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Inflation, Zölle und Migrationspolitik belasten US-Bauern
Produktion, Konsum und Export von Agrargütern steigen langfristig. Doch 2026 befindet sich die Laune der Farmer auf einem Tiefpunkt. Rasche Besserung ist nicht in Aussicht.
13.04.2026
Von Roland Rohde | Washington, D.C.
- Landwirtschaft beschäftigt viele Migranten – oft ohne Arbeitserlaubnis
- Steigende Zinsen, sinkende Ausgaben in den Maschinenpark
- Großbetriebe dominieren den Markt
- Pro-Kopf-Konsum von Geflügel steigt bis 2035 spürbar
- USA haben bei Nahrungsmitteln insgesamt ein Handelsdefizit
- Lebensmittel sind in den USA sehr teuer
Der amerikanische Landwirtschafts- und Ernährungssektor leidet unter sinkenden Einkommen und zugleich steigenden Kosten. Die Ursachen liegen vor allem in der US-Handelspolitik. Viele Bauern blieben 2025 auf ihrer Sojaernte sitzen, weil China als Hauptabnehmer wegfiel. Die Zölle führten zudem zu höheren Einkaufspreisen, etwa bei Düngemitteln sowie Maschinen und Anlagen. Die USA sind hier auf Importe angewiesen und die ausländischen Lieferanten wälzen einen großen Teil der zusätzlichen Zollkosten auf ihre Kunden ab.
Landwirtschaft beschäftigt viele Migranten – oft ohne Arbeitserlaubnis
Die striktere Immigrationspolitik der Trump-Administration wirkte sich ebenfalls negativ aus. Laut einer Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums sind gut 40 Prozent aller Beschäftigten im Agrarsektor Migranten ohne Papiere. Im Lauf des Jahres 2025 kam es vermehrt zu Razzien und Ausweisungen. Erstmals seit Jahrzehnten fiel die Nettozuwanderung negativ aus.
Der Irankrieg trieb darüber hinaus die Kosten für Betriebsmittel in die Höhe. So stiegen im Frühjahr 2026 die Treibstoff- und Düngemittelpreise sprunghaft an. Bei Diesel war Anfang April 2026 im Vergleich zum Jahresbeginn ein Plus von über 50 Prozent zu verzeichnen. Die US-Inflation soll im Jahresdurchschnitt auf gut 4 Prozent zulegen, prognostizierte im März 2026 die OECD.
Steigende Zinsen, sinkende Ausgaben in den Maschinenpark
Auch Kredite sind bereits wenige Wochen nach Beginn des Irankriegs teurer geworden. Die US-Notenbank Fed dürfte sich – anders als vor dem Konflikt erwartet – mit Zinssenkungen zurückhalten beziehungsweise könnte die Leitzinsen vorübergehend sogar heraufsetzen. Die ohnehin schwache Investitionslaune dürfte weiter in den Keller rauschen.
| Anzahl Betriebe (in Mio.), davon | 1,9 |
| Nebenerwerb und klein (in %) 1) | 81,5 |
| groß und sehr groß (in %) 2) | 4,6 |
| Beschäftigte (2025, in Mio.) | 2,2 |
| landwirtschaftlicher Output (in Mrd. US$) | 500,9 |
| bearbeitete Fläche (in Mio. Hektar) 3) | 356,6 |
| durchschnittliche Farmgröße (in Hektar) 3) | 190,4 |
| durchschnittlicher Bruttoumsatz pro Betrieb (in 1.000 US$) | 305,6 |
| durchschnittliches Nettoeinkommen pro Betrieb (in 1.000 US$) | 68,1 |
Bereits jetzt sparen die Farmbetriebe, wo sie können. Defekte Maschinen werden selbst dann repariert, wenn es ökonomisch eigentlich keinen Sinn macht. Die US-Hersteller von Traktoren und Landmaschinen berichteten bereits 2025 von einem rückläufigen Umsatz und haben wenig Hoffnung auf rasche Besserung. John Deere etwa erwartet, dass 2026 sein US-Geschäft mit großen Landmaschinen und Fahrzeugen zwischen 15 und 20 Prozent schrumpft.
Großbetriebe dominieren den Markt
Großbetriebe prägen die Landwirtschaft. 2024 waren knapp 5 Prozent der Farmen groß oder sehr groß, erzeugten jedoch die Hälfte der landwirtschaftlichen Produktion. Bei Milchprodukten lag die Quote sogar bei drei Vierteln. Das US-Landwirtschaftsministerium geht bis 2035 von einem stetigen Größenwachstum aus. Mit zunehmender Größe steigt die Effizienz der Höfe. Dadurch nimmt die Produktion von Agrargütern trotz stabiler Anbaufläche weiter zu.
Zwischen den einzelnen Sparten kann es aber teils deutliche Unterschiede geben. So soll die Sojaernte überdurchschnittlich stark zulegen. Hauptabnehmer ist die weiter expandierende Fleischindustrie. Im Gegensatz zu vielen anderen entwickelten Ländern, die einen sinkenden Fleischverbrauch verzeichnen, soll dieser in den USA langfristig weiter steigen. Der Pro-Kopf-Konsum fiel 2025 mit knapp 103 Kilogramm etwa doppelt so hoch wie in Deutschland aus. Bis 2035 soll er auf 109 Kilo zulegen.
2025 | 2030 | 2035 | 2035/25 Veränderung | |
|---|---|---|---|---|
| Mais (in Mio. Scheffel) | 16.752 | 16.225 | 16.580 | -1,0 |
| Soja (in Mio. Scheffel) | 4.253 | 4.550 | 4.725 | 11,1 |
| Weizen (in Mio. Scheffel) | 1.985 | 1.876 | 1.948 | -1,9 |
| Baumwolle (in 1.000 Ballen) | 13.735 | 14.700 | 15.300 | 11,4 |
| Zucker (in 1.000 amerik. Tonnen) | 9.319 | 9.375 | 9.463 | 1,5 |
| Gemüse, Nüsse, Früchte (in Mrd. Pfund) | 172,1 | 170,8 | 174,7 | 1,5 |
| Fleisch (in Mrd. Pfund) | 105,6 | 112,3 | 119,1 | 12,8 |
| Milch (in Mrd. Pfund) | 231,4 | 243,7 | 259,2 | 12,0 |
| Eier (in Mrd. Stück) | 104,0 | 115,5 | 121,4 | 16,7 |
Pro-Kopf-Konsum von Geflügel steigt bis 2035 spürbar
Rückenwind bekommt die Industrie vom US-Gesundheitsministerium, das 2026 die sogenannte Nahrungspyramide – eine einfache bildhafte Ernährungsempfehlung – überarbeitete. Nunmehr liegen selbst rotes Fleisch und Rindertalg auf der obersten Stufe und gelten damit offiziell als gesund. Das scheinen aber nicht alle Verbraucher zu glauben. Daher erwartet das Landwirtschaftsministerium bis 2025 nur bei Geflügel einen starken Zuwachs des Pro-Kopf-Verbrauchs.
USA haben bei Nahrungsmitteln insgesamt ein Handelsdefizit
Die USA sind ein wichtiger Exporteur von Futtermitteln, Fleisch, Fetten und Ölsamen. Die Importe bestehen in erster Linie aus Früchten und Gemüse, Getränken, Fisch sowie Blumen. Laut dem Landwirtschaftsministerium fuhr das Land bei Agrargütern ein hohes Handelsbilanzdefizit ein. Es soll sich im Zuge der von der Trump-Administration erhobenen Zölle zwar vorübergehend leicht verringern. Danach soll sich die Schere aber wieder öffnen.
Lebensmittel sind in den USA sehr teuer
Größte Lieferländer von Nahrungsmitteln, Getränken und Agrargütern seien traditionell Kanada und Mexiko, berichtet die International Trade Commission. Die Einfuhren "made in Germany" summierten sich 2025 auf vergleichsweise geringe 2 Milliarden US$. Lebensmittel sind in den USA deutlich teurer als in Europa. Das gilt insbesondere für Gemüse und Obst, alle verarbeiteten Lebensmittel und Importwaren. Snacks, zuckerhaltige Getränke, Fertiggerichte und Tiefkühlkost dominieren das Angebot von Supermärkten. Es werden mehr Lebensmittel in Imbissen und in Restaurants als in den eigenen vier Wänden verzehrt.