Kaufkraft und Konsum | Rumänien
Inflation schmälert reale Einkommen
Die Energiekrise und Störungen in den Lieferketten treiben in Rumänien die Preise in die Höhe. Die realen Einkommen werden 2022 voraussichtlich zurückgehen.
31.03.2022
Kaufkraft: Risiko einer zweistelligen Teuerungsrate bleibt
In diesem Jahr werden die realen Haushaltseinkommen der Rumänen voraussichtlich sinken. Dies liegt daran, dass Unternehmen wegen steigender Energieausgaben Gehaltserhöhungen aufschieben. Zudem steigen die Preise an der Zapfsäule und im Einzelhandel generell deutlich an. Der Anstieg bei den Monatsgehältern wird 2022 voraussichtlich nicht mehr den Vorjahreswert von durchschnittlich 8,6 Prozent erreichen. "Wir erwarten Gehaltssteigerungen von 6 Prozent", sagte Eugen Anicescu, Country Manager von Coface Romania am 9. März 2022.
Aktuell beschleunigt ein hoher Öl- und Gaspreis aufgrund des Ukrainekriegs die Teuerung. Damit wird der Druck größer, die Preise für Endverbraucher entsprechend anzupassen. "Das Risiko, dass wir in diesem Jahr eine zweistellige Inflationsrate bekommen werden, ist sehr hoch", sagte Dan Suciu, Sprecher der rumänischen Nationalbank. Er rechnet mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum im Land, da der Konsum den größten Anteil zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt.
Indikator | Jahr 2021 |
|---|---|
Verfügbares Einkommen (pro Kopf) pro Monat in Euro | 7.453 |
Sparquote (% vom verfügbaren Einkommen) | -3.7 |
Verbraucherpreise (Veränderung zum Vorjahr in %) | 6,1 |
Devisenkurs Rumänische Lei / Euro (Jahresdurchschnitt) | 4,94 |
Einwohner (in Mio.) | 19,2 |
Energie ist größter Inflationstreiber
Bereits im Herbst 2021 wurde Energie teurer. Dies wirkte sich auch auf die Preise für Lebensmittel aus, die im Januar 2022 durchschnittlich um mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr anstiegen, berichtet das rumänische Statistikamt INS. Die Rumänen geben knapp ein Viertel ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel aus.
Hohe Lebensmittel- und Energiepreise steigern das Armutsrisiko, besonders in den strukturschwachen Regionen. Verbraucher dürften sich 2022 mit größeren Konsumausgaben zurückhalten. Die Nationale Strategie- und Prognosekommission, ein Gremium, das die Regierung in Wirtschaftsfragen berät, rechnet beim privaten Konsum für 2022 mit einem Wachstumsrückgang auf 3,6 Prozent.
Kaufkraft ist regional unterschiedlich
Viele internationale Unternehmen im Land haben ihren Firmensitz in Bukarest. Die meisten ausländischen Investitionen fließen dorthin. Entsprechend ist die Kaufkraft in der Hauptstadt bis zu zweieinhalbmal so hoch wie in ländlichen Regionen. Die geringste Kaufkraft weisen strukturschwache Regionen auf, wie Moldau im Nordosten oder Oltenia im Süden des Landes. Dort fehlen leistungsfähige Verkehrsanbindungen zu den wirtschaftlichen Zentren Bukarest, Cluj-Napoca und Timisioara.
Konsumausgaben: Supermarktketten setzen auf Essen zum Mitnehmen
In den wirtschaftlichen Zentren Rumäniens gibt es ein großes Angebot an Einkaufs- und Vergnügungszentren, die während der Coronakrise mit Einschränkungen geöffnet waren. Seit dem 9. März 2022 dürfen Läden, Restaurants, Bars und Clubs wieder ohne Einschränkungen öffnen. Sehr beliebt sind Bekleidungs- und Schuhgeschäfte sowie Vergnügungsangebote und Schnellrestaurants. Das meiste Geld geben die Menschen für Lebensmittel aus. Der zweitgrößte Posten sind Ausgaben für Fahrzeuge, Kfz-Teile und Reparaturdienstleistungen.
Alle großen Supermarktketten betreiben mittlerweile auch in kleineren Städten Filialen. Auf dem Land kaufen viele Verbraucher noch in kleinen, eigenständig geführten Läden und auf Wochenmärkten ein. Einige Handelsketten setzen auf Speisen zum Mitnehmen. Beispielsweise will die französische Kette Auchan ihre Verkaufsbereiche in Tankstellen weiter ausbauen. Unterwegs ist die Nachfrage nach verzehrfertigen Lebensmitteln besonders groß.
Ausgaben pro Jahr pro Kopf in Mio. Euro | Anteil (in %) | |
|---|---|---|
Nahrungsmittel | 34.859,5 | 24 |
Kleidung und Schuhe | 9.747,5 | 7 |
Wohnraum, Energie und Wasser | 26.359,8 | 18 |
Möbel, Haushaltsgeräte | 1.953,3 | 1 |
Medizinische Versorgung | 4.779,3 | 3 |
Verkehr | 17.762 | 12 |
Telekommunikation | 749,6 | 1 |
Kultur, Freizeit | 9.784,4 | 7 |
Bildung | 1.666,7 | 1 |
Gastronomie, Hotels | 6.611,8 | 5 |
Sonstige Konsumausgaben | 31.283,1 | 21 |
Gesamt | 145.557 | 100 |
Konsumverhalten: Rumänen kaufen häufiger online ein
Die steigenden Preise lassen die rumänischen Verbraucher bei Einkäufen stärker auf Angebote schauen. Im Lebensmitteleinzelhandel verschärft sich der Wettbewerb um Kunden und Marktanteile. Das Marktforschungsinstitut Nielsen beobachtete, dass der Anteil der Einnahmen aus Werbeaktionen am Gesamtumsatz im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel gestiegen war.
Der Onlinemarkt in Rumänien könnte bis 2025 um etwa 10 Prozent wachsen, berichtet die Beratungsgesellschaft für Onlinehandel ecommerceDB. Derzeit nutzen etwa 9 Millionen Rumänien Onlineshopping-Portale. Die meisten Konsumenten informieren sich bei den Onlinehändlern über die Produkte, bevor sie etwas kaufen. Rund ein Drittel der Kunden verfügt über höhere Einkommen. Die meisten von ihnen kommen aus den größeren Städten. Der Branchenanalyst ecommerceDB zählte die meisten Suchanfragen für Bekleidung, Schuhe und Lebensmittel.
Etwa die Hälfte der online getätigten Einkäufe holen die Kunden selbst im Laden ab. Für Paketlieferungen engagieren die Onlinehändler einen der sechs Kurierdienste, die in Rumänien tätig sind. Die drei Versanddienstleister mit den größten Marktanteilen im Onlinegeschäft sind Fan Courier, Urgent Cargus und GLS.
Online bezahlen die meisten Kunden pr Banküberweisung oder Kreditkarte. Egal, ob Schuhgeschäft, Möbelhaus oder Händler mit Elektrogeräten: Die meisten Geschäfte bieten ihren Kunden die Möglichkeit einer Ratenzahlung an.
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