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Sloweniens Verteidigungsindustrie wächst und sucht Kooperationen

Die Branche entwickelt zunehmend eigene Produkte und integrierte Lösungen. Slowenische Spezialanbieter sind international bereits erfolgreich. 

Kirsten Grieß

Von Kirsten Grieß | Ljubljana

Sloweniens Sicherheits- und Verteidigungsindustrie entwickelt sich vom Komponentenlieferanten zum Anbieter eigener Produkte und integrierter Lösungen. Taktische Drohnen von C-Astral, ferngesteuerte Waffenstationen von Valhalla Turrets und militärische Simulatoren von Guardiaris machen die Hersteller international zunehmend sichtbar.

Die Unternehmen besetzen vor allem technologisch anspruchsvolle Nischen. Dazu zählen unbemannte Luft- und Bodenfahrzeuge, Simulation und Training, ferngesteuerte Waffenstationen, Sensorik sowie autonome Plattformen. Geschäftschancen für deutsche Unternehmen bieten vor allem Zulieferbeziehungen und Technologiekooperationen. Sloweniens Stärke liegt weniger in der Fertigung großer Waffensysteme als in der Entwicklung und Integration spezialisierter Technologien. 

Anbieter expandieren auf Auslandsmärkten

Der Hersteller Valhalla Turrets entwickelt ferngesteuerte Waffenstationen und Systeme zur Drohnenabwehr. Das 2016 gegründete Unternehmen verbindet als Systemintegrator Waffen, Sensorik und Feuerleittechnik mit bemannten und unbemannten Plattformen.

Simulation und Training sind ein weiteres Wachstumsfeld. Guardiaris stellt militärische Simulatoren und taktische Trainingssysteme her, die Hardware, Software und virtuelle Übungsumgebungen verbinden. Der Nettoumsatz des Unternehmens stieg 2025 um 74 Prozent auf 18,4 Millionen Euro. Knapp 60 Prozent davon entfielen auf Auslandsmärkte.

Auch moderne Ausrüstung ist ein international erfolgreiches Segment. UF Pro, eine Marke des Bekleidungsherstellers UNI&FORMA, beliefert militärische und polizeiliche Spezialeinheiten mit taktischer Einsatzbekleidung. Das Mutterunternehmen wurde 2026 als slowenischer "Exporter of the Year" ausgezeichnet. 

Branchenvertreter beobachten einen Trend vom Einzelprodukt zur integrierten Systemlösung. Dabei werden Plattformen zunehmend mit Sensorik, Software und ferngesteuerten Komponenten kombiniert. Großserien bleiben aber die Ausnahme. Die meisten Unternehmen fertigen spezialisierte Produkte in kleinen Stückzahlen und sind stark exportorientiert.

Industrielle Wurzeln prägen die Branche

Die neuen Systemhäuser bauen auf einer industriellen Tradition auf, die lange von Komponentenfertigung und spezialisierter Zulieferung geprägt war. Im ehemaligen Jugoslawien produzierten slowenische Betriebe etwa Spezialstähle, Fahrzeuge, Elektronik, Kommunikations- und Optiksysteme. Häufig lieferten sie Komponenten für größere Plattformen, die in anderen jugoslawischen Teilrepubliken montiert wurden. 

Ein wichtiger Vertreter des traditionellen Branchensegments ist Arex Defence. Das Unternehmen produziert Handfeuerwaffen, Munition, Bauteile und Maschinen für die Munitionsfertigung auch in größeren Stückzahlen. Das Unternehmen erhöhte 2025 seinen Umsatz nach eigenen Angaben um rund ein Fünftel auf 30,4 Millionen Euro. Seit 2017 gehört Arex zur tschechischen Investmentgruppe RSBC.

Industriecluster vernetzt die Branche

Zentrale Vernetzungsplattform ist der Slovenian Defence Industry Cluster GOIS. Anfang 2024 zählte der Verband knapp 60 Mitglieder. Inzwischen sind es rund 200, sagt Clusterdirektor Boštjan Skalar im Interview mit Germany Trade & Invest. Nur etwa 40 seien unmittelbar im Verteidigungsgeschäft aktiv. Die übrigen Unternehmen verfolgen einen Dual-Use-Ansatz oder bereiten ihren Markteintritt vor. 

Viele neue Marktteilnehmer kommen aus der Metallverarbeitung, der Elektronik, dem Maschinenbau oder der Automobilzulieferindustrie. Nach Einschätzung des Clusterchefs begünstigen die schwache Industriekonjunktur und die weltweit steigenden Verteidigungsausgaben den Einstieg in den Rüstungsmarkt. Beides erhöhe den Anreiz, das Geschäft zu diversifizieren. Die Unternehmen können dabei ihre Kompetenzen in Präzisionsfertigung, Software, Sensorik oder Materialtechnik nutzen.

Slowenien fördert Forschung und internationale Verteidigungskooperationen

Die slowenische Regierung unterstützt die Verteidigungsindustrie durch eigene Beschaffungen sowie die gezielte Förderung von Forschung und internationalen Kooperationen. Allein das Verteidigungsministerium stellt jährlich rund 23 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung bereit. Eine 2025 gegründete staatliche Beteiligungsgesellschaft für Rüstungsunternehmen löste die neue Regierung allerdings wieder auf. Über ein Nachfolgemodell wird derzeit diskutiert.

Slowenische Unternehmen nutzen europäische und transatlantische Programme intensiv. Sie beteiligen sich am Europäischen Verteidigungsfonds, an Projekten der EU-Verteidigungsinitiative PESCO und am NATO-Innovationsprogramm DIANA. Ein Beispiel ist Robotina: Im DIANA-Programm entwickelte das Unternehmen FORTICELL weiter, eine Lösung zur Überwachung von Notstrombatterien in kritischer Infrastruktur. Bei der Bewerbung unterstützt sie der Staat unter anderem mit Informationsveranstaltungen, Kofinanzierungen und Unterstützungsschreiben. Die SAFE-Kreditlinie will die Regierung nicht nutzen: Die SAFE-Kreditkonditionen würden die Verpflichtungen nicht rechtfertigen. 

Kooperationen bieten Chancen für deutsche Technologieanbieter

Ausländische Beteiligungen an slowenischen Rüstungsbetrieben sind bislang selten. Die kleinteilige Marktstruktur erschwert größere Investitionen. Die meisten Unternehmen haben weniger als 100 Beschäftigte. Auch die geringen Stückzahlen begrenzen den Ausbau der Produktion.

Für deutsche Unternehmen liegt das Potenzial daher weniger in der Übernahme großer Produktionskapazitäten als in Zulieferbeziehungen, gemeinsamen Entwicklungsprojekten und Technologiekooperationen. Slowenische Unternehmen können deutschen Systemanbietern als spezialisierte Entwicklungs- und Zulieferpartner dienen - auch bei europäischen und multinationalen Projekten.

Kontakte zu potenziellen Partnern bietet unter anderem die International Defence Exhibition and Conference SIDEC in Celje. Die Fachmesse fand erstmals im Oktober 2025 statt. Die Veranstalter zählten knapp 180 Aussteller und rund 10.000 Besucher. Ab 2026 soll die Messe alle zwei Jahre stattfinden.

Deutsche und slowenische Unternehmen ergänzen sich mit ihren technologischen und industriellen Kompetenzen. Unsere Aufgabe ist es, daraus konkrete Kontakte und langfristige Kooperationen zu entwickeln.

Susanne Kastner Verteidigungsexpertin der Deutsch-Slowenische Industrie- und Handelskammer (AHK Slowenien)

Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Eine wichtige Anlaufstelle für interessierte Unternehmen ist die AHK Slowenien. In der Defense and Security Working Group bringt die AHK deutsche und slowenische Unternehmen zusammen. Mit Fachveranstaltungen, Delegationsreisen, B2B-Matchmaking und Unternehmensbesuchen unterstützt sie die Geschäftsanbahnung und den Zugang zu neuen Partnern und Märkten.