Interview | Slowenien | Verteidigungswirtschaft
"Wir müssen Entwicklung in die Produktion bringen"
Sloweniens Verteidigungsbranche verfügt über viel Know-how, aber nur begrenzte Kapazitäten. GOIS-Chef Boštjan Skalar über Wachstum, staatliche Förderung und Chancen für Investoren.
05.11.2026
Boštjan Skalar leitet seit 2024 den slowenischen Verteidigungscluster GOIS mit inzwischen 203 Mitgliedsunternehmen. Er vertritt Slowenien in der NATO Industrial Advisory Group und gehört dem strategischen Regierungsrat für Verteidigungsindustrie und Resilienz an. Vor der Leitmesse SIDEC spricht er mit GTAI über die aktuelle Lage und die Perspektiven der slowenischen Rüstungsindustrie.
Herr Skalar, slowenische Unternehmen treten zunehmend mit eigenen Produkten auf internationalen Märkten auf. Wie erklären Sie diese Entwicklung?
Slowenien verfügt über gut ausgebildete Ingenieure, einen modernen Maschinenpark und eine starke industrielle Basis. Zugleich suchen Unternehmen aus der Automobil-, Metall- und Elektronikindustrie neue Märkte. Viele prüfen, ob sich ihre Technologien auch für Dual-Use- und Verteidigungsanwendungen eignen.
Knüpft die Branche damit an die Rüstungstradition Ex-Jugoslawiens an?
Nur teilweise. Jugoslawien konnte komplette militärische Systeme herstellen, diese Fähigkeiten gingen später größtenteils verloren. Technologisch könnte Slowenien heute wieder komplexe Lösungen entwickeln. Entscheidend ist jedoch, ob wir sie wirtschaftlich und in ausreichend großen Stückzahlen produzieren können.
Welche Aufgabe übernimmt dabei GOIS?
Unser Branchencluster verbindet Unternehmen und hilft, Konsortien und internationale Partnerschaften aufzubauen. Außerdem organisieren wir Branchentreffen und unterstützen die Suche nach Partnern für europäische Projekte. Konkrete Geschäfte wickeln wir nicht ab. Unsere Aufgabe ist es, Kontakte herzustellen und Kooperationen anzustoßen.
Was bremst aktuell das weitere Wachstum?
Nicht in erster Linie die Finanzierung. Schwierig ist es, Unternehmen dauerhaft zusammenzubringen und neue Entwicklungen in die industrielle Produktion zu überführen. Oft geht es auch um geistiges Eigentum, Geschäftsgeheimnisse und die Verteilung von Aufgaben und Erlösen. Hinzu kommen nicht zuletzt begrenzte Produktionskapazitäten und lange Lieferzeiten.
Ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die Serienproduktion der entscheidende Engpass?
Ja. Forschungsprojekte führen häufig zu technisch überzeugenden Lösungen. Danach muss aber geklärt werden, wer das Produkt fertigt und ob auch größere Bestellungen bedient werden können. Bei komplexen Produkten wie unbemannten Bodenfahrzeugen oder ferngesteuerten Waffenstationen erfordert das enge industrielle Kooperationen.
Welche Unterstützung erwarten Sie dabei vom Staat?
Der Staat finanziert Forschung und Entwicklung und kann Unternehmen bei internationalen Projekten politisch flankieren. Das ist wichtig, weil der slowenische Markt allein viel zu klein ist. Unsere Unternehmen brauchen den europäischen Markt. Gerade im Verteidigungsgeschäft können zwischenstaatliche Kontakte den Marktzugang erleichtern.
Nach dem Aus für die staatliche Beteiligungsgesellschaft DOVOS fehlt jedoch ein wichtiges Instrument. Was kommt stattdessen?
Darüber beraten die beteiligten Ministerien. Eine konkrete Lösung gibt es bislang nicht. Ich erwarte, dass ein neues Modell eher auf Finanzierungsinstrumente setzt als auf staatliche Beteiligungen.
Wo sehen Sie das größte Potenzial für die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen?
Slowenische Unternehmen können spezialisierte Zulieferer, aber auch Entwicklungs- und Produktionspartner sein. Deutschland verfügt über große Systemhäuser und internationalen Marktzugang, Slowenien über technisches Wissen und moderne Fertigung. Chancen bestehen deshalb auch bei gemeinsamen Entwicklungen, Produktionsvorhaben und Joint Ventures.
Was ist slowenischen Unternehmen bei solchen Partnerschaften wichtig?
Internationale Kooperationen sollen den Marktzugang und die industrielle Skalierung erleichtern. Gleichzeitig sollten Produktion und Know-how möglichst in Slowenien bleiben. Es wäre nicht sinnvoll, mit öffentlichen Mitteln Technologien zu entwickeln und sie anschließend vollständig ins Ausland zu verlagern.
Worauf sollten deutsche Unternehmen bei der Suche nach slowenischen Partnern achten?
Sie sollten über das Partnerunternehmen hinaus auch die staatliche Ebene adressieren. Wichtig sind außerdem konkrete Angebote zur gemeinsamen Entwicklung und Produktion. Der Wettbewerb nimmt stetig zu, Anbieter aus anderen Ländern sind sehr aktiv. Neben der Technologie werden deshalb auch Lieferzeiten zu einem entscheidenden Faktor.