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Podcast

Folge 14: Klimaschutz in der Industrie

- Januar 2024 -

Wie Industriebetriebe weltweit "grüner" werden.

Die Industrie ist ein Hauptverursacher der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Darum ist sie ein ganz wichtiger Faktor beim Klimaschutz. Besonders die Sektoren Stahl, Zement und Chemie müssen „grüner“ werden.
Was Unternehmen bereits weltweit in Sachen Klimaschutz tun, wo es Unterstützung und Fördergelder für deutsche Unternehmen gibt und wieso gerade Spanien den Wandel als Chance für sich erkannt hat, all das diskutieren wir in dieser Podcast-Folge von Weltmarkt.

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Gäste in dieser Folge

Marcus Knupp Marcus Knupp | © GTAI/Studio Prokopy

Dr. Marcus Knupp

berichtet seit 2003 für Germany Trade & Invest (GTAI) über Auslandsmärkte. Auslandseinsätze führten den Volkswirt unter anderem länger in die Türkei, nach Frankreich und ins südliche Afrika. In den vergangenen zwei Jahren stand das Thema Klimaschutz im Mittelpunkt seiner Arbeit. Zusammen mit erfahrenen GTAI-Korrespondentinnen und -Korrespondenten weltweit erstellte der Klimaschutzexperte 2023 bereits zum zweiten Mal den Klimaschutzatlas, über den er in dieser Podcast-Folge berichtet.  

 

Portrait Thomas Stehr Portrait Thomas Stehr | © Thomas Stehr

Thomas Stehr 

lebt seit 30 Jahren in Spanien und ist selbstständiger Unternehmensvertreter für den Markt Spanien und Portugal. Sein Kernbereich sind Wasserstoffgasspeicher, seine Kunden sind die iberischen Energieproduzenten. Als Mitglied der Deutschen Handelskammer für Spanien und Portugal sowie der nationalen Wasserstoffgesellschaften beider Länder ist der Maschinenbauingenieur ein Kenner der dortigen Klimaschutz-Offensiven.

E-Mail: thomas@stehr.es, Telefon: +34 646 700 130 

 

 

 

Weiterführende Informationen

GTAI-Sonderseite zur Dekarbonisierung der Wirtschaft

GTAI-Klimaschutzatlas

Länderseite Spanien

Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien

GTAI-Newsletter zum Thema Klimaschutz

 

Transkript der Folge 

Das folgende Transkript wurde zum Zwecke der Barrierefreiheit mit einer Spracherkennungssoftware erstellt und danach auf offensichtliche Fehler hin korrigiert. Es entspricht nicht unseren Ansprüchen an ein vollständig redigiertes Interview. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Alle wollen Klimaschutz, das ist internationaler Konsens. Nur wer wann wieviel dazu beiträgt, darüber streiten die Nationen, zuletzt auf dem Weltklimagipfel in Dubai. 

Ein entscheidender Player in diesem globalen Unterfangen ist die Industrie. Sie verursacht ein Viertel der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Besonders Stahl, Zement, Chemie – diese Sektoren sind für einen Großteil der Emissionen verantwortlich. Sie sollen grün werden, forderte Bundeskanzler Olaf Scholz in Dubai. Und kündigte gleichzeitig an, was Deutschland selbst leisten will – und das nicht allein. 

Zitat: Bundeskanzler Olaf Scholz

Und EU-Kommisionspräsidentin Von der Leyen verspricht Gelder aus Brüssel: 

“Wir machen 2,3 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt in den nächsten zwei Jahren frei, um die Energiewende in unserer Nachbarschaft und rund um den Globus zu unterstützen".

Die Industrie könnte ein echter Gamechanger werden – beziehungsweise ohne ihren Beitrag wird es nichts mit der Energiewende und letztlich mit dem Klimaschutz. 

Wie die Länder beim Klimaschutz vorankommen, was sie den Unternehmen vorschreiben und wo Deutschland hier steht, dass erläutert uns unser erster Gast heute, der Klima-Experte Marcus Knupp von Germany Trade & Invest. Er wird uns auch den Klimaschutzatlas erläutern, an dem er mitgearbeitet hat. Später schauen wir dann nach Spanien, eines der Länder, die früh die Chancen für sich in dieser Transformation erkannt haben. Und sprechen darüber mit dem selbständigen Berater Matthias Stehr – der sich auf erneuerbare Energien spezialisiert hat.  ...

Stehr: „Spanien möchte sich als klimabewusstes Land verstehen und gleichzeitig sich zu einem bedeutenden Wasserstoffproduzenten für Mitteleuropa verwandeln.“ 

Jetzt aber erst mal Herr Knupp. Können Sie uns kurz etwas über sich und Ihre Arbeit sagen?  

Marcus Knupp: Mein Name ist Marcus Knupp. Ich arbeite bei GTAI im Bereich Afrika/Nahost und bin dort in Exportförderung tätig, habe aber seit 2022 als Projektleiter bei uns den Themenschwerpunkt Klimaschutz betreut.

Welche Möglichkeiten hat die Industrie denn, um schädliche Emissionen zu verringern?

Ich kann es ganz grob in drei Bereiche aufteilen. Also zunächst mal ist da die Energieversorgung. Industrie braucht viel Energie. Da kann man natürlich ansetzen bei der Energie selbst. Das heißt fossile Energieträger ersetzen durch erneuerbare Energien, durch Einsatz von Elektrizität. Damit eben gleich an der Quelle der Energieerzeugung die Treibhausgasemissionen senken. Und zum anderen vor allem in der Industrie selbst, bei den bei der ganzen Prozesskette von der Herstellung, Transport, Logistik usw, nämlich indem man die Energieeffizienz erhöht und damit eben auch Emissionen gar nicht entstehen lässt. Zweiter Ansatzpunkt wären die industriellen Prozesse selbst. Denn gerade in den genannten Branchen wie Stahl oder Zementherstellung entstehen viele der Emissionen durch den Prozess selbst.

Haben Sie ein Beispiel?

Beispiel Stahlindustrie Wenn Sie einen Hochofen sich vorstellen, da wird mithilfe von Kokskohle Eisenerz zu Roheisen verarbeitet. Konkret wird dem Eisenerz Sauerstoff entzogen, der dann zusammen mit dem Kohlenstoff aus der Kokskohle als CO2 entweicht. 

Sie können die Kokskohle in einem anderen Prozess durch Wasserstoff ersetzen, wenn der Wasserstoff benutzt wird, um das Eisenerz zu Roheisen zu verarbeiten, das heißt ihm den Sauerstoff zu entziehen. Dann haben sie Wasserstoff und Sauerstoff. Kennen wir alle als H2O. Dann kommt Wasser raus.

Und eine andere Strategie wäre, Alternativen zu nutzen. Wenn man jetzt mal was praktisch zu machen mehr mit Holz baut als mit Beton, dann braucht man weniger Zement und dann entsteht auch Gehen auch die Emissionen bei der Zementherstellung nicht in dem Maße. Dann entfällt der ganze Bereich Bergbau, Verarbeitung, Transport, der auch sehr emissionsintensiv sein kann.

Der dritte Ansatz wäre, Rohstoffe entweder weniger Rohstoffe einzusetzen, zum Beispiel wenn dadurch sparsamere Verfahren oder durch Recycling Kreislaufwirtschaft, dass man Rohstoffe wieder nutzt.

Was genau ist der Klimaschutzatlas, und was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse nach der Arbeit daran?

Wir haben uns relativ ausführlich mit dem Umsteuern als solches in der gesamten Klimaschutzentwicklung beschäftigt, in dem wir im letzten Jahr einen Klimaschutzatlas aufgelegt haben, der über 30 Länder im Detail betrachtet, was dort der Stand der Dinge ist, was die Ziele sind, die man sich gesetzt hat, mit welchen Programmen, die umgesetzt werden sollen, was konkret vielleicht schon an Investitionsmitteln bereitgestellt ist, welche Gesetze es gibt und auf der anderen Seite, wie die Entwicklung in den wichtigen Branchen, also Energie, Verkehr, Industrie, Landwirtschaft, Gebäudesektor bisher aussieht.

Das Interessante ist, dass es einerseits sehr viele verschiedene Strategien gibt, das heißt ganz konkrete Programme etwa wo genau festgelegt wird, welche Branche bis zu welchem Zeitpunkt wie viel Prozent Emissionen reduzieren soll. Das ist in der Form zum Beispiel in Frankreich zu sehen oder auch in Japan. Dann gibt es einfach generelle Vorgaben, die aber schon recht ambitioniert sind, die mit viel Geld unterlegt werden. Das kennen wir alle. Das bekannteste Beispiel ist der Inflation Reduction Act der USA. Da steht einfach viel Geld zur Verfügung und damit kann man erst mal loslegen.

Und dann gibt es Länder, die halten sich da sehr zurück. Die bleiben sehr schwammig in ihren Zielen, weil sie entweder andere Schwerpunkte, Prioritäten haben, so wie Indien oder Indonesien, die sagen, sie wollen erstmal Industrialisierung und dann schauen sie weiter. Oder weil es die Politik eben nicht als Schwerpunkt ansieht, wie in Polen um ein europäisches Land nehmen. 

Das Interessante ist, dass die Industrieunternehmen selbst weltweit sehr ähnliche Strategien verfolgen. Das heißt, wenn Sie sich die Stahlindustrie angucken, dann ist das sowohl in Deutschland als auch in China oder Japan oder auch in Indien oder in. Anderen europäischen Ländern das gleiche, dass man davon spricht, dieses eben erwähnte direkt Reduktionsverfahren mit Wasserstoff einzuführen.

Das ist mein Stichwort - Wasserstoff.  Alle reden davon. Nur ist gerade der umweltfreundliche grüne Wasserstoff so schnell in den benötigten Mengen kaum zu bekommen. Und die Umrüstung der Industrie ist keineswegs leicht umsetzbar.

Ja, da sind natürlich einige Hürden. Genau. Es ist. Es kostet Geld. Es ist erst mal eine Rieseninvestition, wenn man ein Stahlwerk umrüstet. Zum zweiten muss man natürlich Zugang haben zu dieser Technologie und zum Dritten Zugang zum Wasserstoff, den man dafür braucht. Das sind gleich mehrere Hürden, die zu überwinden sind. [21.6s]

Was nicht einfach ist. Vieles ist also noch Zukunftsmusik. Wo gibt es denn erste konkrete Ansätze? 

Die Industrie selbst hat an mehreren Standorten begonnen, damit die diese Umrüstung vorzunehmen, zum Beispiel in Deutschland. Es wird ThyssenKrupp dabei, einen seiner vier Hochöfen am Standort Duisburg umzurüsten. Das soll 2027 produktionsfähig sein. Auf der anderen Seite ist natürlich die Frage Woher kommt der Wasserstoff? Auch auf der Seite muss natürlich bis dahin die entsprechende Infrastruktur aufgebaut sein. Etwas fließen. An anderen Standorten wie beispielsweise in China, hat man auch schon begonnen. Da gibt es ein Unternehmen Baosteel  zum Beispiel. Die haben an einem Standort 2022 mit dem Umbau begonnen. Auch in Japan hat Kobe Steel mit derlei Investitionen angefangen. Das heißt, an verschiedenen Orten der Welt bewegt sich was, . Bisher gibt es Pilotanlagen, die natürlich in kleinerem Umfang zeigen, dass das funktioniert. Aber wenn man jetzt die Produktion selbst umstellen will, dann muss man natürlich ganz andere Investitionen stemmen. Das geht, denke ich, an den meisten Standorten nicht. Bisher nicht ohne Unterstützung.

Im Vorgespräch erwähnten Sie aber, dass es durchaus einen Markt für grünen Stahl gibt. Warum das?

Dadurch, dass es weltweite Anstrengungen zur Dekarbonisierung, das heißt so kohlenstoffarmen oder freien Produktion gibt, sind auch die Nachfrager interessiert an CO2 neutral produzierten Vorprodukte wie Stahl. Das heißt, auch die Automobilindustrie muss ja dekarbonisieren, das heißt, die brauchen klimaneutral produzierten Stahl und fragen den entsprechend nach.

Wo bieten sich Chancen für deutschen Unternehmen bei diesem Technologie-Wandel? 

Man braucht Messgeräte, man braucht Steuergeräte, man muss das Ganze durch in den Prozess integrieren, in die Anlagen. Man braucht entsprechend angepasste oder ganz andere Industrieanlagen. Dass unsere Maschinen und Anlagenbau gefragt und also an diesen Punkten, die praktisch an verschiedenen Stellen im Prozess angreifen, können wir durchaus ins Geschäft kommen.

Wie und wo konkret? 

In Südafrika gibt es ein Unternehmen, das heißt, dass es groß geworden mit der Kohle Verflüssigung und ist auch heute noch aktiv auf Basis von Kohle und Gas. Synthetische Kraftstoffe herzustellen ist der größte Einzel-Emittent von Treibhausgasen in Südafrika und plant zusammen mit einem deutschen Energieunternehmen Network und dem Technologieanbieter Linde eine Herstellung von synthetischem Flugbenzin auf Basis von Wasserstoff, den man mithilfe des Energieunternehmens eben auch mit Solarenergie herstellen möchte. 

Wenn man Wasserstoff ohne Ende hätte. Und dieser Wasserstoff? Das ist ganz wichtig. Ein grüner Wasserstoff ist.

Und wenn die Energie, die man verbraucht, wenn die jetzt auch auf Basis von elektrischem Strom, der mit erneuerbaren Energie gewonnen wird, basiert, dann kann man natürlich je nach Prozess aber doch fast die gesamten Emissionen abbauen. Das ist technisch möglich. Nur muss man eben an vielen Stellen ansetzen.

Und die Deutschen mischen da also durchaus erfolgreich mit?

Ich würde mal sagen, dass das Label Made in Germany und die Verbindung von Deutschland und deutschen Unternehmen mit guter und zuverlässiger Technologie, auch mit Umwelttechnologie auch Energieeinsparverfahren diese Verbindung ist noch da, aber die anderen Standorte, die Konkurrenten weltweit, die schlafen natürlich auch nicht. Die werden auch Technologien dafür anbieten. 

Weltweit ist das natürlich ein wachsender Markt und von daher zunehmender Wettbewerb.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, in dieser Ausgabe von Weltmarkt sprechen wir über den Klimaschutz in der Industrie und einer der Gäste ist Markus Knupp von Germany Trade & Invest, GTAI. Er hat an der Erstellung des Kilmaschutzatlas mitgewirkt. Der gibt deutschen Unternehmen einen Überblick über Chancen, die sich für sie weltweit in Sachen Klimaschutz ergeben. 

Herr Knupp, welche Fragen werden denn da unter anderem beantwortet?

Was ist denn eigentlich im Land XY, Was haben die denn für Gesetze? Ist das schon konkret oder ist das nur eine Absichtserklärung? Muss ich mich da jetzt dran halten? Muss ich bestimmte Grenzwerte einhalten? 

Es gibt eben in jedem Land solche Mechanismen, die unterschiedlich gestaltet sind, also gerade in in weiter entfernt liegenden Ländern. In der EU gibt es immerhin noch die EU, die eben ähnliche Standards setzt. 

Die Europäische Union fördert die Dekarbonisierung auch finanziell. Unternehmen können die Fördergelder  bis 2026 abrufen.  – Besonders aktiv scheinen da die Spanier zu sein, richtig? Sie haben sich das Land im Rahmen des Klimaschutzatlas ja genauer angeschaut. 

Spanien ist ein interessanter Fall in Europa, insofern, dass es einen klimatischen Vorteil hat. Denn Spanien verfügt über viel Sonne, wie die meisten Urlauber, die dorthin fahren wahrscheinlich gut wissen und damit gute Voraussetzungen zur Herstellung von grünem Wasserstoff auf Basis von Solarenergie. Da gibt es auch schon Unternehmen, die damit begonnen haben. Also ein erstes Beispiel wäre jetzt aus der Düngemittelherstellung. Ist auch ein Bereich, der sehr viel Energie braucht und der vor allem mit Vorprodukten arbeitet wie Ammoniak, die sich aus Wasserstoff mit Wasserstoff gewinnen lassen durch Hinzufügen von Stickstoff. Und da gibt es ein Unternehmen, Fertiberia. Das hat an einem Standort eine eigene Produktion von grünem Wasserstoff aufgebaut, um mit diesem Wasserstoff das Ammoniak zu fertigen, mit dem man dann eben CO2 neutrale Düngemittel produzieren kann. Stahlunternehmen wären auch zu nennen in Spanien ArcelorMittal, das an seinem Standort in Gijon. Das ist im Nordwesten Spaniens ebenfalls daran arbeitet, eine Direktreduktion in dem eben genannten Verfahren aufzubauen. Das sind schon Produktionsprojekte, die halt über eine kleine Pilotanlage hinausgehen, sondern wirklich die Produktion selbst umstellen.

Lieber Herr Knupp, vielen Dank für diesen Überblick. 

Gleich schauen wir also nach Spanien. Unser Gast ist dann der Vertriebsingenieur Thomas Stehr, der das Land als spannenden Markt einschätzt - aber deutsche Unternehmen auch warnt:

Davor aber ... 

…der Klimaschutzatlas, Fördergelder und weitere wichtige Informationen für deutsche Unternehmen

Für den Klimaschutzatlas haben Korrespondentinnen und Korrespondenten von  Germany Trade and Invest weltweite Klimaschutzziele- -programme und -gesetze sowie die wirtschaftliche  Relevanz in wichtigen Branchen wie Energie, Verkehr, Gebäude oder Landwirtschaft in 33 Ländern analysiert. Fokus der Neuauflage 2023 war die Dekarbonisierung der Industrie.  

Auf der GTAI-Sonderseite “Dekarbonisierung der Wirtschaft” finden sich - neben dem Klimaschutzatlas - auch Berichte zu den Plänen für die Wasserstoffwirtschaft in zahlreichen Ländern sowie Einschätzungen von Unternehmen und Experten in der Interviewreihe Klimaschutz im Dialog.

Eine übersichtliche Darstellung der Förderprogramme, die Industrieunternehmen in Deutschland nutzen können, bietet das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI). Hier finden sich auch Darstellungen bereits laufender Pilotprojekte. Nicht vergessen sollte man auch die GTAI-Sonderseite zu “Klimafinanzierung”. 

 Mit Blick auf Spanien ist vor allem der neue Strategieplan zu nennen, mit dem die Regierung die Dekarbonisierung der Industrie unterstützt. Dafür stehen 3,1 Milliarden Euro aus dem Aufbau- und Resilienzplan bereit. Die Regierung will so Investitionen von insgesamt 11,8 Milliarden Euro anregen. Der Plan läuft noch bis 2026, wobei genehmigte Vorhaben noch danach abgeschlossen werden dürfen. 

Den größten Posten bilden die Elektrifizierung industrieller Prozesse und der Einsatz von grünem Wasserstoff. Dafür stehen Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Euro und Subventionen von 800 Millionen Euro zur Verfügung.

 Die restlichen Gelder sind für Unternehmen bestimmt, die am europäischen Gemeinschaftsprojekt für Wasserstoff teilnehmen. Hinzu kommen Hilfen für Klimaschutzverträge sowie hocheffiziente nachhaltige Produktionseinrichtungen.

Der Strategieplan zielt auf energieintensive Zweige wie die Keramik-, Zement- und Glasherstellung ab. Namentlich genannt sind auch die chemische Industrie und Raffinerien. Hinzu kommen unter anderem die Metallindustrie und Hersteller von Papier und Zellstoff. 

 Für ihre Maßnahmen benötigen die Unternehmen innovative Technologie, die nicht immer im eigenen Land zur Verfügung steht. So entstehen aus der Sicht der AHK Spanien vielfältige Absatzchancen für deutsche Technologieanbieter, zum Beispiel bei hybriden Energieerzeugungsanlagen, sektorgekoppelten Energiespeicherlösungen, Kraft-Wärme-Kopplung mit erneuerbaren Gasen, digitalen Lösungen zur Effizienzsteigerung und Anlagen für die Erzeugung, Verteilung und Anwendung von grünem Wasserstoff.

Wie immer setzen wir Ihnen alle Links in die Shownotes.

Werfen wir nun also einen Blick nach Spanien. Dort sprechen wir mit dem Vertriebsingenieur Thomas Stehr.  Hallo Herr Stehr, was machen Sie genau? 

Ich bin selbstständig und arbeite in Spanien, auch in Portugal für zwei Unternehmen der Wasserstoffspeicher-Branche, die sich gegenseitig ergänzen. Es sind zum einen die Wystrach GmbH aus Weeze zugehörig zur Hexagon Gruppe, die fertigen Hochdruckspeicher Systeme von 200 bis 1000 bar und zum anderen Vako aus Kreuzthal, die fertigen Wasserstoffspeicher in KesselBauweise bis hin zu 330 bar.

Meine Rolle ist im Endeffekt Ich bin die das Bindeglied der deutschen Industrie zu den Herstellern.

Spanien gilt ja als Vorreiter im Bereich Wasserstoff. Seit wann haben die das Thema entdecken? 

Der große Schwung mit Wasserstoff, der fing eigentlich erst während der Pandemie an. 

Dann gab es im Mai 2020 den europäischen Rettungsfonds, um generell in Europa die Industrie wieder zu reanimieren und gleichzeitig auch Maßnahmen einzuführen, die im Bezug auf Klimaschutz ausgerichtet waren.

Und das war sozusagen der Katalysator für die große Wasserstoffbewegung, die wir jetzt hier spüren.

Warum gerade Spanien?

Spanien kennt man oft von über Mallorca, über das Mittelmeer, über die Strände. Aber man darf nicht vergessen was für eine sehr große Industrie haben. Und wir haben vor allen Dingen auch, ähm, äh, viel Windenergie. Wir sind der fünftgrößte weltweite fünftgrößte Hersteller von Windenergie. Wir haben 27 Gigawatt an Windkraft hier in Spanien und wir haben ungefähr zehn Gigawatt bereits an Solarkraft Solarerzeugung in Spanien. Äh, das aus dem ganz einfachen Grunde, weil wir mehr als 2500 Sonnenstunden im Jahr haben in Spanien im Vergleich. Deutschland hat 1600 Sonnenstunden.

Die Fördermittel, die wir jetzt Spanien zugesagt bekommen haben, waren ungefähr 66 Milliarden € für den Klimaschutz als als finanzielle Unterstützung plus weitere noch mal so 66 Milliarden als. Kredit als zusätzlichen Kredit und. Ja und durch diese Fördermaßnahmen, wenn erst mal die großen Unternehmen gefördert worden, um Projekte in Gang zu setzen, beispielsweise in Puertollano, das ist so zwei Stunden südlich von Madrid ein und ein ein Projekt, wo grüner Ammoniak hergestellt wird über grünen Wasserstoff von dem größten Stromerzeuger Spaniens über die Kohle. Gemeinsam mit dem Düngemittel Hersteller Fertiberia aus Spanien.

Und wo kommen da deutsche Anbieter ins Spiel?

 Iberdrola als Spaniens größter Energieproduzent, stellte damit sozusagen den ersten Meilenstein in der Wasserstoff in der grünen Wasserstoffherstellung Spaniens. Also die Vako konkret fertigte sechs Druckbehälter, vertikale Druckbehälter, um sich mal eine Idee zu machen, so Durchmesser 2,8 Meter und 20 Meter hoch. Und darin wird der, was wir haben, sehr groß und darin wird dann der Wasserstoff unter 65 bar gespeichert.

Das Projekt ist eines der ersten großen und wichtigen Prestigeobjekte für Spanien. Es zeigt nämlich auf, dass man tatsächlich grauen Wasserstoff durch grünen Wasserstoff ersetzen kann. Es wurde vor zwei Jahren eingeweiht und zur Einweihung kam auch der spanische König. 

Wow, nicht schlecht.  Kurz zur Erklärung: Grauer Wasserstoff wird nicht mit Hilfe grüner Energie hergestellt – anders als grüner Wasserstoff. Zum Einsatz in der Anlage kommen deutsche und spanische Wasserstoffkessel – und die deutschen haben die Nase vorn, da sie schlicht besser funktionieren. Woran, meinen Sie, liegt das? 

Wir sehen einen großen Unterschied zwischen Deutschland und Spanien. Deutschland hatte in den Jahren vorher bereits angefangen, allerdings mit kleinen Anlagen. Das war sehr klug, denn an kleinen Anlagen lernt man erst mal, wie die einzelnen Komponenten zusammenspielen. Und das auch noch zu minimierten Risiken. Nein, das und gleiches läuft auch hier erst mal ab. Wir müssen klein anfangen, Erfahrungen sammeln und können erst dann skalieren, größer werden.

Gibt es weitere Projekte in Spanien? 

Spanien möchte sich zu einem bedeutenden Wasserstoffproduzenten für Mitteleuropa verwandeln. Die ersten Projekte doch sind beispielsweise Green Silent auf Mallorca. Da gibt es Wasserstofferzeugung und Wasserstoff Busbetriebe, aber eben auch das angesprochene Iberia Projekt in Puertollano südlich von Madrid. Und jetzt gerade nahm Petronor eigentlich eine Ravani Raffinerie, auch deren erste Elektrolyse in Betrieb. Weiter gibt es das städtische Busunternehmen in Barcelona, das bereits Wasserstoffbusse betreibt und und einige weitere.

Nach dem ganz großen Durchbruch klingt das noch nicht. Vermutlich auch, weil grüner Wasserstoff noch sehr teuer ist. Richtig? 

Im Moment ist der graue Wasserstoff noch deutlich günstiger, ungefähr viermal günstiger als der grüne Wasserstoff. Ne viermal günstiger und das ist eine Sache, die schlecht an den Endverbraucher weiterzugeben ist. Genau da müssen wir, brauchen wir noch ein paar Fördermittel und auch eine einen erhöhten, eine erhöhte CO2 Steuer. 

Was sonst bremst den Ausbau?

Der Knackpunkt ist im Endeffekt die Situation Wer fängt zuerst an? Fängt der Energieerzeuger zuerst an, Installationen zu erstellen, um grünen Wasserstoff anzubieten? Oder aber fangen die Kunden wie zum Beispiel deutsche Industriebetriebe, die den Grünen Wasserstoff benötigen, fangen diese an, sich gegenüber den beispielsweise spanischen Energieerzeugern zu kompromittieren. Eine bestimmte Menge Wasserstoff zu einem bestimmten Preis abzunehmen ist dieses die im Endeffekt die Geschichte von dem Ei und dem Huhn. Was ist zuerst?

Wie steht es um die deutschen Unternehmen in diesem Bereich? Können sie punkten in Spanien? 

Also es ist ein Türöffner, Made in Germany anzubieten. Aber es ist noch kein Garant dafür, um auch wirklich hier platziert zu sich sich hier platzieren zu können. Weil wie gesagt neben der Expertise sehr, sehr stark auf den Kapics auf den Einkaufspreis geschaut wird und leider noch wenig auf den Obexer, auf die Wartungskosten, auf die auf die Langlebigkeit eines Produktes. 

Wasserstoff spielt in Spanien also eine große Rolle für die Klimaziele. Oder verfolgt Spanien noch andere Schwerpunkte? 

Der Energiewandel, der betrifft alle Sparten. Und da haben wir hier eine zweite Sparte, die jetzt sehr stark im Kommen ist. Der ist das Biogas. Biomethan ist eine Sparte, die bereits seit zwei, zwei oder drei Jahrzehnten hier schon existiert, aber jetzt erst mal so richtig aufkommt. Denn wir müssen ganz ehrlich sagen Wasserstoff hat viele Vorteile, viele Vorzüge. Aber es kommt auch immer auf den Anwendungsfall an, das heißt, es gibt in vielen Bereichen auch Lösungen, wo Biogas, Biomethan gleichermaßen gut angewandt werden kann. Selbst wenn es keinen absolut. Neutralen Fußabdruck CO2 Fußabdruck hat, ist es aber schon eine dem Ziel entgegenkommende Lösung. Wir haben in Spanien beispielsweise die zweitgrößte Schweineproduktion Europas nach Deutschland. Entsprechend wird Vieh gibt es viele Gülle für Gülle hier und es gibt da auch viele Anstrengungen, Anstrengungen bereits die Gülle in Biogas und daraus dann Biomethan umzuwandeln. So sämtliche sämtliche Spieler, deutsche Spieler in erneuerbarer Energie sind hier wirklich gut aufgehoben. Wegen deren Expertise. In. Mit Biogas. Ja, wir haben beispielsweise. Beispielsweise haben wir hier in Deutschland sehr gute Unternehmen für BHKW, BHKW, die mit Biogas arbeiten, Biogas verbrennen und damit Energie, also Wärmeenergie, Strom, Energie. Das sind Blockheizkraftwerke, Blockheizkraftwerke, Entschuldigung, Blockheizkraftwerke, die Strom herstellen auf Bedarf und gleichzeitig auch Wärme.

Wo sind da Anwendungsbereiche? 

Spanien ist ein großflächiges Land, hat ungefähr die Hälfte. Es ist anderthalbmal so groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte der Einwohner. Das heißt, wir haben hier viel Landfläche, wie Sie sagten es eben schon viel Schweinezucht. Und folglich, wenn man in der Schweinezucht, äh weit verteilte Schweine Farmen hat, um Schweinezucht betrieben. Hat, dann kann man dort ideal Biogas herstellen, um mit dem Biogas auch die Traktoren und andere Vehikel in den jeweiligen Dörfern zu betreiben. Dafür braucht man keinen Wasserstoff. Wasserstoff kann in diesem Fall da preislich nicht sinnvoll angewandt werden.Muss man ganz ehrlich sagen. 

Andererseits Wasserstoff wiederum bietet sich an. Um in großen Städten Transportsysteme wie Autobusse zu betreiben. Oder aber auch natürlich um Spanien als europäischen Lieferanten für die deutsche Industrie. Als Wasserstofflieferanten zu etablieren.

Wie steht es um die Pläne, Wasserstoff von Spanien nach Deutschland zu liefern?

Vor zwei Wochen und ist bereits ein Abkommen unterzeichnet worden, in dem Portugal, Spanien, Frankreich und Deutschland ein Memorandum of Understanding unterzeichnet haben, sodass gemeinsam. Der Angriff einer Pipeline durchs Mittelmeer bis von Barcelona nach Marseille hin geplant wird, um darin später einmal grün Wasserstoff zu liefern. Ja von Frankreich aus über bestehende Pipelines, die es dort bereits gibt.Und dann von Frankreich aus über Land weiter bis nach Deutschland. 

Wie funktioniert denn die deutsch-spanische Zusammenarbeit bei solchen Projekten?

Die Mentalitäten verstehen sich sehr gut miteinander. Auch industriell gesehen verstehen sich Deutsche und Spanier sehr gut miteinander und können sich sehr gut ergänzen. 

Ein sehr schönes Beispiel war die seinerzeit sehr gute Beziehung zwischen den damaligen Politiker Helmut Kohl CDU und dem seinerzeitigen spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez von der hiesigen SPD, die sich wirklich unabhängig von deren politischer Gesinnung sehr gut miteinander verstanden.

Und so muss man auch eigentlich generell die Situation zwischen Spanien und Deutschland sehen. 

Die Spanier verfügen über sehr gut ausgebildete Akademiker.

Die könnten die dann den deutschen Lieferanten mitunter mehr fragen, als der deutsche Lieferant zu wissen in der Lage zu beantworten in der Lage ist. 

Die technischen Fragen, die können schon sehr, sehr in die Tiefe gehen von den spanischen Kunden. Und ja, und da muss man als deutscher Lieferant auch in der Lage sein, sich wirklich dieser Herausforderung zu stellen. Aus ausgiebig und mit Ausdauer. 

Ein guter Rat in diesen stürmischen Zeiten – nicht nur in Spanien! 

Wir bedanken uns bei Herrn Knupp und Herrn Stehr für ihre Einblicke in den Klimaschutz – global und auf den Vorreiter Spanien bezogen. 

Hoffentlich haben Sie in dieser Ausgabe von Weltmarkt, dem Podcast der deutschen Außenwirtschaft - eine Anregung bekommen, was für Chancen in der Dekarbonisierung stecken. Ganz sicher lohnt ein Blick in den Klimaschutzatlas. Den Link dazu finden Sie wie immer in den Shownotes. 

Wir freuen uns über Ihr Feedback, Anregungen und Fragen. Wir sind gerne für Sie da – auch online unter www.gtai.de

In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit dem für deutsche Unternehmen immer wichtiger werdenden Thema Beschaffung. Dabei werfen wir einen besonderen Blick auf Beschaffungsmärkte vor unserer Haustür, nämlich auf dem Balkan. Die Region entwickelt sich in etlichen Bereichen zu einer interessanten Alternative zu China. Und ist im Vergleich nur einen Katzensprung entfernt. 

Wie immer gilt: Reinhören lohnt sich!

 

 

 

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