlich Sozialabgaben laut Eurostat durchschnittlich 19,40 Euro. Im Nachbarland Spanien waren es 26,40 Euro, in Deutschland 45 Euro. Der EU-Durchschnitt lag im selben Jahr bei 34,90 Euro. 

    Höhere Gehälter in Lissabon und Porto

    In den beiden größten Städten Portugals, Lissabon und Porto, erhalten Arbeitskräfte meist höhere Gehälter als in den anderen Landesteilen. Die Großräume beider Städte bilden die wirtschaftlichen Zentren des Landes. Den regionalen Spitzengehältern stehen allerdings entsprechende Lebenshaltungskosten gegenüber. Das gilt insbesondere für das Wohnen. 

    Für Arbeitgeber sind die Großräume Lissabon und Porto auch wegen der Bildungs- und Forschungsinfrastruktur sowie der Vernetzung mit anderen Unternehmen interessant. Zudem steht dort ein großer Pool potenzieller Arbeitskräfte zur Verfügung.

    Manche Unternehmen siedeln sich jedoch im Umland der großen Städte an und profitieren so von günstigeren Kosten. Einige Business Service Centres haben kleinere Universitätsstädte als Standorte gewählt. Dort können sie Personal rekrutieren und von geringeren Kosten profitieren. Sind Tätigkeiten für mobiles Arbeiten geeignet, können auch günstigere Standorte in der zweiten Reihe eine Alternative sein.

    Mindestlohn steigt 2026 um 6 Prozent

    Der Mindestlohn wird in Portugal schwerpunktmäßig im Hotel- und Gaststättengewerbe gezahlt. Er beträgt 2026 monatlich 920 Euro bei 14 vorgeschriebenen Monatszahlungen. Auf zwölf Monatszahlungen umgerechnet entspricht das 1.073 Euro pro Monat.

    Gegenüber 2025 wurde diese Untergrenze um 5,7 Prozent angehoben. Die beiden monatlichen Zusatzgehälter werden in der Regel im Juli oder August als Urlaubsgeld sowie im Dezember als Weihnachtsgeld ausgezahlt.

    Die nachfolgenden Gehaltsstatistiken der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) können von Auswertungen des portugiesischen Statistikamtes INE abweichen. INE errechnet für 2025 eine durchschnittliche Grundvergütung im 4. Quartal 2025 von 1.282 Euro monatlich. Dieser Wert liegt nahe am ILO-Wert.

    INE veröffentlicht zudem monatliche Durchschnittsverdienste, die weitere Gehaltsbestandteile wie Boni, Essens- oder Transportkostenzuschüsse sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld umfassen. Dieser Wert lag 2025 bei monatlich 1.694 Euro.

     

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Branchen In Euro
    Branche

    2024 

    Veränderung 2024/2023

    Durchschnittslohn

    1.171,4

    10,6

    Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

    933,8

    7,0

    Verarbeitendes Gewerbe

    1.112,2

    13,1

    Energiewirtschaft

    1.602,7

    4,2

    Wasserversorgung, Abfallwirtschaft

    1.110,9

    8,5

    Baugewerbe

    1.096,9

    10,2

    Groß- und Einzelhandel, Reparatur von Kfz

    1.053,1

    9,7

    Transport und Lagerung

    1.377,3

    12,6

    Gastgewerbe, Beherbergung und Gastronomie

    916,6

    8,8

    Informations- und Kommunikationsdienstleistungen

    1.682,8

    12,0

    Finanz- und Versicherungswesen

    1.567,1

    4,6

    Quelle: ILO 2025

    In den Bereichen Energiewirtschaft und Finanzwesen zahlten portugiesische Unternehmen laut den neuesten verfügbaren Daten 2025 die höchsten Gehälter. Hotellerie und Gastronomie bildeten das Schlusslicht. Führungskräfte erzielten gut die Hälfte mehr als den Durchschnittslohn und etwa das Zweieinhalbfache des Einkommens von Hilfskräften.

    Durchschnittliche Monatslöhne für ausgewählte Positionen In Euro
    Position

    2024

    Veränderung 2024/2023

    Durchschnittslohn

    1.171

    10,6

    Führungskraft

    1.827

    9,8

    Personal mit akademischer Ausbildung

    1.596

    10,2

    Techniker:in

    1.238

    9,7

    Unterstützende Bürokraft

    992

    9,0

    Dienstleistungs- und Verkaufskraft

    910

    9,2

    Fachkraft in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft

    868

    9,7

    Handwerker:in

    996

    10,0

    Anlagen- und Maschinenbediener:in, Montagekraft

    1.028

    7,8

    Hilfskraft

    728

    6,6

    Quelle: ILO 2025

    Weitere Lohnbestandteile

    In Arbeitsverträgen nimmt die Aufteilung in eine Basisvergütung und eine erfolgsabhängige Komponente zu. Von den rund 1.400 von der Personalberatung Hays befragten Fachkräften erhalten 57 Prozent einen Bonus.

    Wer eine variable Vergütung erhält, bekommt sie meist für gute Unternehmensergebnisse (33 Prozent der Befragten), für persönliche Leistungen und Zielerreichung (26 Prozent) oder für die Arbeit im Team beziehungsweise in der Abteilung (21 Prozent). Diese drei Varianten sind am weitesten verbreitet.

    Zusätzliche Leistungen sind auch in Portugal ein wirksames Mittel zur Bindung von Beschäftigten. Weit verbreitet ist eine private Krankenzusatzversicherung. Sie deckt die Kosten von Krankenhausaufenthalten, Geburten, Arzneimitteln, Zahnarztbehandlungen, Brillen oder Prothesen ab (Plano Médico). Nach der Hays-Umfrage bieten 76 Prozent der Unternehmen diese Leistung an.

    Rund die Hälfte der Unternehmen gewährt zusätzliche Urlaubstage über die vorgeschriebenen 22 Tage hinaus. Weitere typische Leistungen sind privat nutzbare Firmenhandys, die 52 Prozent der befragten Unternehmen anbieten, privat nutzbare Dienstlaptops (52 Prozent) sowie Firmenwagen oder Mobilitätszuschüsse (44 Prozent).

    Sozialversicherungsbeiträge 

    Die anteiligen Sozialversicherungsbeiträge sind seit einigen Jahren unverändert. Zur Anwendung kommt ein Einheitssatz, die sogenannte "taxa única" in Höhe von 34,75 Prozent auf den Bruttomonatslohn. Der Arbeitgeberanteil beläuft sich auf 23,75 Prozent. In diesem Satz sind unter anderem Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, aber auch der Sozialversicherungsschutz bei Elternschaft eingeschlossen. Der Arbeitnehmer entrichtet einen Anteil von 11 Prozent.

    Die Arbeitsunfallversicherung trägt allein der Arbeitgeber. Sie muss bei einer privaten Versicherungsgesellschaft abgeschlossen werden. Die Höhe der Versicherungsprämie hängt insbesondere vom jeweiligen Berufsrisiko und von der ausgeübten Tätigkeit ab.

    Sozialbeiträge 2025In Prozent der Bemessungsgrundlage
    Einheitlicher Satz zur Sozialversicherung (Arbeitgeberanteil)

    23,75

    Einheitlicher Satz zur Sozialversicherung (Arbeitnehmeranteil)

    11,0

    Gesamter Beitragssatz "taxa única"

    34,75

    Quelle: Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer 2025

    Von Friedrich Henle | Madrid

  • Das Arbeitsrecht unterscheidet bei befristeten Verträgen zwischen zeitlich bestimmten und zeitlich unbestimmten. Kündigungen sind an strenge Formvorschriften gebunden.

    Die folgenden Angaben stellen eine Erstinformation zu den rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rechtspraxis dar. Germany Trade & Invest bietet keine weiterführende Rechtsberatung hinsichtlich der Ausgestaltung von Arbeitsverträgen oder arbeitsrechtlicher Einzelfälle an.

    Gesetzliche Regelungen auf einen Blick
    Vergütung: freie Vereinbarung möglich
    Mindestlohn: 870 Euro bei 14 Monatszahlungen, 1.015 Euro bezogen auf 12 Monate
    Arbeitsstunden pro Woche: 39/40
    Regelarbeitstage pro Woche: Montag bis Freitag
    Zulässige Überstunden: 2 pro Tag
    Bezahlte Feiertage: 14
    Bezahlte Urlaubstage: 22
    Sonderzahlungen pro Jahr in Monatslöhnen (13. und/oder 14. Gehalt): Urlaubs- und Weihnachtsgeld in Höhe je eines Monatsgehalts
    Tage mit bezahltem Arbeitsausfall: (von der Sozialversicherung bezahlt) maximal 3 Jahre
    Tage mit Lohnfortzahlung bei Krankheit: keine *)
    Probezeit: abhängig von der Position 
    Quelle: AHK Portugal 2025

     

    *) Ab dem vierten Tag hat der Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf Krankengeld von der Sozialversicherung; die Sozialversicherung zahlt gestaffelt nach Dauer der Arbeitsunfähigkeit folgende Prozentsätze des Lohns als Krankengeld: bis 30 Tage: 55 Prozent; zwischen 31 und 90 Tagen: 60 Prozent; zwischen 91 und 365 Tagen: 70 Prozent; über 365 Tage: 75 Prozent. Gesetzlich besteht für die ersten drei Krankheitstage grundsätzlich weder ein Anspruch auf Arbeitsentgelt gegenüber dem Arbeitgeber noch auf Krankengeld von der Sozialversicherung. Zahlt der Arbeitgeber während dieser ersten drei Krankheitstage dennoch das Arbeitsentgelt weiter, handelt es sich grundsätzlich um eine freiwillige bzw. zusätzlich vereinbarte Leistung zugunsten des Arbeitnehmers.

    Ein Essenszuschuss kann durch Tarifverträge, Arbeitsverträge oder betriebliche Regelungen vorgesehen sein. Viele Arbeitgeber zahlen einen solchen Zuschuss auch freiwillig, da er bis zu einer bestimmten Höhe steuer- und sozialabgabenfrei sein kann.

    Rechtsgrundlagen

    Die Basis des Arbeitsrechts ist der Código do Trabalho (Arbeitsgesetzbuch), wie er am 17. Februar 2009 in seiner Neufassung in Kraft trat. Er fußt auf dem tiefgreifenden Reformwerk vom 1. Dezember 2003 mit entsprechenden Änderungen und Anpassungen.

    Der rechtliche Rahmen für den Sozialschutz bei eventueller Arbeitslosigkeit für Arbeitnehmer ist im Gesetzesdekret Nr. 220/2006 vom 3. November festgelegt. Das Arbeitslosengeld ist eine Geldzahlung, die von der Sozialversicherung an Arbeitnehmer gezahlt wird, die unfreiwillig ihren Arbeitsplatz verloren haben, und soll den Einkommensausfall ausgleichen.

    Die Höhe des Arbeitslosengeldes richtet sich nach dem Einkommen des Arbeitnehmers und entspricht 65 Prozent des Referenzentgelts, wobei es Mindest- und Höchstgrenzen gibt. Die Anspruchsdauer richtet sich nach dem Alter des Leistungsempfängers und der Anzahl der Monate, in denen seit der letzten Arbeitslosigkeit Sozialversicherungsbeiträge geleistet wurden.

    Vertragsabschluss 

    Der schriftliche Vertragsabschluss ist üblich. Bei einem normalen, unbefristeten Arbeitsverhältnis hat der Arbeitnehmer Anspruch auf eine schriftliche Fixierung der wesentlichen Vertragsbedingungen. Befristete Arbeitsverträge müssen in jedem Fall schriftlich geschlossen werden. Wird ein befristeter Arbeitsvertrag nicht unter Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Form abgeschlossen, kann dies zur rechtlichen Einordnung des Arbeitsverhältnisses als unbefristetes Arbeitsverhältnis führen.

    Das portugiesische Arbeitsrecht unterscheidet zwischen zwei Arten von befristeten Verträgen, zeitlich bestimmte (Datum des Beginns und der Beendigung sind genau geregelt) und zeitlich unbestimmte (das Ende ist an ein Ereignis geknüpft, beispielsweise Beendigung eines Projekts).

    Die maximale Dauer von befristeten Arbeitsverträgen beträgt inklusive Verlängerungen zwei Jahre. Der Vertrag darf bis zu dreimal verlängert werden, wobei die Gesamtdauer der Verlängerungen die Dauer der ersten Vertragslaufzeit nicht überschreiten darf. Die maximale Laufzeit des zeitlich unbestimmten, befristeten Arbeitsvertrags beträgt vier Jahre.

    Rechte und Pflichten der Vertragsparteien

    In den Arbeitsverträgen werden die Hauptpflichten beider Parteien festgehalten. Die Parteien müssen weiter Neben- und Fürsorgepflichten beachten. So hat der Arbeitgeber beispielsweise eine Fürsorgepflicht in Bezug auf den Gesundheitsschutz des Mitarbeiters an seinem Arbeitsplatz. Vom Arbeitnehmer dagegen wird ein pfleglicher Umgang mit den zu bearbeitenden Materialien und den eingesetzten Maschinen erwartet, sowie Kollegialität gegenüber den anderen Mitarbeitern.

    Der Arbeitgeber muss Gewerkschaften in seinem Betrieb zulassen. Die Gründung von Betriebsräten ist von der jeweiligen Mitarbeiterzahl des Unternehmens abhängig. Bestimmte Formen der Mitbestimmung und Arbeitnehmervertretung durch Betriebsräte sind erlaubt. Die Arbeitnehmervertretung verfügt in Portugal über gesetzlich festgelegte Beteiligungs- und Informationsrechte; ein dem deutschen Betriebsverfassungsrecht vergleichbares allgemeines Mitbestimmungsrecht besteht jedoch nicht.

    Arbeitnehmer haben grundsätzlich Anspruch auf mindestens 40 Stunden berufliche Weiterbildung pro Jahr. Der Arbeitgeber muss die entsprechende berufliche Weiterbildung gewährleisten.

    Vertragsbeendigung 

    Eine mit der deutschen ordentlichen Kündigung vergleichbare freie Kündigung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber gegen Einhaltung einer Kündigungsfrist gibt es im portugiesischen Arbeitsrecht nicht. Die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses durch den Arbeitgeber ist vielmehr nur in den gesetzlich vorgesehenen Fällen und unter Einhaltung der jeweiligen Voraussetzungen und Formvorschriften zulässig.

    Zu den wichtigsten Formen der Beendigung durch den Arbeitgeber gehören insbesondere die Kündigung aus disziplinarischen Gründen ("despedimento por facto imputável ao trabalhador"), die kollektive Kündigung, die Kündigung wegen Wegfalls des Arbeitsplatzes ("despedimento por extinção do posto de trabalho") und die Kündigung wegen mangelnder Anpassung an den Arbeitsplatz ("despedimento por inadaptação").

    In allen Fällen sind die gesetzlich vorgesehenen materiellen Voraussetzungen und strengen Verfahrens- und Formvorschriften zu beachten. Bei rechtswidriger Kündigung kann der Arbeitnehmer die Kündigung gerichtlich anfechten. Aus diesem Grund werden in der Praxis häufig einvernehmliche Lösungen bevorzugt.

    Die gesetzliche Abfindung beziehungsweise Entschädigung richtet sich nach der jeweiligen Form der Vertragsbeendigung und insbesondere nach der Art und dem Zeitpunkt des Abschlusses des Arbeitsvertrags. Im Regelfall beträgt die gesetzliche Entschädigung 14 Tage der Grundvergütung und der Dienstalterszulagen pro vollständigem Beschäftigungsjahr. Die Regelungen unterscheiden sich jedoch je nach Beendigungsgrund und können bei älteren Arbeitsverträgen Übergangsregelungen vorsehen.

    Eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsvertrags führt nicht automatisch zum Verlust des Anspruchs auf Arbeitslosengeld. Ein Anspruch kann insbesondere dann bestehen, wenn die Voraussetzungen für die Anerkennung als unfreiwillige Arbeitslosigkeit nach dem Gesetz erfüllt sind. Dies betrifft unter anderem bestimmte Vereinbarungen im Rahmen eines Personalabbaus aufgrund von Umstrukturierung, Sanierung oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Unternehmens sowie bestimmte gesetzlich vorgesehene Vereinbarungen zur Stärkung der Qualifikation und technischen Leistungsfähigkeit des Unternehmens.

    Von Caroline Cöster Domingues (AHK Portugal) | Lissabon

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    Bezeichnung

    Anmerkungen

    AHK PortugalDeutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer
    Ministério do Trabalho, Solidariedade e Segurança SocialMinisterium für Arbeit, Solidarität und Soziale Sicherheit
    Ministério da EconomiaMinisterium für Wirtschaft
    Instituto do Emprego e Formação ProfissionalStaatliche Arbeitsagentur
    HAYS Portugal Personaldienstleister
    ManpowerGroup PortugalPersonaldienstleister
    Mercer PortugalPersonaldienstleister 
    AdeccoPersonaldienstleister 
    Michael PagePersonaldienstleister