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Moderne Agrartechnik liegt in Thailand im Trend

Thailands Landwirtschaft transformiert sich. Kleinbetriebe werden etwas größer. Deutsche Landtechnik ist vertreten, aber chinesische Anbieter bauen ihre Position aus.

Von Frank Malerius | Bangkok

Die Landwirtschaft ist in Thailand von immenser Bedeutung. Der Sektor beschäftigt rund 30 Prozent aller Arbeitskräfte und erzielt circa 9 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im Vergleich zu anderen ASEAN-Ländern ist Thailands Landwirtschaft nicht nur bedeutend, sondern auch relativ gut entwickelt. 

Der Agrarhandel setzt landwirtschaftliche Erzeugnisse im asiatischen Raum erfolgreich ab. Im Jahr 2025 betrugen die Exporterlöse mehr als 40 Milliarden US-Dollar (US$). Thailand liefert große Mengen an Reis nach Indonesien, Malaysia, in die Philippinen, nach China und Japan. Auch bei den Ausfuhren von Zucker, Kautschuk, Durian, Cassava- oder Kokosprodukten zählt Thailand zu den größten internationalen Anbietern. 

 

Trotz dieser starken Rolle hat der Agrarsektor noch nicht das technische Niveau entwickelter Agrarindustrieländer erreicht. Vor allem der Einsatz von großen, teuren Landmaschinen ist gering. Denn jenseits von großen Zuckerrohr- oder Maisplantagen prägen sehr kleine bäuerliche Betriebe die Agrarbranche.

Nachfrage nach Agrartechnik legt zu

In der Landwirtschaft sind die Kleinbauern häufig in Kooperativen organisiert und haben so als Gemeinschaft oder über Lohnunternehmen Zugriff auf Landmaschinen. Die wichtigsten sind Traktoren, gefolgt von Mähdreschern. Unabhängige Bauern kaufen eher kleinere Geräte wie Sprüher, Jätmaschinen, Motorhacken oder Pumpen.

Die Marktforschungsfirma Ken Research schätzt den Markt für Landmaschinen 2025 auf knapp 2 Milliarden US$ und prognostiziert bis 2032 einen Zuwachs auf 2,8 Milliarden US$. Die Nachfrage treibt der Wechsel von einfacher Mechanisierung zu Maschinen mit höherer Ausstattung und höherem Serviceanteil an. Die Fachleute erwarten, dass Lohnunternehmern stärker ausgelastet sein werden und neue Maschinen mit Navigationstechnik, Telematik, Sensoren, Präzisionssprühtechnik und Automatisierung anschaffen werden.

Laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2023 nutzten nur rund drei Viertel der Betriebe Landmaschinen. Ein Grund für einen stärkeren Einsatz von Maschinen ist die Ausweitung der Anbauflächen der wichtigen Massenprodukte Reis, Cassava, Kautschuk und Palmöl. 

In den letzten 30 Jahren hatte kaum eine Konsolidierung zu größeren Betrieben und Flächen stattgefunden. Beobachter berichten von einer sichtbaren Zusammenlegung zu umfangreicheren Ernteeinheiten. Vor allem die Demografie treibt den Wandel an. Der Landwirt in Thailand ist gemäß verschiedener Statistiken im Schnitt über 60 Jahre alt und gibt im Ruhestand den Bauernhof an größere Betriebe.

Höhere Qualitätsansprüche der Kunden erfordern auch einen stärkeren Einsatz von Präzisionsmaschinen, denn die Absatzländer im Ausland regulieren und standardisieren zunehmend Agrarrohstoffe und Nahrungsmittel.  Auch das Smart Farming liegt im Trend, was den Einsatz von Sensoren, von satellitengestützten Messtechniken oder künstlicher Intelligenz erfordert. 

Wettbewerb wird intensiver

Viele internationale Anbieter von Agrartechnik sind in Thailand vertreten, vielfach mit eigener Produktion. Branchenkennern zufolge drängt China mit großer Macht in den Markt, vor allem bei Traktoren sowie kleineren Acker- und Erntegeräten. Chinesische Anbieter sind mittlerweile die mit Abstand wichtigsten Lieferanten und haben vor allem die japanische Konkurrenz verdrängt. 

Bei der im Mai 2026 veranstalteten Fachmesse Agritechnica Asia in Bangkok waren chinesische Aussteller mit einem Anteil von 30 Prozent die mit Abstand größte Gruppe. Die Messe, die das Bangkoker Büro der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ausrichtet, findet im Wechsel in Bangkok und Ho-Chi-Minh-Stadt statt.

Sensoren, Analysegeräte und Drohnen aus Deutschland

Katharina Staske, DLG-Vertreterin in Bangkok, berichtet, dass deutsche Anbieter vor allem anspruchsvolle Agrartechnologie nach Thailand liefern, wie Bodenanalysegeräte, Sensoren oder Drohnen. In der Sparte der einfachen Kleingeräte sind deutsche Anbieter hingegen preislich kaum konkurrenzfähig. 

Die Smart-Technologien sind ein wachsendes Segment und die Anschaffungen von kleinen flexiblen Geräten sind überschaubarere Investments. So seien Drohnen in der thailändischen Landwirtschaft stärker im Einsatz als in der deutschen. Denn sie sind beim Einsatz auf kleinen Flächen effizienter und übernehmen dabei Aufgaben, die in der industriellen Landwirtschaft große Gerätschaften erledigen.

Bei den beliebten Kompakttraktoren dominiert Kubota aus Japan den Markt. Weitere Anbieter sind Ford, Yanmar, Caterpillar oder Komatsu. Einziger großer deutscher Anbieter von Landmaschinen mit eigener Repräsentanz ist Claas. Im Königreich sollen bis zu 1.000 Ballenpressen von Claas im Einsatz sein, vor allem bei der Zuckerrohr- und Maisernte. Allerdings nur als Gebrauchtgeräte. Neu sind sie für den Markt noch zu teuer. Andere deutsche Anbieter lassen sich über Importeure im Markt vertreten.

Es liegen unterschiedliche Statistiken für den Außenhandel mit Agrartechnik vor. Nach Angaben des Iron and Steel Institute of Thailand kamen 2025 aus Deutschland immerhin 6,4 Prozent der gesamten Importe an Agrartechnik. Das entsprach einem Wert von circa 80 Millionen US$. Deutsche Lieferanten liegen mit weitem Abstand hinter China und Japan. 

 

In Thailand gibt es etwa 5.000 Produzenten und Großhändler von Agrartechnik. Jenseits des von Großunternehmen geprägten Traktorenmarktes sind fast die Hälfte der Anbieter mittlere und kleinere Firmen. Ihr Geschäftsfeld sind einfache Kleingeräte. Dabei handelt es sich häufig um Unternehmen, die sich aus Reparaturbetrieben heraus zu Herstellern entwickelt haben. Außerdem passen sie Importprodukte an lokale Gegebenheiten an. 

Thailand ist inzwischen auch Exporteur von Agrartechnik, die Ausfuhren gehen vor allem in die ASEAN-Region. Ihr Exportvolumen beträgt laut Statistik des Maschinenbauverbandes ungefähr 1,2 Milliarden US$.

Kontaktadressen
BezeichnungAnmerkungen
Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Asia-PacificVertretung in Bangkok leistet Wissenstransfer und organisiert Messen
German-Thai Agricultural Cooperation Project (GETHAC)Netzwerk deutscher und thailändischer Branchenvertreter für eine nachhaltige Landwirtschaft
Agritechnica AsiaFührende Messe für Pflanzenbau und Smart Farming in Asien organisiert von DLG Asia-Pacific, nächste Termine 17. bis 19.3..2027 in Ho-Chi-Minh-Stadt, 17. bis 19.5.2028 in Bangkok