Wirtschaftsstruktur | Singapur
Mit modernen Dienstleistungen und Hightech an die Spitze
Singapurs Wirtschaft ist durch den Dienstleistungs- und den Industriesektor geprägt. Investitionen erhofft sich der Stadtstaat zunehmend bei Forschung und Entwicklung.
15.09.2022
Singapur hat sich in den letzten 25 Jahren zu einem modernen Dienstleistungsstandort entwickelt. Das verarbeitende Gewerbe ist zwar ebenfalls sehr gut aufgestellt, macht aber nur noch etwas mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Und der Strukturwandel ist noch nicht abgeschlossen.
Aufgrund seiner geografischen Begrenztheit – Singapurs Fläche entspricht in etwa der Hamburgs – verfügt der Staat kaum über eigene Rohstoffe. Selbst der Wasserbedarf wird zu rund 40 Prozent aus dem Nachbarland Malaysia gedeckt. Der Sand für Landgewinnungsprojekte kommt ebenfalls von den Nachbarn Indonesien und Malaysia. Somit verfügt Singapur weder über eine Rohstoffförderung noch über eine nennenswerte Landwirtschaft. Die Verarbeitung von Rohstoffen spielt auch keine große Rolle. Die Wirtschaftsleistung des Stadtstaates basiert daher heute vor allem auf Dienstleistungen.
Indikator | 2021 |
|---|---|
BIP (nominal, Mrd. US$) | 398,0 |
Bruttowertschöpfung (Mrd. US$) | 374,7 |
BIP pro Kopf (nominal, US$) | 68.349 |
Bevölkerung (Mio.) | 5,5 |
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Sektoren: Strukturwandel noch nicht abgeschlossen
In der relativ kurzen Zeit seit der Unabhängigkeit von Malaysia 1965 hat sich der Inselstaat von einem Entwicklungsland mit sehr niedrigem Pro-Kopf-Einkommen zu einem hochentwickelten Land mit einem BIP pro Kopf von über 68.000 US-Dollar (US$) gewandelt. Zum Vergleich: In Deutschland lag das BIP pro Kopf 2021 knapp über 50.000 US$.
Singapur gelang in den 1960er Jahren eine rasante Industrialisierung. Allerdings war die damalige Produktion noch vom Niedriglohnsektor dominiert. Internationale Konzerne ließen vor allem Textilien, Bekleidung und einfache Elektronikartikel herstellen.
Nur zehn Jahre später zählte das Land – neben Südkorea, Hongkong (SVR) und Taiwan – bereits zu den sogenannten Tigerstaaten. Schon in den 1990er-Jahren hatte sich die verarbeitende Industrie drastisch gewandelt: Statt lohnintensiver Fertigung setzt Singapur seitdem auf hochspezialisierte, stark automatisierte Produktion. Als regionale Drehscheibe für Handel und Finanzdienstleistungen steht in Singapur heute dennoch der Dienstleistungssektor im Vordergrund.
Sektoren | Anteil am BIP 2021 | Anteil an den Beschäftigten 2021 |
|---|---|---|
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei | - | - |
Bergbau (inklusive Öl- und Gasförderung) | - | - |
Verarbeitendes Gewerbe | 21,1 | 12,4 |
Energieversorgung (inklusive Wasserversorgung) | 1,1 | 0,7 |
Baugewerbe | 2,7 | 11,2 |
Dienstleistungen | 75,1 | 75,7 |
Dienstleistungen: Dominanz des Sektors nimmt weiter zu
Über 75 Prozent des singapurischen BIP werden im Dienstleistungssektor erwirtschaftet. Gleichzeitig beschäftigt der Wirtschaftszweig über drei Viertel aller Erwerbspersonen. Trotz des sehr effizienten industriellen Sektors dürfte die Dominanz des Dienstleistungsgewerbes künftig weiter zunehmen.
Wichtigste Bereiche sind Transport und Logistik, Tourismus, Groß- und Einzelhandel sowie Finanzdienstleistungen. Der Stadtstaat mit seinen fast 6 Millionen Einwohnern ist Sitz von über 200 Banken. Außerdem haben etliche internationale Finanzdienstleister ihr regionales Hauptquartier dort etabliert. Nicht umsonst nennt man Singapur auch "die Schweiz Asiens".
Daneben gilt Singapurs Hafen als einer der wichtigsten Warenumschlagsplätze der Welt, noch vor Hongkong oder Rotterdam. Was die reine Tonnage angeht, lag er 2020 nach Angaben der Lloyd's List One Hundred Ports 2021 mit 36,8 Millionen Twenty-foot Equivalent Units auf Platz zwei hinter Shanghai mit 43,5 Millionen Twenty-foot Equivalent Units.
Als Tourismusdestination zieht Singapur in Jahren ohne Pandemie rund 10 Millionen Besucher an. Der Fremdenverkehr wirkt sich unter anderem auf den Einzelhandelsumsatz aus. Zu den reinen Urlaubern gesellt sich auch eine stetig wachsende Zahl an Medizintouristen. Sie kommen wegen der gut ausgebildeten Ärzte und des sehr gut ausgestatteten medizinischen Sektors.
Verarbeitendes Gewerbe: Fokus auf hochwertiger und wissensbasierter Fertigung
Die vorhandene Industrie setzt auf technologisch fortgeschrittene Produkte wie (Hightech-) Elektronikerzeugnisse, IT-Technologie, Luft- und Raumfahrttechnik, Präzisions- und Medizintechnik sowie Pharma- und Biotechnologie. Es werden aber auch Ölplattformen und Schiffsbauprodukte gefertigt. Ein wichtiger Industriezweig ist zudem die chemische Industrie: Diese umfasst Basis- und Petrochemie, setzt zunehmend jedoch auf höherwertige Erzeugnisse und Spezialchemikalien. Auf Jurong Island befindet sich ein Chemiecluster auf Weltklasseniveau, das weiter ausgebaut wird. Auch der Biotechnologiesektor gewinnt - nicht zuletzt dank starker staatlicher Förderung - zunehmend an Bedeutung.
Trotz begrenzten Raums und teurer Arbeitskräfte will die Regierung das verarbeitende Gewerbe als relevanten Wirtschaftszweig beibehalten. Der Stadtstaat soll nicht zu einem reinen Dienstleistungszentrum werden.
Anders als in Hongkong können in Singapur die Fabriken nicht ins Umland abwandern, sondern müssen ins benachbarte Malaysia beziehungsweise Indonesien umsiedeln. Dies geschieht besonders im Falle von arbeits- und flächenintensiver Produktion. Der Verlagerungsprozess ins Ausland wird sich weiter fortsetzen, da er auch vom Staat steuerlich gefördert wird. Bedingung ist nur, dass die Firmen ihren Hauptsitz in Singapur belassen. Industriepolitisch willkommen sind im eigenen Land hingegen Fertigungen von hochwertigen und wissensbasierten Produkten.
Allerdings will die Regierung nicht nur Investitionen in Fertigungsstätten anlocken, sondern auch zunehmend Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Hierfür winkt sie mit attraktiven Anreizen - mit Erfolg. So meldet die Behörde für wirtschaftliche Entwicklung EDB (Economic Development Board) ein steigendes Engagement ausländischer Investoren bei angewandter Forschung und Entwicklung.