Branche kompakt | Israel | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Branchenstruktur

Große Hersteller dominieren Israels Pharmabranche. Kleinere Produzenten dagegen kämpfen um ihre Wettbewerbsfähigkeit. 

Von Wladimir Struminski | Israel

Branche ist stark konzentriert

Die israelische Pharmaindustrie ist im Wesentlichen von Teva Pharmaceutical Industries und einer Vielzahl mittelgroßer Pharmaunternehmen geprägt. Dank des hohen technologischen Innovationsniveaus verfügt Israel außerdem über eine große Zahl kleiner Biotechnologieunternehmen. Multinationale Pharmakonzerne haben derzeit keine bedeutenden Produktionsstandorte im Land. 

Nach Angaben des israelischen Zentralamts für Statistik waren 2024 insgesamt 64 Arzneimittelhersteller tätig. Die Datenbank von Start-Up Nation Central (SNC) listete im August 2026 insgesamt 244 Unternehmen der Pharmaindustrie. Dazu zählen neben Arzneimittelherstellern auch Unternehmen der Wirkstoffentwicklung sowie Anbieter von Technologien und Plattformen für die Arzneimittelforschung. Von diesen 244 Unternehmen boten 122 nach Angaben von SNC bereits marktfähige Produkte an. 

Israel investiert gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr in Forschung und Entwicklung als jedes andere Land. Nach BMI Fitch Solutions sind mehr als 5.000 Hightech-Unternehmen und Start-ups in Israel tätig.

Produktion und Exporte rückläufig

Der Umsatz der Pharmabranche ist seit Mitte der 2010er Jahre deutlich zurückgegangen. Hauptursache war der schrittweise Produktionsabbau von Teva Pharmaceutical Industries in Israel. Seit 2023 steigt der Branchenumsatz wieder leicht; im Jahr 2025 betrug er 3,2 Milliarden US$. 

Die heimische Produktion konzentriert sich weiterhin auf Generika. Mit einem Umsatz von 17,4 Milliarden US$ im Jahr 2025 war Teva mit Abstand der wichtigste Hersteller und fast 50-mal so groß wie der zweitgrößte. Nach Angaben des Unternehmens entfielen 2023 lediglich 8 Prozent des weltweiten Produktionswertes auf die Herstellung in Israel. Die lokalen Kapazitäten sinken weiter. Teva betreibt jedoch einen großen Teil seiner Forschung und Entwicklung weiterhin in Israel.

Weitere bedeutende Generikahersteller sind Dexcel Pharma,Taro Pharmaceutical Industries, Padagis und Rekah Pharmaceutical Industries. Gleichzeitig entwickelt die Branche die Generikaproduktion technologisch weiter. Dazu gehören Präparate mit verzögerter oder gezielter Wirkstofffreisetzung, magensaftresistente und schnell lösliche Tabletten sowie komplexere Darreichungsformen, etwa Nasensprays, sterile Augenpräparate, Cremes, Gele und Schäume.

Die Herstellung von Originalpräparaten bleibt auf kleinere Nischen beschränkt. Viele Unternehmen arbeiten dabei mit ausländischen Partnern zusammen. Kamada Pharmaceuticals produziert plasmabasierte Proteinpräparate auf Basis einer eigenen Technologie zur Extraktion und Reinigung von Proteinen und Immunglobulinen aus menschlichem Plasma. Protalix BioTherapeutics stellt Originalpräparate zur Behandlung seltener genetisch bedingter Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Gaucher und Morbus Fabry her.

Auch die israelischen Pharmaexporte sind in den vergangenen Jahren erheblich zurückgegangen. Ausschlaggebend waren auch hier Produktionskürzungen und Werksschließungen von Teva. Im Jahr 2025 betrug die Ausfuhr pharmazeutischer Erzeugnisse (HS 30) rund 1,75 Milliarden US$; im Jahr 2015 waren es noch 6,5 Milliarden US$. Zuletzt hat sich der Rückgang allerdings deutlich abgeschwächt.

Kleine Hersteller geraten unter Druck

Kleineren Herstellern drohen Betriebsschließungen. Laut einer Analyse der Wirtschaftszeitung The Marker vom August 2026 kämpfen viele Betriebe mit mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Der Gazakrieg hat die Lage zusätzlich verschärft, vor allem weil die Logistikkosten gestiegen sind und viele Arbeitskräfte zum Reservedienst einberufen wurden. Im Juli 2026 gab der Generikahersteller Trima Pharmaceutical Products bekannt, die Produktion einzustellen und zu reinem Importgeschäft überzugehen.

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