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Markttrends
Der Markt für Medikamente in Spanien wächst kontinuierlich. Gestiegene Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem rufen aber auch Sparmaßnahmen hervor.
16.04.2026
Spanien ist innerhalb Europas der fünftgrößte Arzneimittelmarkt. Und die Nachfrageaussichten bleiben positiv. Wie in anderen Industrieländern nimmt die Gruppe der älteren Menschen zu. Die Lebenserwartung ist eine der höchsten weltweit. Dadurch steigt der Bedarf, eine größere Anzahl an chronischen Krankheiten behandeln zu müssen. Die spanische Zulassungsbehörde für Medizinprodukte AEMPS prognostiziert, dass Medikamente gegen Demenz, Parkinson und Osteoporose den stärksten Nachfrageanstieg in dieser Personengruppe erfahren werden.
Pharmaka gegen Diabetes bilden mit rund 2,5 Milliarden Euro weiterhin den größten Ausgabenposten im staatlichen Erstattungssystem. Im Regionalvergleich liegt Spanien bei der Verbreitung von Diabetes zudem oberhalb des europäischen Durchschnitts.
Ausgaben für Medikamente werden steigen
Das gestiegene Volumen des spanischen Arzneimittelmarktes in den letzten Jahren ist auch auf Zuwanderung, insbesondere aus Lateinamerika, zurückzuführen. Laut der nationalen Statistikbehörde INE nahm die Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb der letzten fünf Jahre um 2,2 Millionen zu und liegt Anfang 2026 bei nunmehr 49,6 Millionen. Als Absatzmarkt und Produktionsstandort für Medikamente gewinnt Spanien damit weiter an Bedeutung. Das Analyseunternehmen Fitch Solutions prognostiziert eine durchschnittliche Wachstumsrate des spanischen Pharmamarktes bis 2029 von jährlich 4 Prozent. Die Pro-Kopf-Ausgaben sollen bis dahin von 675 Euro im Jahr 2024 auf 827 Euro ansteigen.
In den kommenden Jahren soll der Anteil der Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten weiter steigen. Fitch Solutions prognostiziert einen Anteil von 28,4 Prozent im Jahr 2029, nach 23,4 Prozent im Jahr 2024. Der Wert der verschriebenen Arzneimittel machte 2024 insgesamt 24,9 Milliarden Euro aus. Patientinnen und Patienten gaben für rezeptfreie Medikamente (OTC; Over-the-Counter) zusätzliche 7,1 Milliarden Euro aus.
Maßnahmen zur Kostensenkung gehen weiter
Der Mehrbedarf an Medikamenten bringt jedoch auch politische Maßnahmen zur Kostendämpfung mit sich. Diese spiegeln sich zum Beispiel im Zulassungs- und Erstattungssystem wider. Die geplante Überarbeitung des Königlichen Gesetzesdekrets 1/2015 in Spanien, das die Preisgestaltung und Erstattung von Arzneimitteln und Medizinprodukten regelt, zielt darauf ab, das Gesundheitssystem zu modernisieren und zu verbessern. Der Vorschlag enthält unter anderem Maßnahmen, um die Marktattraktivität von Generika und Biosimilars zu verbessern, ihre Verwendung zu fördern und somit die Gesundheitskosten zu senken.
Daneben sind Reformen des Dekrets über die Health Technology Assessments (HTA) und des übergeordneten Medizingesetzes (Ley 29/2006 de garantías y uso racional de los medicamentos y productos sanitarios) in Planung. Für Pharmaunternehmen bedeuten die Gesetzesänderungen eine gewisse Unsicherheit, da im März 2026 noch keine Details über den Zeitpunkt der Gesetzeseinführungen und die genauen Inhalte verfügbar waren. Die Regierung stellte die Reformen im März 2025 vor; den Gesetzgebungsprozess haben sie bislang jedoch nicht durchlaufen.
der nationalen Pharmaproduktion geht in den Export.
Der spanische Pharmasektor ist international stark vernetzt
Exporten im Wert von knapp 16 Milliarden Euro standen im Jahr 2024 Importe in Höhe von 20 Milliarden Euro gegenüber. Lieferungen aus Deutschland machten in den letzten Jahren etwa 15 Prozent an den gesamten Medikamentenimporten aus. Nur Pharmaunternehmen aus den USA sind noch erfolgreicher in Spanien.
Arzneimittelhersteller produzieren seit Jahren in Spanien, darunter große ausländische Unternehmen. Die Unternehmen beliefern von dort aus weltweite Absatzmärkte. Im Jahr 2024 waren die fünf wichtigsten Exportdestinationen Deutschland, die Schweiz, Frankreich, die USA und Italien. Unsicherheit entsteht durch die sich ändernden Zölle der US-Administration auf europäische Produkte. 2024 machten Ausfuhren in die USA 6,2 Prozent aller spanischen Medikamentenexporte aus.
Strategie für den Pharmasektor veröffentlicht
Im Dezember 2024 beschloss der spanische Ministerrat zum ersten Mal eine Strategie für den Pharmasektor. Im Zeitraum bis zum Jahr 2029 will die Regierung die Branche durch Maßnahmen in drei Schlüsselaspekten stärken:
- Gerechter Zugang zu Arzneimitteln und Nachhaltigkeit des nationalen Gesundheitssystems
- Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Innovationen
- Wettbewerbsfähigkeit des Sektors durch starke und nachhaltige Lieferketten
Die Strategie ist Teil des spanischen Aufbau- und Resilienzplans, den die EU 2021 genehmigt hat und für dessen Umsetzung sie auch Finanzierung bereitstellt. Sie soll ihrerseits zum Erfolg der europäischen Strategie für die Arzneimittelindustrie beitragen.
Die Strategie umfasst die Wiederauflage des Förderprogramms PROFARMA (Fomento de la Competitividad en la Industria Farmacéutica). Das Programm soll die Wettbewerbsfähigkeit der pharmazeutischen Industrie in Spanien erhöhen, indem es die lokalen Leistungen von Unternehmen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion, Schaffung von Arbeitsplätzen bewertet und einstuft. Ein Ziel der Neuauflage ist es auch, die lokale Produktion von Medikamenten weiter zu stärken. Gut bewertete Unternehmen können ihre Beiträge für das nationale Gesundheitssystem reduzieren. Die letzte Einreichungsrunde endete im Oktober 2025. Im März 2026 waren noch keine Informationen über die ausgewählten Unternehmen sowie die nächste Einreichungsrunde verfügbar.
Unternehmen investieren in den Standort - vor allem in F&E
Laut spanischem Branchenverband Farmaindustria werden die Unternehmen des Sektors im Zeitraum 2023 bis 2025 insgesamt 9 Milliarden Euro am Standort investiert haben. Dies schließt Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) beziehungsweise klinische Studien mit ein. Im Produktionsbereich handelt es sich vor allem um die Erweiterung bestehender Werke.
| Akteur/ Projekt (Region) | Investitionssumme | Projektstand | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| AstraZeneca/ Global Hub in Barcelona (Katalonien) | 1.300 | Im Bau; Fertigstellung geplant: 2027 | Ausbau des "AstraZeneca Global Hub", ein internationales Zentrum für Innovation und klinische Forschung des Pharmakonzerns |
| Eli Lilly/ Werkserweiterungen in Alcobendas (Madrid) | 370 | Im Bau/ in Planung | Verschiedene Investitionen: 50 Mio. Euro für zwei zusätzliche Verpackungslinien bis Ende 2026 (im Bau); 167 Mio. Euro für F&E-Zentrum bis 2029 (im Bau); weitere Investition über 153 Mio. Euro im Februar 2026 angekündigt, um Produktionskapazität zu vervierfachen (in Planung; Fertigstellung geplant: 2030) |
| Normon/ Werkserweiterungen in Tres Cantos (Madrid) | 345 | In Planung; Fertigstellung geplant: 2030 | Werkserweiterung in verschiedenen Phasen, unter anderem um Medikamenten-Portfolio zu erweitern und neue Darreichungsformen produzieren zu können |
| Esteve/ Werkserweiterung in Girona (Katalonien) | 100 | Im Bau; Fertigstellung geplant: Ende 2026 | Werkserweiterung zur Erhöhung der Produktionskapazität um 45 Prozent |
| Laboratorios Farmacéuticos Rovi/ Werkserweiterung in San Sebastián de los Reyes (Madrid) | 63 | Im Bau; Fertigstellung geplant: 2027 | Werkserweiterung zur Erhöhung der Produktionskapazität für Fertigspritzen, neues Qualitätslabor, Nebengebäude |