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Branche kompakt | Israel | Pharmaindustrie, Biotechnologie

Markttrends

Der Bedarf an pharmazeutischen Produkten soll, aufgrund der demografischen Entwicklung, auch künftig steigen. Zum größten Teil wird die Nachfrage über Importe gedeckt. 

Von Wladimir Struminski | Israel

Eine wachsende und zugleich rasch alternde Bevölkerung lässt den Bedarf an Arzneimitteln schnell steigen. Diese demografische Entwicklung wird sich laut Prognosen des israelischen Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) fortsetzen.  

Um eine medizinische Unterversorgung von Millionen von Menschen zu vermeiden, wird die Regierung ihre Ausgaben für den Gesundheitssektor mit dem tatsächlichen Bedarf erhöhen müssen. Auch Privathaushalte räumen der Gesundheitsversorgung hohe Priorität ein. Diese Faktoren deuten auf eine Zunahme der Ausgaben für Pharmaprodukte in den kommenden Jahren und Jahrzehnten hin.  

Der langfristige Markttrend ist positiv. Daran ändert auch der 2023 verzeichnete Rückgang des Erwerbs von Pharmaprodukten gegenüber 2021 und 2022 nichts. Diese beiden Jahre waren nämlich wegen der Coronapandemie durch hohe Sonderausgaben für die Gesundheitsversorgung geprägt. Diese Ausgaben klangen anschließend ab. 

2 %

jährliches Bevölkerungswachstum treiben den Arzneimittelbedarf nach oben.

Bevölkerungswachstum und Altersstruktur treiben Bedarf nach oben

Allerdings wird vor allem die Bevölkerungsentwicklung mittel- und langfristig den Medikamentenbedarf nach oben treiben. Zum einen nimmt die Landesbevölkerung mit rund 2 Prozent pro Jahr schnell zu. Laut demografischen Prognosen bleibt es auf absehbare Zeit bei hohen Wachstumsraten.

Auch der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung wächst rapide. Nach einer Prognose des israelischen Zentralamts für Statistik (Central Bureau of Statistics) wird die Zahl der über 64-Jährigen von rund 1,2 Millionen im Jahr 2022 um 40,4 Prozent auf knapp 1,7 Millionen im Jahr 2035 ansteigen, während die Gesamtbevölkerung in diesem Zeitraum um 25,8 Prozent wachsen wird.

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Die Zahl der hochbetagten Senioren wächst besonders schnell. 2035 werden in Israel 860.000 Menschen leben, die 75 Jahre und älter sind. Gegenüber 2022 entspräche das einem Wachstum um 73,7 Prozent. Diese Alterskohorte ist in besonders hohem Maß auf Medikamente angewiesen. Der dadurch bedingte Bedarf nach Pharmaerzeugnissen wird auch die Einfuhr ankurbeln, zumal die einheimische Industrie ihre Absatzchancen vor allem im Ausland sucht.

Deutschland ist wichtiger Lieferant

Der israelische Pharmamarkt versorgt sich vor allem über die Einfuhr. Im Jahr 2023 lag die Importquote bei 75 Prozent. Somit kann die zu erwartende Nachfrageexpansion ausländischen, darunter auch deutschen Pharmaherstellern, mehr Lieferchancen bieten.

Insgesamt gehört Deutschland zu den wichtigsten Lieferländern Israels im Pharmabereich. Die Importe von Pharmaprodukten (SITC 54) aus der Bundesrepublik schwanken aber zum Teil stark. In den Jahren 2019 bis 2023 lagen die Jahreswerte zwischen 284,5 Millionen US-Dollar (US$) und 605,2 Millionen US$.

Im Jahr 2023 belief sich die Einfuhr aus der Bundesrepublik auf 506,2 Millionen US$. Damit erreichte Deutschland einen Importmarktanteil von 15 Prozent und belegte Rang 2 der Lieferantenliste. Den 1. Platz errangen die USA mit 672,1 Millionen US$ und einem Marktanteil von 19,9 Prozent. Auf Rang drei bis fünf folgten die Schweiz, Irland und Italien.

Der wichtigste Importposten war 2023 die SITC-Position 542.9 (anderweitig nicht genannte Arzneien). Sie machen 45,1 Prozent aller Einfuhren von Pharmaprodukten aus. Mehr als die Hälfte, 54,3 Prozent, lieferten deutsche Unternehmen. Auf Rang zwei lagen mit 38,9 Prozent Glykoside, Drüsen und andere Organe und deren Auszüge, Antisera, Vaccine und ähnliche Erzeugnisse (SITC 541.6). Aus Deutschland kamen 34,2 Prozent.

Importe pharmazeutischer Produkte nach Israel und Anteil aus Deutschland in Milliarden US-Dollar, Anteil in Prozent
 

2020

2021

2022

2023

Gesamtimporte

3,4

3,7

3,7

3,4

aus Deutschland

8,7

7,6

7,7

15

Quelle: UN Comtrade Database

Biotechbranche entwickelt neue Ideen

Die medizinische Biotechnologie spielt eine wichtige Rolle im israelischen Pharmasektor. Im März 2024 waren in Israel 387 Biotech-Unternehmen für die Kundengruppe "Gesundheitswesen und Biowissenschaften" tätig. Das geht aus der Datenbank der gemeinnützigen israelischen Hightech-Organisation Start-up Nation Central (SNC) hervor. Bei der Mehrheit der Biotechnologie-Firmen handelt es sich um Kleinstunternehmen: 59 Prozent beschäftigten nur bis zu 10 Mitarbeiter. Etwa 39 Prozent haben zwischen 10 und 200 Beschäftigte und nur acht von ihnen - 2 Prozent der Gesamtzahl - eine Belegschaft von mehr als 200 Mitarbeitern. Etwa ein Drittel der Firmen verfügte über marktgängige Produkte.

Diese Branchenstruktur bedeutet, dass eine große Zahl israelischer Biotech-Firmen zwar Erfolg versprechende Ideen entwickelt, aber noch hohe Kapitalbeträge aufbringen muss, um ihre Produkte zur Marktreife zu bringen. Das kann interessante Investitionsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen schaffen.

Israels Regierung misst der Biotechnologie große Bedeutung zu. Eine besondere Rolle hat die Biokonvergenz, bei der Biologie mit Technologien wie Elektronik, künstliche Intelligenz, Computerwissenschaften, Materialwissenschaften, Nanotechnologie sowie Maschinen- und Gerätebau zusammenwirkt. Seit 2020 führt Israel ein nationales Programm zur Förderung von Biokonvergenz-Technologien durch.

Ein weiteres Gebiet, das für ausländische Partner von Interesse sein kann, ist die Zusammenarbeit mit israelischen Hochschulen oder forschenden Krankenhäusern. Auch der Erwerb von Technologien, die an Hochschulen entwickelt wurden, kann von Interesse sein, der mithilfe der hochschuleigenen Technologietransfergesellschaften abgewickelt wird. 

Umsatz wird zu 55 Prozent mit patentgeschützten Mitteln erzielt

Laut einer Schätzung der Wirtschaftsforschungsfirma BMI – Fitch Solutions entfielen 83 Prozent des auf dem israelischen Markt mit Arzneimitteln erzielten Umsatzes auf verschreibungspflichtige und 17 Prozent auf verschreibungsfreie Erzeugnisse. 

Nach derselben Schätzung stellten patentgeschützte Medikamente 55,3 Prozent und Generika 27,7 Prozent des Arzneimittelumsatzes.

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